Behind the Scenes
Wie schon in meinem Artikel „Von der Gnade noch einen Tag erleben zu dürfen“ beschrieben, war ich zwei mal im Kloster Wat Phrabat Nampu. Beim ersten mal, flüchtete ich schon nach wenigen Stunden und musste anschließend in Bangkok angekommen feststellen, dass große Teile der Geschichte lückenhaft waren. Ich hatte wegen der Furchtbarkeit des Ortes doch glatt vergessen ordentlich zu recherchieren.
Es blieb mir also nichts anders übrig als noch einmal an den Ort des Schreckens zurückzukehren. Ich rief meinen Fahrer und meinen Übersetzer an, reservierte alles für den darauf folgenden Tag und wieder ging es früh Morgens los, Richtung Lopburi. Diesmal wusste ich aber was mich erwartet und ich war besser vorbereitet.
Hatte ich mich beim ersten Besuch auf das Nikkor 24-70mm samt der Nikon D3 bei ISO 800 gesetzt, wollte ich mich diesmal auf Portraits der Menschen beschränken. Ich wählte deshalb das Nikkor AF-S VR 200mm f/2.0 für diesen Zweck aus meinem Objektivpark aus. Auf dem Weg zum Tempel blieb ich noch bei einer Blumenhandlung stehen, kaufte ein Gesteck bestehend aus roten Rosen, welche ich anschließend den Schwestern überreichen wollte.
Auf dem Gelände des Tempels angekommen musste ich feststellen, dass heute nicht nur das Wetter besser war, beim letzten Mal war es sehr bewölkt gewesen, es war auch verflucht heiß. Das bedeutete, dass ich erstmal alle Außenaufnahmen vom Tempel wiederholen musste. Das ich gerade heute ein schwarzes T-Shirt angezogen hatte war wieder mal eine Glanzleistung von mir, dachte ich mir insgeheim.
Nachdem ich schweißgebadet die Außenaufnahmen und die obligatorische Begrüßungszeremonie im Büro hinter mich gebracht hatte, ging es dann vorbei an im Wasser plantschenden Kindern, zu den HIV-Patienten im Todestrakt. Diesmal wollte ich das Risiko einer Tuberkulose Infektion aber so gering wie nur möglich halten und so organisierte mein Übersetzer erstmal zwei Atemschutzmasken. Kaum aufgesetzt, stellte ich fest, dass ich so wegen meiner Brille kaum atmen und noch viel weniger fotografieren konnte, da sich meine Brille ob der Hitze bei jeden Atemzug beschlug.
Aber damit musste ich wohl oder übel zurecht kommen. Beschlagene Brille, oder Tuberkulose... mmhhh, schwere Entscheidung, na dann doch lieber nichts sehen, dachte ich mir und los gings.
Die meisten Kranken kannte ich schon und so konnte ich unmittelbar nach der Begrüßung beginnen Portraits zu machen. Leider muss ich zugeben, dass die Maske in Kombination mit dem riesigen 200er Tele dazu führten, dass ich zwar hervorragende Portraits machen konnte, die Nähe zu den Patienten aber diesmal ausblieb. Ich konnte spüren, dass die Distanz die ich wahren musste, kombiniert mit der Erfurchtseinflößenden Kamera-Objektivkombination nicht gerade vertrauenerweckend wirkte. Aber wie immer in Leben trifft man Entscheidungen und in diesem sehr speziellen Fall hatte ich mich im Vorfeld festgelegt und die anderen Objektive erst gar nicht mitgenommen.
Nach wenigen Minuten hatte ich alle Aufnahmen gemacht, verabschiedete mich höflich und setzte mich gemütlich zu Frau Pranee Porjai in ihrer Pepsi Box auf eine Flasche Mineralwasser.
Liebe Grüße
Euer
Wolfgang Steiner






