Gefangen in endloser Freiheit - Teil 2
23.06.2007
15:45 Uhr
Ungewiss was der Nachmittag bringen würde saß ich also da….. aufgeregt welche wilden Tiere ich wohl fotografieren könnte, gespannt ob meine hohen Erwartungen in Erfüllung gehen werden. Tausend Gedanken gingen mir gleichzeitig durch den Kopf… welches Objektiv sollte ich auf meinem Body haben, würde ich gesetzt den Fall das ein Tier weg liefe schnell genug agieren können, hatte ich meinen Bean Bag griffbereit, war der Blitz richtig eingestellt, usw… usf.
Dann kam relativ schnell die Ernüchterung. Man saß gemeinsam am offenen Toyota, hielt krampfhaft Ausschau nach Tieren… sah aber weit und breit nichts! Das war umso trauriger, als man auf der Mashatu Game Reserve Kilometerweit bis zum Horizont freie Sicht hat wenn man auf einer kleinen Anhöhe steht. Ganz im Gegensatz vom Kruger National Park wo die Sicht oftmals nur wenige Meter beträgt.
Der vorherrschende Landschaftstyp welchem man hier in Mashatu begegnet ist eine flache Baumland Savanne welche immer wieder von kleineren Hügeln durchzogen wird. Der Boden ist sandig und es gibt weder Straßen noch sonstige Bauwerke entlang des Treks. Auch Verkehrszeichen oder sonstige Wegweiser sucht man vergeblich. Das einzige was man sieht ist Landschaft, karge trockene sandige Landschaft, durchzogen mit Bäumen die allesamt auf einer Höhe von ca. 2,5m abgeknickt wurden. Elefanten, sagte Elvis, Elefanten zerstören alle Bäume die nicht stark genug sind. Wobei mit stark genug der Stammdurchmesser knapp über dem Boden gemeint ist. Alles unter einem 3/4 m ist dem Untergang geweiht und wird nieder gemäht. Schade eigentlich, denn so sieht’s hier aus wie am Mond, dachte ich mir.
Unser Toyota zog eine weithin sichtbare Sandfahne hinter sich her und konnte von anderen Treckern problemlos über eine Distanz von mindestens 2km ausgemacht werden. Vor uns lag ein Tal und ich starrte angespannt einmal geradeaus, dann wieder links und danach rechts Richtung Horizont. Wo waren die Viecher bloß fragte ich mich verzweifelt....?
Natürlich war mir klar das sich die Tiere in der Wildnis, anders als im Zoo nicht unbedingt an die Zeiten der Touristen in ihren lauten Gefährten halten würden, schon klar, aber das gar keine zu sehen sein würden machte mich doch etwas traurig. Mir war zwar klar das die Frage nicht sehr schlau war, trotzdem aber befragte ich Elvis, meinen Ranger, welche Tiere er suchen würde und ob er nach irgendetwas speziellem Ausschau halten würde da ich bemerkte, dass er immer wieder auf den Boden blickend Spuren im Sand las. Er verneinte jedoch und meinte das er zwar auf der Suche nach Löwenspuren sei, aber bis dato keine frischen Treks gesichtet hätte.
So verging die erste halbe Stunde ohne eine einzige Sichtung.
Dann aber ging es Schlag auf Schlag. Elvis stoppte unseren Jeep abrupt und deutete vorsichtig nach links. Ich starrte zwischen die Büsche, sah aber nichts. Dann nach ein paar Sekunden erkannte ich es auch. Farblich perfekt getarnt stand ein einzelnes Warzenschwein in einer kleinen Lichtung zwischen dichten Büschen. Ich griff zu meiner bereitliegenden Kamera und dachte mir… shit, falsches Objektiv drauf!
Schnell wechselte ich das 70-200 mm gegen das 200-400 mm aus und brachte meine Nikon in Anschlag.
16:12:53 Uhr
Kaum hatte ich den Auslöser das erste Mal betätigt fühlte sich das Warzenschwein offensichtlich durch das extrem laute Auslösegeräusch meiner Nikon belästigt und macht kehrt. Dazu muss ich anmerken, dass ich pro Auslösung immer gleich 3 Bilder in einer Belichtungsreihe mache (Braketing) um Fehlbelichtungen von vornherein ausschließen zu können. Nach nur 14 Fotos (nicht einmal 5-mal den Auslöser betätigen) war unser Warzenschwein in die Büsche geflohen. Exakt 30 Sekunden hatte ich Zeit gehabt um ein vernünftiges Bild zu machen.
