Nikon Coolpix P100 vs. Fuji Finepix HS10
Bevor ich mit dem eigentlichen Testbericht beginne, möchte ich ein paar einleitende Worte darüber schreiben wie und wieso ich teste.
Des Weiteren teste ich nicht des Testen Willens, sondern weil ich seit Jahren eine Zweitkamera suche, eine digitale immer-dabei-Kamera sozusagen. Auch bin ich nicht mit Nikon oder Fuji verheiratet, hatte ich in der Vergangenheit DSLRs von Canon, Fuji und Nikon gleichermaßen im Einsatz. Meine Tests sind unabhängig und wertlose Parameter wie das Handling einer Kamera, ihr Batterieverbrauch, eine Einschalt- oder Auslösezeit, oder gar der Schicki-Micki-Faktor (Farbliche Abstimmung auf die so begehrten Louis Vuitton Handtaschen) bleiben außen vor.
Was bei mir zählt ist einzig die erzielbare Qualität ohne wenn und aber.
Leider erfüllt keine von mir bisher getestete Kompakt Digi-Cam meine -wahrscheinlich sehr hohen - Qualitätsansprüche (Verkauf der Bilder an Stock-Agenturen) und ich war gezwungen immer meinen schweren DSLR Body mit zu schleppen, was ärgerlich ist, denn oft genug hat mit ihn dann einfach nicht dabei.
Diesem Umstand Rechnung tragend, suche ich unter den Neuheiten immer wieder Kameras mit „großen“ Sensoren (1/1,7“), einem interessanten Brennweiten Bereich, guten Optiken, oder sonstigen Neuerungen welche es für mich rechtfertigen näher unter die Lupe genommen zu werden.
Müßig zu erwähnen, dass sich viele der vermeintlich hochtechnologisch angehauchten Neuzugänge z.B. wegen ihres inakzeptablen Bildrauschens sogleich wieder als Rohrkrepierer erweisen.
Ein Segment das ich mir hierbei bis lang überhaupt nicht angesehen hatte ist die Nische der sogenannten Bridge-Kameras. Diese recht eigenwillige All-in-One Kombination gilt unter Fotografen als absolutes No-Go und wird maximal milde belächelt. Kein ernsthaft arbeitender Fotograf, ja nicht einmal ein guter Amateur würde so eine Bridge-Kamera auch nur näher ins Visier nehmen wenn es um den Kauf einer Kamera geht.
Wieso ich hier wieder einmal anderer Meinung bin möchte ich euch gerne erläutern.
Schon beim auspacken wurde mir klar, dass trotz identer Größe der Kartons beider Kameras, der Inhalt nicht vergleichbar ist. Die Nikon Coolpix P100 sieht vom Design her sehr eckig aus und erinnert mich an die allerersten Kompaktkameras aus den späten 1990er Jahren. Auch ist das Oberflächenfinish, welches zum Teil in Klavierlack gehalten ist recht unpraktisch, weil leicht verschmutzend. Auch ist im Umfang der Kamera zwar ein Lithium-Ionen Akku enthalten, das passende Ladegerät Nikon MH-61 (Ladenpreis ca. 30,00 Euro) fehlt aber und kann optional zugekauft werden.
Der Akku muss also umständlich über ein recht billig anmutendes USB-Kabel samt einem Universalstecker direkt an die Steckdose angeschlossen werden. Problematisch wird dies wenn man zwei oder mehr Akkus hat und weiterfotografieren möchte. Man kann den ersten leeren Akku dann nämlich nicht aufladen während man weiter fotografiert!
Im Gegensatz dazu verwendet Fuji bei seiner Finepix HS10 vier Stück handelsübliche Batterien des Typs AA, welche man nicht nur überall erhält, nein, ein Ladegerät ist auch wesentlich günstiger erhältlich (falls nicht sowieso in jedem Fotografenhaushalt vorhanden).
