Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Infos über den Antelope Canyon

 

Page, Arizona – USA

 

 

Geographische Lage und Geschichte

 

Nahe Page, einer der jüngsten Gemeinden im äußersten Nordwesten Arizonas befindet sich der Antelope Canyon. Dieser liegt etwa 4,4 Meilen (7,0 km) südöstlich des Stadtzentrums und ist leicht über die Bundesstraße 98 erreichbar. Die Besiedelung der heutigen Stadt Page begann im Jahre 1957 in Form einer Camp-Stadt für Arbeiter, die den Glen Canyon Damm errichten sollten. Im Jahre 1958 wurden dann 24 Square miles (62,15km²) Navajo Land im Gegenzug für ein wesentlich größeres Grundstück in Utah von der Navajo Nation eingetauscht und „Governement Camp“ benannt. Erst danach erhielt die „Stadt“, benannt nach dem Landgewinnungskomissar John C. Page, seinen heutigen Namen, Page.

 

John C. Page

(*1887 in Syracuse, Nebraska; † 1955 in Page, USA)

 

Anfangs bestand die Gemeinde aus nichts anderem als ein paar sandigen Straßen, Felsen und ein paar Wohnwagen und Behelfsbaracken. Anschließend wurden Kirchen von 12 verschiedenen Religionsgemeinschaften entlang des Lake Powell Boulevards errichtet und Häuser gebaut. Diese Ansammlung von Kirchen wird heute von den Bewohnern der Stadt als „Kirchenzeile“ bezeichnet.

Während der siebenjährigen Bauzeit des Staudamms war die Gemeinde unter der Leitung des Bundes und wurde erst am 1. März 1975 unabhängig. Damals lebten etwa 9.000 Menschen in der Stadt Page. Die Gesamtfläche des Territoriums der Navajo Nation rund um Page umfasst ein Gebiet von knapp 27.000 Square miles, was in etwa einer Fläche von 70.000 km² entspricht.

Dieses Reservat wurde den Dine' Indianern im Jahre 1869 vertraglich durch General William Tecumseh Sherman zugesichert und ist bis auf die oben beschriebene Stadt Page bis heute unter Ihrer Verwaltung.

 

General William Tecumseh Sherman

(* 8. Februar 1820 in Lancaster, Ohio; † 14. Februar 1891 in New York, N.Y.)

Der Upper Antelope Canyon zählt heute zu den am meisten besuchten Foto-Locations in ganz Nordamerika und muss keinen Vergleich mit dem wesentlich berühmteren Grand Canyon oder dem Bryce Canyon scheuen. Er ist heute die finanzielle Haupteinnahmequelle der Navajo-Indianer und verdrängt auch das viel bekanntere Monument Valley auf den zweiten Platz bezüglich der erzielten Einnahmen aus dem Tourismus. Interessanterweise ist über seine Geschichte nur sehr wenig in Erfahrung zu bringen.

Es ist zum Beispiel nicht gesichert wann und von wem er entdeckt wurde. Ein ukrainischer Fotograf Namens Mike Reyfman behauptet, dass ein 12 jähriges Navajo-Mädchen namens „Sue Tsosie“, den heute als Antelope Canyon bekannten Slot-Canyon während sie im Jahre 1931 die ihr anvertraute Schafherde von Manson Mesa herunter nach Kaipeto trieb, entdeckte.

 

 

So diese Information richtig ist hieße dies aber auch, dass es keine Fotos des Canyons von vor 1931 geben kann. Alleine schon daran erkennt man wie neu, oder besser gesagt unbekannt der Antelope Canyon eigentlich bis vor sehr kurzer Zeit war, nimmt man z.B. die nicht gerade lange Geschichte Nordamerikas seit ihrer Besiedelung durch die Europäer her.

Glaubt man den alten Geschichten, hielten sich früher Herden von Gabelhornanitlopen im Canyon auf, wodurch er auch seinen heutigen englischen Namen "Antelope Canyon" erhielt.

 

 

Geologie

Im Laufe von Jahrmillionen wurde der Navajo-Sandstein aus dem beide Canyons bestehen durch Erosion, primär wegen immer wieder auftretenden Springfluten, aber auch durch chemische Oberflächenprozesse zu denen Wind und Regen zählen, geformt bis sie die heute bekannte Struktur erhielten. Während der Upper Antelope Canyon ebenerdig begangen werden kann und mit einer Höhe von bis zu 44 m und einer Länge von 400 m an manchen Stellen bis zu 7m breit ist, kann man den Lower Antelope Canyon nur von oben durch eine enge Spalte erreichen.

