Malediven einst und jetzt
Vor sehr langer Zeit an einem Sonntag im August des Jahres 1988 war ich, zu jener Zeit noch Single und viele Kilogramm leichter, als frisch-gebackener Advance Open Water Diver (PADI) auf die Malediven geflogen. Damals, als alles noch Schwarzweiß war, waren Flugreisen zu weit entfernten Destinationen noch echtes Abenteuer und auch nicht ganz billig, im Vergleich zu einem Kroatien- oder Italien Urlaub.
Ich kann mich noch gut daran erinnern als ich beim spazieren gehen rein zufällig einen alten Freund auf der Währinger Straße (1180 Wien) in einem kleinen Reisebüro sitzen sah und eigentlich nur freundlich hallo sagen wollte, als ich mich kurz darauf im Flieger Richtung Male wiederfand. Dabei hatte ich nur unschuldig gefragt wohin ich denn auf Urlaub „fahren“ könnte. Aus dem fahren wurde fliegen und da man damals nur wegen dem tauchen auf den Malediven flog, musste auch noch rasch ein Tauchkurs im Neufeldersee absolviert werden.
An alle Details kann ich mich leider nicht mehr erinnern, da diese Reise nun schon fast 30 Jahre zurück liegt, es gibt aber einige wenige Fotos von damals die ich nun in einem eigenen Ordner hier auf meiner Homepage öffentlich zugänglich machen möchte. Die meisten haben keinen besonderen fotografischen Wert, da ich damals zum ersten Mal eine Kamera in Händen hielt, zeigen aber ganz gut wie sich die Malediven 1988 den Touristen präsentierten.
Wenn mich meine Erinnerung nicht völlig im Stich lässt flog ich damals mit einer 747 von der Singapur Airlines Non-Stop von Wien nach Male, was damals ganz normal, heute eine Sensation wäre, denn will man heutzutage auf die Malediven muss man mindestens einmal umsteigen. Dies kostet nicht nur wertvolle Zeit, sondern auch Geld und Nerven. Beides nicht notwendig und nur in kleinen Mengen verfügbar.
Am Airport angekommen ging es durch eine recht improvisierte Zollabfertigung wobei das Hauptaugenmerk der Beamten auf alkoholischen Getränken und obzönen Fotos (oben ohne) in Illustrierten lag. Nachdem diese Einreiseformalitäten erledigt waren und wir, die Urlauber schwitzend das nicht gekühlte Gebäude verlassen hatten begann die abenteuerliche Aufteilung zu den Booten der jeweiligen Inseln. Denn irgendwie mussten die paar Touristen ja nun zu ihren gebuchten Trauminseln verfrachtet werden.
Da es 1988 aber weder Wasserflugzeuge noch Speedboote gab, waren wir auf gewöhnliche Dhonis (so nennt man die Fischerboote der Einheimischen) angewiesen. Grundsätzlich eine ruhige entspannte Art der Fortbewegung müsste man nicht von einem Atoll zum nächsten tuckern. Die fahrt an Bord dieser kleinen Boote von Male ins benachbarte Ari-Atoll nahm dann gute 5 Stunden in Anspruch, was bei den Mittags vorherrschenden Temperaturen auf den Malediven nicht gerade witzig war. Außer warmen Getränken und anderen Gästen (die man zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte), neben denen man dicht gedrängt unter dem Baldachin des Boots kauerte, gab es nichts zu tun als in die unendlichen Weiten des Indischen Ozeans zu starren und zu hoffen, dass die erste Insel endlich am Horizont auftauchen würde.
Endlich angekommen war jedem klar wie unendlich weit wir jetzt von zu Hause weg waren und man fühlte förmlich, dass dies das Paradies sein musste. Der Aufenthalt selbst war natürlich weit weniger luxuriös als heute, konnte aber keineswegs als spartanisch bezeichnet werden. All diejenigen die sagen es hätte nur Dosenfutter und warmes Mineralwasser gegeben und die Duschen hätten nach Schwefel gestunken übertreiben maßlos. Wahr ist vielmehr, dass die Ausstattung der Strandbungalows einfach, aber sehr sauber war. Wasserbungalows waren noch nicht erfunden und funktionierende Ökosysteme nicht einmal in den Köpfen der Naturschützer vorhanden. Es wurde wild drauf los gebaut und vielerorts wurde die Natur nachhaltig zerstört anstatt konserviert.
