Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Gefangen in endloser Freiheit - Teil 3

Sonntag der 24. Juni 2007

 

06:00 Uhr

 

Ich saß auf dem offenen Jeep und fotografierte gerade eine Herde Impala’s als plötzlich wie aus dem Nichts ein Gepard im vollem Galopp angetrabt kam. Blitzartig schoss es mir durch den Kopf, da war sie….. die Situation auf die jeder Fotograf sein Leben lang hofft. Ein Gepard bei der Jagd. Ich nahm meine Kamera, visierte den Jäger an und bemerkte mit Schaudern, dass ich das Weitwinkel anstatt des erforderlichen langen Teleobjektivs an meiner Kamera hatte. Hastig kramte ich in meinem Rucksack nach dem Tele und wechselte in Sekunden das Objektiv. Dann suchte ich erneut den Geparden und musste enttäuscht feststellen, dass bereits alles vorbei war. Da hatte ich den Geparden in freier Natur gefunden und hatte das falsche Objektiv zum richtigen Zeitpunkt an meiner Kamera gehabt. Es war zum heulen. Da rief jemand meinen Namen… verdutzt wer das wohl sein könnte hielt ich inne und lauschte der Stimme. "Good morning Mister Steiner" vernahm ich laut und deutlich. Ich schrecke auf, sah mich um und dachte… Gott sei Dank, es war nur ein Traum gewesen, der Gepard hatte mich nur in meinem Traum ausgetrickst.


Ja, danke, bin schon wach… antwortete ich freundlich und wankte schlaftrunken Richtung WC. Ich öffnete die Türe ging hinein und wunderte mich wieso rund um mich T-Shirts und Pullover hingen. Ich öffnete den Klodeckel und wollte schon beginnen mein Geschäft zu verrichten als mir all die Wäsche doch etwas verdächtig vorkam und ich genau hinsah. Noch immer völlig benebelt und weit weg von wach bemerkte ich, dass ich in meinem begehbaren Kleiderschrank stand und gerade dabei war in meinen Schmutzwäschekorb zu pinkeln. Schnell schloss ich den Korb wieder drehte mich um wunderte mich wer da noch in meinem Kleiderschrank war, da ich aber ein sehr freundlicher Mensch bin, grüßte ich den halbnackten Mann freundlich und donnerte elegant wie der Elefantenbulle letzte Nacht gegen den Mannshohen Spiegel meiner Garderobe. Nun war ich wach, und sauer. Wer zum Teufel kam auf die völlig verblödete Idee Touristen um 6:00 Uhr aufzuwecken um Tiere beobachten zu fahren. Als wären die Viecher drei Stunden später zu etwas christlicher Zeit nimmer da, dachte ich mir und hielt mir die verstauchten Zehen meines rechten Fußes.

 


So etwas genervt kam ich dann 20 min später auf der Terrasse samt Fotorucksack und Stativ an und wurde freundlich von Bobson und dem Rest seiner Crew begrüßt.

Ich legte mein Zeug auf einen der leeren Tische und holte mir erstmal einen heißen Kaffee. Dazu ein Müsli mit Joghurt und einen Orangensaft. Da die anderen Gäste nichts Besseres zu tun hatten als sich lautstark mit den Rangern über irgendwelche völlig unnötigen Dinge, wie das Paarungsverhalten des Maikäfers zu unterhalten setzte ich mich weitab auf einen leeren Tisch wo ich wenigstens etwas Ruhe hatte. Irgendwie verband ich Afrika und Tierbeobachtungen mit Ruhe und Gelassenheit, nicht aber mit dem quirligen Gequatsche älterer Damen die meinem Ranger pausenlos Löcher in den Bauch fragten. Ich blickte stumm auf das beleuchtete Wasserloch und genoss meinen Kaffee.

 

 

Ein einzelnes Warzenschwein trank ein wenig Wasser, sah sich kurz um und verschwand dann sofort wieder. Dann aß ich mein Müsli und war geistig bereits wieder bei den Tieren am offenen Jeep. Erst als Elvis mir auf die Schulter klopfte und meinte, dass die anderen schon beim Fahrzeug wären wachte ich aus meinen Tagträumen auf und ging schnellen Schrittes zu unserem Toyota.


Es war bitter kalt und alle Gäste, sowie auch der Trecker hinten am offenen Jeep vermummten sich dick unter den bereitliegenden Decken. Jeder trug Mützen, Schal sowie warme Handschuhe. Heute hatten wir sogar Zuwachs in Form einer extrem lauten Südafrikanerin Mitte 40 namens Jan bekommen welche ursprünglich aus Australien kam. Ich mochte diesen Typ Frau nicht, sehr laut, clever und nie schüchtern, so sollte eine Frau in meinen romantischen Gedanken nie sein. Dazu diese Kälte, ich hasste es Afrika unter diesen Umständen erleben zu müssen. Konnte es denn nicht 20 Grad wärmer sein?


