Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
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Upper Antelope Canyon bei Vollmond

 

  Tse' bighanilini at full moon

 

Ich möchte euch heute eine kurze Geschichte von meinem letzten Abenteuer, dem Besuch des berühmtesten Slot-Canyons der Welt, genannt "Upper Antelope Canyon" in Page, Arizona erzählen.

Die Dine (Navajos) nennen ihn Tse‘ bighanilini, was übersetzt so viel wie „Der Ort wo das Wasser durch die Felsen fließt“ bedeutet. Die amerikanischen Ureinwohner, wie die Indianer lieber genannt werden möchten, beten an diesem Ort zu Ihren Ahnen obwohl sie den Canyon nach eigenen Aussagen nicht als heiligen Ort betrachten. Das ginge auch gar nicht, denn dann könnte man dort täglich nicht tausende zahlende Besucher hineinschleppen, erfahre ich von "walking eagle" (gehender Adler) einem sehr netten jungen Navajo Guide.

Auf meine Frage wieso sein Spitzname denn walking eagle wäre, fangen alle anderen Guides zu lachen an und einer meint: Na weil er nicht fliegen kann!" Das die Guides hier aber tatsächlich während ihren Touren beten bemerken die wenigsten Touristen, da sie mit sich selbst und ihren Kameras so beschäftigt sind.

Mein Abenteuer begann wie so viele zuvor als Idee in meinem Kopf. Jeder kennt das von seinen eigenen Reisen ins ferne Ausland. Bei der Planung gilt es, lange vor der Buchung eine ungefähre Reiseroute zusammenzustellen und sich zu überlegen wo man wie lange zubringen möchte.

Soweit so gut.

Als Fotograf hat man es da aber etwas schwieriger, muss man denn auch Sonnenauf- und Untergänge in seine Reiseplanung integrieren und die Anfahrtswege zu den Fotozielen einplanen. Kommt dann noch ein full moon shooting eines der berühmtesten Plätze für Fotografen weltweit hinzu wird’s ganz schwierig, denn dann bedarf es auch noch einer Vielzahl von Permits die vorab zu besorgen sind.

Auf die Idee kam ich aber nicht selbst, sondern wurde von meinem guten Freund Jörg Gollenbeck darauf gebracht. Ich errinnerte mich aber erst an seine Worte, als die gesamte Urlaubsplanung fertig war. Er hatte vor Jahren Bilder eines Fotografen gesehen der den Antelope Canyon bei Nacht fotografiert hatte. Sensationell sollen sie ausgesehen haben, die Fotos. Zwar konnte er sich nicht mehr erinnern wo und wie, aber er war sich doch sicher, dass es der Antelope gewesen war.


Da ich die Flüge bereits im Jänner gebucht und bezahlt hatte blieb also nichts anderes übrig als nachzusehen wann im Juli Vollmond war. Es war in der Nacht vom 7 auf den 8 Juli um ziemlich genau 2:00 Uhr früh Ortszeit Page, AZ. Also musste ich alle Permits und den erforderlichen Guide für dieses spezielle Datum buchen und sehen wie ich an jenem Tag dort hinkam. Dies war mehr als wagemutig, da man 2 Monate vorher ja unmöglich wissen kann, wie das Wetter an jenem denkwürdigen Tag sein wird.

Als ich dann am 4.Juli das Flugzeug bestieg und gen Westen flog, war mehr als ungewiss ob das Shooting überhaupt stattfinden wird können. Die Wetterprognose sagte starke Bewölkung und Regenschauer voraus. Die schlechteste aller Möglichkeiten. Ich sah mich schon heulend vor dem Portal des Canyons stehen und ohne auch nur ein Foto nach Österreich zurückzukehren. Von der Schmach gegenüber all den Zweiflern mal abgesehen.

Das Wetter war dann auch eine kleine Katastrophe in den ersten beiden Tagen und als wir in Farmington (NM) ankamen war ich mir immer noch unsicher ob es überhaupt Sinn machen würde die lange Reise nach Page (AZ) anzutreten. Denn trotz aller Planung schaffte ich es nicht unseren Reiseverlauf so hinzu biegen, dass ich am Tag des Vollmondes auch wirklich in der Nähe von Page war.