Erst seit wenigen Jahren sind dort fixe Stahltreppen montiert, welche den Touristen ein einfaches und ungefährliches Begehen des Canyons ermöglichen. Anders als im vorher beschriebenen Upper Antelope ist der Lower sehr verwinkelt und an seiner Basis kaum breiter als 1 bis 2m. Nur an einer Stelle, "Eye of the eagle" weist der Lower Antelope Canyon eine Breite von mehreren Metern auf und erlaubt ein entspanntes verweilen von mehreren Personen gleichzeitig. Obwohl man den Upper ebenerdig an seiner Rückseite wieder verlassen könnte, müssen alle Besucher wieder zurück durch den Canyon um zu den Fahrzeugen gelangen zu können welche sie anschließend wieder zum Gate bringen.

Im Lower Antelope Canyon hingegen steigt am Ende der Tour wieder aus dem Canyon und geht zu Fuß zum Parkplatz retour. Im Canyon umzukehren ist zwar möglich, aber Aufgrund der eingeengten Platzverhältnisse wegen des Gegenverkehrs ein wenig problematisch.

Durch den recht schmalen Spalt an seiner Oberseite fällt in beiden Canyons nur sehr wenig Licht in den Canyon ein und das nur zur Mittagszeit. Während den Sommermonaten können dann an verschiedensten Stellen des Canyons immer wieder für wenige Minuten sogenannte "Beams" (Lichtstrahlen), verursacht durch direkte Sonneneinstrahlung beobachtet werden. Der Boden besteht aus feinem Quarzsand, welcher von den Guides dann dazu verwendet wird um die Beams für die Fotografen sichtbar zu machen.

Die dadurch verursachten Verschmutzungen sind bereits im ganzen Canyon deutlich in Form von kleinen Sandklumpen sichtbar, welche auf den Sandsteinwänden kleben und nicht besonders hübsch aussehen. Welch eine Ironie, bedenkt man, dass eben jener Sand den wir Fotografen benötigen um perfekte Fotos machen zu können auf der anderen Seite den ganzen Canyon verschmutzt und auch unsere Ausrüstung beschädigt.

 

Die Katastrophe

 

Danach verweilte der Antelope Canyon in einem sehr langen Dornröschenschlaf welcher am 12. August 1997 zu einem jähen Ende kam. Die Gefahr von Springfluten war zwar weithin bekannt und Warnungen wurden ausgesprochen, nur war halt noch nie wirklich etwas passiert. Noch dazu fällt in dieser trockenen Wüsten-Region pro Jahr nur sehr wenig Regen wodurch es für einen nicht kundigen Touristen sehr unwahrscheinlich erscheint in einem Canyon in der Wüste ertrinken zu können. Im langjährigen Durchschnitt sind es für die Region rund um Page etwa 23 cm Niederschlag pro Jahr.

Verursacht durch das Pazifische Phänomen namens „El Niño“ aber fiel im Monat August des Jahres 1997 fast täglich bis zu 3cm Regen im betreffenden Gebiet. Um 15:30 Uhr an jenem Tag im August 1997 bekam das Ministerium für öffentliche Sicherheit von Arizona die Meldung, dass die Bundesstraße 98 auf Höhe der Markierung Meile 306 vom Regen unterspült wurde und sendeten Beamte zu diesem Ort um zu verhindern, dass Personen zu Schaden kommen.

Das Wasser bahnte sich von dort den Weg unterirdisch zu dem 24 km entfernten Lower Antelope Canyon welcher 1997 bereits ein beliebtes Ausflugsziel für Fotografen aus aller Welt war. Zu dieser Zeit befand sich eine Gruppe von 11 Touristen und Francisco „Poncho“ Quintana, ein 28 jähriger Navajo Guide im Canyon. Er wusste genau was das plötzliche laute Brüllen bedeutete, konnte aber nichts mehr unternehmen, da sich seine Gruppe, bestehend aus 7 Franzosen, 2 Amerikanern, einem Briten und einem Schweden 90m vom Einstieg entfernt befanden.