16:12:23 Uhr
Mir war von vorn herein klar gewesen, dass ich anders als im Zoo mit Stativ hier in freier Wildbahn schnell sein musste, aber 30 Sekunden war doch verflucht noch mal eine ganz andere Liga. Zumal mir bewusst war auf was es in der professionellen Wildlifefotografie ankam. Zum ersten musste die Schärfe immer perfekt am Auge des Tieres liegen und zwar unabhängig von Betrachtungswinkel. Weiters war die Verwackelungsunschärfe ein mächtiger Gegner wenn man mit Brennweiten im Bereich der 600 mm arbeitete und versuchte die 5 kg schwere Body-Objektivkombination freihändig zu balancieren. Und zuletzt galt es eine gefällige Bildkomposition zu finden bei der das Umfeld in dem sich das wilde Tier eben befand mit einbezogen wurde. All das macht einen guten Wildlifefotografen aus…..
Elvis startete den Diesel unseres Toyotas und wir nahmen erneut Fahrt auf. Die Temperatur am Nachmittag war sehr angenehm und in der Sonne genügte ein Polo Shirt samt Unterleiberl um sich wohlzufühlen. Nur sieben Minuten später erspähte unser Trecker, Karl, eine weibliche Kudu Antilope auf einem Hügel vor uns.
16:19:25 Uhr
Unweigerlich musste ich an Hemingway denken und all die Entbehrungen und Strapazen die er 1934 auf sich nehmen musste, wollte er doch nichts sehnlicher, als eine dieser wunderschönen Antilopen in Form einer Trophäe mit nach Hause nehmen. Hier stand sie also…. In guter Schlussdistanz, direkt vor mir…
Ich nahm meine Waffe, die D2Xs legte an… und schoss, genau fünfmal. Nach diesen 17 Fotos war sie weg, die Kudu Dame. Auch diesmal blieben mir gerade mal 1 min und 17 sec bis die Antilope außer Sichtweite war! Weiter ging die Fahrt durch ein ausgetrocknetes Flussbett und zwischen kleinen Hügeln hindurch. Und als ob uns die Natur belohnen wollte machten wir weitere sechs Minuten später bereits wieder ein Tier in der Entfernung aus. Diesmal war es eine Impala Antilope, genauer gesagt ein erwachsener Bock mit prächtigem Geweih.
16:27:02 Uhr
Das 200-400 mm war immer noch an meinem Body und nach 21 Fotos kramte ich bereits in meinem Fotorucksack nach dem Telekonverter. Wer hatte da behauptet in der Wildlifefotografie wäre das am meisten benutzte Objektiv das 70-200 mm? Blödsinn, dachte ich mir und ärgerte mich über die bewusste Täuschung der Profis die solche Meldungen öffentlich im Internet posteten und andere Fotografen damit wissentlich in die Irre leiteten. Runter das 200-400er, den Konverter drauf geschraubt und wieder rauf mit dem Riesenzoom. So, das müsste jetzt passen. Zufrieden blickte ich durch den Sucher und freute mich diebisch. Unglaubliche 975 mm Brennweite waren dass nun, aber der Bock dafür Format füllend in meinem Sucher.
Ein herrlicher Anblick. Es sah so aus als könnte ich ihn mit meiner linken Hand füttern, so nahe war er mir. Um die Verwackelungsgefahr etwas zu minimieren schraubte ich den ISO Wert auf 400, was nachträglich gesehen vielleicht wirklich notwendig war, jedoch unglaubliche Qualitätseinbussen für die Files bedeutete. Weitere 32 Bilder lang ließ sich der Impala von uns betrachten bevor er lautlos im Unterholz verschwand.
16:30:58 Uhr
Endlich mal hatte ich länger als nur wenige Sekunden Zeit gehabt mich auf alles Wesentliche zu konzentrieren. Zwar waren auch diese 4 Minuten nicht die Welt und zum verschnaufen blieb kaum Zeit, aber es war besser als nichts. Obwohl es bis zum nahenden Sonnenuntergang noch fast eine Stunde war, merkten wir wie es kühler wurde entlang des Flussbettes wo wir entlang fuhren. Keine 5 Minuten danach wieder eine kleine Sensation, direkt vor uns graste eine kleine Gnu Herde auf dem gegenüberliegenden Hügel. Weit entfernt aber noch sichtbar. Ich wollte Elvis schon fragen warum er nicht näher ran fahren wollte, als er von selber die Antwort gab. Diese Tiere sind extrem scheu und es ist besser wir warten hier, vielleicht kommen sie ohnehin in unsere Richtung und wir können sie dann aus geringerer Distanz beobachten.
