Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
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Vom Zwang zu dokumentieren

Es liegt in ihrem Wesen begründet: Die Fotografie dokumentiert das Leben in seiner Vielfalt, sie zeigt also auch Schattenseiten, Unrecht und Elend

Vulkanausbruch, Kolumbien 1985: Die kleine Omayra stirbt nach tagelangen erfolglosen Rettungsversuchen. Fotograf Fournier bleibt einzig die Dokumentation - es folgen quälende Zweifel.

Es liegt in ihrem Wesen begründet: Die Fotografie dokumentiert das Leben in seiner Vielfalt, sie zeigt also auch Schattenseiten, Unrecht und ElendDas Kunsthaus widmet sich den Momenten, wo Fotos Grenzen überschreiten.

Wer kennt es nicht, das Foto des Guerrillero Heroico, das milliardenfach reproduzierte Porträt des kubanischen Helden Ernesto Che Guevara? Und auch die Tatsache, dass Alberto Korda jahrzehntelang um seine Rechte am Bild betrogen wurde, ist relativ bekannt. Ähnlich unverfroren, allerdings weniger bekannt, ist eine Urheberrechtsverletzung aus der Zeit des Prager Frühlings.

Ende August 1968 rollen die sowjetischen Panzer auch durch Bratislava: Ein dramatisches Zeitdokument zeigt den Slowaken Emil Gallo, sich einem Panzer entgegenstellend. Hinter dem Eisernen Vorhang wird das Foto zensuriert; es gelangt jedoch in den Westen, wo es unter falschem Namen publiziert und zum Inbegriff des Widerstands wird. Obendrein erhält es zahlreiche internationalen Preise.

Der wahre Fotograf Ladislav Bielek wird nie davon erfahren. Absichtlich anonym bleibt ein junger Fotograf 1979 im Iran: Jahangir Razmis Foto dokumentierte die Hinrichtung kurdischer Rebellen; er musste nach der Veröffentlichung Repressalien, sogar seine Erschießung, fürchten. So beanspruchten schließlich andere Fotografen die Urheberschaft an der 1980 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Aufnahme für sich.

Erst 27 Jahre danach gibt Razmi seine Identität preis.Rund 100 Fotografien aus 166 Jahren zeigt das Kunsthaus Wien in der Ausstellung Kontroversen, die das Élysée-Museum Lausanne 2008 organisiert hat. Hinter jeder Aufnahme stecken spannende Geschichten wie diese, aber auch heftige Schicksale; es sind diese Hintergründe, die der unprätentiös gestalteten Ausstellung inhaltliche Dichte und Tiefe verleihen.

Thematisch geht es nicht nur um Urheberrechte, sondern auch um Original und Fälschung, um Retusche und Inszenierung, aber überwiegend um Fragen journalistischer und künstlerischer Ethik. Oder um Fragen des "guten Geschmacks": Eines der Beispiele ist Oliviero Toscanis Foto einer Nonne, die einen Priester küsst. Toscani 2007 im Standard-Interview: "Kunst hat nichts mit Geschmack zu tun."

Vielfach haben Fotografien gesellschaftliche Debatten zu Unrecht und Moral erst angefacht: etwa Lewis Hines sozialdokumentarische Fotos, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Elend der Kinderarbeit dokumentierten, oder die Fotos von Auschwitz-Birkenau, die 1944 einem Häftling gelangen und u. a. brennende Leichname zeigen.

Bei einer Ausstellung 2001 lösten sie heftige Kontroversen aus: Kann man die Gräuel des Holocaust in Bildern fassen? Eine Schau, die zum Weiterdenken anregt und nebenbei eine kleine Geschichte der Fotografie erzählt. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe, 20.04.2010)

Meine Meinung dazu:

Dokumentationen von solchen Naturkatastrophen, Kriegen, Folterungen, Schwerstkranken oder Unfallopfern helfen niemand und stillen einzig die Sensationsgier Unbedarfter. Manch ein Fotograf reist heute quer um den Globus nur um die fürchterlichsten Bilder einfangen und anschließend vielleicht einen Pulitzer Preis gewinnen zu können.

Auch hier sind die Motive des Fotografen aber einzig egoistischer Natur. Hinzu kommt, dass die Menschheit absolut lernresistent ist und noch nie jemand etwas aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat. Jede Generation profitiert zwar von den Errungenschaften ihrer Zeit, muss aber alle Weisheit ihrer Väter in Frage stellen und selber auf die sprichwörtliche Nase fallen um zu begreifen wieso manche Dinge so und nicht anders gehandhabt werden können.

Damit ist auch das Argument des aufzeigen wollen ein entbehrliches. Bester Beweis dafür ist die nie enden wollende Diskussion über die bösen Ausländer, welche Allerorts für jegliche Probleme verantwortlich gemacht werden. Praktisch in jedem Land auf unserem Planeten gibt es rechtsradikale Strömungen welche dann entsprechende politische Auswüchse zeitigen. Komisch nur, dass die Einheimischen des Nachbarlandes hier ebenso die bösen Ausländer sind wie wir anderswo.

In diesem Zusammenhang plädiere ich für eine sofortige Abschaffung des Tellerrandes!

Euer

Wolfgang