Teleobjektive für Landschaftsfotografen
Gesucht: Ein perfektes Teleobjektiv für die Landschaftsfotografie
Benötigte Features:
400mm Brennweite
Kompakte Abmessungen
Unter 3,0kg
Perfekte Abbildungsleistungen (gemessen am AF-S VR 200mm f/2.0)
Konvertertauglichtkeit
Bezahlbar
Nicht erforderlich:
Hohe Lichtstärke (am Stativ nicht nötig)
Schneller Autofokus (Berge laufen nicht weg)
Seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach dem perfekten Allroundobjektiv für meine Outdoorshootings. Und da ich sicher bin das es nicht nur mir so geht, möchte ich euch heute mitteilen, dass ich, nach fast einem Jahrzehnt der Suche die für mich perfekte Lösung gefunden habe.
Sicher muss ich euch nicht mit den Testberichten der üblichen Verdächtigen langweilen, denn jedermann kennt heutzutage die Tests des Herrn Rorslet, und die Michael Weber's um nur zwei aufzuzählen. Leider passieren aber auch Herrn Rorslet immer wieder Fehler bei seiner subjektiven Einschätzung einiger Linsen, weshalb ich mir heute die Mühe machen möchte, etwas Licht in den Dschungel der Telefotografie zu bringen.
Bis 200mm Brennweite ist es recht einfach.
Da gibt es das Nikkor AF-S VR 70-200mm f2.8 G IF-ED, welches recht ordentlich abbildet. Im mittleren Preissegment angesiedelt kann man es fast in jeder Fototasche finden.
Ist man mit der Abbildungsleistung des 70-200mm unzufrieden, bleibt dann nur mehr der Griff ins Portmonee, denn das AF-S VR 200mm f2.0 G IF-ED kostet mehr als doppelt soviel. Allerdings bekommt man dafür auch eine der besten Nikon Linsen, die heute verfügbar ist. In Punkto Schärfe gibt es meiner Ansicht überhaupt kein Objektiv welches es mit dieser Konstruktion aufnehmen könnte. Aber auch die Kontrast-Farbübertragung sowie das völlige fehlen von Farbsäumen (CA) ist einzigartig und sucht bis auf wenige andere Superteleobjektive seinesgleichen.
Mit einem Wort sensationell.
Hier muss aber nicht viel erklärt werden, denn diese Tatsache ist weithin bekannt.
Schwieriger wird es erst wenn Landschaftsfotografen, und nur an solche wende ich mich mit meinem Testbericht auf der Suche nach einem hervorragenden 400mm sind. Klar, es gibt das Nikkor AF-S VR 400mm f2.8 G IF-ED, keine Frage. Nur sind mir, ganz abgesehen vom Preis (8039,00 Euro derzeit) 4620 Gramm eindeutig zuviel wenn ich mit dem Rucksack und meinem sowieso schon viel zu großen Stativ (Gitzo G 1549 MK II) unterwegs bin.
Hinzu kommt noch, dass zu den 4,6kg ja noch ein Transportbehältniss hinzugerechnet werden muss, denn in den Rucksack kriegt man es kaum noch.
Natürlich könnte man sich nach einem gebrauchten AF-I oder AF-S umsehen. Das Problem mit den fast 5kg bleibt aber auch dann bestehen.
Bei Nikon selbst bleibt von den derzeit erhältlichen Objektiven dann nur noch das Nikkor AF-S VR 200-400mm G IF-ED übrig, welches mit 3275 Gramm und einem Neupreis von 5599,00 Euro auch nicht gerade als Schnäppchen gelten kann. Sicherlich ein Top-Objektiv, keine Frage. Ich selbst habe zwei Stück davon jahrelang im Einsatz gehabt und war damit rund um den Globus im Einsatz, nur gibt es bei dieser Optischen Konstruktion leider auch Nachteile.
Da wäre zum einen die sehr eingeschränkte Konvertertauglichkeit.
