Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Teufelszeug elektronische
Bildbearbeitung

Dieser kurze Artikel richtet sich an Einsteiger in die digitale Fotografie. 

 

fälschlich oft auch EBV (Elektronische Bildverarbeitung) genannt, ist für viele Amateure das entbehrlichste Gebiet der Fotografie.


Das es sich aber sehr wohl lohnt einen genaueren Blick auf Photoshop & Co. zu werfen, möchte ich in diesem Beitrag zeigen.

Früher, als noch analog fotografiert wurde, stellte sich diese Frage nicht, denn ein einmal aufgenommenes Foto war was es war, ein 24x36mm Negativ oder Positiv. Da konnte man vielleicht in der Dunkelkammer ein wenig abwedeln oder nachbelichten, aber das wars dann auch schon und selbst diese Möglichkeiten boten sich den wenigsten Menschen, denn wer hatte schon Platz genug und die Muße sich eine eigene Dunkelkammer einzurichten?

Heute im Jahr 2010 aber gibt es die Möglichkeit seine Daten in einem halbwegs unbearbeitetem Format (RAW) aufzuzeichnen und später zu bearbeiten. Das dies zeitaufwändig ist möchte ich hier gar nicht abstreiten, es kann aber, etwas Kreativität und den Willen sich in so manch neue Software einzuarbeiten vorausgesetzt, aus so manchem Bild wahrlich Unglaubliches heraus geholt werden.

In den letzten Jahren hat sich viel getan in diesem Bereich und heute kann jeder der auch nur ein wenig Interesse zeigt, mittels Photoshop Kunstwerke aus so manchem „verhunzten“ Bild hervor zaubern. Bevor ich mein Beispielbild poste möchte ich euch dazu eine kurze Geschichte aus meinem letzten Urlaub in die USA erzählen.

Wie jeder Fotograf weiß, entsteht ein gutes Bild zuerst im Kopf und muss dann eigentlich nur mehr handwerklich, also mit der Kamera und dem Stativ, umgesetzt werden. Wissen wir schon, wird so manch einer nun einwenden Ich erwähne es trotzdem, denn oft ist es nicht ausreichend eine Idee zu haben, sondern man muss auch noch hartnäckig sein. In der Praxis zeigt sich dann nämlich des öfteren, dass man die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat.

Hartnäckig sein ist hier gleichzusetzen mit EBB (Elektronische Bildbearbeitung)

So auch an jenem 4. Juli des Jahres 2009. Ich war mit meiner Familie von Wien über London nach Denver, Colorado geflogen, und erst gegen 21:00 Uhr in underem Hotel angekommen. Nach einer kurzen unruhigen Nacht in unserem Hotel in Manitou Springs wollte ich mich von meinem Handy aufwecken lassen und noch vor Sonnenaufgang den Garden of the Gods, welcher sich direkt vor der Haustüre unseres Best Western Hotels befand, erkunden.

Geplant war, dort max. zwei Stunden zu verbringen und nach schönen Motiven Ausschau zu halten und zum Frühstück wieder zurück bei meinen Liebsten zu sein.

Doch wie so oft im Leben hielt sich niemand an meinen gut gemeinten Minutiös durchdachten Plan. Meine Tochter war genau wie meine Frau bereits um 4:00 Uhr früh wach und so beschlossen wir gemeinsam in den Park zu fahren um dort den Sonnenaufgang zu erleben.

Völlig übernachtig gingen wir in der Dunkelheit der Nacht zu unserem SUV verstauten Wasserflaschen, die Kamera und das Stativ im Fahrzeug und fuhren die 2 km zum Park, welcher durchgehend geöffnet ist.

Dort angekommen war es aber immer noch Stock-finster denn es war erst 4:45 Uhr und die Sonne sollte laut TimeandDate.com um 5:40 Uhr aufgehen. Wir waren damit praktisch eine Stunde zu früh. Grundsätzlich gut möchte man sich und seine Ausrüstung vorbereiten, blöd nur wenn man nicht genau weiß wo die Sonne aufgehen wird und wo die interessanten Motive sein werden.

Diese Tatsache und die Größe des Parks führten dazu, dass ich mir nach 25min sinnlosen herum fahrens eine Felsnadel aussuchte, meine SUV mitten auf der Straße abstellte und mein Stativ hinter dem Fahrzeug auf der Fahrbahn aufstellte. Für die Fotografie im Antelope Canyon hatte ich mir ja etwas ganz besonderes gekauft und für diesen Morgen schien mir „The Torch“ , als stärkste Taschenlampe der Welt (4100 Lumen) mehr als geeignet.

Ich entschied mich für das PC-E 24mm, drehte die Kamera ins Hochformat, shiftete maximal nach oben, richtete sie dann mittels Hama Wasserwaage aus und versuchte die Felsnadel möglichst gekonnt in Szene zu setzen. Der erste Versuch diente nur zur Bestimmung der Belichtung, da der interne Belichtungsmesser nichts anzeigte.

 

 

 

Die Vignettierung Aufgrund des shiftens fiel mir gar nicht auf so hatten sich meine Brillen im Morgendunst beschlagen. Es war Sommer und die Erwärmung durch die langsam aufgehende Sonne führte dazu, dass Nebelschwaden emporstiegen und wir in einer richtigen Dunstglocke standen.

