Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Gefangen in endloser Freiheit

 

 

Vorwort:


Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Großwildjagd in Afrika durch Schriftsteller wie Ernest Hemingway (Die Grünen Hügel Afrikas) bei den Reichen und Schönen in Mode und der Ausdruck „Big 5“ wurde geboren. "Big 5" deshalb weil damals noch zu Fuß gejagt wurde und der Büffel, der Leopard, der Löwe, der Elefant sowie das Nashorn die gefährlichsten Tiere Afrikas waren. Kein anderes Tier wurde dem Menschen bei der Jagd auch nur annähernd so gefährlich wie die der Big 5 und daher kam es unter den Jägern zu einem regelrechten Kampf um diese begehrten Trophäen. Hemingway selbst wünschte sich eigentlich nichts sehnlicher als den Abschuss einer Kudu Antilope, schoss aber unter anderem auch ein Nashorn. Heute in unserer zivilisierten Welt wird das jagen als Zeitvertreib gesellschaftlich geächtet und kaum jemand würde zugeben ein Großwildjäger sein zu wollen.


Nicht, dass wir Männer heutzutage nicht mehr jagen, nein, weit gefehlt, wir jagen nach wie vor, nur geht die Jagd heute viel subtiler vonstatten. In Afrika z.B. jagt man im Jahre 2007 anders als noch vor 100 Jahren, weniger anstößig weil vorzeigbar, aber eigentlich genauso effektiv wie damals. Das Gewehr wurde gegen eine Digitalkamera plus einem Kugelschreiber getauscht und statt der Trophäe hat man heutzutage einen Field Guide mit, in dem ein Tier nach dem anderen abgehakt wird nachdem man es mit seiner Kamera quasi „erlegt“ hat.

 


Für den echten Wildlifefotografen zählt dabei aber nur was wirklich in freier Wildbahn, also nachweislich außerhalb eines umzäunten Geheges „geschossen“ wurde. Und genau hier habe ich mein persönliches Problem. Was bedeutet Wildlife oder Gehege? Und wie groß muss eine Umzäunung sein um nicht mehr als Zoo zu gelten? Oder geht es nur darum, dass die Tiere nicht von Menschen gefüttert werden und sich ihre Beute selber jagen müssen? Ist es nicht vielmehr so, dass je nach Entwicklungsstand der Gesellschaft diese Begriffe alle 50 Jahre praktisch überholt sind und neu definiert werden? Sicher gab es eine Zeit in der die wilden Tiere Afrikas in absoluter Freiheit lebten und keine künstlichen Grenzzäune ihren Lebensraum einengten. Allerdings liegt diese Zeit sehr weit in der Vergangenheit, denn nicht der Löwe oder der Leopard sind die größten Raubtiere unseres Planeten, sondern der Mensch mit seinen modernen Waffen.

 


Geschichtlich gesehen liegt die künstliche Schaffung von Grenzenlinien und Zäunen welche in der Hochphase des europäischen Imperialismus zwischen 1880 und dem ersten Weltkrieg passierte zwar nur einen Wimpernschlag zurück, brachte aber für die Tierwelt jedoch riesige Einschränkungen mit sich. In dieser sehr dunklen Zeit der Depression (1873-1896) erkannte Europa sehr schnell wie sich die negativen Handelsbilanzen durch Export überschüssiger Produkte und Import liebgewonnener Handelswaren wie Kupfer, Baumwolle, Kautschuk, Tee und Zinn aufbessern ließen.

 

 

Auch wurden im 19.Jhrd. erstmals riesige Landstriche durch Männer wie David Livingstone kartographiert und erforscht. Grenzen wurden künstlich gezogen und Afrika unter den Kolonialmächten Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Portugal, Italien, Spanien und Belgien aufgeteilt.

 


Wenn man nun davon ausgeht, dass es seit gut und gern 100.000 Jahren aufrecht gehende Homo Sapiens in Afrika gibt mutet der Zeitraum seit der Kolonialisierung von etwas mehr als 120 Jahren als unbedeutend und klein an, ist heute aber die Wirklichkeit und kann nie wieder rückgängig gemacht werden. Dies macht auch deutlich, dass der Mensch an sich kein Problem im Zusammenleben mit wilden Tieren gehabt haben kann, muss es doch Jahrtausende ein Miteinander gegeben haben. Alleine der unmäßigen Ausbreitung und Vermehrung unserer Rasse ist es zuzuschreiben, dass wir die wilden Tiere Afrikas in teils winzige Refugien zurückgedrängt haben und sie dort in Parks halten, auch wenn diese die Größe ganzer Bundesländer einnehmen.