Um sich vorzustellen zu können wie kalt es auf einem offenen Fahrzeug im Juni in Südafrika ist, muss man sich einen Motorradfahrer ohne Helm im Winter vorstellen. Es fühlt sich genau so an. Das Problem dabei ist nämlich nicht nur die eigene Bewegungslosigkeit sondern im speziellen der durch die Fahrt entstehende dauernd wehende Fahrtwind. Besonders vor Sonnenaufgang empfindet man die niedrigen Temperaturen deshalb deutlich tiefer als sie es tatsächlich sind. Fünf Minuten vor Sonnenaufgang verließen wir dann mit unserem Toyota die Lodge.


06:51:31 Uhr



Den Sonnenaufgang erlebte ich bibbernd in der ersten Reihe, eingemummt wie ein Eskimo. Da dies aber fotografisch gesehen trotzdem ein sehr Lohnenswerter Ausblick war, griff ich zur Kamera und versuchte während der rumpligen Fahrt ein Foto vom Sonnenaufgang inklusive meines Ranger mit Gewehr im Vordergrund zu schießen. Als Elvis bemerkte, dass ich fotografierte machte er sogar kurz Halt um mir eine unverwackelte Aufnahme zu ermöglichen.

 


Knapp eine halbe Stunde später eine kleine Sensation in Form eines Lilac breasted Ground Rollers. Dies ist ein zierlicher kleiner Vogel von der Größe einer Taube in 48 Bit Farbtiefe. Adobe hat den Farbraum sicherlich nach diesem kleinen Gefiederten Gesellen benannt, war ich mir sicher. Da mein Bean Bag gestern nicht unbedingt gut funktioniert hatte und in der ersten Reihe genügend Platz war nahm ich mein riesiges Gitzo mit und platzierte es zwischen meinen Beinen auf meiner Seite zwischen der Bank auf der ich saß und dem Stahlbügel vor mir. So konnte man fotografieren, dachte ich und visierte den Piepmatz gemütlich und ohne jedes zittern an. Leider ergab sich durch die noch extrem tief stehende Sonne und die dadurch fehlende Leuchtkraft ISO 400 wie von selbst als möglicher ISO Wert an meiner Kamera, wollte ich die 1/500sec bei Offenblende nicht unterschreiten.



Diesen Gedanken musste ich aber nicht weiter spinnen denn schon nach 40 sec und nur 15 Bildern war der Vogel dahin und ich um ein paar wunderschöne Aufnahmen reicher.

 


07:12:13 Uhr


Nachdem ich Elvis gestern Abend noch ein wenig wegen seinem suboptimalen Timing für den Leoparden am Baum kritisiert hatte waren wir heute pünktlich nach dem Impala Frühstück wieder vor Ort und hatten Glück. Der Leopard lag auf der Erde und beobachtete uns dabei wie wir in unsicherer, aber guter Foto-Distanz mit unserem Jeep parkten und ich erneut begann diesen unglaublichen Jäger zu porträtieren.

 


Faul lag er da, im Schatten des mächtigen Mashatu Baumes und ruhte sich aus. Hoch droben im Baum in Sicherheit vor gierigen Hyänen, hingen immer noch die Überreste der erlegten Antilope von vor drei Tagen. Aufgeweckt durch das Maschinengewehr artige knattern des Verschlussvorhanges meiner Nikon drehte sich das Raubtier plötzlich von der seitlichen Position in der er sich befand auf den Rücken und starrte uns mit weit geöffneten Augen an.



Und obwohl ich versuchte möglichst exakt zu fokussieren lag die Schärfe wie schon so oft, nicht auf den Augen, sondern auf seiner Nase. Normalerweise ist dies störend, fällt aber aufgrund der absolut perfekten Schärfe des Fotos nicht weiter negativ auf. Wie jede normale Hauskatze räkelte er sich gemütlich am Boden, leckte seine Pfoten und wusch sich seine Müdigkeit aus seinen Augen. Sah man ihn da so seelenruhig liegen konnte man nicht glauben den gefährlichsten Jäger leibhaftig vor sich zu haben. Ja, wir standen eindeutig nicht auf seinem Speiseplan dachte ich mir und fragte Elvis was ihn glauben machte, dass wir hier in einem offenen Fahrzeug in Sicherheit wären, lagen wir doch offensichtlich wie ein paar Leckerein auf dem Präsentierteller?