Nachdem der Test-shot mit ISO 1600, Blende f/8.0 und 30 Sekunden Belichtungszeit ganz ordentlich in die Hose ging, meine Taschenlampe aber maximal Strom für weitere 3 Bilder hatte, musste ich schnell interpolieren welche ISO Zahl möglich schien, denn ich brauchte die 30 Sekunden um die Felsnadel mit meiner Taschenlampe auszuleuchten. Zu dieser Zeit war der Himmel noch sehr dunkel und man konnte kaum die Hand vor Augen sehen.

So wagte ich einen neuen Versuch mit ISO 200. Alles andere ließ ich gleich.

 

 

 

Die sehr kalte Farbwiedergabe (ich hatte den Weißabgleich bewusst auf 3000 Kelvin eingestellt wegen der Taschenlampe) gefiel mir nicht und die Felsnadel war fast nicht belichtet im Vergleich zu den Büschen im Vordergrund. Also änderte ich den Weißabgleich.

 

Neuer Versuch...

 

 

 

 

Als ich das erneut leicht unterbelichtete Ergebnis am Monitor meine D3 betrachtete wurde mir klar, was ich falsch gemacht hatte.

 

  1. Ich durfte den Felsen nicht von vor den Büschen beleuchten, da ich so immer unschön bestrahlte Büsche haben würde.

  2. Ich durfte nicht so extrem shiften, wollte ich die Vignettierung wegbekommen.

  3. Wollte ich noch eine Aufnahme bei Dunkelheit schaffen, musste ich mich beeilen, denn es wurde bereits ziemlich hell.


Der vierte und letzte Versuch und damit die Ausgangsbasis für das fertig bearbeitete Bild weiter unten.

 

 

 

Der vierte und zugleich auch letzte Versuch zeigte mir dann, dass all meine Mühe vergebens war, so dachte ich zumindest damals am 5.Juli 2009 vor Ort, denn das Ergebnis war ernüchternd.

Ein blasses farbloses Etwas, dass nicht meinen Ansprüchen genügte. Trotzdem hatte ich die Taschenlampe tiefentladen und zum glühen gebracht. Zudem wertvolle Zeit verloren, denn einen Platz für den Sonnenaufgang hatten wir auch noch nicht gefunden.


Heute aber, fast 1 Jahr nach dem Urlaub, fand ich endlich die Zeit mich in Ruhe den missglückten Bildern widmen zu können. Alle besonders gut gelungenen hüpfen sowieso schnell heraus und man muss nicht viel Zeit investieren um sie fürs Web aufzubereiten. Solche augenscheinlich missratenen Bilder aber erfordern Ruhe, viel Gefühl und Einfühlsamkeit. Ganz behutsam muss man sich dem RAW-File nähern und sich überlegen was damals das Ziel war und wie man mittels gezielter EBB vielleicht doch noch etwas aus dem File heraus holen könnte.

In diesem Fall genügte es schon, das eine Bild als RAW-File in Capture NX2 zu öffnen und alle Parameter auf Neutral zu setzen. Dadurch wird jedes File um eine ½ Blendenstufe heller, was oft genau das Bisschen zwischen gut und falsch belichtet ausmacht. Dann speicherte ich ein normal belichtetes, ein um eine Blende unter und noch um eine Blende überbelichtetes File als 16 Bit TIFF-File ab.

Mit diesen drei Aufnahmen, welche ich virtuell geschaffen hatte erstellte ich nun mittels Photomatix Pro 3.0 ein HDR, wendete das Tonemapping gezielt an und erhielt bereits ein recht ansehnliches Ergebnis, welches meinen Vorstellungen schon recht nahe kam.

Dann stellte ich den Himmel mittels Zauberstab frei, was blitzschnell geht und dunkelte die neu erstellte Ebene etwas ab um den Felsen zum glühen zu bringen. Am Ende musste man nur noch das entstandene Bildrauschen im Himmel mittels „Rauschen reduzieren“ in CS5 entfernen und die „Dynamik“ des Bildes etwas erhöhen. Ein wenig unten beschneiden, „Unscharf maskieren“ im LAB-Modus und fertig ist das hier gezeigte Ergebnis.

 

 

 Wie man hier sehen kann, kommt das Ergebnis in den USA sehr gut an.

 

Man sieht anhand dieses Beispiels wie mit relativ geringem Aufwand, das Ergebnis welches man ursprünglich im Sinn hatte, mittels ein wenig EBB machbar ist. Meiner Meinung nach ist die Fotografie draußen halt erst die halbe Miete, denn gut 50% macht man heute nach dem Fotografieren mittels der Bildbearbeitung auf dem Mac oder PC.


Insofern ist jeder ambitionierte Fotograf gut beraten wenn er sich die Zeit nimmt und sich sorgfältig mit Photoshop und Capture NX sowie Programmen wie Neat Image und Photomatix vertraut macht, denn ohne diese Helferlein würde kein einziges Bild so aussehen wie sie es auf meiner Homepage sehen.


Liebe Grüße

Euer

Wolfgang

 

 



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