Während meiner gesamten Reise ging mir dieser Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Was bedeutete also das Wort Freiheit im Bezug auf wildlebende Tiere und gibt es sie überhaupt noch? Ist der Kruger National Park in Süd Afrika mit seinen 18.989 km² (1.898.900 ha) ein Zoo für zahlungswillige Touristen obwohl die Fläche der von ganz Niederösterreich (Fläche des Bundeslandes Hessen) entspricht? Oder doch eher ein National Park welcher eben nur rundum eingezäunt ist?

 

Wo aber ist der Unterschied, außer darin, dass die Menschen auf ihren Game Drives vor lauter Landschaft die Tiere nicht mehr sehen? Um ehrlich zu sein habe ich auch nach meinen 3 Wochen in der Savanne Afrikas keine wirkliche Antwort auf diese meiner Ansicht nach sehr spannende Frage gefunden. Besonders spannend deshalb, weil es weltweit hunderte Naturfotografen Organisationen gibt die sich damit ad absurdum geführt hätten, läge ich mit meiner Vermutung richtig. Der Vermutung nämlich, dass Tiere in freier Wildbahn de facto nicht mehr existieren. Und zwar völlig unabhängig vom Kontinent und der Gattung.


Dabei ist doch die allgemein gültige Internationale Definition einer Wildnis nach der „Conservation International“ sehr einfach.

 

Sie lautet wie folgt:
Als Wildnis gelten Bereiche, in denen 70 oder mehr Prozent der ursprünglichen Vegetation erhalten sind, die mehr als 1.000.000 ha umfassen und in denen weniger als fünf Menschen pro Quadratkilometer leben. (Nach dieser Definition werden weltweit 37 Gebiete differenziert)

 

 

 

 

Nimmt man nun den Kruger National Park als Ganzes her erfüllt er dieses Kriterium leicht, zieht man aber all die "Privat Game Reserves" mit ihrer gesamten Fläche ab bleibt nicht allzu viel übrig. Der Teil des Parks, welcher zahlungskräftigen Touristen am bekanntesten sein dürfte und welchen ich persönlich bereist habe wurde 1950 gegründet und nennt sich "Sabi Sands". Er ist mit seinen 56.000 ha Grund (560km²) aber weitaus kleiner und in dutzende noch kleinere wenn auch nicht abgezäunte Bereiche unterteilt. Der Erste (1963 gegründet) und auch berühmteste davon wird "Mala Mala Game Reserve" genannt und gehört zu den "Rattray Game Reserves". Die Luxus Lodge mit ihren Bungalows hat eine Fläche von 16.186ha (162km²) und liegt inmitten des Kruger Parks direkt am Fluss.



An dieser Stelle wird manchem vielleicht klar wieso ich mir Gedanken zum Thema Wildnis mache und warum mich diese im Laufe meiner Reise nicht mehr losließen. Eigentlich gibt es keine unberührte Natur mehr und jeder Landstrich ist in irgendeiner Art und Weise vom Menschen eingezäunt oder anderwärtig abgesperrt worden. Einzig Flussläufe sind während der Trockenzeit mehr oder weniger „offen“ und ermöglichen den Tieren ein entkommen aus ihren künstlichen Refugien.


Man erkennt dies am besten wenn man so wie ich von einer "Game Lodge" als Fotograf eingeladen wurde und die Möglichkeit bekommt hinter die Kulissen der großen Maschinerie zu blicken. Normale Touristen sehen nämlich nur dass, was die Geschäftsleitung der Lodge ihnen zeigen möchte, und das ist meist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Das fängt bei den Fahrzeugen an und hört bei der Nachbesetzung fast ausgerotteter Tiere im Park auf. Dazu aber später mehr.

 

 


Mein erstes Wildlifeabenteuer im Südlichen Afrika war der als "Tuli Block" bekannt gewordene Teil im südöstlichsten Eck Botswanas. Dort hatte Herr Rattray (Eigentümer der "Mala Mala Game Reserve") eine riesiges Grundstück erworben und darauf eine der größten Private Game Reserves Namens „Mashatu Game Reserve“ errichtet. 900 bis 1100m über dem Meeresniveau, direkt hinter dem Limpopo Fluss welcher Südafrika von Botswana trennt beginnt das Reich der Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana). Mit der größten Population wild lebender Elefanten (ca. 700 Tiere) hat die "Mashatu Game Reserve" mit ihren 305 km² Fläche (30.000 Hektar) aber nicht nur eine große Attraktion sondern auch ein riesiges Problem wie ich später selber erkennen musste.