 


Elvis aber brauchte nicht lange nachzudenken und erklärte mir, dass solange wir uns im Fahrzeug befinden deshalb keine Gefahr besteht, weil der Leopard den Toyota samt seinen Insassen zwar sehr wohl wahrnehmen würde, es für ihn aber ein Ganzes darstellt. Er vermag die einzelnen Individuen nicht als solche zu identifizieren und ein ausgewachsener Landrover mit über 3 Tonnen Kampfgewicht ist dann doch eine Nummer zu groß, selbst für den besten Jäger Afrikas Savanne. Sollte aber ein besonders lustiger Zeitgenosse mal auf die Idee kommen aufstehen zu müssen, erklärte er uns leise, besteht die Möglichkeit, dass der Leopard sehr wohl erkennt, das es sich bei der betreffenden Person um ein einzelnes Beutetier handelt und er zuschlägt.

 


Diese Fälle sind zwar selten, aber sie passieren und dann stehen die Überlebenschancen bei NULL %. Entweder der Leoparden reißt dir mit einem kräftigen Hieb seiner Pranke den Brustkorb auf oder er erwischt dich zuvor am Genick welches er mit einem einzigen Biss bricht. Beides dauert nur wenige Sekunden und du brauchst dich nicht zu wehren. Auf meine Frage wozu er denn eine Ausbildung und ein Gewehr hat meinte Elvis dann lächelnd. Mein Gewehr hilft vielleicht bei einem Büffel oder einem Elefanten falls ich schnell genug bin und richtig treffe, eine Katze aber läuft nie geradlinig auf ihre Beute zu und ist viel zu schnell auf dem Fahrzeug als man es dann noch effektiv einsetzen könnte. Hier bräuchte man eine Handfeuerwaffe wurde mir sofort klar. Allerdings wollte ich beide Szenarien lieber nie live miterleben und versuchte meine Angst vor dem Raubtier sogleich wieder zu unterdrücken.


07:25:54 Uhr


Als der Leopard auch nach einer Viertelstunde noch keinerlei Anstalten machte sich von seinem offensichtlich bequemen Rastplatz zu erheben passierte etwas, was ich bis heute nicht verstehen werde. Die anderen Gäste am Fahrzeug wurden unruhig und wollten weiterfahren. Gerade mal 13 Minuten hatten sie ausgehalten und nun war ihnen bereits langweilig. Da braucht man Tage der Anreise, zahlt tausende Euros um so etwas live und in Farbe sehen zu dürfen und dann halten sie es nicht einmal eine Stunde lang aus. War unsere Zeit so kostbar, oder hatten wir eine Aussicht auf etwas noch aufregenderes? Wohl kaum, denn die Dinosaurier sind seit geraumer Zeit ausgestorben und da Elvis uns berichtet hatte, dass sie seit gut 3 Wochen keine Löwen mehr in Mashatu gesichtet hatten stand die Chance darauf wohl denkbar schlecht. Gut, Geparden hatten wir noch nicht, aber wie hoch stand wohl die Chance welche zu finden?


Kurzum, ich war sauer.


Nicht, dass ich neben dem Leoparden übernachten wollte, nein, aber war es wirklich zu viel verlangt einmal eine halbe Stunde ruhig und neben diesem fantastischen Tier auszuharren, ohne gleich mörderischen Stress aufzureißen? Anscheinend schon!


So leicht angesäuert musste ich mit ansehen wie Elvis unseren Toyota startete und einfach drauf los fuhr, auf das was wir halt zufällig etwas anderes finden würden.


07:35:19 Uhr


Eine kleine Herde Elefanten direkt vor uns, also praktisch auf 12 Uhr. Unser Trecker, Karl, sah sie zuerst, tippte mir auf die Schulter und meinte... Elefanten auf 12 Uhr. Ich tat so als ob ich nicht wusste was er meinte, blickte dümmlich auf meinen Seiko Chronographen und meinte trocken, wieso 12 Uhr es ist doch erst ½ 8???

 


Daraufhin versuchte mit Leslie zu erklären was es mit dem 12 Uhr auf sich hatte und das gemeint war, dass sich die Elefanten, wie die Zahl 12 auf jeder Uhr direkt vor mir befand wenn ich meine Uhr so hielt das die 6 zu meinem Körper zeigte und die 12 von mir weg. Ich grinste ein wenig und meinte dass ich mir dies durchaus bekannt wäre, ich die sehr trockene Gesellschaft aber mit kleinen Witzen etwas auflockern wollte. Herr Cash fand dies nicht außergewöhnlich lustig und mir fiel ein Witz ein den ich einmal vor langer zeit gehört hatte. Natürlich war die Problematik, dass vieles für mich zwar recht witzig erschien, übersetzt im Englischen aber zumeist die Pointen abhanden kommen und das Gegenüber wartet wann es denn nun witzig werden würde.

