Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Ansel Adams der Visionär

Ich hatte meinen Blog bis dato eigentlich nie im Sinne eines wirklichen Blogs verwendet und möchte dies ab sofort ändern. Oft kommen einem im täglichen Leben Dinge unter die man für beachtenswert empfindet, also sollte man sie auch mitteilen finde ich. Dazu ist der Blog auf der eigenen Homepage nun mal da.

Und beginnen möchte ich mit einer Passage aus dem Buch "Ansel Adams Meisterphotos" aus dem Jahre 1983 die mich seit Tagen beschäftigt. Dort schreibt der berühmte amerikanische Fotograf auf Seite 68 bzw. 69. Zitat Anfang:

...Innerhalb von 15 Minuten wurde das Licht flach, und ich wanderte bei einer Temperatur von 32°C und mehr zu meinem Wagen zurück. Ich war dankbar um das weiße Einstelltuch und den weißen Kamerakoffer. Nur zu gut erinnerte ich mich an frühere Sommerwanderungen durch die Sierra, auf denen meine Kamerakoffer und ihr Inhalt unter den direkten Sonnenstrahlen alarmierend heiß wurden.

Die Umgebungstemperatur war durchaus erträglich, die Temperatur jedoch, die sich im Inneren der schwarzen oder dunkelfarbigen Koffer entwickelte, durchaus nicht ungefährlich für die Ausrüstung und das Filmmaterial. Ein Experiment bestätigte den Vorteil von weißer Schutzfarbe, weißem Tuch oder Aluminium. Ich hatte zwei völlig gleiche schwarze Kamerakoffer, von denen ich den einen weiß Anstrich. Ich versah jeden mit einem Thermometer und stellte sie ins direkte Sonnenlicht. Nach 15min war die Temperatur in dem weißen Koffer um wenig mehr als 5°C gestiegen, die in dem schwarzen schoß auf über 50°C hinauf.

Und das passierte an einem milden Sonnentag in San Francisco! Da konnte ich mir unschwer vorstellen, wie heiß es im Inneren eines schwarzen Koffers inmitten der Wüste werden würde. Aber die Photoindustrie liefert weiter schwarze Kamerakoffer, Taschen und auch Einstelltücher, die auf beiden Seiten schwarz sind. Ganz offensichtlich haben ihre Designer nie in der Wüste gearbeitet. Ich habe größte Hochachtung vor den Wissenschaftlern und Technikern, die in der photographischen Industrie arbeiten. Sowohl in Forschung, Entwicklung und Formgebung als auch in der Produktion wurde Ungewöhnliches geleistet.

Aber nur sehr wenige dieser Techniker verstehen die Photographie als Kunstform oder begreifen, was für eine Art von Werkzeug ein kreativer Mensch braucht. Auf manchen Gebieten jedoch ist der Standard deutlich verbessert worden: Meiner Meinung nach nähern sich moderne Objektive dem Stand höchstmöglicher Perfektion; und sowohl die Negativ- als auch die Positivmaterialien von heute sind allem überlegen, was ich in der Vergangenheit gekannt und verwendet habe. Ich bin sicher, daß uns der nächste Schritt das elektronisch aufgezeichnete Bild bringen wird, und ich hoffe, ich werde das noch miterleben. Was für technische Neuerungen auch kommen mögen, ich bin ganz sicher, daß das kreative Auge auch künftig seine Bedeutung behalten wird. Zitat Ende!

Für mich sind diese wenigen Zeilen gleich in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung.

  1. Die Fotoindustrie hat immer noch nicht begriffen wieso Kamerataschen nicht schwarz sein sollten.

  2. Ansel Adams wusste schon 1982 als er diese Zeilen für sein Buch verfasste was Unsereins erst um das Jahr 1996 erfuhr, die Einführung der Digitalfotografie!

Absolut unfassbar für mich wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Ich begann erst 1988 mit der Analogfotografie und Herr Adams schrieb bereits 6 Jahre davor in einem Buch darüber was die Welt erst ein ganzes Jahrzehnt später revolutionieren sollte.

 

Zur Erinnerung:

Kodak kündigte als einer der ersten am 1. März 1994 die DCS 420 an und Marken wie Canon oder Nikon folgten erst Jahre später mit ersten Amateurmodellen (Canon Powershot 600 am 13.05.1996 und Nikon Coolpix 300 am 03.01.1997). Die ersten Profilmodelle der großen Kamerahersteller wurden überhaupt erst im Juni 1999 (Nikon D1) und September 2001 (Canon Eos 1D) vorgestellt.


Es vergingen ganze 20 Jahre von dem Tag an als Herr Adams diese Zeilen in seinem Buch, wissend das da etwas kommen würde niederschrieb, bis ich tatsächlich meine erste DSLR, eine Fuji Finepix S2 mein eigen nennen sollte. 20 Jahre sind eine verflucht lange Zeit wenn man auf etwas wartet, nicht wenn man zurück blickt schon klar, wenn man aber auf etwas wartet ist es eine ganze Ewigkeit. Und auch wenn man in Betracht zieht das alle großen Hersteller Ansel Adams in ihre Neuerungen mit einbezogen (Polaroid und Hasselblad taten dies in den Gründerjahren ja bekanntermaßen) war es immer noch visionär.

 

Unglaublich, oder?

 

 

Liebe Grüße

 

Wolfgang

 

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