Wegen seiner 24 Linsen in 17 Gruppen kann nur der Nikon AF-S TC-14 E II uneingeschränkt empfohlen werden. Bereits beim AF-S 17 E II leidet die erzielbare Schärfe enorm und selbst um zwei Blenden abgeblendet ist das Ergebnis gerade noch akzeptabel. Dies ist für mich Aufgrund des hohen Gewichts und des Preises nicht wirklich akzeptabel. Sieht man sich also nach Alternativen um wird’s schnell traurig.
Es gäbe zwar das in die Tage gekommene Nikkor AF VR 80-400mm f4.5-5.6 D ED (Produktionsbeginn war Feb. 2000 – derzeit noch 1235,00 Euro Neupreis - 1340 Gramm), jedoch ist die Abbildungsleistung am langen Ende mehr als dürftig und der VR der ersten Generation als extremer Stromfresser auch keine Offenbarung. Noch dazu ist es gänzlich untauglich für jegliche Konverter (lt. Nikon ist interessanterweise der TC-201 verwendbar, was ich aber nicht bestätigen kann).
Natürlich gibt es auch Fremdhersteller in diesem Telezoombereich. Sigma möchte ich hier erwähnen, da viele Amateure aufgrund der erwähnt tristen Ausgangslage nach Fragen in Fotoforen dann in Ermangelung besserer Alternativen entnervt zu einem dieser drei Telezooms greifen.
Sigma 120-400 f/4.5-5.6 DG OS APO HSM (1750 Gramm – 588,00 Euro)
Sigma 150-500 f/5-6.3 DG OS APO HSM (1910 Gramm – 787,00 Euro)
Sigma 50-500 f/4,0-6,3 EX APO HSM RF (1850 Gramm – 999,00 Euro)
Alle drei liefern mehr oder weniger scharfe Fotos und reichen durchaus für 99% aller Amateure und deren Anwendungen völlig aus. Bitte nicht falsch verstehen, aber wenn ich mir ansehen welcher Mist heutzutage bei Flickr upgeloadet wird, könnt ihr auch eine Frucadeflasche vor euren DSLR Body schrauben.
Hat man Glück und bekommt ein ordentlich zentriertes Exemplar, gelingen damit am kurzen Ende durchaus passable Schnappschüsse. Leider sind jedoch diese Superzooms bei 400, resp. 500mm bei Offenblende unbrauchbar und auch abgeblendet nur wenig besser. Top Schärfe darf man sich hier gerade wegen des günstigen Einstiegspreises nicht erwarten.
Man sieht recht schnell, dass gerade der Bereich jenseits der 300mm etwas dürftig bestückt ist. Was also tun, wenn man gerne Landschaften und deren Details fotografieren möchte, aber weder 8000,00 Euro überflüssig, noch einen Sklaven zum herumschleppen parat hat?
Bis vor wenigen Tagen wusste ich auf diese Frage genau wie tausend andere Nikonfotografen auch keinen Rat. Hier waren die Testberichte von Herrn Rorslet leider wenig hilfreich, da er viele der „alten“ 400er seit Einführung der Nikon D3 Punktemäßig ordentlich heruntergesetzt hat. Ob dies damit zu tun hat, dass er die neuen Linsen bewerben möchte, oder seine Exemplare wirklich so schlecht sind möchte ich hier nicht bewerten, da ich selber immer einen Blick auf seine sehr aussagekräftigen Bewertungen werfe, bevor ich neue Objektive kaufe.
Im Fall des Nikkor Ai-S MF 400mm f3.5 IF-ED muss ich ihm aber ganz klar widersprechen.
Nachdem ich mich vor gut einem Jahr in das Nikkor AF-S VR 200mm f2.0 G IF-ED verliebt hatte war schnell klar, dass eine Ergänzung nach oben hin her muss. Das Nikkor AF-S VR 200-400mm f4.0 G IF-ED kam nicht in Frage, da es bei 200mm wesentlich schlechter abbildet und praktisch keine Konvertertauglichkeit mitbringt. Und nur wegen seiner 400mm schleppe ich sicherlich keine zusätzlichen 3,3kg durch die Gegend.