 


Da ich mich aber nun nicht blamieren wollte überlegte ich während die Elefanten in gehörigem Abstand von uns die Bäume abgrasten und war nach einiger Zeit bereit.

 


Wie bringt man einen Elefanten in einen Kühlschrank, fragte ich in dem besten Englisch das ich parat hatte.


Alle sahen sich verwundert an und außer einem Achselzucken kam nicht viel.


Kühlschranktür auf Elefant rein, Kühlschranktür zu, sagte ich und wartete. Wie erwartet schüttelten alle nur missbilligend die Köpfe und Leslie meinte... ein Elefant passt in keinen Kühlschrank.


Wieso,.... habe ich gesagt wie groß der Kühlschrank ist? Nein, eben.


Gut zweite Frage:

Wie bringt ihr eine Giraffe in diesen Kühlschrank, fragte ich und konnte mich selber vor lauter lachen kaum halten.


Keine Ahnung, meinte Elvis und fügte hinzu... Kühlschranktür auf, Giraffe rein, Kühlschranktür zu.


Fast richtig, sagte ich und ergänzte: Kühlschranktür auf, Elefant raus, Giraffe rein, Kühlschranktür zu.


Nun war das Eis gebrochen und alle mussten laut lachen.


Gut weiter geht’s, sagte ich bereits etwas erleichtert das alle den kindlichen Humor lustig fanden. Alle Tiere sind auf der Tierkonferenz bei der der Löwe, der König der Tiere eine Ansprache hält, nur eines fehlt... welches?


Schweigen.....


Na, wer weiß es fragte ich frech... Keiner? Na gut dann löse ich auf. Die Giraffe, die sitzt nämlich noch im Eiskasten.


Gelächter brach aus über die Simplizität der gestellten Fragen und den klar auf der Hand liegenden Antworten.


Okay, letzte Frage sagte ich: Ihr kommt an einen Fluss in dem gefährliche Krokodile leben, ihr müsst unbedingt ans andere Ufer, habt aber kein Boot, was macht ihr?


Viele falsche Antworten später löste ich auch dieses Rätsel zur Erheiterung aller Beteiligten auf. Ihr schwimmt einfach rüber, die Krokodile sind nämlich alle auf der Tierkonferenz.


Nun waren wir ein Team. Alle waren happy fingen an sich zu unterhalten und die Anfängliche Beschnupperungsphase war beendet. Ich war nun der Komiker, Johnny Cash unser stummer Musiker, Elvis die schwarze Reinkarnation eines Popidols, Leslie eine Pilotin mit tausend interessanten Geschichten und die unangenehm laute Jan, die sich unnötigerweise überall mit schlauen Kommentaren einmischen musste.

Fast eine halbe Stunde lang verbrachten wir so in der Nähe der Elefantenherde und als wir dann beschlossen aufzubrechen erspähte Karl am Horizont eine weitere Herde, welche sich allerdings auf einer Hügelkette am Horizont, gute 2 km Luftlinie von uns entfernt befand. So marschierten wie auf einer Schnur aufgefädelt hintereinander im Gänsemarsch den Hügel hinunter. Ein wahrhaft grandioser Anblick, welcher mich wieder vergessen ließ, dass wir meinen lieb gewonnen Leoparden allzu schnell verlassen hatten.


08:22:26 Uhr



47 Minuten und 494 Fotos später kehrten wir auch den Dickhäutern den Rücken und fuhren weiter, den Flusslauf entlang, auf der Suche nach hübschen Fotomotiven. Was wir fanden waren kämpfende Impala’s...


08:44:30 Uhr



und flüchtende Warzenscheine...


09:01:16Uhr



Alle fanden, dass es nun an der Zeit wäre eine Kaffeepause einzulegen, und so steuere Elvis unser junger Ranger den seiner Meinung nach best geeignetsten Hügel in der Umgebung an, fuhr über große Gesteinsbrocken bis hinauf auf den Gipfel und parkte unseren Toyota so, dass wir aus großer Distanz rundum alles erblicken konnten was sich auch immer näher sollte. Mir war schnell klar, das dies eine notwendige Sicherheitsmaßnahme war, um das halbwegs gefahrlose Aussteigen aus dem Vehikel zu ermöglichen. Die Männer taten das, was man halt bei so einer Pinkelpause normalerweise tut und die Frauen waren sauer das sie von der Natur benachteiligt waren. Ja, das Jagen ist halt doch Männersache dachte ich mir und verkniff mir das Lachen.


