Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Testbericht Panasonic Lumix DMC-LX3

 

Mir ist bewusst, dass es weltweit tausende selbsternannte Tester für praktische jede nur erdenkliche Sparte gibt und möchte deshalb etwas neues versuchen. Ich spare mir bewusst die Aufzählung der Technischen Daten dieser Kamera. Was ich aber tun möchte, ist euch zu zeigen was ein Fotograf mit dieser Kamera in der Praxis anfangen kann. Dies hat meiner Meinung nach nämlich wesentlich mehr Relevanz, als das ganze theoretische Geschwafel bezüglich ihrer Papierwerte.


Auch fällt ein Vergleich viel leichter, arbeitet man seit Jahren mit den besten zur Verfügung stehenden Kameras und weiß daher, was Stand der Dinge ist. In meinem Fall bedeutet dies, dass ich mit einer Nikon D3 samt 14-24mm, 24-70mm sowie dem 200mm f2.0 unterwegs bin und als „kleine“ Unterstützung bis lang eine Fuji Finepix F30 immer bei mir hatte.


Eine „Immerdabeikompakte“ ist wahrscheinlich das was jeder Fotograf sich wünscht, nur wäre es halt schön wenn man die mit ihr gemachten Bilder, dann auch mal verwerten, sprich verkaufen könnte. Denk ich mir zumindest. Bis dato war dies aber eher aussichtslos, da Kompakte bis vor kurzer Zeit ausschließlich JPG Files ausgaben, was der prof. Bildbearbeitung nicht gerade dienlich ist. Des Weiteren war mit nur 6 MP kaum ein Beschnitt möglich und das fehlen von Belichtungsreihen machte es auch nicht leichter einen perfekten Treffer bei der Aufnahme zu landen.


Kurzum,… alle bisher von mir probierten Kompaktkameras waren für den semiprofessionellen Einsatz unbrauchbar.


Äußerst skeptisch wegen des sehr hohen Neupreises habe ich die Lumix LX3 dann seit der Ankündigung im Internet verfolgt und mich erst diese Woche Montags dazu entschlossen, den Kauf zu wagen. Echte Testberichte liegen bis dato ja noch nicht vor, denn auch Colorfoto kommt mit einem ersten Test erst am 13. Oktober heraus, was mit wegen meiner Abreise nach Nepal am 16. Oktober als viel zu knapp erschien.

 

24mm, f4.0, 0,3sec, ISO80, -1.0EV, RAW, Stativ 


Kaufpreis war 469,00 Euro plus 175,00 Euro für die original Ledertasche, welche höchst unpraktisch ist und einer Original 16 GB Panasonic SDHC Speicherkarte und einem Originalakku. Zusammen macht das 644,00 Euro, was recht happig ist wenn ihr mich fragt, aber gut, soll so sein dachte ich mir. Wenn die Kleine auch nur annähernd hält was ihre Papierdaten versprechen Hut auf ;-)

 

24mm, f2.0, 0,4sec, ISO80, +1.0EV, RAW, Stativ 


Wie es der Teufel so will war das Wetter an diesem Abend dann auch noch schlecht und nicht nur dass ich die blaue Stunde verpasste, regnete es dann natürlich auch noch. Ich hatte meine Nikon D3 sowie die alte Fuji F30 sowie mein neues Baby, die Lumix LX3 im Gepäck und wanderte trotz Regens, frohgemut zu den nahegelegenen Heurigen. Dort baute ich mein Stativ auf und musste herzlich lachen, weil jedes Auto seine Geschindigkeit merklich beim vorbeifahren verringerte. Was so ein großes Gitzo alles ausmacht!

 

24mm, f2.0, 1sec, ISO80, +1.0EV, RAW, Stativ


Leider unterschätzte ich dabei die extreme Helligkeit der Anzeige auf dem LCD Display und stellte anschließend zu Hause fest, dass ich fast alle Bilder mit der neuen LX3 hoffnungslos unterbelichtet hatte. So etwas kann aber auch nur passieren weil ich alles manuell vorwählte, was ja eigentlich eine der Stärken dieser Kamera sein sollte. Wenn man den Monitor halt auf minus drei stellt und dann immer noch geistig eine Blende dazu rechnet wie ich jetzt nach nur vier Tagen anmerken möchte.

 

24mm, f4.0, 4sec, ISO80, +1.0EV, RAW, Stativ


Egal,... wieder was dazu gelernt.

 

Die Auslöseverzögerung viel mir dabei aber äußerst positiv auf, denn sie ist praktisch unmerkbar und somit kein Thema mehr. Leider ist die Menüführung nicht gerade selbsterklärend und man ist gezwungen verschiedene unerklärlich klingende Menüpunkte der mitgelieferten DVD zu entnehmen. Da ich selbst meine Kameras oftmals als Grauware im Ausland eingekauft habe, wäre dies ein Kritikpunkt, denn ohne der DVD hätten sich mir trotz akzeptabler Englischkenntnisse manche der Einstellungen nicht erschlossen, was ärgerlich wäre.