Nachdem der unterirdische Fluss den Lower Antelope Canyon erreicht hatte, betrug der Wasserstand binnen weniger Sekunden schon über 1 m und ehe Quintana jemanden in Sicherheit bringen konnte wurde er selbst von den Wassermassen gegen die Felsen geschleudert und eine Viertel-Meile (400m) entfernt samt dem Wasser 30 Fuß (9m) hoch aus dem Canyon geschleudert wo er verletzt aufgefunden wurde.

 

 

Quintana war kurzzeitig blind da sich Schlamm unter seinen Augenliedern gesammelt hatte und glich dem Aussehen nach einem Überlebenden eines Flugzeugabsturzes. Er war nackt und am ganzen Körper übersät mit Blessuren und Prellungen. Bei seiner Befragung nach der Einlieferung in ein örtliches Krankenhaus gab er zu Protokoll das er keine Ahnung hätte wieso er überlebt hatte.

Besonders tragisch erscheint die Geschichte bedenkt man den Umstand, dass eben jene Gruppe am Vormittag desselben Tages bereits im Canyon gewesen war und aufgrund der Tatsache, dass sie noch Filmmaterial zu Verfügung hatten, nochmal in den Lower Antelope Canyon zurückkehren wollten. Ein französisches Ehepaar hatte dabei ihre 10- und 12 jährigen Töchter im Hotel alleine zurückgelassen. Trotz einer Schlechtwetterwarnung wollte die Gruppe einen Ort namens „Eye of the Eagle“ erwandern, welcher heutzutage durch die fix montierten Treppen aus Stahl binnen weniger Minuten selbst für ältere Personen mühelos erreichbar ist.

 

Eye of the eagle

 

Innerhalb von wenigen Stunden kamen die ersten Einheimischen am Unglücksort an und machten sich auf die Suche nach den Opfern der Springflut. Kurz darauf trafen Rettungshubschrauber und Lastwagen am Lower Antelope Canyon samt medizinischem Personal und Suchmannschaften ein.

Nach einem Tag waren 167 Rettungskräfte am Canyon versammelt und es musste sogar Flug-Personal vom Grand Canyon Airport nach Page verlegt werden um die dauernd startenden und landenden Hubschrauber zu koordinieren. Es dauerte eine ganze Weile bis feststand wie viele Leute sich zu dieser Zeit im Canyon befanden und erst nachdem die Besitzer der parkenden Autos ausgeforscht und die Firma des Guides befragt wurde konnte eine Liste der Vermissten erstellt werden. Es war ein riesiges Chaos.

Die wahre Tragödie aber spielte sich derweilen in Page in einem kleinen Hotel ab, wo die beiden zurückgelassenen Mädchen, vergeblich auf die Rückkehr ihrer Eltern warteten. Das Hotelpersonal sprach kein Französisch und es musste erst ein Dolmetscher organisiert werden bevor die Kinder bei einer französischen Familie untergebracht werden konnten.

Polizeikräfte und Suchteams mit speziell geschulten Suchhunden machten sich an die Arbeit, konnten den Canyon selbst aber erst am darauffolgenden Tag um 4:00 Uhr früh betreten, da bis dahin das Wasser ihn unpassierbar gemacht hatte. Es wurde ein 14 km langes Areal flussabwärts bis zum Lake Powell abgesucht um die Leichen der anderen Touristen zu finden.

Die Französin Beatrice Aline, 20, war die erste die in einem Nebenarm des Canyons tot geborgen wurde. Acht weitere Opfer wurden vom Antelope Canyon in den Colorado River und von dort weiter in den fast 14 km entfernten Lake Powell gespült wo sie dann schlussendlich auch gefunden und tot geborgen wurden. Alle waren ertrunken.

Diese tragische Ereignis verhalf dem Antelope Canyon speziell in Frankreich zu tragischer Berühmtheit, denn kurz nach der Katastrophe war der Lower Antelope Canyon Gesprächsthema Nummer 1 in allen französischen Tageszeitungen und damit auch in den Haushalten.

 

Der Neubeginn

 

Nach diesen Ereignissen rund um den Lower Antelope Canyon wurden der Upper Antelope gesperrt und war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr frei zugänglich. Nun musste man eine geführte Tour buchen und wurde von einer der lizensierten Firmen mit einem Geländewagen zum Eingangsportal gefahren. Gleichzeitig wurde die Zeit welche man im Canyon verweilen darf limitiert um die Besucheranstürme bewältigen zu können. Um heute die beiden Canyons als Tourist besuchen zu können bedarf es grundsätzlich keiner besonderen Vorbereitung oder Anmeldung, es ist aber ratsam sich zu überlegen was man dort machen möchte. Denn je nach Interesse macht es Sinn seine Reise nach Page mehr oder weniger exakt zu planen.