So blieb mir nichts anderes übrig als mich am Nachmittag gegen 16:00 Uhr Ortszeit von Farmington, New Mexiko auf den langen Weg nach Page, Arizona zu machen.

Google Maps veranschlagt für die 226 Meilen (364km) ganze 4 Stunden und 49 Minuten, was einem Schnitt von nur 76 km/h! entspricht. Fahren die dort Überland wirklich so langsam war mein Gedanke? Nun wusste ich von den letzten drei Tagen, dass man durchaus Durchnittsgeschwindigkeiten von bis zu 65 Meilen erzielen konnte ohne ein Gesetz zu verletzen. Da ich die betreffende Strecke von Farmington gen Westen aber nicht kannte, blieb mir gar nichts anderes übrig, als vorsichtshalber wirklich um 16:00 Uhr abzufahren.

Nach nur 3 Stunden bin ich dann viel zu früh in Page angekommen und musste erst mal 2 Stunden auf das Treffen mit meinem Indianischen Freund Ryan warten. Bevor es in den Canyon ging aßen wir dann noch gemütlich zu Abend in der Dam Bar and Grill. Nach einem herrlichen Steak machten wir uns dann gegen 21:00 Uhr, es war bereits finster, auf in Richtung Antelope Canyon.

Das ich mehr als gespannt war ist wohl überflüssig zu erwähnen, war ich doch nie zuvor dort gewesen. Klarerweise war der Schranken mit einer dicken Kette versperrt und Ryan musste auf dem Highway Halt machen das Schloss aufsperren und erst danach ging es zu Parkplatz, wo für Touristen normalerweise erst mal Halt ist. Wir fuhren hier einfach durch und nach 2 Meilen durch den tiefen feinen Sand kamen wir endlich an. Hier war ich also, direkt vor dem Eingangsportal des berühmten Upper Antelope Canyon, dachte ich mir insgeheim und sah meinen Guide an. Auf meine Frage wie oft der erst 26 jährige denn schon im Upper war, kam ein mitleidvolles Lächeln und dann eine Zahl die ich nicht glauben konnte. Nachdem tausendsten mal hab ich zu zählen aufgehört, meinte Ryan, aber es waren sicher mehr als 5000 mal insgesamt. Da wurde mir schlagartig klar wie langweilig das alles für ihn sein musste und wie fad ihm gerade war.

Wir stiegen aus und voller Enthusiasmus schulterte ich meinen Rucksack und das Stativ. Die Taschenlampen halfen uns den Weg zu finden und gleich nach dem Eingang, dort wo normalerweise der erste Beam um die Mittagszeit die wunderschönen Felsen zum glühen bringt brachte ich mein Stativ in Stellung.

Zu meiner Verwunderung musste ich aber feststellen, dass es doch etwas finsterer war als erhofft. Um ganz ehrlich zu sein war es sogar so finster, dass ich nicht einmal meine Kamera sah die sich 30cm vor meinem Gesicht befand. Das warf dann auch gleich die nächste Frage auf, nämlich wie ich ein Motiv finden könnte wo ich selber nichts sah?

Spätestens an dieser Stelle hätte auch der leidenschaftlichste Fotograf sein ganzes Equipment wieder zusammengepackt und hätte langsam aber bestimmt den Ort wieder verlassen. Ich fragte Ryan wie viele Fotografen dies vor mir bereits versucht hatten, also bei Vollmond Fotos im Upper Antelope zu machen?

Ryan dachte kurz nach und meinte, einige, erst letztes Jahr war ein Japaner da, allerdings hat es keiner geschafft und schlussendlich musste er immer mit seinen mitgebrachten Taschenlampen die Felsen künstlich ausleuchten damit die Fotografen nicht komplett leer ausgingen. Keine sehr ermutigende Botschaft dachte ich mir. Sollte ich mich tatsächlich verkalkuliert haben?