Deshalb kaufte ich mir dann ein neuwertiges Nikkor AF-S 500mm f4.0 IF-ED zusätzlich zu meinen anderen Nikkoren. Das Objektiv war wunderbar scharf und Kontrastreich hat aber leider neben seinem Kaufpreis von knapp 7000,00 Euro auch 3800 Gramm an Gewicht, welches wie oben erwähnt auch getragen werden muss. Es funktioniert wunderbar mit allen drei Konvertern und wäre da nicht die Größe mit 394mm Länge hätte es vermutlich den Weg in meinen Rucksack gefunden.
Qualitätsmäßig gab’s da nichts zu bemängeln.
Nachdem auch das 500mm wieder verkauft war und ich immer noch auf der Suche nach einem scharfen, günstigen, leichten, kleinen 400mm war kam mir ein günstiges 600mm in die Quere, welches ich sofort kaufen musste.
Es handelte sich dabei um das Nikkor MF Ai-S 600mm f5.6s IF-ED. Geringes Gewicht und tadellose Abbildungsleistungen begeisterten mich, wenn das 500mm auch einen Tick schärfer war, die etwas zu lange Brennweite gepaart mit der Unhandlichkeit eines 600ers (387mm Länge) trugen aber dann das ihre dazu bei mir klar zu machen, wieso ich ursprünglich ein Konvertertaugliches 400mm und kein 600mm haben wollte. Und so landete auch das neue „alte“ Nikkor MF Ai-S 600mm f5.6s IF-ED über kurz oder lang in der Bucht.
Ich jedoch war wieder am Anfang meiner endlos scheinenden Suche…..
Nun, da alle Möglichkeiten ausgeschöpft schienen, blieb mir nur mehr ein Weg übrig und der brachte mich zurück in eine längst vergangene Epoche, welche ich selbst aufgrund meiner „Jugend“, immerhin bin ich erst 41 Jahre alt, persönlich nicht erlebt hatte. Ich kaufte mit entgegen aller Warnungen von Bjorn Rorslet ein Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED.
Nikkor AiS MF 400mm f/3.5 plus TC-301 bei f/16:
100% Crop:
Und noch ein 100% Crop:
Seinem Update auf der Homepage zufolge, treten bei diesem seit 1976 produzierten Oldtimer in Verbindung mit der Nikon D3 recht starke Chromatische Abberationen auf, welche abgeblendet angeblich immer stärker werden sollen.
Dies wäre natürlich ein absolutes K.O. Kriterium, denn niemand braucht Farbsäume in seinen Fotos.
Ich möchte mir aber die Mühe machen die Ausführungen des Herrn Bjorn Rorslet Punkt für Punkt mit meinen eigenen Erfahrungen vergleichen und Ihnen berichten wo ich mit ihm übereinstimme und wo nicht.
Ich erlaube mir deshalb seinen Testbericht wörtlich zu zitieren:
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„Superb workmanship quality and arguably the best handling properties of any long Nikkor lens distinguishes this quite fast 400 mm.“ Zitat Ende
Meine Meinung:
Hervorragende Haptik und wunderbares Handling aufgrund des geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen. „Quite fast“ würde ich so nicht unterschreiben denn Blende 3.5 waren anno 1976 Weltrekord, kein anderes 400mm Tele hatte damals eine solch „extrem“ hohe Lichtstärke und auch heute, im Jahre 2009 sind die aktuellen Nikkore gerade einmal 2/3 Blenden lichtstärker. Von „quite fast“ kann also keine Rede sein.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„Image quality is excellent even at f/3.5, declines markedly at f/5.6 but improves significantly again when the lens is stopped down to f/8.“ Zitat Ende
Hier stimme ich nicht mit Herrn Rorslet überein, denn nicht nur das es äußerst unwahrscheinlich ist, dass ein Objektiv bei Offenblende bereits hervorragend ist, dann leicht nachlässt um anschließend wieder zuzulegen. Mir persönlich wäre zumindest kein Objektiv bekannt, welches solch komische Eigenschaften ausweist.
