Internetforen - Ratschläge von
Quacksalbern
Das Prinzip von Internetforen ist einfach.
Es handelt sich hierbei ausschließlich um virtuelle Orte im Cyberspace in denen sich anonym Menschen zum Gedankenaustausch und zur Archivierung von gesammeltem Wissen treffen. Wobei die Betonung auf anonym liegen muss, denn Benehmen und Höflichkeit werden in diesen künstlich geschaffenen Orten der elektronischen Welt in den allermeisten Fällen schon bei der Registrierung abgegeben.
Die Frage ob das dort verbreitete Wissen wirklich Wert ist archiviert zu werden, möchte ich nun kurz behandeln. Ich behaupte nein! Wie hilfreich ist es nun sich im Forum seiner Wahl zu registrieren um dort nach Ratschlägen bzw. Tipps oder gezielt nach Hilfe zu suchen?
Meiner Erfahrung nach verhalten sich Internetforen wie Wirtshaus-Stammtische. Ist man Mitglied der Runde und trägt seinen Teil aktiv bei (wie bei Hobby-Alkoholikern findet man tag-täglich die selben Menschen am Stammtisch vor), kann man sich im Laufe der Jahre selbst ohne jegliche Fachkenntnis zum Foren-Profi hoch arbeiten. Tausende Beiträge und einen gewissen Grad an Unterwürfigkeit am Beginn seiner neuen Karriere vorausgesetzt macht da jeder seinen Weg. Wo im Wirtshaus doch ein wenig Bares, eine Prise frohes Gemüt und wahre Trinkfestigkeit Voraussetzung ist, hat das Internet hier eigene Regeln entwickelt.
Bonität ist keine Voraussetzung um Ratschläge erteilen zu können. Auch ist keinerlei Benehmen oder gar Bildung erforderlich um sich mitzuteilen. Ganz im Gegenteil ist es in vielen Foren geradezu so, dass die dümmsten Zeitgenossen als die Stützen des Forums angesehen werden, da sie mit ihren verbalen Tiefschlägen gegen unschuldige Neulinge für allgemeine Erheiterung sorgen. Was für Menschen tummeln sich also in Foren und wieso kann mir dort nicht geholfen werden?
Genau wie die Runde der Alkoholiker im Wirtshaus ums Eck treffen sich in Foren nur jene Menschen die viel Zeit haben, aber nichts damit anzufangen wissen. Da gerade in der Fotografie der Lernprozess aber ein Leben lang dauert sind wirklich gute Fotografen zumeist ältere Semester jenseits der 50. Steht so jemand mit beiden Beinen im Leben, hat Familie und ist erfolgreich hat er sicher keine Zeit täglich dutzende Beiträge in seinem Stammforum zu posten, denkt ihr nicht auch?
In meinem speziellen Fall handelt es sich um eben solche Fotoforen in denen alle nur erdenklichen Themen rund um die Fotografie bis zum Erbrechen diskutiert werden. Ganz im Gegenteil kostet es den erfolgreichen Fotografen maximal ein mildes Lächeln wenn man sie auf Weisheiten, welche in Foren als die Wahrheit gehandelt werden anspricht.
Sogar Generalvertretungen renommierter Kamerahersteller aus Fernost schütteln darauf angesprochen nur den Kopf und mahnen zur Vorsicht ob des dort verbreiteten Schwachsinns. Zählt man nun die wirklich großen Fotografie-Foren im deutschsprachigen Raum zusammen und sieht sich die Hauptakteure der einzelnen Foren an bemerkt man schnell, dass hier wenige dutzend Personen meinungsbildend für tausende Fotografen im gesamten deutschsprachigen Raum auftreten.
Dies und die Tatsache, dass erfolgreiche Fotografen weder Zeit noch Lust haben ihre wertvolle Freizeit gratis zu opfern um sich von Quacksalbern beflegeln zu lassen, lässt nur einen Schluss zu: Die selbst ernannten „Profis“ in Foren sind zumeist Amateure die ihr Halbwissen entweder aus dem Internet oder vom hören-sagen haben. Beides hilft dem hilfesuchenden Amateur in keinster Weise weiter.
Wo aber wird mir dann geholfen wenn nicht im „freundlichen“ Internetforum meiner Wahl?
Gar nicht.