Wieso sind dann keine Fotos im Internet und wieso habe ich keinen einzigen gefunden der mir Tipps geben konnte, lautete gleich meine nächste Frage? Ryan erklärte mir daraufhin, dass alle die es bis dato versucht hatten keine Genehmigung zur Veröffentlichung hatten und unterzeichnen mussten die Fotos nicht ins Internet zu stellen. Da ich mir die Mühe gemacht hatte um ein „commercial photography permit“ anzusuchen und es nun nach 58 E-mails, 12 Formularen (klarerweise in Englisch) 8 Telefonaten und über 800 Euro erlangt hatte, war ich also nun tatsächlich der erste Fotograf der nicht nur des Nächtens in den Upper Antelope Canyon durfte, nein ich war auch der erste der diese Fotos herzeigen und verkaufen darf. Mit freundlicher Genehmigung der Navajo Nation Film Office! Na, dass hat doch was dachte ich mir. Immerhin waren alle Fotografen die Rang und Namen haben schon Jahre vor mir hier.

Ist es also tatsächlich gänzlich unmöglich im Upper Antelope Canyon vernünftige Fotos bei Vollmond zu machen war die nächste Frage, welche mich die nächsten Stunden über beschäftigen sollte? Es sah für einen Moment lang so aus um ehrlich zu sein. Ich wollte mich aber auf keinen Fall geschlagen geben. All die Mühe, das viele Geld und all die vielen Permits können doch nicht umsonst gewesen sein, ging es mir durch den Kopf.

Als erstes stellte ich mich mitten im Canyon an einer der Plätze an dem es untertags wunderschöne Felsformationen zu sehen gibt und baute mein schweres Gitzo auf. Bereits beim montieren der Kamera wurde klar das ich eine Taschenlampe brauche, denn wo kein Licht ist und man nichts mehr erkennen kann, lässt sich beim besten Willen kein vernünftiges Bild durch den Sucher gestalten.

Und genau davon lebt die professionelle Fotografie nun mal, man hat eine Idee und setzt sie anschließend fotografisch unter Zuhilfenahme einer Kamera um. Die Idee hatte ich an sich, nur sah ich nichts.

So wusste ich nicht wo ich die Kamera aufstellen sollte und war relativ hilflos. Ryan wusste ebenfalls keinen Rat, denn all die Highlights zu denen er die abertausenden Fotografen bis dato geführt hatten befanden sich tiefer drinnen im Canyon wo überhaupt kein messbares Licht vorhanden war.

Auch mit ISO 25.600 und 5 Minuten (300 sec ist eine sehr lange Zeit für Fotografen!) Belichtungszeit bei Offen blende mit meinem 14mm (f/2.8) war da nichts am Monitor zu sehen, was mich ehrlich gesagt ziemlich erschreckt hat.

Hier das unbearbeitete Ergebnis:

 


Man muss sich diese Daten erst mal auf der Zunge zergehen lassen.

Zum Vergleich: Tageslichtfotografie spielt sich im Normalfall im Bereich 1/250sec bei Blende f/8.0 und ISO 100 ab.

Nimmt man diese zwei Werte her habe ich also im Canyon um den Faktor 128.000.000 (128 Millionen) länger belichtet als draußen zur Mittagszeit und es ist immer noch NICHTS auf dem Sensor gelandet was als Foto klassifizierbar wäre.

Das ist bitter sag ich euch. Und dies war dann auch der Zeitpunkt wo mir schlagartig klar war, dass ich meine Strategie blitzartig umstellen musste. Die schönen geschwungenen Felsen im Mondlicht bläulich abzubilden konnte ich mir abschminken.

 

 

Ich beriet mich mit Ryan ob er eine Möglichkeit sehen würde und er meinte der hintere Teil des Canyons könnte am ehesten geeignet sein, da der Mond dort den Ausgangsbereich direkt anstrahlen sollte.

Also machten wir uns bewaffnet mit Taschenlampen auf den Weg und erreichten nach wenigen Minuten das Ende des Upper, wo tatsächlich der Mond relativ hell schien. Allerdings wurde es auch dort, direkt vor dem Ausgang des Canyons nicht wirklich einfacher.

 

So leicht deprimiert suchte ich nach indirekt beschiedenen Formationen die hübsch anmuteten und hell genug waren um wenigstens auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Dies war dann auf einen winzigen Bereich vor der letzten Biegung nahe dem Ausgang des Canyons gegeben.

Das Ausrichten der Kamera erwies sich dann wie das korrekte fokussieren als Challenge der Extra klasse. Ebenso wie die korrekte Belichtung, da der interne Belichtungsmesser meiner Nikon D3 genau gar nichts mehr anzeigte. Ich war also auf eine Schätzung angewiesen und musste am Monitor analysieren ob ich die ISO verändern und/oder die Blende wenigstens um eine Stufe erhöhen konnte. So tastete ich mich binnen einer halben Stunde an das erste brauchbare reine Mondlichtfoto im Canyon heran.