Beim Einstellen des Datums und der restlichen Grundfunktionen überzeugt ebenfalls die Fuji mit einer intuitiven Menüführung, während die Nikon recht unübersichtlich strukturiert ist und ohne nähere Betrachtung der Bedienungsanleitung, welche nur mehr als .PDF Dokument auf der beliegenden DVD vorliegt, ersichtlich ist. Umständlich und nicht gerade benutzerfreundlich bei einer Kamera um 350,00 Euro.
Im Handling hat die Fuji mit ihrem größeren Body für große Männerhände ebenfalls Vorteile, denn der Coolpix Body ist so klein, dass man gar nicht weiß, wie man ihn richtig halten soll. Dies wird noch deutlicher wenn man dann das Zoom erstmals betätigt. Bei der Finepix HS100 passiert dies manuell mit der linken Hand (manuelles Drehzoom), während der Coolpix P 100 User mit dem rechten Zeigefinger mittels einer Wippe am Auslöseknopf vorsichtig zoomt (motorbetriebenes Schiebezoom).
Dass hiermit der zu erwartende Stromverbrauch der Nikon höher anzusetzen ist, muss nicht extra erwähnt werden und kommt noch erschwerend zu dem Umstand des fehlenden Ladegerätes hinzu.
Wichtig für die Beurteilung der Qualität einer digitalen Kompakt – und/oder Bridge-Kamera sind meines Erachtens nur folgende Punkte (Gewichtung ebenfalls in dieser Reihenfolge):
Bildrauschen (das Farb- ebenso wie das Helligkeits-Rauschen)
Bildschärfe
Chromatische Aberration (weil teilweise auch nachträglich nicht entfernbar)
High-Iso Verwendbarkeit (alles über der Nennempfindlichkeit der Kamera)
Mögliche max. Auslösungen pro Akku (bzw. der 4 Stk. AA Batterien)
Freihandtauglichkeit bei langen Brennweiten
Weniger kritisch hingegen beurteile ich hingegen folgende Punkte:
Verzeichnung (kann relativ simpel in Photoshop entfernt werden)
Ergonomie und Bedienung der Kamera
Preis/Leistungsverhältnis
Megapixel (völlig unerheblich – 10 MP sind auch für den Verkauf ausreichend)
Die technischen Daten zähle ich bewusst nicht auf, da sie in der Praxis kaum Relevanz haben. Alles was draußen wirklich wichtig ist und zählt erwähne ich sowieso im Text.

Nikon Coolpix P 100:
Fuji Finepix HS 10:

Hier nun ein paar Testbilder beider Kameras, denn Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte über die Qualität einer Kamera aus.
Coolpix
26mm, ISO 160, 1/2000 sec, f/3,2, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix
24 mm, ISO 100, 1/1500 sec, f/4,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Coolpix
26mm, ISO 160, 1/1200 sec, f/5,6, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix
24mm, ISO 100, 1/1500 sec, f/4,0, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Coolpix
26mm, ISO 160, 1/1600 sec, f/4,0, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix
24mm, ISO 100, 1/2000 sec, f/2,8, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Coolpix

26mm, ISO 160, 1/1000 sec, f/2,8, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Coolpix bei 105 mm
105 mm, ISO 160, 1/2000 sec, f/4,0, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Coolpix 678 mm
678 mm, ISO 160, 1/2000 sec, f/5,0, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix 24 mm

Nach dieser ersten Serie lässt sich bereits folgendes sagen:
Beide Kameras haben durch den kleinen Sensor 1/2.3") mehr oder weniger große Probleme völlig rauscharme Bilder wiedergeben zu können. Da die förderliche Blende unter der Offenblende (f/2.8) liegt, ist es nicht verwunderlich das entweder gar nicht oder höchstens eine Stufe abgeblendet werden muss, will man beste Qualität (Schärfe) erzielen.