16:36:31 Uhr
Es müssen gute 200m bis zu den Gnu’s gewesen sein schätzte ich vorsichtig und war froh den Konverter mitgenommen zu haben. Selbst mit der maximalen Brennweite (650mm) waren bei Offenblende (f/6.7) nur Belichtungszeiten von 1/.. sec möglich. Leider waren die Gnu’s von unserer Anwesenheit überhaupt nicht begeistert und sie zogen blitzartig weiter. Mit aller Gewalt versuchte ich einen der galoppierenden Bullen zu fotografieren, scheiterte aber Freihand kläglich.
ISO 400 und die immer schlechter werdenden Lichtverhältnisse taten das ihre dazu. Zwar machte ich in den 4 Minuten 56 Fotos, musste aber nach einer schneller Kontrolle am Monitor meiner Nikon feststellen, dass kein einziges davon wirklich brauchbar war. Da hatte ich eine Herde Gnu’s vor der Linse und war zu blöd schöne Aufnahmen zu machen, verflucht war das ärgerlich dachte ich mir und versuchte mich damit zu trösten, dass wir einfach zu weit von Ihnen entfernt gewesen waren. Kein Mensch könnte mit einem 1000mm Freihand scharfe Aufnahmen machen redete ich mir ein….
16:42:19 Uhr
Direkt vor unserem Fahrzeug zeigte uns Elvis einen schwarz weiß gefleckten kleinen Vogel der offensichtlich dabei war in der Lache, welche vor ihm lag Futter zu suchen. Das Licht der untergehenden Sonne schien genau auf sein extrem kontrastreiches Federkleid und meine Konverter Objektivkombi erwies sich einmal mehr als die perfekte Wahl. 53 Fotos, oder 3 Minuten lang ließ sich der Vogel von dem Auslösegeräusch meines Maschinengewehrs nicht verscheuchen und erlaubte mir ein paar wirklich gelungene Aufnahmen zu machen.
16:45:10 Uhr
Elvis sagte er hätte etwas Besonderes für uns und wir machten uns wieder auf den Weg. Es ging entlang des Flussbettes durch relativ dichten Wald vorbei an einigen riesigen Mashatu Bäumen bis wir erneut eine Impala Antilope auf der Kuppe eines Hügels sahen. Nichts Besonderes würden viele sagen, ich aber denke dass es überhaupt nicht darauf ankommt ob das Tier Kudu oder Löwe heißt. Hier draußen sollte man über jedes Lebewesen glücklich sein. Sie beobachten zu dürfen und Teil des Ganzen zu sein ist eines der faszinierendsten Gefühle überhaupt.
17:04:03 Uhr
Die Impala Kuh stand regungslos da und beobachtete uns argwöhnisch. Der 6 Zylinder Diesel unseres Toyota war nicht die beste Art um sich an scheue Geschöpfe heran zu pirschen, soviel war klar. 14 Fotos und eine lärmende Nikon später war die Impala Geschichte und wir auf dem Weg zu Elvis Überraschung.
17:04:44 Uhr
Kaum wollte Elvis den Motor wieder starten landete ein Red-billed-Hornbill am Wegesrand links von unserem Toyota aus gesehen und ich versuchte, wagemutig wie ich nun mal bin, den kleinen Piepmatz mit immer noch angesetztem Konverter zu fotografieren. Was, wie ich traurig zugeben musste aufgrund der extrem langen Belichtungszeiten zum scheitern verurteilt war. Keines der 11 Fotos war auch nur halbwegs scharf! Ein wahres Desaster ;-)
13 Minuten später blieben wir direkt vor einem riesigen Mashatu Baum stehen und wir konnten es nicht fassen, hoch droben im Baum, etwa sieben Meter von uns entfernt saß er, ein männlicher ausgewachsener Leopard. Mein Herz begann zu rasen und meine Hände wurden Schweiß nass. Ich versuchte cool zu bleiben, überlegte was ich mir jahrelang für so einen Moment vorgenommen hatte und stand doch völlig neben mir. Scheiße noch mal, da oben war der Leopard, jetzt nur nicht ausflippen dachte ich mir.
Tausend Dinge gingen mir gleichzeitig durch den Kopf, was wenn die Bestie noch Hunger hatte, ein Sprung auf unsere Motorhaube sollte aus dieser Entfernung kein großes Problem für die Raubkatze darstellen, würde ich eine Chance habe, vielleicht könnte ich ihm ja mein 400er über die Rübe ziehen.... shit, nun mach schon Wolfgang, wo ist das verfluchte 70-200mm nur. Nervös fummelte ich wie ein Schuljunge bei seinem ersten Date an meiner Kamera herum. Leslie fotografiere bereits seit gut einer Minute und ich hatte immer noch nicht das richtige Objektiv an meiner Kamera. Das gibt’s doch alles gar nicht dachte ich mir.