Fakt ist vielmehr folgendes:
Bei Offenblende ist die erzielbare Schärfe bereits sehr gut und kann auch durch abblenden nur noch geringfügig verbessert werden. Die Kontrastübertragung würde ich hingegen nur mit gut bewerten und die deutlich sichtbaren Farbsäume ergeben bei f/3.5 ein insgesamt verwaschenes Gesamtbild. Blendet man auf f/8.0 ab erreicht das Objektiv seine Bestwerte in Punkto Schärfe und Kontrast, die CA’s sind in der 100% Ansicht immer noch minimal vorhanden.Anmerkung zu meiner Testmethode:
Anders als viele Zeitschriften teste ich ausschließlich von stabilen Stativ, verwende einen Kabelauslöser (Nikon MC-36) und IMMER die SPVA. Des Weiteren werden nur .nef Files miteinander verglichen, welche ich mittels Capture NX2 zu .tiff Files konvertiere, mit CS3 verkleinere und anschließend mit Qualitätsstufe 12 als .jpg File abspeichere.
Dies ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit maximale Qualität zu sichern und gleichzeitig Mundgerechte kleine Web Files zu generieren. Ein Problem sind natürlich die Kameraintern eingestellten Parameter. Ich erinnere mich noch gut an die endlosen Diskussionen bezüglich intern schärfen ja oder nein usw. und so fort.
Ich habe für mich herausgefunden was mir am besten zusagt und das bleibt natürlich auch bei meinen Testfotos aktiviert. Denn meine Tests stehen nicht für sich selbst, sondern dienen in erster Linie mir selbst und sollen meinen Erfahrungsschatz erweitern. Daher halte ich es für außerordentlich wichtig, dass sie Praxisbezogene Ergebnisse liefern und nicht theoretisch gut sind.
Was ich damit sagen möchte…?
Es sind nicht alle Kamerainternen Parameter auf null, weil dies nicht nur Praxisfremd ist sondern auch Unsinn wäre. Macht kein Mensch so. Ich habe die Schärfung auf einem Mittelwert, also 3, Farbsättigung auf plus 2 und die Rauschunterdrückung ausgeschalten. D-Lighting steht auf moderat.
Ganz wichtig dabei auch, dass ich die automatische Korrektur der CA, welche in CNX2 immer aktiviert ist, aktiv bleibt. Wenn ich also von sichtbaren Farbsäumen spreche, geht es um .tiff Dateien welche von CNX2 bereits automatisch CA bereinigt wurden (Nochmals für den technisch unerfahrenen Leser: Dies ist standardmäßig in Capture NX immer so eingestellt und müsste, falls man es anders haben will, extra umgestellt werden, was man schwachsinnigerweise zwar tun könnte, aber nicht rasend sinnvoll ist!!!)
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„When stopped further down sharpness is rapidly lost.“ Zitat Ende
Dies ist schlicht und ergreifend FALSCH!
Im Gegenteil ist dieses Teleobjektiv als eines der wenigen, welches man von Blende 5.6 bis Blende 16.0 bei durchgehend extrem hoher Schärfe einsetzen kann. Bei Blende 22.0 muss man auf Grund der Beugung dann mit leichtem Schärfeverlust rechnen, was aber bei jedem Objektiv der Fall ist und nicht extra erwähnt werden muss.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„This strange performance pattern occurred identically for two different samples so presumably is typical for this design.“ Zitat Ende
Nur weil etwas zweimal auftritt, bedeutet noch lange nicht, dass es bei allen anderen 11844 Stück auftreten muss. Ich vermute viel eher, dass Herr Rorslet vielmehr zweimal dieselbe Optik getestet hat ;-)
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„Some corner light fall-of is evident wide open but largely disappears by f/5.6-f/8.“ Zitat Ende
Vignettierungen sind vielleicht messbar, konnten bei meinen Testaufnahmen in freier Wildbahn nicht hinreichend verifiziert werden. Da ein Landschaftsfotograf höchst selten bei Offenblende arbeitet ist dieser Punkt aber auch kaum ein interessantes Kriterium bei der Qualitätsbeurteilung.Zitat v. Bjorn Rorslet:
„This lens performs extremely well with TC-301 to give an 800 mm f/7 of excellent quality, but performance with the 1.4X converters is not so good, TC-14C being the best alternative amongst them.“ Zitat Ende
Dies ist ein Punkt der gar nicht deutlich genug erwähnt werden kann. An dieser Stelle möchte ich sogar weiter gehen, als Herr Rorslet dies tut. Er schreibt zwar, dass aus dem Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED ein 800mm f/7.0 wird, erwähnt aber mit keiner Silbe, dass es auch schon bei Offenblende herausragend brillante und extrem scharfe Bilder bringt.