Karl klappte die Rückwand unseres Jeeps herunter und bereitete Kaffee und Tee für alle zu, genau wie vor hundert Jahren, na gut nicht ganz so wie vor hundert Jahren, denn Instant Kaffee wird es damals wohl noch nicht gegeben haben. Zum Kaffee gab es steinhartes Gebäck schön langsam wärmte die höher stehende Sonne unsere erfrorenen Gliedmaßen wieder ein wenig auf. Der heiße Kaffee tat das Seinige dazu und nach der zweiten Tasse waren wir fit für das nächste Abenteuer. Alle bestiegen den Jeep elegant wie trächtige Nashörner und Elvis ließ unseren Allrad über die Holprige Piste den Hügel hinunter rollten. Als nächstes entdeckten wir einen kleinen bunten Vogel


09:56:19 Uhr



Dann wieder eine Familie Warzenschweine


10:01.10 Uhr



Später noch eine Herde Elefanten die sich in einem ausgetrockneten Flussarm bei einer der letzten Pfützen im Dreck suhlten.


10:09:10 Uhr



Und kurz bevor wir wieder zurück in der Lodge waren sah ich gerade noch wie zwei

Kudu Weibchen blitzartig ins Gebüsch vor uns huschten.


10:29:19 Uhr



Zurück in der Lodge gab es die obligatorische nette Begrüßung durch unseren Manager Bobson. Das Frühstück war bereits angerichtet und ich fragte mich wieso ich schon wieder essen sollte, waren wir zwar schon um 6:00 Uhr aufgestanden, hatten aber auch schon zwei mal gefrühstückt! Müde aber glücklich marschierte ich den sandigen Weg entlang zu meinem Bungalow. Es war eine wahre Wohltat, das Stativ und den Rucksack weglegen zu dürfen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Dann folgte der obligatorische Gang ins Bad wo ich mir ein heißes Bad einließ.


Obwohl ich schon viele weite Reisen unternommen habe, hatte ich nie zuvor in Hotels gebadet. Hier aber wurde das heiße Bad in der Wanne zu meinem täglichen Ritual nach dem morgendlichen Game Drive. Wahrscheinlich kam dies daher, dass mir trotz meiner Winterbekleidung am offenen Jeep so kalt war, dass ich mich zumeist den ganzen Tag nicht mehr erwärmte und so sehnte sich mein Körper nach jeder Form von Wärme. Da kam ein Vollbad natürlich gerade recht. Nachdem ich so entspannt und wieder halbwegs erwärmt die Wanne verließ setzte ich mich auf den Fauteuil vor meinem Fenster und ging die Aufnahmen des letzten Game Drives am Monitor im schnellen Durchlauf durch.


Hier bei ist aber leider wegen der geringen Auflösung und der Größe (2,5“) keine wirkliche Bildbeurteilung wie am Computer Monitor möglich. Man erkennt nicht einmal ob eine Aufnahme korrekt belichtet wurde oder nicht, was schade ist. Einzig Überbelichtungen werden durch blinkende weiße Bereiche dargestellt und können sicher identifiziert werden. Die sofortige Bildkontrolle ist aber trotz der mangelhaften Kontrollmöglichkeiten immer noch einer der größten Vorteile der Digitalfotografie. Zu Analogzeiten fotografierte man aufgrund der teuren Filme und der Entwicklungskosten nicht nur deutlich weniger und vorsichtiger, nein, man wusste auch erst zu Hause was man bei der Aufnahme falsch gemacht hatte. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als man voller Hoffnung einen Fujichrome Velvia in seine Kamera legte, fotografierte um dann Wochen später zu Hause drauf zukommen, dass man den falschen ISO Wert eingestellt hatte. Solche quasi Anfängerfehler, die aber auch jedem Profi hin und wieder mal passierten, können heute eigentlich nicht mehr vorkommen, sieht man doch sofort auf dem Monitor der Kamera wenn eine Aufnahme extrem über- oder unterbelichtet wurde und ist in der Lage binnen Sekunden darauf zu reagieren.