Die Coolpix tendiert leider zur Überbelichtung (+0,7 EV) und hat einen Farbstich in Richtung Magenta, was sehr ärgerlich ist. Allerdings löst sie etwas feiner auf als die Fuji. Beim Texturverlust liefern sich beide ein recht ausgeglichenes Match und je nach Motiv und Aufnahmeparametern ist einmal die Fuji und dann wieder die Nikon vorne. Dafür weisen die Bilder der Coolpix faktisch in jeder Aufnahme und zwar sowohl im Weitwinkel als auch im Telebereich deutlich sichtbare chromatische Aberration auf und zeigen links oben und unten auch eine sichtbare Vignettierung.
Während die Nikon eine sichtbare tonnenförmige Verzeichnung bei ihrer kürzesten Brennweite hat, zeigt die Fuji eine tadellose Korrektur und bleibt auch bei 24mm absolut Verzeichnungsfrei. Das beide Kameras so weit irgend möglich auf einer neutralen Einstellung betrieben wurden versteht sich von selbst und muss nicht extra erwähnt werden (Schärfe aus, Farben neutral, Kontrast normal, usw.)
Nachdem wir nun die beiden Kameras bei ihrer kürzesten Brennweite getestet haben möchte ich nun mit einer mittleren Brennweite, bezogen auf diese Art der Bridge-Kameras fortfahren.
Coolpix bei 150 mm
180 mm, ISO 160, 1/200 sec, f/5,6, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix bei 150 mm
150 mm, ISO 100, 1/250 sec, f/4,5, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Bis jetzt eigentlich nichts verblüffendes könnte man meinen, richtig? Na dann wartet mal ab was jetzt kommt.
Monster-Tele
Coolpix bei 678 mm
Finepix bei 720 mm
Zu welch absolut unglaublichen Ergebnissen man bei 720mm kommt zeigen die nachstehend angeführten Bilder eindrucksvoll. Ich möchte an dieser Stelle nochmals daran erinnern, dass die Schärfe auf AUS gestellt war, was anhand der EXIFs der Originaldateien leicht nachzuprüfen ist. Alle hier geziegten Bilder sind absolut unbearbeitet, also weder nach dem verkleinern auf 1280 Pixel nachgeschärft oder in sonst irgendeiner Art bearbeitet!
Finepix 720mm freihand
720 mm, ISO 100, 1/640 sec, f/5,6, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Coolpix 678 mm freihand
Finepix bei 720mm freihand !
720 mm, ISO 400, 1/160 sec, f/5,6, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Coolpix bei 678mm freihand !
678 mm, ISO 400, 1/1200 sec, f/5,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Bei diesem Beispiel zeigt sich sehr gut wo die Stärken der Fuji Finepix HS 10 liegen. Während die Nikon Coolpix P 100 bei 1/120 sec kein gestochen scharfes Bild zustande bringt, funktioniert der VR bei der Fuji bei 1/160 sec perfekt. Der Texturverlust ist bei der Fuji bei ISO 400 zwar eine Nuance größer, dafür weisen die Bilder der Nikon aber inakzeptable CAs auf welche auch nachträglich nicht 100% korrigiert werden können. Ein absolutes KO Kriterium wenn ihr mich fragt.
Finepix bei 720mm
720 mm, ISO 100, 1/200 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix bei 720mm
720 mm, ISO 100, 1/500 sec, f/5,6, verkleinert auf 1280 Pixel, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix bei 720mm freihand
720 mm, ISO 100, 1/250 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720mm freihand
720 mm, ISO 100, 1/160 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
100% Crop
Coolpix 678mm freihand
678 mm, ISO 100, 1/150 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet.
chromatische Aberration soweit das Auge reicht!
Finepix bei 678 mm freihand mit 1/80 sec!
ca. 678 mm, ISO 100, 1/80 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet (bis auf das Nummernschild).
100% Crop
Coolpix 678 mm freihand
678 mm, ISO 160, 1/100 sec, f/8,0, verkleinert auf 1280 Pixel, freihand, VR ein, unbearbeitet (bis auf das Nummernschild).