Nikkor AiS MF 400mm f/3.5 ED samt TC-301 bei Blende f/16:
100% Crop (800mm bei f/16):
Noch ein 100% Crop dieses Fotos:

Und noch einer:
Ist dies überhaupt möglich? Kaum jemand wird je ein Teleobjektiv in die Hände bekommen, welches durch einen angesetzten 2-fach Telekonverter praktisch um nichts schlechter wird. Die Lösung ist recht einfach betrachtet man die Baureihen der Konverter (TC-2, TC-300, TC-301) zusammen mit denen der ED-Superteleobjektive und deren erstmaliges Produktionsdatum. Im Fall des hier getesteten Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED ist es so, dass der TC-300 exakt für die Verwendung mit genau diesem Objektiv konstruiert wurde. Er harmoniert in einer Art und Weise, das man meinen könnte die beiden wären für einander geschaffen, was genau betrachtet, auch der Fall ist. Mir ist jedenfalls keine andere Tele-Konverterkombination bekannt die ähnliche gute Ergebnisse erzielt und zwar völlig unabhängig vom Preis oder Herstellungsdatum. Keines der heute produzierten AF-S (VR) 400mm f/2.8 oder AF-S (VR) 600mm f/4.0 kann, ohne das große Abstriche bezüglich der Abbildungsleistung die Folge sind, mit dem AF-S TC 20 E II verwendet werden.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„The built-in sunshade is way too short and thus the lens flares quite easily under adverse light conditions.“ Zitat Ende
Absolut korrekt, wobei ich anmerken möchte, das ich recht selten gegen die Sonne fotografiere. Als Landschaftsfotograf habe ich die Sonne stets im Rücken und so interessiert mich herzlich wenig ob eine Optik anfällig auf Streulicht ist oder nicht.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„On the high-resolution D200 and D2X, the age of this telephoto designs clearly shows.“ Zitat Ende
Na, no na…. welch großes Wunder! Ich denke aber Herr Rorslet nahm hier eher Bezug auf das äußere, als auf die inneren optischen Werte, denn bis zum heutigen Tag gibt es in Punkto Konvertertauglichkeit oder Preis-Leistung-Gewichtsverhältnis nichts vergleichbares am Markt.
Vielleicht sollte man sich hier einmal an die guten alten Zeiten erinnern und sich vor Augen führen, dass nicht zwingend alles was neu ist auch besser sein muss. Klar gibt es heute mehr als 200 verschiedene Glasorten und die Einführung von Asphären brachte bahnbrechende Neukonstruktionen mit sich, keine Frage.
Die niedrigbrechenden ED-Linsen, welche auch heute noch das Non-Plus-Ultra in unseren heutigen Objektiven gegen chromatische Abberation darstellen waren aber auch schon 1976 erfunden und wurden dazumal groß beworben. Genau das hat unser hier von mir getestetes Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED nämlich, ED-Linsen.
Ich erwähne dies extra, weil man Aufgrund der wirklich schlechten Bewertung von Herrn Rorslet (3.5-4.0) den Verdacht haben könnte, dass es sich hierbei um ein unvergütetes Objektiv aus den 50iger Jahren handeln muss.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
„Although centre sharpness is very good, …….“ Zitat Ende
Dieser Satz impliziert, dass die Optik Randunschärfen haben soll, was falsch ist. Wie jedes andere Nikon Supertele mit ED vergüteten Linsen ist die Schärfe bis in die Bildecken ohne jeden Tadel und über jede Kritik erhaben. Dies beweisen meine Testfotos hoffentlich eindrucksvoll.
Hier möchte ich mich bewusst von der Masse der „nur“ Schreiberlinge abheben. Es ist eine Sache ein Objektiv schlecht zu reden, ohne jegliche Beweise zu liefern, eine ganz andere ist es aber original .nef Dateien zur Verfügung zu stellen und damit den Beweis anzutreten, dass man ordentlich testet und über Fakten schreibt.