 

24mm, f2.0, 1/4sec, ISO200, +1.0EV, RAW, freihand


So konnte ich die Kamera nach meinen Wünsche konfigurieren und entdeckte Funktionen wie das gleichzeitige abspeichern von RAW und JPG Files was ich bis dato nur von meiner Nikon D2X und der D3 kannte. Aber auch die automatische Belichtungsreihe überraschte mich mehr als positiv, da die Kamera auch im RAW Modus mit 3 Bildern pro Sekunde mit nur einmal auslösen automatisch die drei Bilder geräuschlos hintereinander anfertigt. Somit kann man, was ich als absolutes Novum erachte, auch HDR’s aus freier Hand mit einer Kompakten erstellen, und dass auch noch im RAW Modus, oder voll manuell!

 

24mm, f2.0, 1/13sec, ISO200, 0EV, RAW, freihand 


Zuhause am Monitor war ich dann etwas entsetzt über das relativ schlechte Rauschverhalten und saß fast 3 Stunden über den paar Bildern in der Hoffnung mir wäre irgendein Fehler unterlaufen. Doch nachdem ich auch die RAW Files selbst unbearbeitet, also vollkommen ungeschärft nicht auf das Niveau der Datenqualität meiner 2 Jahre alten Fuji Finepix f30 brachte gab ich entnervt auf und ging um Mitternacht ins Bett.

 

24mm, f2.0, 1/10sec, ISO80, -1.0EV, RAW, freihand aufgestützt


Am nächsten Tag aber schien wieder die Sonne und schon beim Frühstück grübelte ich über die Frage nach, wieso eine 2 Jahre jüngere und extrem innovative Kamera dennoch so ein relativ schlechtes Rauschverhalten haben könnte Die Erklärung war dann aber so simpel wie einleuchtend. Ich verglich die Files einerseits mit dem Standard den ich von meiner praktisch rauschfreien Nikon D3 gewohnt war, andererseits, öffnete ich ein 6 MP Fuji File und verglich es 1:1 mit dem 10 MP File aus der Lumix LX3.

 

24mm, f2.0, 1/1600sec, ISO80, -1.0EV, RAW, freihand


Da wurde mir schlagartig bewusst, dass ich hier Äpfel mit Karotten verglichen hatte. Denn auch wenn der augenscheinliche Unterschied nicht groß sein mag sind 6 zu 10 MP so wie 12 zu 20 MP! Und dies würde jeder als extremen Vergleich erachten, oder etwa nicht? Gut, also man kann die MP Anzahl nicht vergleichen. Der Sensor ist ja annähernd gleich groß, aber es befinden sich halt 67% mehr Pixel auf der gleichen Fläche, was eben zu einem schlechteren Rauschverhalten führt.

 

24mm, f4.0, 1/400,1/800,1/200sec, ISO200, RAW, freihand, HDR, tonemapped 


Okay, akzeptiert, dachte ich. Die Physik lässt sich halt nicht überlisten, soll so sein.


Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, dass es eben keine Eierlegende Wollmilchsau gibt, oder zumindest noch nicht, ging ich daran mir zu überlegen wozu man die hohen ISO’s eigentlich braucht…. Wegen der fehlenden Lichtstärke bei den kleinen kompakten hauptsächlich, oder? Genau.

 

24mm, f4.0, 1/1000,1/2000,1/500sec, ISO80, RAW, freihand, HDR, tonemapped.


Da die Lumix aber eh Lichtstärke f2.0 hat, sollte dies doch eigentlich kein Thema sein kam mir sofort in den Sinn und beschloss einen Tageslicht Test vorzunehmen bei dem ich die Lumix ausschließlich bei 24mm und Offenblende einsetzen und ihre schärfe sowie das Auflösungsvermögen und das Farb- sowie das Helligkeitsrauschen beurteilen wollte.

 

24mm, f2.0, 1/15,1/30,1/8sec, ISO200, RAW, freihand, HDR, tonemapped. 


Allerdings relativiert sich diese extreme Lichtstärke auch wieder wenn man auf 36mm zoomt, was der Anfangsbrennweite der Fuji F30 entspricht, denn da hat die Lumix LX3 auch „nur“ mehr f2.4 und nicht wie bei 24mm Brennweite f2.0.


Hier möchte ich auch auf die völlig unterschiedlichen Kamerakonzepte hinweisen. Die Fuji Finepix F30 hat 36mm als kürzeste Brennweite praktisch kein echtes Weitwinkel und mit einer Lichtstärke von f2.8 auch keine große Wahl als die Iso bei Bedarf raufzuschrauben. Dafür punktete sie mit einem 1/1.7“ großen Sensor (14 MP/cm²) und 6,3 Mio. fast rauschfreien Pixel.

Ganz anders die neue hier getestete Panasonic Lumix DMC-LC3.