100% Crop
Für sehr viele stellt sich natürlich die Frage, wie sich die Fuji bei höheren Empfindlichkeiten verhält, deshalb hier ein kurzer
High - Iso Test
Finepix 720mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/320 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/800 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/320 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/320 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/320 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/250 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand ISO 800
720 mm, ISO 800, 1/400 sec, f/5.6, freihand, VR ein, unbearbeitet.
Fazit:
Die Fuji Finepix HS 10 kann insbesondere im extremen Telebereich große Vorteile im Bereich der Stabilisierung für sich verbuchen. Die sehr gut korrigierten CAs, perfekte Schärfe, weitesgehend neutrale Farbwiedergabe, treffgenaue Belichtung sowie das gerade noch akzeptable Rauschverhalten bei der Nominalempfindlichkeit (ISO 100) sichern der Fuji Finepix HS 10 den 1. Platz vor der Nikon Coolpix P100 und machen sie zu einem wirklich brauchbaren Teleersatz zusätzlich zur vorhandenen DSLR.
In diesem Zusammenhang erscheint mir besonders erwähnenswert, dass die freihand Grenze bei der gerade noch scharfe Aufnahmen möglich sind zwischen 1/60 sec und 1/80 sec liegen dürfte (bei 720 mm Brennweite!). Dies ist äußerst bemerkenswert.
Mit praxistauglichen 720 mm Brennweite hat man auch im Zoo alles bei der Hand was für gelungene Schnappschusse erforderlich ist. Und zusätzlich spart man, dank der hervorragenden Stabilisierung auch noch das schwere Stativ welches es für ein KB Tele dieser Kategorie immer mit zu schleppen gilt!
Kein von mir getestetes Sigma Zoom in der 500mm Klasse erreichte auch nur annähernd gleichwertige Ergebnisse an meiner Nikon D3 und dies soll wahrlich etwas heißen. Um im Bereich von 700 mm etwas besseres zu bekommen muss man schon sehr tief in die Tasche greifen
Entscheidend für mich war schlußendlich, dass die chromatische Aberration bei praktisch allen Coolpix P100 Fotos im Telebereich vorhanden war und auch in CS4 nicht vollständig korrigierbar ist. Auch störte mich die Fehlbelichtung trotz Matrixmessung (hauptsächlich im WW-Bereich) in Verbindung mit dem offenbar fast immer vorhandenen Farbstich.
Falls es jemanden interessiert:
Das auch bei ISO 100 vorhandene Helligkeitsrauschen der Fuji Finepix HS 10 lässt sich perfekt mit Neat Image korrigieren. Die so korrigierten und entrauschten Bilder können es bezüglich des Texturverlustes teils nicht nur mit denen der Coolpix aufnehmen, nein, bei manchen Aufnahmen sind sie sogar besser!
Hier ein Beispiel:
100% Finepix Crop
100% Coolpix Crop
Finepix crop mit Neat Image entrauscht, sonst aber unbearbeitet.
In den Dachschindeln ist die Textur des entrauschten Finepixfotos sogar besser, als das Original der Nikon.
Und zu guter Letzt noch zwei Nachtaufnahmen:
Finepix 32 mm
32 mm, ISO 100, 3 sec, f/4.0, Stativ, Selbstauslöser, unbearbeitet.
Finepix 720 mm freihand !!!
720 mm, ISO 400, 1/10 sec sec, f/5.6, freihand, unbearbeitet
Alle relevanten Fotos können bei Rapidshare als Originalfiles runtergeladen werden (Achtung 110 MB!). Hier gibts die restlichen Fotos zum download, plus der High-Iso Bilder.
Und sollte jemand an meiner Ehrlichkeit zweifeln....
Meine Nikon Coolpix P 100 ist bereits verkauft!



