Endlich, drauf war es .... schnell kontrollierte ich alle Einstellungen.... Weißabgleich: AUTO, Scharfstellung: Autofokus, ISO: 400, Blende: offen, Blitz: auf der Kamera aber noch offline, also los, tu endlich was du angeblich so gut kannst verflucht noch mal.
17:18:12 Uhr
Ich richtete meine Nikon D2Xs auf einen echten leibhaftigen Leoparden, kaum mehr als einen Steinwurf von mir entfernt und ich saß komplett ungeschützt in einem offenen Jeep. Pass auf Junge, die Sonne scheint genau von hinten durch die Blätter auf den Leoparden dachte ich mir und kontrollierte das erste Bild vorschriftsmäßig. Als manueller Belichtungskorrekturwert war – 0.7 EV an meiner Kamera eingestellt. Aber bereits nach nur 10 Bildern erkannte ich, dass mir das Gegenlicht einen Strich durch die Rechnung machte. Ich konnte aus dieser Position keine vernünftigen Aufnahmen machen. Also wechselte ich wieder zurück auf das 200-400 mm und aktivierte den Blitz.
17:19:08 Uhr
Die Belichtungszeiten wurden grauenhaft lang und mir war klar, dass kaum ein Foto zu gebrauchen sein würde. Aber was sollte ich denn tun...? ISO 400 war das Maximum was ich in dieser Situation riskieren wollte und der Blitz durfte maximal aufhellen soviel war klar. Da Offenblende aber halt f/4.0 war ergab sich 1/20sec von selbst und Stativ war weit und breit keines in Sicht. Ich lehnte mich auf meinem Platz weit zurück, stellte meine Füße auf das Stahlrohr vor mir und versuchte meine Knie so weit wie möglich in die Höhe zu bekommen um das Objektiv darauf aufstützen zu können. Kaum eine Minute hatte ich erst fotografiert, aber ich spürte bereits wie es in meinen Oberarmen zu ziehen begann. Wie bei einem Bodybuilder der Wiederholungen macht merkte ich zusehends wie sich die 5kg immer mehr bemerkbar machten. Lange würde ich das Freihand nicht mehr halten können war mir klar. Besonders nicht bei diesen Verschlusszeiten. Und als ob die Situation nicht schon schwierig genug war, musste der Leopard nun auch noch aufstehen.
17:19:45 Uhr
Durch seine Ruckartigen Bewegungen mit der er Fleisch aus seiner Beute zu reißen versuchte half nur mehr der Blitz, denn 1/20sec war definitiv zu lange für jegliche seiner Bewegungen, soviel war klar. Plötzlich schreckte er auf und sah in Richtung der Untergehenden Sonne. Wir hielten inne und blickten ebenfalls nach rechts. War da etwa ein anderes Raubtier? Konnte die Situation gefährlich werden...? Elvis unser Ranger sah zurück zu Karl unserem Trecker und fragte ob er etwas gesehen hätte. Paul aber beruhigte und sagte: Es ist nur eine Hyäne, keine Gefahr für den Leoparden, denn immerhin sitzt er ja schon am Baum in Sicherheit.
Da ich unbedingt näher ran wollte, warf ich alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord und schraubte den Telekonverter zwischen das 200-400mm und meine Nikon und machte ein 1000er Tele daraus. Wohl wissend, dass mir keine einzige scharfe Aufnahme gelingen kann. Ich erhöhte den ISO Wert auf 800 und legte all meine Hoffnungen auf den Blitz, denn auch wenn der VR bei 1/13sec und f/6.7 nicht mehr viel retten konnte war die Brenndauer des Blitzes maximal eine tausendstel Sekunde, was jedem noch so verwackelten Bild eine gewisse Grundschärfe verlieh.
17:21:24 Uhr
Immer weiter schlug der Leopard sein kräftiges Kiefer in die Rippen des längst ausgeweideten Impala. Knochen barsten und der Klang der brechenden Knochen ließ uns allesamt erschaudern. Jeder in unserem Fahrzeug wusste, dass wir nicht die geringste Überlebenschance hatten, würde der Leopard auf eine gute Idee kommen. Trotzdem saßen wir da, fotografierten und bewunderten dieses unglaubliche Geschöpf. Keiner wagte es zu sprechen, nur das klicken der Kameras war immer wieder zu hören und durchbrach das Knacken der brechenden Knochen manchmal.