 


Die Landschaft nördlich des Limpopo kann am besten als unverbaute afrikanische Savanne durchzogen vom Marschland entlang des Shashe und des Limpopo Flusses beschrieben werden. Kleinere Wälder entlang der Flussläufe unterbrechen die karge wüstenartige Savanne und hie und da ragt ein Hügel aus der ebenen Landschaft empor. Diese kleinen Berge sehen bei näherer Betrachtung wie künstlich angehäufte Steinformationen aus und haben selten mehr als 100m Höhe. Hin und wieder bricht eine geschlossene Sandsteinformation aus dem Boden hervor und es sieht aus als ob riesige gelblich-rote Granit Monolithen aus der Erde wachsen würden. Aber nicht nur Elefanten gibt es hier. Auch kann man hier die unwirklichen Baobab Bäume sowie, mit etwas Glück, die restlichen vier der "Big 5", vor Ort finden.

 



22. Juni 2007


Die Anreise nach Mashatu - Botswana:


Endlich war es soweit, nach fast zwei Jahren intensiver Vorbereitungszeit und den vorangegangenen Abenteuern in Nepal, Namibia und Zimbabwe landete ich am 22.Juni 2007 nachmittags um 13:35 Uhr Ortszeit am Johannesburg International Airport in der Provinz Gauteng nahe der Stadt Pretoria.


Wie schon zuvor als ich hinauf zu den Vic-Falls (Abkürzung von Victoria Falls) flog und in Jo Burg wie die Einheimischen ihren Flughafen liebevoll nennen einen Zwischenstopp mit Übernachtung einlegen musste, hatte ich kein gutes Gefühl nach der Landung. Kaum war ich draußen aus dem Flugzeug und in der Ankunftshalle, sah ich wie vier bewaffnete Polizisten einen völlig betrunkenen randalierenden Einheimischen abführten. Auch waren mir zu viele gruselige Geschichten über Hi-Jacking und andere Verbrechen in den letzten Wochen von Touristen wie auch von Einheimischen erzählt worden. So eingeschüchtert wollte ich schnellst möglich raus aus Johannesburg und weg von diesem Ort des Verbrechens.


Doch leider kam es wie es in so einer Situation kommen musste, der Schalter von meinem Autovermieter befand sich außerhalb des „sicheren“ Flughafengebäudes im Domestic Airport welcher gut 5 Minuten zu Fuß entfernt lag. Samt all meinem Gepäck blieb mir also nichts anderes übrig als raus auf die Strasse und die 500m rüber bis zum anderen Terminal zu Fuß zurück zu legen. Es war kühl an jenem 22 Juni in Südafrika, trotzdem stand mir schon nach wenigen Metern der kalte Schweiß auf der Stirn. Im Vorübergehen beäugte ich kritisch jeden Schwarzafrikaner, als wartete er nur darauf mich auszurauben. Glücklicherweise geschah gar nichts und wenige Minuten später stand ich unbeschadet an dem Schalter von AVIS in der Warteschlange. Dort war die Abwicklung absolut problemlos und nach 20 min hatte ich die Schlüssel meines Toyota Corolla, welcher sich in der angrenzenden Parkgarage befand. Schnell noch ein Navi gemietet, immerhin möchte ich ja Urlaub machen und keine Kreise drehen. Gesagt getan. Soweit hatte doch alles wunderbar geklappt dachte ich mir und schnappte mir meinen Trolly mit allem darauf befindlichen Gepäck.


Nachdem ich die 200 m in der düsteren Garage zügig hinter mich gebracht hatte verstaute ich mein ganzes Gepäck in Bestzeit im Kofferraum, öffnete die linke Türe und wunderte mich wo das Lenkrad geblieben war. Scheiße, die stehlen ja wirklich alles hier, dachte ich mir…. Nein, Spaß beiseite. Natürlich war der Wagen rechtsgesteuert, ich ging auf die andere Seite öffnete erneut die Türe und stieg ein. Hektisch erinnerte ich mich an die Worte des netten älteren Ehepaars welche ich bei den Victoria Wasserfällen getroffen hatte und suchte verzweifelt die Verriegelung der Türen. Verflucht nocheins, irgendwo muss sie doch sein dachte ich mir und blickte hektisch umher. Dann endlich nach ein oder zwei Minuten hatte ich sie vorne rechts neben der Lenksäule an einem etwas seltsamen Platz entdeckt und verriegelte erstmal alle vier Türen inkl. Kofferraum. So in trügerischer Sicherheit installierte ich mein gemietetes Navi und gab den Namen meines Hotel für die Nacht ein. „The Ranch Hotel Protea“...... kein Ergebnis, lautete die Antwort. Das fängt ja gut an dachte ich mir und versuchte es erneut mit anderen Wortkombinationen, wieder nichts.