Für normale Touristen genügt es einmal den Upper- oder den Lower Antelope Canyon geführt für eine Stunde zu besuchen. Während dieser Stunde bekommt man von den Guides teils lustige, teils interessante Geschichten zu hören, wird von Musik begleitet (Mylo Begay (walking eagle) z.B. spielt gerne auf seiner Flöte während er durch den Canyon schlendert) und lässt sich gemeinsam mit einem guten Dutzend anderer durch den engen verwinkelten Canyon schleusen.

Bevor man sich aber in dieses Abenteuer begeben kann muss man erst mal hinfahren. Von Page aus ist man in gut 10 Minuten vor Ort und kann so recht entspannt auf der 98 vorbei am Schranken zum kleinen Wärterhäuschen vorfahren wo eine Einfahrtsgebühr von derzeit 6,00 USD pro Person und Tag verlangt wird. Am Parkplatz angelangt muss man sich dann für eine der vielen Varianten entscheiden die angeboten werden.

Normalerweise nehmen Touristen die geführte einstündige Tour für 20,00 USD pro Person bei der sie bei Upper mit einem Geländewagen die 5 km durch den tiefen Sand gekarrt werden und von dort aus dann zu Fuß den ebenerdig begehbaren Canyon in Angriff nehmen.

Anders als die meisten Fotografen behaupten, weiß ich, dass auch beim fotografieren mit guten Point-and shoot Kameras, also den gängigen Kompaktmodellen durchaus sehr gute Aufnahmen möglich sind, aber halt doch eher die Ausnahme. Dieses Foto meiner Gattin, welches mit einer alten Fuji F30 entstand sei hier als Beispiel erwähnt.

 

Beam im Upper Antelope Canyon, fotografiert freihand mit einer Fuji Finepix F30

 

Ist man allerdings Hobbyfotograf und man möchte nachmachen was vor einem bereits all die tausenden Profis dieser Welt vorexerziert haben, nämlich Top-Aufnahmen aus dem Upper Antelope Canyon mit nach Hause zu bringen wird es mehr als schwierig, sind doch hunderte Menschen gleichzeitig an den schönsten Tagen im Canyon und bemühen sich um die besten Plätze vor den Beams.

 

Die Mähr 

Natürlich wird viel erzählt und die meisten Geschichten sind übertrieben, auch wenn sie von den Guides selbst kommen. Nehmen wir z.B. die Massen an Touristen die sich gleichzeitig in den Sommermonaten im Upper tummeln sollen. Bis zu 2000 Personen wurde mir glaubhaft versichert. Und einmal waren über 80 Fotografen mit gezählten 54 Stativen im Upper, erzählte mir ein Guide persönlich. Ich frage mich nur wie die bei den 6 Firmen die Besucher zu dem Canyon führen mit etwas mehr als 10 Fahrzeugen, welche vor dem Eingangsportal des Canyons parkten möglich sein soll? Von mir aus sollen sie die Leute mit 20 Jeeps hin karren, sind es immer noch nicht mehr als 300 oder 400.

Ist alleine schon durch die festgelegte Größe des Parkplatzes vorbestimmt welcher die Größe von 125 x 70m hat. Auf diesen ca. 8750m² bringt man mit Zu- und Abfahrtswegen aber maximal 200 PKWs unter. Diese Zahl ist aber bloße Theorie denn es waren noch nie mehr als 100 bis 150 gleichzeitig dort, da bin ich mir ziemlich sicher. Rechnet man nun durchschnittliche 2 Personen pro KFZ ist die wahrscheinlichere Besucherzahl der gleichzeitig im Canyon anwesenden Personen um die 200 Personen.

Die oftmals kolportierte Zahl von 1000 bis 2000 Personen ist also nicht gleichzeitig sondern sicherlich pro Tag gemeint. Diese Zahl stimmt dann auch mit dem was ich selber an den drei Tagen erlebt habe, während ich im Canyon war, überein. Etwa 10 Guides mit jeweils zwei Dutzend Leuten im Schlepptau. Darunter ca. 20 bis 30 auf der geführten Fotografen-Tour, welche ein schlechter Scherz ist. Dazu aber gleich mehr.