Zitat v. Bjorn Rorslet:
……there is far too much chromatic aberration (CA) to my liking and the images never really spring to life due to the all-over smearing of colours. If you shot it wide open the visible CA is reduced, but stop down and it creeps in everywhere. I have downrated the 400 for these cameras accordingly. However, not all subjects will give troublesome CA, so before ditching the old favourite do give it a field try.“ Zitat Ende
Nun kommen wir zum Punkt, oder besser gesagt zu dem was Herr Rorslet für den Punkt hält.
Wie jedermann weiß kann man Objektive niemals perfekt konstruieren. Irgendwelche Bildfehler bleiben am Ende immer übrig. Es kommt halt darauf an wie teuer, schwer, oder lichtstark das Objektiv am Ende sein darf/soll. Der einzig limitierende Faktor dafür war im Jahre 1976 der gleiche wie heute, die Vorgabe der Marketingleute an die Ingenieure. Soll das Objektiv möglichst Lichtstark sein wird es groß, schwer und teuer werden.
Ist Kompaktheit oberste Prämisse, müssen Sondergläser her und Bildfehler aller Art stellen sich ein. Diese kann man, bis zu einem geringen Teil dann wieder entfernen, je nach Budget der Entwicklungsabteilung und dem vorgegebnen Endverbraucherpreis. Dass die Chromatische Abberation 1976 nicht DAS Thema war, ist nicht korrekt wenn man ein wenig googelt und die Werbung aus 1975 bezüglich der damals neu vorgestellten ED- Superteles ansieht.
Bei meinem Exemplar mit der Nummer ………., halten sich die CA’s bei Offenblende in Grenzen und sind für den Laien im Vergleich zu der extrem hohen Chromatischen Abberation bei Kompaktkameras kaum erkennbar. Je weiter dann abgeblendet wird, desto geringer werden sie, um bei Blende 16 dann vollständig zu verschwinden.
Testfoto des Nikkor AiS MF 400mm f/3.5 ED bei f/16:
100%Crop:
100% Crop:
Und noch ein 100% Crop:
Wobei ich ganz klar sagen möchte, dass dieses Objektiv nicht frei von Farbsäumen ist, damit hat Herr Rorslet schon recht. Man muss nur abwägen was es im Gegenzug dafür bietet. Denn wie schon erwähnt, hat eine Optik überhaupt keine Farbsäume und passt die Schärfe sowie der Kontrast, finden sich schnell 14 bis 24 Linsen hintereinander in einem Magnesiumgehäuse ein und man kann sich einen Kleinkredit aufnehmen, einen Träger einstellen und den Konverter sofort wegwerfen.
Kein Vorteil ohne Nachteil könnte man auch sagen.
Das Herr Rorslet bei den Farbsäumen maßlos übertreibt könnt ihr aber alleine schon daran erkennen, dass er beschreibt sie würden abgeblendet mehr anstatt weniger, was schon rein theoretisch unmöglich ist, da beim abblenden eines Objektives der Rand der Linse nicht mehr genutzt wird und die Abbildungsfehler dadurch automatisch gemildert werden.
Des Weiteren kann ich bei meinen Aufnahmen keinerlei verwaschene Farben feststellen.
Ganz im Gegenteil überzeugt mein Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED mit klaren differenzierten und kräftigen Farben. Im Vergleich mit dem neuen extrem teuren Nikkor AF-S VR 200mm f2.0 G IF-ED samt AF-S TC 20 E II Konverter ist es im Gegenteil sogar so, dass das neue VR 200mm ausgewaschene flaue Farben zeigt und das 23 Jahre alte Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED ganz klar die Nase vorn hat was die Farbübertragung anbelangt!
Ich denke das die Problematik eines Tests einer so alten Optik weniger in seiner Fähigkeit liegt nicht mit neuen Linsen mithalten zu können, als das sie im Laufe der Jahrzehnte im harten Outdoor-Einsatz bei einem echten Fotografen wie z.B. Herrn Rorslet schon einiges mitgemacht hat und daher nicht mehr als ganz neuwertig zu bezeichnen ist. Immerhin fotografiert man ja mit seiner Ausrüstung und lässt sie nicht Jahrzehnte im Regal verstauben, oder?