Die Sonne war bereits untergegangen und der Leopard lag nun im Schatten. Nachdem die Verschlusszeit trotz ISO 800 aber auf unter 1/10 sec sank musste ich einsehen, dass es keinen Sinn hat weitere Nahaufnahmen zu versuchen. Also entfernte ich den Konverter und beschränkte mich auf Aufnahmen die alleine mit dem Telezoom möglich waren. Genau wie der Leopard hatten wir unseren Standpunkt nun verlegt. Wir waren unter seinem Ast durchgefahren und standen jetzt genau auf der anderen Seite. Mit viel Glück gelang mir auch hier wieder ein gutes scharfes Foto welches ich euch gerne zeigen möchte. Diesmal sind die Rippen der Impala Antilope sehr dominant im Vordergrund und es ist nur ein Auge zu sehen.
17:24:39 Uhr
Nun sah es so aus als ob unser Leopard satt war, denn er zerrte die Überreste des am Vortag erlegten Impala’s in eine etwas höhere Region des Mashatu Baumes und kam dann, nachdem er zu uns herunter gesehen und gebrüllt hatte
17:35:41 Uhr
wieder hinunter gelaufen.
17:36:12 Uhr
Unten am Baum angekommen sondierte er die Lage erstmal und leckte sich sauber.
17:40:15 Uhr
Wie alle Hauskatzen ist auch der Leopard auf Sauberkeit bedacht und möchte nicht mit blutiger Schnauze auf der Erde liegen ;-)
Danach ging er wenige Schritte bis zu einem großen abgebrochenen Ast von der Größe eines kleinen Baumes und legte sich darunter. Hier sieht man, dass die Zerstörung durch die Dickhäuter durchaus ihre positiven Seiten hat. Er führte seine Fellpflege zu Ende und wir waren immer noch da um ihn zu beobachten. Inzwischen war es bereits 17:45 Uhr und die Lichtverhältnisse wurden zusehends schlechter. Man brauchte nun schon 1/25sec bei Blende 2.8 trotz ISO 800!
17:45:51 Uhr
Wegen der vorgerückten Stunde und der Tatsache dass alles Schöne im Leben auch einmal ein Ende hat, mussten wir schweren Herzen wieder aufbrechen. Keiner von uns wollte weg, aber es half alles nichts, eine halbe Stunde war mehr als die meisten je von einem Leoparden zu sehen bekommen werden. Die Dämmerung brach nun über uns herein und voll freudiger Erwartung was mit an diesem ersten Tag so alles gelungen war ging es retour Richtung Lodge. Jetzt erst bemerkte ich wie frisch es in der Zwischenzeit geworden war. Schnell streifte ich meinen Sweater über und kramte meine Windjacke aus der Tasche. Der Fahrtwind tat dann das seine dazu uns regelrecht frösteln zu lassen.
17:53:53 Uhr
Mein erster Elefant. Links nahe den Büschen erspähte Elvis einen jungen Elefantenbullen. Auf meiner Kamera befand sich wegen der schlechten Lichtverhältnissen und dem fehlen eines Stativs das 17-55 mm Objektiv, was in diesem Fall nicht die optimale Bereifung war. Hier hätte sich ein Objektiv wie das 28 mm f/1.4 bezahlt gemacht, dachte ich mir insgeheim. Zwei Blenden hört sich nicht übermäßig viel an, sind aber im konkreten Fall der Unterschied von 1/5 sec zu 1/20 sec und das hätte vermutlich sogar noch funktioniert. Das Problem hatte sich aber schnell von selbst erledigt, denn nach nur 6 verwackelten Aufnahmen war der Elefant weg.
18:29:25 Uhr
Vor lauter Fotografieren und Ausschau halten hatten wir völlig auf das Wichtigste vergessen ermahnte Leslie uns... die Pause für den obligatorischen Gin Tonic. Um ehrlich zu sein hatte ich vor dieser Reise kaum jemals einen Gin Tonic getrunken und konnte mir keine passenden Anlass für diesen Drink vorstellen, nachdem ich ihn aber im Beisein der anderen Gäste und der unvergleichlichen Kulisse probiert hatte, verliebte ich mich in diesen Cocktail. Obwohl die Sonne längst untergegangen war konnte man den Horizont noch erkennen und während Karl die Bordwand herunter klappte und unsere Getränke vorbereitete bewässerten wir Männer wie es uns von der Natur vorbestimmt war die umliegenden Sträucher. Zum ersten Mal aber, dass man sich dabei beobachtet und etwas unwohl fühlte. Denn wäre ein Jäger in unmittelbarer Umgebung gewesen wären wir sicher die letzten gewesen, die ihn entdeckt hätten soviel stand fest.