Fotografen wie Herwarth Voigtmann betrieben auf „Ihren“ Inseln große Haibecken (Bandos) als Touristenattraktionen und Haie wurden in großem Umfang jahrelang am Fishead angefüttert. Ich möchte an dieser Stelle nicht werten ob diese Zeit damals besser, natürlicher oder einfach nur anders war, da ich der Meinung bin, dass jede Epoche schöne und weniger schöne Dinge zu bieten hat. Sich auf einzelne negative Beispiele zu beschränken würde bedeuten alles andere wie z.B. die damals noch nicht El-Ninjo beschädigten Korallen, oder vorherrschende Ruhe und Gelassenheit der Malediven außer Acht zu lassen und mit dem regen Treiben der heutigen Tourismus-Industrie vergleichen zu wollen.
Eines der schönsten Dinge anno 1988 war, dass man nur in einem bestimmten Rhythmus auf die Insel fliegen konnte, da nur alle 2 oder gar 3 Wochen ein Dhoni dorthin und wieder zurück fuhr. Dies brachte mit sich, dass man unendlich weit weg von allem war, was einem an zu Hause erinnerte und spätestens nachdem man angekommen und sich seiner Schuhe entledigt hatte, waren alle Problem unserer Welt weit weg und vergessen.
Warum ich dies erzähle?
Nach 20 unglaublich schönen Tagen und unzähligen Tauchgängen auf Maayafushi dauerte es vier Jahre bis ich 1992 endlich wieder auf die Inseln im Indischen Ozean flog. Diesmal schon mit Freundin und immer noch begeisterter Taucher war Mirihi das Ziel meiner Wahl und die Reise dauerte nur 14 Tage. Viel hatte sich verändert in dieser kurzen Zeit. Touristen wurden nun per Speedboot zu ihren Trauminseln gebracht und die Wasserbungalows lockte eine zahlungskräftigere Klientel weg von der Südsee zu den Atollen unterhalb Sri Lankas.
Danach zogen fast 20 Jahre ins Land bis ich wieder an die schönen Zeiten meiner Jugend dachte. Inzwischen bin ich verheiratet, habe eine 10 jährige Tochter und es fliegen täglich Wasserflugzeuge zu den einzelnen Inseln. Es sind auch nicht mehr eine Handvoll Inseln die den Touristen zugänglich sind, sondern Hunderte! Auch hat sich der Durchscnitts-Urlauber auf den Malediven gewandelt. Waren es in den 80er Jahren noch Menschen wie Du und Ich, hat sich 2010 herum gesprochen, dass die Malediven zu einem der schönsten Flecken unseres blauen Planeten zählen und damit sind auch die Preise pro Nacht erheblich gestiegen.
Konnte man 1988 noch für wirklich kleines Geld Urlaub (damals 2 Monatsgehälter) im Paradies machen kostet ein zweiwöchiger Aufenthalt auf einer der sehr preiswerten Inseln heute gut und gern 8.000.- Euro! Dabei ist aber nach oben hin kaum ein Limit gesetzt und einige 5 Stern plus Resorts verlangen das dreifache dieser Summe (jenseits der 20.000.- Euro) für 14 Tage Strandurlaub.
Welcher normal verdienende Mensch sich das in Zeiten wie diesen noch leisten kann frage ich mich immer öfter. Nichts desto trotz werde ich diesen Sommer zwei wunderschöne Wochen auf der Insel VELIDHU mit meiner Familie auf einem Wasserbungalow verbringen und mit freundlicher Unterstützung der Firma NIKON auch entsprechende Fotos für euch daheim gebliebenen mit nach Hause bringen. Euch bleibt also nichts anders als abzuwarten und euch an den Erinnerungen aus längst vergangenen Tagen im neu gestalteten Malediven Ordner zu erfreuen.
Alles liebe wünscht euer
Wolfgang Steiner