Genau hier ist aber auch eines der Probleme bei alten manuellen Optiken zu sehen wenn man sie an neuesten DSLR Bodys testet. Mein Exemplar hatte vor mir erst einen Besitzer, wurde erst 1985 produziert und seit dem wenige Male eingesetzt. Es war sozusagen neuwertig und zeigt keinerlei Abnützung und schon gar keine Schäden, welche im harten Einsatz draußen schnell mal vorkommen können.
Es befindet sich nicht das winzigste Staubkorn zwischen den Linsen und damit ist auch ein Vergleich mit neuesten Nikkoren durchaus zulässig. Beim Konverter wurde es da schon schwieriger, denn obwohl es immens viele Nikon TC-301 Konverter bei Ebay im Angebot gibt, brachte erst ein nagelneues Exemplar die gewünschten perfekten Abbildungsleistungen, welche von Herrn Rorslet beschrieben werden.
Mir ist zwar schleierhaft was bei einem so kompakten Konverter kaputt werden kann, trotzdem ist die Abbildungsleistung sehr verschieden. Möglicherweise macht hier eine geringe Eintrübung durch Staubpartikel zwischen den Linsen mehr aus als man meinen könnte.
Ich hatte auch geplant das Nikkor AF-S VR 400mm f2.8 G ED, das Nikkor AF-S VR 200-400mm f4.0 G ED sowie das Nikkor AF-80-400mm f/4.5-5.6 in diesen Test mit einzubeziehen, kam aber während ich diesen Text schrieb zu dem Entschluss, dass der Aufwand, welcher dafür nötig wäre in keinster Weise zu rechtfertigen ist.
Die Objektive wären nicht das Problem, die sind schnell organisiert, wozu hat man denn bei Nikon Freunde. Der Unsinn liegt hier vielmehr darin begründet, dass es heutzutage im Internet tausende selbsternannte „Tester“ gibt, die zwar kein gerades Bild zustande bringen und gerade mal seit einen Monat „knipsen“, aber die halbe Welt mit wertlosen Kommentaren zu Tode langweilen.
Da ich seit einiger Zeit aber nicht mehr in Foren poste, möchte ich euch zwar an meinem neu gewonnen Wissen teilhaben lassen, gehe aber genau wie Bjorn auf keine Diskussion ein. Wer nett fragt, bekommt von mir einen Downloadlink zugesandt und kann sich dann meine Original .nef Test-Files von meiner Nikon D3 downloaden und selber in Capture NX öffnen und bewerten.
Immer noch nicht überzeugt?
Noch ein 800mm Foto bei Blende 16:
100% Crop:
100% Crop vom Rand:
Aber Vorsicht!
Auch wenn in der Bucht genügend alte manuelle Ai-S 400mm f3.5 Nikkore angeboten werden, ist es alles andere als leicht, dieses hervorragende objektiv plus dem TC-301 in neuwertiger Qualität zu bekommen. Und nur so ist auch sicher, dass eure Ergebnisse sich mit den meinigen decken!
Fazit:
Das Nikkor MF Ai-S 400mm f3.5 IF-ED ist perfekt für die Landschaftsfotografie ohne wenn und aber geeignet. Es liefert bei Blende 16 und nur bei Blende 16 extrem scharfe, detailreiche Bilder mit ausgezeichnetem Kontrast ohne jegliche Farbsäume (.nef).
Die ausgezeichnete Konvertertauglichkeit bezieht sich ausschließlich auf den TC-301 und dessen baugleichen älteren Bruder TC-300. In dieser Kombination habt ihr dann ein wirklich gutes 800mm f/7.0, welches 2 Blenden abgeblendet einem „echten“ 800er um nichts nachsteht. Auch hier gilt aber: Lautet die Forderung völliges fehlen von Farbsäumen ist Blende 16 zu verwenden (entspricht mit dem 2-fach Konverter klarerweise f/32).
Hoffe ich konnte etwas zu eurer Verwirrung beitragen ;-)
Liebe Grüße
Wolfgang
PS.: Die dazu gehörigen Fotos pflege ich in den nächsten Tagen in den Bericht ein.