Und 54 Stative können schon mal im Canyon gewesen sein, aber halt nicht aufgestellt samt Fotografen dahinter, denn soviel Platz ist rund um die Beams nicht vorhanden. Obwohl ich in der Peak Season im Juli zur Mittagszeit im Upper Antelope Canyon war, habe ich maximal 15 bis 20 Fotografen mit Stativen gesehen. Allerdings war auch dies schon sehr grenzwertig.

 

Fotografie im Antelope Canyon 

Bevor ich nun auf die Problematik mit den vielen „Fotografen“ und dem Canyon an sich eingehe möchte ich an dieser Stelle einen Hinweis anbringen.

Das fotografieren für private Zwecke im Upper-, sowie auch im Lower Antlope Canyon zwar geduldet, die öffentliche Verbreitung der Fotos (Internet) ist aber verboten!

Originalzitat:

Filming and photography will be allowed as long as the property rights of the Navajo people and park residents and traditional uses are not infringed.

Das sich niemand etwas darum schert und die Fotos alle im Internet landen ist mir bewusst, ändert aber nichts daran, dass es illegal ist und die Navajo Nation Film Office Klage gegen jeden einzelnen einreichen könnte, was sie wegen der Anzahl der Amateure klarerweise nicht macht.

 

Ist man nun begeisterter Hobbyfotograf, oder sogar ambitionierter Semiprofi stellt sich kaum die Frage und man bucht die angebotene 2 stündige Fotografentour (40,00 USD). Diese wird im Normalfall von einem kundigen Guide, der selbst zumeist auch gleich Fotograf ist geführt und in Windeseile wird die Gruppe mit etwa 10 bis 15 Fotografen von einem Platz zum nächsten gescheucht. Hierbei hat der einzelne eine kleine Chance auf einen Quadratmeter Platz für wenige Sekunden vor jedem dem Beams. Kein Scherz!

Als weitere und weitaus beste Möglichkeit gibt es aber auch privat geführte Touren für Fotografen.

Diese Variante ist, wie ich offen zugeben muss eine recht wenig verbreitete und selten gebuchte, jedoch fast die einzige Chance auch mit guten Ergebnissen nach Hause kommen zu können. Wobei die Betonung auf „Chance“ liegt! Allerdings ist diese auch ziemlich Kosten intensiv. Für eine 2-stündige Tour verlangte z.B. die von mir gewählte Firma (Roger Ekis Antelope Canyon Tours) satte 450,00 USD! Die Begründung wieso der Preis so exorbitant hoch wäre war simpel. In den 2 Stunden die der Guide mit mir im Canyon quasi „verliert“, könnte er sonst 2 Gruppen a' 15 - 20 Personen beaufsichtigen und dies würde einen quasi Geschäftsentgang von etwa 750,00 USD bedeuten. Daher die 450,00 USD.

Hat man so wie ich die teuerste aller Varianten, die privat geführte Tour gebucht und hält man ein „special use permit“ sowie ein „commercial film permit“ in Händen sieht alles plötzlich ganz anders aus. Man muss nicht mehr am Wärterhäuschen Halt machen, sondern wird erwartet und durch gewunken, während alle anderen, also auch die 2 Stunden Fototourentouristen bis zu einer Stunde in der Sommerhitze zuwarten müssen bis die nächste Tour sie zum Canyon bringt.

Im Canyon dann die große Verwunderung. Mehr als hundert Menschen drängeln sich dicht and dicht auf dem nur 400m langen Canyon zwischen den Navajo Sandsteinfelsen und dutzende Stative gedrängt vor einem der Beams. Wie soll da einer auch nur ein halbwegs vernünftiges Bild zustande bringen war mein erster Gedanke?

Dann aber zu meiner großen Verwunderung wurden alle „nur“ 2 Stunden Fototouren-Touristen ersucht Platz zu machen, da nun ein Fotograf mit offizieller Genehmigung der Navajo Regierung hier wäre und prompt stand ich jeweils in bester Position an vorderster Front mit meinem 1,70 m hohen Gitzo Stativ. Und da ich ein 14mm Objektiv an meiner Nikon D3 (Vollformat) im Hochformat einsetzte, mussten alle hinter mein Stativ weichen, ob sie wollten oder nicht. Da waren die Guides nicht zimperlich in ihrer Wortwahl. Und was mich noch mehr wunderte, es folgten alle ohne ein Wort des Widerspruches.