Leslie bot einige Ihrer Geschichten feil und zusammen stießen wir auf einen erfolgreichen Tag an. Obwohl ich bereits 40 Jahre alt bin, kam ich mir in dieser Runde wie das Teambaby vor, was wenn man Leslie und Johnny Cash sah nicht verwunderlich war. Da wir relativ viel Zeit beim Leoparden vertrödelt hatten und es um 20:00 Uhr Essen gab konnten wir unsere Drinks aber gar nicht richtig genießen. Immerhin hatten wir ja noch einen weiten Weg vor uns. Am Jeep sitzend war es dann bitter kalt und Karl reichte uns jedem eine Wärmflasche sowie eine warme Wolldecke. Dankend nahm ich diesen Service an und verbarg meine eisigen Hände so gut es ging unter der Decke.
Während wir uns den Hintern abfroren leuchtete Karl hinten am Fahrzeug sitzend mit einem Scheinwerfer die nahe Umgebung in der Hoffnung etwas zu sichten ab. Meiner Ansicht nach relativ unsinnig denn ich hatte selbst am tage Probleme das vorhandene Licht so zu nutzen das Top Aufnahmen entstehen können, was also in drei Teufels Namen sollte ich ohne Licht, nur mit einem Blitz bewaffnet ausrichten können wenn er ein Tier in 50 Meter Entfernung erspähen sollte??? Plötzlich hielt Elvis unser Fahrzeug mitten im Flussbett an und schaltete den Motor ab. Karl deutete aufs andere Flussufer und Sekunden später sah ich ihn auch, den zweiten Toyota unserer Lodge.
Seine Scheinwerfer blendeten uns und wir grüßten die anderen Gäste. Es war ein komisches Gefühl, so mitten in der Nacht anderen Menschen zu begegnen, fast gruseliger als irgendwelchen wilden Tieren, wusste man doch nie ob es sich nicht vielleicht um Wilderer handelte. Nach dieser kurzen Begegnung, sie waren auch schon auf den Rückweg zur Lodge, nahmen wir wieder fahrt auf und durchquerten den tiefen Sand des Flusses.
18:43:11 Uhr
Tatsächlich,.. Karl hatte Erfolg. Auf einem kahlen Ast direkt vor uns saß eine Eule. Nicht spektakulär, aber immerhin, eine Eule. Nach ein paar Bildern ging es dann retour zur Lodge und gegen 19:00 Uhr langten wir dort ein. Bobson der Manager hieß uns herzlich willkommen und erklärte uns, dass wir noch eine Stunde bis zum Abendessen Zeit hätten uns zu duschen und frisch zu machen. Geduscht hatte ich schon, also brachte ich meinen schweren Fotorucksack erstmal aufs Zimmer und lud die Batterien auf.
Mir war eiskalt und so drehte ich die Klimaanlage auf 25 Grad und heizte mein Zimmer ordentlich auf. Wieso nur musste es in Afrika so bitter kalt sein, dachte ich mir. Das haut einem doch die ganze romantische Stimmung zusammen. Wie soll man gemütlich beim Lagerfeuer sitzen und sich Geschichten erzählen wenn einem die Zehen dabei abfrieren? Um 19:35 Uhr marschierte ich dann in der Dunkelheit die gut 200m quer durch unsere Lodge hinauf zur Terrasse. Ich war außer den Angestellten einer der Ersten. Überall brannten offene Feuer und Kerzen und es hatte für mich ein wenig den Touch von Weihnachten. Ich bestellte bei der Bar ein Bier und setzte mich auf den gemauerten Balkon. Der Ausblick auf das beleuchtete Wasserloch war grandios und ich wusste dass der Tag nicht besser hätte sein können. Träumte ich oder war ich tatsächlich hier in Botswana und hatte heute einen Leoparden am Baum fotografiert?
So hundertprozentig sicher war ich mir nicht. Dies lag aber vielleicht daran, dass einem nach Jahrelangen Überlegungen und Vorbereitungen manches nicht mehr ganz so real vorkommt wie es gerade ist. Nach und nach füllte sich dann der Bereich vor der Bar und Gäste aus aller Herren Länder versammelten sich und warteten auf das Abendessen in der an die Bar angeschlossenen Boma. Snacks wurden gereicht und die Trecker bemühten sich „Ihre“ Gäste zu unterhalten. Für mich eine völlig neue Erfahrung, hatte mir dies nicht erwartet. Nicht das es mich störte zusammen mit meinem Trecker zu Abend zu essen, nein, nur hätte ich bei den Luxuspreisen nicht erwartet, quasi mit dem Personal auch noch den Abend verbringen zu müssen. Wie ich aber im Laufe der nächsten Wochen erfuhr soll dies die „Kunden“, also die Touristen in die Camps integrieren. Man soll als Gast das Gefühl bekommen, zur Familie dazu zugehören und nicht nur dabei zu sein. Ob diese Idee tatsächlich so gut ist, überlasse ich der Fantasie eines jeden, für mich war die Teils sehr gekünstelte allabendliche Freundlichkeit einfach unangebracht und störend. Denn unter Touristen bespricht man gerne auch mal negative Dinge, die man, wenn andauernd der eigene Trecker anwesend ist mal geflissentlich vermeidet.