 

Natürliches Mondlicht:

 

 

Nach zwei weiteren Stunden in denen mich das fehlende Licht fast zur Verzweiflung brachte, nahm ich mir dann doch das Herz und griff aufs Ryans Erfahrung als „Ausleuchter“ zurück und begab mich mir ihm in die Mitte des Canyons wo all die berühmten locations auf uns warteten. Ryan positionierte seine Taschenlampen und ich richtete mit seiner Hilfe die Kamera aus. Dann wurde wieder mit seiner freundlichen Taschenlampenausleuchtung der Fokus festgelegt und die Langzeitbelichtung gestartet.

So entstanden einige recht interessante Bilder, teilweise mit Himmel und Sternen, teilweise ohne. Am Ende der Nacht kamen wir dann am Eingang an und ich wollte meine ursprüngliche Idee vom schon erleuchteten Eingangsportal umsetzen. Ryan konnte sich obwohl selbst Fotograf nicht so ganz vorstellen und ich musste ihm demonstrieren wie ich mir das Bild vorstellte.

 

 

Natürliches Blau samt Sternen im Himmel. Den Felsen links oben im Bild vom Mond erleuchtet, im Eingangsportal meine Taschenlampe (The Torch- der Welt stärkste Taschenlampe- Belichtungszeit trotzdem 20sec!!!) und draußen ebenfalls mit meiner Taschenlampe nach hinten geleuchtet und links und rechts vom Stativ in mühsamer Kleinarbeit das Portal so erhellt das die Struktur der Felsen gerade noch sichtbar ist.

 

 

Nachdem mir hier ein zufriedenstellendes Foto gelungen war ging ich noch ein letztes Mal in den Canyon und richtete die Kamera auf den Eingangsbereich. Es war bereits kurz vor 3 Uhr früh und mein Permit gestattete mir eigentlich nur bis 2:00 Uhr im Canyon zu sein (kein Scherz) und so beeilte ich mich da ich die Geduld meines neu gewonnenen Freundes, Ryan, auch nicht über die Maßen strapazieren wollte.

 

 

Nach diesem letzten Versuch, der überraschend gute Ergebnisse brachte, packte ich zusammen und erst jetzt wurde mir klar was da heute noch vor mir lag. Meine Frau und meine Tochter warteten in Farmington auf meine Rückkunft während ich noch immer am Portal des Upper Antelope stand und fotografierte.

Zurück beim Geländewagen Ryans, trank ich eine Wasserflasche, wusch mir den Sand aus den Augen und verstaute meine Kamera im Rucksack. Auf dem Weg zurück nach Page wo mein SUV parkte verabschiedeten wir uns und ich bat Ryan für den 14. Juli eine privat geführte Fotografentour durch den Upper zu organisieren da ich nicht mit all den anderen Hobbyfotografen um den besten Platz vor den Beams streiten wollte.


Ryan zeigte sich sehr besorgt wegen der späten Stunde da er wusste das ich noch einen 3 stündigen Ritt vor mir hatte, warnte mich eindringlich davor es auf die leichte Schulter zu nehmen und wünschte mir eine gute Reise. Ich räumte dann am Parkplatz angekommen alles in mein Fahrzeug ein und fuhr los. Nach 3 schweren Stunden kam ich dann endlich gegen 8 Uhr Ortszeit in Farmington an und genehmigte mir erstmal 3 Stunden Schlaf bis es zum Frühstück mit meiner Familie ging.

Dann wurde gepackt ausgecheckt und die selbe Strecke bis zum Monument Valley wieder retour gefahren ;-)

Liebe Grüße

Euer Wolfgang

 

 

Currently 1 comments

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#1

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Bin über das dslr-forum hergekommen und bin baff. Die Fotos sind genial, aber Deine Beschreibung ist so dicht, dass man das Gefühl hat, Deine "Verzweiflung" mitzuerleben.

Ich glaube, ich muss mal in die USA reisen... :-)

Comment posted by Stefan → blog.unkreativ.net

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