Mit einem noch größeren 1/1,63“ großen Sensor (24 MP/cm² mit einer Nominalempfindlichkeit von nur ISO 80 kommt die LX3 mit einem echten 24mm Weitwinkel plus Lichtstärke f2.0 daher. Dies ist selbst bei DSLR Kameras samt richtig teuren Optiken bei Gott kein Standard und muss meiner Meinung nach wirklich extra erwähnt werden.

 

24mm, f2.0, 1/30,1/40,1/25sec, ISO200, RAW, freihand 


Gesagt getan, ich schnappte mir die Kleine und marschierte in meiner Mittagspause durch Wiens Innenstadt und tat das, was normalerweise niemand macht. Ich testete die Kompakte unter absolut schlechtesten Bedingungen. In Kirchen wo es bekanntlich stockdunkel ist auch wenn draußen die Sonne scheint, in finsteren Innenhöfen und dies alles bei 24mm und Offenblende. Allerdings bei maximal ISO 200, da ich davon ausging, dass sie um etwa eine ISO Stufe mehr rauschen müsste als die Aufgrund ihres gleichgroßen Sensors vergleichbare Fuji F30.

 

24mm, f2.0, 1500,1/1000,1/250sec, ISO80, RAW, freihand,HDR,tonemapped


Am Abend betrachete ich die Ergebnisse dann auf meinem Farbkalibrierten Quatographic two page 22 MKI und war überrascht, welch gute Qualität die neuen Files aufwiesen. Besonders die Möglichkeit HDR's zu erstellen faszinierte mich, hatte ich diese Funktion bislang nur auf meiner D3. Aber am besten urteilt ihr selbst und seht euch die Ergebnisse an die ich während meines einstündigen Spazierganges freihand zusammen gebracht habe.

 

24mm, f2.0, 120,1/40,1/10sec, ISO200, RAW, freihand, HDR, tonemapped


Ich poste bewusst keine Crops mit extremen Detailaufnahmen oder irgendwelche abfotografierten Farbtabellen, aus dem Alter bin ich nun endgültig heraussen. Entweder ihr glaubt mir, oder eben nicht. Immerhin geht es mir in erster Linie um den möglichen Verkauf meiner Bilder, also ist Qualität weit wichtiger als alle nutzlosen Features zusammen.

 

Fazit nach drei Tagen mit der neuen Lumix LX3:

Pro:

  1. Extrem hohe Lichtstärke bei 24mm - f2.0, bei 36mm immer noch f2.4

  2. Wesentlich geringere CA's- und die vorhandenen lassen sich akzeptabel mit PS3 entfernen.

  3. Hervorragende optische Leistung selbst bei Offenblende und 24mm!!!

  4. Echtes Weitwinkel (24mm)

  5. Gute Verarbeitung – tolle Haptik

  6. Hohe Iso's durch f2.0 auch bei schlechten Lichtverhältnissen nicht nötig.

  7. Sehr gute HD Videos mit bis zu 15min Länge am Stück möglich (1080x720)

  8. Sehr guter 3“ Monitor

  9. Blitzschuh

  10. Manuelle Bedienung

  11. Praktisch Geräuschlose Aufnahmen möglich.

  12. Durch Bildstabilisator sind verwackelungsfreie Aufnahmen bis zu 1/4sec möglich.

  13. Automatische Belichtungsreihen über 3 volle Blenden -Echte HDR praktisch out of cam durch automatische Belichtungsreihen möglich -sogar mit Selbstauslöser- schwer geniales Feature wenn ich mich fragt!

Contra:

 

  1. Hoher Preis (469,00 Euro derzeit)

  2. Zubehör sehr teuer (Bereitschaftsledertasche 39,00, Ersatzakku 39,00)

  3. Gewöhnungsbedürftige Menüführung

  4. Nur bis ISO 400 brauchbare Ergebnisse

  5. Ledertasche unpraktisch

  6. zu geringes Zoom (geht nur bis 60mm)

  7. Schwacher Akku – nach nur 250 bildern oder einem Video leer!



So, dass wars mal fürs erste wieder. Hoffe es war interessant zu lesen.


Liebe Grüße


Wolfgang

 


 

Currently 4 comments

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#1

D3

Hmm, hast Du nicht groß und breit allen erklärt, warum man die D3 nicht kaufen soll und das Du Deine wieder verkaufst? Anscheinend ist das aber doch Deine Standardkamera...

Comment posted by Guido → www.nix.de

#2

Klasse Review

Hallo Wolfgang, find ich klasse wie du den Test angegangen bist

Viel Spaß noch mit deiner LX3, hab ebenfalls eine

Grüße aus Linz nach Wien

Comment posted by Dan

#3

TOP Review

Einfach klasse beschrieben und auch so, dass Laien alles ohne wenn und aber verstehen. GRATULATION!!!

gruß aus Aachen

Dieter

Comment posted by Dieter Pietschmann

#4

Knarf

Hallo!
Ich darf etwas korrigieren. Soweit mir bekannt schafft die Kamera 300-350 Bilder pro Akkuladung. Ist auch bei meinem Exemplar der Fall.
MfG

Comment posted by Thomas

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