Inzwischen war es 20:00 Uhr und die Tür zur Boma war immer noch verschlossen. Man hörte das Lagerfeuer knacken und alle waren hungrig, anscheinend war die Küche jedoch noch nicht soweit. Dann endlich kam Bobson und läutete die Glocke. Mich erinnerte die ganze Sache verflucht an Weihnachten als ich ein Kind war. Das Warten, dann die Glocke… und alle waren versammelt und hungrig. Die Tische standen in einem Halbkreis ums Feuer herum und um die Tische war eine Art Bambuszaun bis in 5m Höhe errichtet. Die Boma war also nichts anderes als ein Kreisförmiger offener Platz, welcher von zusammengebundenen Bambusstäben eingezäunt war mit einem großen Lagerfeuer in der Mitte und fein gedeckten Tischen rundum.
Jedem Gast wurde sein Platz zugewiesen und nachdem alle Platz genommen hatten hielt der Manager eine kurze Rede in der die Neuankömmlinge wie ich begrüßt und die morgen Abreisenden verabschiedet wurden. Dann wurde angesprochen dass es nicht ratsam sei alleine in der Nacht sich innerhalb der Lodge zu Fuß zu bewegen. Unser Ranger würde uns nach dem Abendessen zu unserem Bungalow begleiten und zum Frühstück würden wir wieder geweckt werden. Da ich grundsätzlich jegliche Regeln in Frage stelle wunderte ich mich auch hier wieso es innerhalb eines umzäunten Anlage Lebensgefährlich sein sollte umherzulaufen, akzeptierte aber gerne dass Angebot mich herumführen zu lassen.
Das Abendessen war gut, wenn auch nicht außergewöhnlich. Es gab eine Suppe als Vorspeise, dann konnte man sich am reichhaltigen Buffet mit verschiedensten Wildgerichten verwöhnen lassen und anschließend wurde noch ein Dessert sowie Schnaps und Kekse gereicht. Die Getränke waren extra zu bezahlen und lagen durchaus in einem vernünftigen Rahmen, betrachtet man demgegenüber was für eine Nacht aufgerufen wurde. Dass es „nur“ ein Buffet gab wunderte mich bei einem Preis von gut 500 USD zwar, aber da kein anderer Gast etwas sagte und ich vom Haus eingeladen war hielt ich mich mit Wortmeldungen dazu auch zurück. Um ehrlich zu sein fand ich es aber nicht angemessen den Preis eines 6 Sterne Hotels zu verlangen und dem Gast dann zuzumuten selber mit seinem Teller zum Buffet pilgern zu müssen. Eine Speisekarte mit 10 oder 15 a la Carte Gerichten plus den erforderlichem Personal in der Küche wird man bei solch einem Preis doch wohl erwarten dürfen, oder?
Dazu kam noch, dass ich verwöhnt durch die thailändische, japanische, italienische, griechische und österreichische Küche Mühe hatte den Süßkartoffeln und all den undefinierbaren Currys Afrikas etwas abzugewinnen. Nicht das die afrikanische Küche schlecht gewesen wäre, nein, aber es war halt nicht das große Geschmackserlebnis um einen solch perfekten Tag würdig ausklingen zu lassen.
Die Ranger gaben ihre tollsten Storys zum Besten ich saß neben Leslie und Elvis und wünschte mir nur etwas Ruhe. Wieso mussten die alle ständig quatschen dachte ich mir. Jetzt bin ich hier am Arsch der Welt mitten in der Savanne Afrikas und es herrscht ein Lärm wie in einer Vorstadtdisco. Das knacken und brutzeln des Feuers war ja angenehm und romantisch, aber die erzwungen lustigen Tänze des Küchenpersonals in Traditionellen Gewändern und die Witze der Ranger waren mir dann doch etwas zu viel. Ich verabschiedete mich höflich und entschwand leise unter dem Trubel der Gäste in mein Zimmer. Elvis bemerkte als einziges mein Verschwinden und begleitete mich artig wie ein Kindermädchen zu meiner Hütte.
Dort angekommen erkundigte sich Elvis höflich bei mir ob ich den Morgen Game Drive mit machen wollte und erklärte mir, dass er mich persönlich gegen 05:30 Uhr wecken kommen würde. Ich bedanke mich und wünschte ihm eine gute Nacht.