Für alle die nun eine falsche Vorstellung bekommen haben sollten. Von allen Foto-Locations die ich im Laufe der letzten 21 Jahren aufgesucht habe, war kein Platz auf der Welt so stressig und so schwierig wie der Upper Antelope Canyon zu fotografieren. Nie habe ich bei knapp 25 Grad Außentemperatur so geschwitzt, nie war ich so im Stress. Wenn man weiß, dass man für einem Beam vielleicht nur 1min zur Verfügung hat und in diesen 60 sec DAS Bild schaffen MUSS wird alles andere zur Nebensache.

 

Das zeitliche Problem hierbei ergibt sich durch die 10 verschiedenen Gruppen welche zur selben Zeit durch den Canyon geleitet werden. Während die einen gerade eine Tour beginnen kollidieren sie bald mit jenen die vor knapp einer Stunde wieder aus dem Canyon rauskommen möchten. Bei den engen Passagen an denen kaum zwei Menschen nebeneinander stehen können bedeutet dies warten. Wieder ein Stückchen gehen, ein kleine Geschichte erzählt bekommen und wieder warten. So sind 120 min ruck-zuck um ohne ein einziges vernünftiges Bild gemacht zu haben glaubt mir. Ich weiß es, denn am dritten Tag war ich alleine ohne Guide unterwegs.

Ja, auch das geht. Man wird von einem der Guides zum Canyon gefahren, steigt aus und wird 3 Stunden später wieder abgeholt. Okay eigentlich sollten es nur 2 Stunden sein, aber ich hab ein wenig an der Uhr gedreht ;-)

An diesem dritten Tag sah ich wie es allen anderen geht. Mir blieb nämlich nichts anderes übrig als mich einer der Fototouren anzuschließen und mir einen Platz zu erkämpfen. Okay, ich geb ja zu, manchmal hatte ich einen kleinen Vorteil, da mich mancher Guide bereits mit Vornamen kannte und mir hinter dem nächsten Felsen zurief: „are you done Wolfgang, can we move to your side?

Natürlich war meine Antwort: „NO, not yet, please give me 1 more minute!“

Ich kann mich an eine sehr enge Passage erinnern wo einer der anderen Touristen dann schon etwas ungehalten wurde, da ich den ganzen Canyon blockierte und er den Guide fragte wie lange eigentlich so eine Minute hier in Arizona dauern würde. Der Guide deutete dann an dass, wenn es noch lange dauern würde er mir mein Stativ wegnehmen müsste, was natürlich als Scherz gemeint war.

Nun aber wieder weiter bezüglich der Möglichkeiten wenn man eine geführte Tour gebucht hat. Möchte eine Gruppe Fotografen z.B. einen Beam für sich alleine haben sind sie vom gutwill der Guides abhängig, denn dafür muss von hinten wie von vorne der gesamte Fußgängerverkehr, der normalen Touristen für mindestens 2 bis 3 Minuten angehalten werden.

Dies passiert aber nur dann, wenn die Guides gut aufgelegt sind und ordentlich Tipp von den Fotografen bekommen haben, das garantiere ich euch. In meinem Fall hatte ich extremes Glück mit meinem Guide, denn nicht nur das ich unterstützt wurde wo es nur ging, stand ich immer richtig und es wurde teilweise der ganze Canyon für 5 Minuten gesperrt, nur weil ich mir einbildete an der engsten Stelle mein großes Stativ aufbauen zu müssen und eine Belichtungsreihe über volle 9 Blenden machen wollte.

Das klingt für manchen nun wahrscheinlich etwas eigenartig, wird aber durch dutzende gleichlautende Berichte im Internet von Leuten die die zweistündige Fototour entäuscht ohne ein vernünftiges Bild vom Stativ beendet haben weiter untermauert. Ich ersuche an dieser Stelle nicht zu vergessen, dass wir das Jahr 2009 schreiben und wirklich mindestens hundert Leute gleichzeitig im Canyon sind. Alle wollen fotografieren, nur leider ist dafür einfach zu wenig Platz!