Nach einem Snack zu Mittag gönnte ich mir endlich mal wieder etwas Ruhe und reinigte den Sensor meiner Nikon D2Xs. Immerhin hatte der Body nach der Kälte Nepals auch schon dem Sand der Namib Wüste und zu guter letzt nun auch schon den Wassermassen der Victoria Wasserfälle Paroli bieten müssen und ich war dankbar wie problemlos sie nach wie vor ihren Dienst versah. Nach der Naßreinigung des Sensors legte ich die Kamera beiseite, wartete einige Minuten bevor ich sie wieder in Betrieb nahm und schoss 3 Probeaufnahmen vom gleichmäßig blauen Mittagshimmel um kontrollieren zu können ob ich wirklich alle Staubkörnchen entfernt hatte.


14:52:51 Uhr



Pünktlich nach unserer Siesta verließen wir die Lodge dann wieder um 15:30 Uhr. Gespannt saßen alle am Jeep und warteten was sie gleich zu sehen bekommen würden. Zum ersten Mal bemerkte ich welchem Stress eigentlich der Ranger ausgesetzt war. Die Gäste erwarteten Wunder und er musste sie finden. Besonders die Tatsache, dass seit Wochen kein Löwe mehr in Mashatu gesichtet wurde, bereitete dem Einheimischen offenbar großes Kopfzerbrechen, konnten die Touristen dadurch nie die "Big 5" komplettieren. Und darum ging's schlussendlich, einmal die "Big 5" mit eigenen Augen gesehen zu haben. Dafür zahlten die Gäste eine Menge Geld und das erwarteten sie, nicht mehr aber auch nicht weniger. Und ohne den König der Tiere wurde diese Auflistung halt nie komplett.


Für alle nicht Afrika Kenner möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass Lodges wie die Mashatu Game Lodge in Afrika ein sehr hohes Ansehen genießen und nicht nur der Luxus der Lodge, sondern auch die Abgeschiedenheit und die riesige Fläche marketingmäßig vermarktet werden. Immerhin kostet einer der Bungalows 510,00 USD pro Nacht und da ist ein eigenes Fahrzeug noch gar nicht inkludiert!


Dementsprechend unter Druck waren die drei Ranger unserer Lodge. Immer mittels Funkgerät im Kontakt und ständig am Fährten lesen neben dem Fahrzeug. Oft blieb Elvis ohne Vorankündigung abrupt stehen, setze einige Meter zurück, stieg aus beriet sich mit dem Tracker, welcher ganz hinten am Fahrzeug saß und fuhr anschließend ohne ein Wort zu sagen, weiter. Sie suchten vergeblich nach Löwen. Natürlich bekamen wir Gäste dies mit, da jeder am Fahrzeug aber wusste, dass sich Tiersichtungen kaum durch uns beeinflussen ließen saßen wir alle nur gespannt da, was wir als nächstes wohl zu Gesicht bekommen würden. Heute handelte es sich um eine kleine Herde Knu's welche friedlich grasten. Anders als die Herde, die wir gestern gesehen hatten ließen sich diese Tiere aber nicht sofort durch unsere Anwesenheit verjagen. Sie fraßen gemütlich weiter und nahmen kaum Notiz von uns.


16:09:41 Uhr



Waren Impalas für die meisten Touristen auf Grund ihres zahlreichen Vorkommens hier in Botswana das uninteressanteste Tier überhaupt, machte das Knu doch einen wesentlich dümmeren und unbeholfenen Eindruck auf mich. Impalas waren grazile schöne Tiere die bei ihren weiten Sprüngen elegant durch die Lüfte segelten, während das Knu Haken wie ein besoffenes Kalb schlug, augenscheinlich völlig unkoordiniert und aggressiv. Durch seine nicht vorhandenen Verteidigungsmöglichkeiten und dem dämlichen Fluchtverhalten gab es aber auch nur mehr sehr wenige dieser großen Paarhufer, erfuhr ich dann. Für einen kurzen Moment lang standen dann plötzlich drei der Knu's fast perfekt in einer Reihe.



Ein Glückstreffer der bei Gott nicht selbstverständlich ist, genau wie das gute Wetter und ein Fahrer, der auf die Bedürfnisse des Fotografen Rücksicht nimmt. Wie ich später erfahren musste, sind viele der Ranger selbst, Fotografen und bringen sich selbst jedoch nicht die Gäste in eine vorteilhafte Position, was man zwar bekritteln kann, einem aber nichts bringen wird, denn was macht schon der Unterschied von einem Meter aus? Manchmal entscheidet dieser eine Meter darüber ob man das Tier perfekt ins rechte Licht rücken kann oder eben nicht, aber wem sag ich das.