Endlich Stille dachte ich mir und setzte mich auf einen der Fauteuils vor dem Fenster. Das Zimmer sah jetzt am Abend komplett anders aus. Das Bett war gerichtet, ein flauschig weicher Bademantel lag bereit und der Wetterbericht in Form eines A5 Zettels auf meinem Nachtkästchens nebst einem Stück feiner Schokolade. Die Vorhänge waren zugezogen und die leise arbeitende Klimaanlage verbreitete im Zimmer wohlig warme Luft. So beschützt öffnete ich die Vorhänge, den ich kam mir ein wenig eingesperrt vor und wollte noch einen Blick in die weite der Savanne vor dem schlafen gehen genießen. Der Mond war zur Hälfte von der Sonne beleuchtet und stand hoch am Firmament. Ich öffnete das Affengitter um den Ausblick ungetrübt genießen zu können und wunderte mich wieso es plötzlich schwarz wurde.
Da ich eine Mondfinsternis ausschließen konnte musste die Ursache draußen vor meinem Fenster seinen Ursprung haben, war ich mir sicher. Als der Elefant welcher zwei Meter vor meinem Fenster vorbeiging dann meine Anwesenheit bemerkte und kurz einen Trompeten artigen Schrei von sich gab saß ich plötzlich einen Meter weiter hinten auf einem Hocker. Wenn ich viel erwartet hatte dann doch ganz sicher keine Begegnung dieser Art zu so später Stunde. Interessanterweise fürchtete sich der alte riesige Bulle keineswegs vor mir, im Gegenteil schien er sehr neugierig zu sein, waren die Vorhänge doch normalerweise immer zugezogen und das Licht konnte nicht nach draußen dringen. Er kam vorsichtig näher und beäugte mich mit wachsamem Blick. Kurz überlegte ich ob ich meine Kamera zur Hand nehmen sollte, verwarf den Gedanken aber sofort wieder, da es draußen stockfinster war und mein Stativ in der Geschwindigkeit nicht greifbar war.
Es war unglaublich, da stand ich alleine in meinem hell erleuchteten Bungalow Aug in Aug mit einem riesigen Elefanten Bullen und zwischen uns befand sich nur eine dünne Scheibe Glas. Da ich den Elefanten offenbar beim äsen gestört hatte und er hungrig schien wollte ich ihm zum Zeichen meiner Freundschaft etwas geben, hatte aber nichts wirklich Passendes zur Verfügung. Da der Elefant ein Pflanzenfresser ist und ich nur einen Obstkorb, Zigarren und Schnaps hatte griff ich also zum Obstkorb und schnappte mir die Bananen. Dann öffnete ich zaghaft die Schiebetüre meines Fensters und wartete was passierte. Der Elefant trat einen Schritt zurück schnaubte und bemerkte dann meine ihm entgegen gestreckte Hand und die darin befindlichen Bananen. Er streckte seinen langen Rüssel in meine Richtung und beschnupperte mich erstmal.
Erst jetzt sah ich hinter ihm eine ganze Herde weiterer Dickhäuter. Es mussten gut und gern 25 Tiere gewesen sein. Ich war mir nicht sicher ob er der Leitbulle war, aber nach der Größe der Stoßzähne und seiner Masse zu urteilen konnte es passen, dachte ich mir und wollte ihm meine Bananen geben. Er beschnupperte auch die Bananen nahm sie und fraß sie. Ob diese Geste der Freundschaft bei meinem Dickhäuter angekommen war wusste ich natürlich nicht und da ich keinen weiteren Besuch eines Affen in meinem Zimmer riskieren wollte schloss ich die Schiebetüre wieder vorsichtig. Die Elefanten ließen sich davon aber nicht stören und fraßen weiterhin die Büsche vor meinem Bungalow. Ich ging zum Eiskasten nahm mir eine Flasche Bier und drehte die Beleuchtung ab. Dann ging ich zurück zum Fenster und beobachtete sie weiter. Es war einfach unfassbar. Besonders die Tatsache das gerade nur 5 Gäste in unserer Lodge waren machte dieses Erlebnis für mich so außergewöhnlich. Alle außer mir saßen noch in der Boma, tranken und lachten, während ich hier ein unglaubliches Naturschauspiel beobachten dürfte, und das unmittelbar vor meiner Hütte.
Da Elefanten aber nicht lange am selben Platz verweilen sondern praktisch im Gehen Nahrung zu sich nehmen war die Begegnung nicht von langer Dauer. Nur 5 Minuten später war auch der letzter dieser Herde an mir vorüber gezogen und mein Obstkorb leer.
Müde aber überglücklich über diesen ereignisreichen Tag in Afrikas Savanne legte ich mich dann in mein warmes kuscheliges Bett und träumte von dem Leoparden und den Elefanten.






