Erinnern wir uns an die Zeit vor den Internetforen, die gab es nämlich auch und sie ist nicht allzu lange her. Noch im Jahre 1994 war das Internet zwar schon geboren, aber Foren im Bereich der Fotografie noch nicht erfunden. Da kaufte man sich Bücher die von echten Profis geschrieben wurden und traf sich im echten Leben in Foto-Klubs die dem Erfahrungsaustausch dienten.
Dort hatten die Leute noch Respekt vor einander und lernten bei jedem Treffen allerhand Neues dazu. Leider liegt aber nicht nur im Bereich der Foren einiges im Argen, nein auch im Kaufverhalten des Einzelnen ist das Problem der täglich benötigten Hilfestellungen zu suchen.
Überlegte man früher teils Jahrelang bevor man eine größere Investition tätigte, kaufen heutzutage viele eine DSLR Kamera um tausende Euros nach dem Studium weniger Artikel im Internet, oder nach einmaligem Fragen in einem Forum. Dass dies in die sprichwörtlich Hose gehen muss ist klar und Threads wie „Wieso funktioniert mein Display nicht“ klären sich rasch auf nachdem man dem Betreffenden erklärt er müsse die Batterien nach dem aufladen auch in die Kamera einlegen bevor es losgehen kann.
Was hier lustig anmutet ist aber leider traurige Tatsache und praktisch zur Volkskrankheit geworden.Im Zeitalter der Handys, iPads und iPhones greifen immer mehr Menschen bei alltäglichen simplen Problemen nicht mehr auf ihren Hauptrechner, ihr Gehirn, sondern auf den Telefonjoker zurück.
Einfachste Fragen werden gegoogelt oder in Wikipedia nachgelesen, Freude dazu befragt oder gar in einem Internetforum zum Thema gemacht. Diese Unart des selber nicht nachdenken wollens und damit die Verantwortung auf andere abschieben ist ein Zeichen unserer heutigen Zeit. Und so sehr manche der technischen Innovationen große Vorteile im täglichen Leben mit sich bringen, wird die Gesellschaft durch die scheinbare unbegrenzte Verfügbarkeit von universellem Wissen immer dümmer.
Kaum jemand liest noch Bedienungsanleitungen neuer teils extrem komplizierter technischer Geräte, kaum jemand der nicht zuerst googelt falls doch ein Problem auftritt, oder eben eine Frage in einem der zahlreichen Foren postet und dort dann binnen Minuten tatkräftige, sachliche, aber vor allen Dingen kostenlose Hilfe erwartet.
Ja wie naiv kann man denn sein frag ich mich?
Glaubt ihr wirklich allen Ernstes, dass die Looser die tagtäglich 10 Stunden vor ihrem Rechner hocken um euch erklären zu dürfen wie ihr eure Batterien richtig aufladen sollt, euch in die Geheimnisse der professionellen Fotografie einweihen können? Wacht auf und stellt euch der Realität. Niemand der nicht arbeitslos, oder ein Beamter ist kann jeden Tag 8, 10 oder mehr Stunden online anderen sein Halbwissen vermitteln!
Mein Tipp an euch interessierte Fotografie-Neulinge lautet daher: Vergesst die Dummschwätzer in Nikon, Canon oder sonst welchen Foren, egal ob sie in Deutschland, Singapur oder Dschibuti ihre Server stehen haben. Überlegt sorgfältig bevor ihr etwas kauft, was ihr damit machen möchtet und lasst einige Zeit verstreichen.
Glaubt keinem der selbst-ernannten Gurus im Internet, sondern geht in Fachgeschäfte und lasst euch beraten, bildet euch selbst eine Meinung. Nehmt euch die Zeit um in Ruhe euer neu erworbenes Objektiv oder die Kamera studieren zu können. Lest aufmerksam die Bedienungsanleitung. Und geht dann erst raus in die wirkliche Welt und probiert eure Neuerwerbung aus.
Sollten Probleme auftreten kontaktiert zuerst den Händler, nicht das Internet. Und wenn ihr Lust verspürt mehr über euer Hobby zu erfahren setzt euch ins Auto und trefft euch mit Gleichgesinnten. Ihr werdet erfahren wie viel mehr man draußen in der Natur oder bei einem Lehrgang im Studio lernen kann als durch lesen tausender wertloser Zeilen in Foren.
Fotografie findet auch heute im Zeitalter der Digitalen Fotografie dort statt wo es Motive gibt, nicht am Computer. Alles was ihr online findet werdet ist die Profilierungssucht einzelner verirrter Seelen.
Euer
Wolfgang Steiner