Die einen mit ihrer Kompaktkamera, da blitzt es dann aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse im Canyon manchmal und ständig schreit ein Guide, „no flash photography please“, die anderen mit Stativ und einer mehr oder weniger großen Hoffnung einen guten Platz ergattern zu können (was selten gelingen wird heutzutage) und vereinzelte Profis wie mich, die viel Geld und Zeit investieren und dafür unter freundlicher Mithilfe der Guides eine faire Chance eingeräumt bekommen. Auch dies ist nicht viel, aber das meiste was man unter solch extremen Bedingungen erwarten kann. Geld ist halt auch nicht alles, denn bezahlt haben sie alle.

Ob es sich lohnt steht trotz all dem Geld und dem Stress auf einem anderen Blatt, denn Kunst kann man nicht erzwingen. Entweder es passt alles und man hat ein paar grandiose Aufnahmen in der Tasche, oder eben nicht. That's life!

 

Die Ausrüstung

Meine Empfehlung für beide Canyons lautet:

Extremes Weitwinkelzoom (z.B. 14-24 mm) an einem Vollformatbody. Stabiles großes Stativ plus Wasserwaage und Fernauslöser.

Blasebalg um den Sand immer wieder von der Frontlinse wegblasen zu können und ein Handtuch. Wozu das Handtuch? In regelmäßigen Abständen weht der Wind von oben größere Mengen feinen Sand nach unten in den Canyon. Das ist noch schlimmer als der immer wieder von den Guides hochgeworfene Sand, weil die Menge die eure kamera direkt trifft wesentlich größer ist. Also immer ein Handtuch bei der Hand haben und schnell reagieren wenn plötzlich ein Sandschwall von oben kommt.

Teleobjektive sind im Canyon nicht wirklich erforderlich. Verzweifelt man wegen der vielen anderen Fotografen und Touristen, welche einem überall im Bild rumstehen, kann man mit einem 24-70mm herrlich alle feinen Details herausarbeiten.

Fazit

Eine der schönsten Locations weltweit für Fotografen, wären da nicht die zeitlichen Beschränkungen und die vielen Menschen. In Zukunft muss sicher eine andere Lösung gefunden werden, denn der Ansturm wird von Jahr zu Jahr größer und bereits jetzt ist der Upper an der absoluten Kapazitätsgrenze angelangt. Mehr Personen kann der nur 400m lange Canyon einfach nicht mehr aufnehmen.

Wie sich zeigt bringt auch die jährliche Teuerung keinen Rückgang der Besucherzahlen mit sich und so gehe ich davon aus, dass es nur mehr eine Frage der Zeit ist bis die Sandpiste asphaltiert wird. Platz für einen riesigen Parkplatz wäre ja direkt vor dem Eingangsportal vorhanden. Weiters wäre auch denkbar allen "nur" Besuchern das fotografieren gänzlich zu untersagen und sie hinten am Ausgang über Treppen auf einem neuen Weg über dem Canyon wieder zurück zum Parkplatz zu lotsen, was den Verkehr innerhalb des Canyons sofort halbieren würde.

In welcher Form die Touren der Amateur- und Profifotografen in dieser Form weitergeführt werden können ist ebenso fraglich, da das derzeitige Chaos professionelle Fotografie eigentlich ausschließt. Auch hier wäre natürlich möglich die Fototouren nur noch an bestimmten Tagen zu organisieren und dann, um einen höheren Betrag, kleineren Gruppen echte Fototouren zu ermöglichen. Hierbei hatte dann aber jeder Fotograf genügend Zeit und Platz bei jedem der Beams vernünftige Fotos machen zu können.

Hoffe es war für jeden etwas dabei. In diesem Sinne,... bis bald.

Euer

Wolfgang

 

 

Currently 2 comments

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#1

Gute Fotozeiten

Hallo Wolfgang, bin nur durch zufall hier vorbeigeschneit und begeistert von den Fotos - ich war im Dezember 2008 in Page und hatte da sehr viel Glück, nicht nur dass ich 2 Stunden im Canyon alleine war (nur noch der Guide dabei...) sondern auch dass eben die ganzen Probleme des Sommers nicht vorhanden sind, man muss allerdings Glück haben denn an manchen Tagen ist das Wetter nicht so doll wie bei mir und dann kommt man nicht in den Canyon...

Gruß
Marco

Comment posted by Marco

#2

Nix

Totfotografiert und Massenauflauf. Keine verlockende Kombination. Auch nicht wenn man die Mr.-VIP-Lizenz und erlesene Englischkenntnisse hat ("give me 1 more minute")... Oje.

Comment posted by Christian Tremin

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