Ein paar Minuten später machten wir uns erneut auf die Suche nach unserem Leoparden. Würden wir ihn wohl wieder auf seinem Ast antreffen? Oder hatte ihm doch noch jemand seine Beute wegnehmen können? Kurz darauf bekamen wir die Antwort. Wir hatten großes Glück, die bereits tief stehende Sonne hatte nicht allzu viel Kraft mehr und der Leopard war schon wieder beim Fressen. Er kaute gerade die eine Hälfte des Schädels bis auf den Knochen ab. War das Knu eine leichte und vor allem unwichtige Aufgabe für mich als Fotografen gewesen, galt es jetzt wieder mit aller Konzentration dem Thema zu widmen. War mir doch mehr als bewusst, dass ich vielleicht nie wieder so eine Szene vor die Linse bekommen würde.


Als erstes wollte ich die Dynamik welche entsteht wenn der Leopard ein Stück Fleisch aus seinem Opfer herausreißt festhalten. Was ich brauchte war also eine relativ lange Belichtungszeit mit einer hohen Grundschärfe. Gesagt getan, das 200-400mm war perfekt von dem tiefen Standort auf dem wir uns gerade befanden. Etwa sieben Meter unterhalb des Astes auf dem der Leopard ruhte und fraß saß ich mit meiner Kamera. Das Stativ gestattete mir, anders als gestern, scharfe unverwackelte Aufnahmen auch noch bei 1/13sec und Blende f/8.0 zu machen.


16:32:16 Uhr



Mit zugeschaltetem Blitz und 1/60sec und f/4.0 gelang mir gleich danach diese Aufnahme.



Diesmal ließ ich mich nicht durch die anderen Gäste beeindrucken und fotografierte den Leoparden eine halbe Stunde lang ohne auch nur daran zu denken Rücksicht zu nehmen, denn eines wusste ich, was besseres kommt heute nicht mehr. Und ich sollte recht behalten, denn außer einer Herde Impalas, einer neugierigen Manguste und einen bunten Vogel bekamen wir vor Sonnenuntergang nichts mehr zu sehen.


Obwohl es bitterkalt war und wir alle froren wie im Winter hatte heute niemand Lust darauf die Beobachtungen schon aufzugeben. Als wir dann durch ein völlig ausgetrocknetes Flussbett fuhren begegneten wir einem anderen Fahrzeug unserer Lodge. Sie standen in unmittelbarer Nähe und ihr Tracker leuchtete auf ein kleines Tier. Wir näherten uns mit großer Vorsicht und nach hundert Metern konnten auch wir die Hyäne erkennen. Sie streifte alleine durch das Flussbett, nahm dabei keinerlei Notiz von dem starken Scheinwerfer der auf ihn gerichtet war. Obwohl ich kein großer Fan von Nachtaufnahmen bin machte ich einen Versuch die Hyäne abzulichten und es kamen ein paar halbwegs brauchbare Aufnahmen heraus.


So motiviert machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg um unserem quasi Freund, den Leoparden einen Besuch abzustatten. Wir fanden ihn auf seinem Ast, schlafend. Er wähnte sich dort oben in Sicherheit, so sicher, dass er sich weder durch mein Blitzlicht noch durch den Suchscheinwerfer irritieren ließ. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper. Es machte den Anschein als schliefe er tief und fest.


19:06:35 Uhr



Die nächsten 45min vermummte sich jeder so gut er konnte und es wurde still in unserem Jeep. Nur der Turbodiesel unseres Toyotas brummte unaufhörlich vor sich hin und erinnerte uns daran wie viel Kraft und Ausdauer nötig waren um uns Touristen an solch entlegene Orte zu bringen. Durchgefroren aber glücklich erreichten wir heute Abend als Letzte die Lodge. Das Abendessen war fast schon fertig und nachdem ich meine Ausrüstung im Zimmer verstaut hatte blieb kaum noch Zeit um die Speicherkarten auf meine Imagetanks zu überspielen. An der Bar ging es heute hoch her, denn Bobson hatte eine Geschichte zu erzählen welche sich in unserer Abwesenheit zugetragen hatte.

In dem kleinen Wasserloch direkt unter der Bar lebte ein kleines Süßwasserkrokodil, erzählte er und alle Gäste lauschten andächtig seinen Worten. Wir haben diesen Tümpel gleichzeitig mit der Lodge hier angelegt, er ist also künstlich und wird von uns immer wieder aufgefüllt. Ein Garant in der Trockenzeit um Impala's oder Elefantenherden praktisch jeden Tag am Wasserloch zu haben. Wie allerdings das Krokodil hier rein gekommen war, ja dafür hatte auch der weise alte Bobson keine Erklärung, gab es doch im Umkreis von mehreren Kilometern keinerlei heimische Krokodile hier.


Das Krokodil ernährte sich von kleinen Fischen und wohnte nun schon über zwei Jahre in dem Wasserloch, erzählte er. Doch heute Nachmittag passierte etwas. Eine Herde Impala's war zum Trinken an das Wasserloch gekommen und das kleine Krokodil dachte offensichtlich es könnte eine dieser Antilopen fressen und schnellte blitzartig aus dem Wasser. Es biss eine der Antilopen direkt in seine Nase und ließ nicht mehr los. Die arme Antilope wusste erstmal gar nicht wie sie sich verhalten sollte, hatte sie mit allem aber sicher nie mit einem 1 Meter langen Babykrokodil gerechnet. Nach ein wenig Gezappel der Antilope ließ das Krokodil wieder von ihr ab und verzog sich zurück in seinen Tümpel. Leider hatte niemand eine Kamera zur Hand gehabt, wären sicher sensationelle Aufnahmen geworden, meinte Bobson. Ein Impala an dessen Nase ein Krokodil hängt!


Alle amüsierten sich köstlich über diesen Vorfall und erst nachdem der Manager erklärte, dass dies unter Umständen ein ausbleiben der Impalas für einen längeren Zeitraum haben könnte begannen wir zu erahnen wie sensibel die Natur hier draußen war. Kaum hatte Bobson ausgesprochen stieß er gemeinsam mit uns allen auf das gelungene Ende eines herrlichen Tages mit einem Aperitif aufs Haus an. Dann kam er zu mir legte seinen Arm um meine Schulter und befragte mich, zum ersten Mal direkt nach meiner Ausbeute.


Etwas verunsichert weil ich so eine Frage nicht erwartet hatte entgegnete ich das ich sehr zufrieden war und zeigte ihm den Monitor meiner Kamera. Im schnellen Durchlauf führte ich ihm alle Fotos die sich auf der Speicherkarte befanden vor und er zeigte sich überaus beeindruckt bezüglich meiner Ergebnisse. Dann tauschte er sich kurz mit einem seiner Männer aus und sagte mir, dass er sehr zufrieden wäre und ich morgen mein eigenes Fahrzeug samt Tracker und Ranger bekommen würde.

Höflich bedankte ich mich und setzte mich Freudestrahlend an die Bar. Leslie hatte dies mitbekommen, klopfte mir auf die Schulter und meinte: "Gut gemacht, den hast du beeindruckt."


Beim Abendessen konnten wir wieder Neuankömmlinge begrüßen und einige lieb gewonnene Gäste verabschiedeten sich. Eine komische Sache, dachte ich mir. Kaum waren die Leute angekommen, waren sie auch schon wieder weg. Wozu sich auf so eine weite Reise machen, wenn man dann nur zwei oder gar eine Nacht bleibt? Gut der Preis spielte hier sicher eine große Rolle, das war mir schon klar, aber all die Menschen die ich in den letzten beiden Tagen kennen gelernt hatte konnte man sowieso ausschließlich der Gattung der "Hedonisten" zuordnen. Da war praktisch kein „Normalo“ dabei gewesen. Die sollte der Betrag also kaum stören, oder? Leslie z.B. war mit ihrem eigenen kleinen Flugzeug angereist und die 500 USD pro Tag waren sicher günstig im Vergleich dazu, was ihr der Flug gekostet hatte. Trotzdem weilte sie nur 2 Nächte hier in Mashatu. Okay, sie kam regelmäßig und jeder der Belegschaft kannte sie von früher, schon gut, aber wegen 2 Nächten von Johannesburg hier rauf zu fliegen?


Am Lagerfeuer wurden wieder Afrikas Spezialitäten serviert und mit ein paar guten Gläsern Rotwein und Geschichten von untertags unterhielt ich die halbe Tischrunde. Wir lachten, fühlten uns wohl und taumelten irgendwann gegen 23:00 Uhr sturzbetrunken quer durch die halbe Anlage zu unseren Bungalows zurück. Dabei wurden wir wie immer von unseren Rangern begleitet. Diese angebliche Vorsichtsmaßnahme empfand ich etwas übertrieben, stärkte sie aber die Bindung zu seinem Ranger beträchtlich. So in meinem Bungalow angekommen legte ich mich ins Bett und schlief zufrieden ein.

 

So meine Freunde, dass wars mal für den Anfang. Die Kapitel 4 bis 20 folgen irgendwann wenn ich wieder Zeit habe.....

 

Liebe Grüße

 

Wolfgang