Nach fünf verzweifelten Versuchen dem eben erst gemieteten Navigationssystem meinen Zielort einzugeben, beschloss ich es auf die altmodische Weise zu versuchen. Mit Straßenkarte und Hausverstand. Schwierig wenn man aufgeregt und angespannt ist, aber möglich. Schweißgebadet vom Stress und der Angst hatte ich nur einen einzigen Gedanken, möglichst schnell aus der Garage rauszukommen. Nicht das eine unmittelbare Gefahr bestand, nein… nur war ich alleine in meinem kleinen Toyota leichte Beute. Vorsichtig fuhr ich aus der engen Parklücke und manövrierte meinen Toyota unsicher durch die endlos langen Gänge der finsteren Garage. In alle Richtungen blickend hoffte ich in meiner aufkeimenden Panik keinen Fahrfehler zu begehen, denn dann wäre meine Reise schneller zu Ende gewesen als sie begonnen hatte. An der Ausfahrt angekommen befand ich mich urplötzlich mitten auf einer vierspurigen Autobahn und musste ich bei 80km/h in Sekundenbruchteilen drei Fahrspuren wechseln und eine Entscheidung treffen welche der Ausfahrten ich nehmen wollte.


Was ich wusste war, …“ .. ich muss bis heute vor Sonnenuntergang in Polokwane, dem ehemaligen St. Pietersberg im „The Ranch Hotel Protea“ sein!“ Dies war auf der Karte eine kleine Distanz, in der rauen Alltagswirklichkeit jedoch eine ernste Herausforderung wie sich herausstellen sollte. Dass ich auf den nächsten Kilometern ein paar Mal richtig abbog war mehr Zufall als Planung und nachdem ich mich halbwegs beruhigt hatte und durchschnaufen konnte sah ich, dass ich mich auf der R21 befand, der richtigen Autobahn gen Norden. Was mich sogleich etwas verwunderte waren Meldungen im Minutentakt in denen mich mein Navi, welches ich nun auf Polokwane programmiert hatte, vor Fußgängern auf der Autobahn warnte. Schnell erinnerte ich mich an all die Warnungen die mir während der letzten Wochen von Einheimischen mit auf den Weg gegeben wurden. Die lauteten in etwa: Falls jemand versucht dich und dein Auto aufzuhalten hast du genau zwei Möglichkeiten: 1.) versuch ihm auszuweichen, oder falls dies nicht funktioniert 2.) fahr ihn einfach nieder.


Dies mutet etwas seltsam an, wenn man solche Tipps bekommt und man lächelt darüber wenn man es gesagt bekommt. Sieht man dann aber in der Praxis Schwarzafrikaner auf der Autobahn welche tatsächlich versuchen dich bei voller Fahrt zu stoppen wird einem etwas anders und man überlegt sich ernsthaft was man machen soll. Würde die örtliche Polizei einsehen mit einem armen Touristen haben wenn man einen Fußgänger niedergefahren hätte? Oder wäre dies nicht zu argumentieren?


Nur raus hier und pass ja auf die Fußgänger auf waren meine vorherrschenden Gedanken und ich war heil froh als ich nach einem kurzen Stau in der Peripherie Johannesburgs endlich diesem Großstadtmoloch entflohen war. Nun ging es zügig dahin und bereits nach einer Stunde war ich an Pretoria vorbei. Weiter ging es auf der N1, welche mich durch ihre Größe und der Übersichtlichkeit beeindruckte. Hier sah nichts so aus wie ich mir Afrika vorgestellt hatte. Ich wusste nicht viel über dieses Land, außer das die Rassentrennung (Apartheid) von 1948 bis zu den ersten freien Wahlen im Jahre 1994 andauerte und dass Johannesburg eine der Städte mit der höchsten Kriminalität (über 20.000 Morde pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache) war. Ja okay, das die Entfernung zwischen Johannesburg und meinem ersten Ziel Polokwane 331km betragen soll, das hatte ich mir auch noch angesehen, aber dann war’s das auch schon wieder mit meinen Vorkenntnissen bezüglich Südafrika. Zu sehr war ich mit der Vorbereitung meiner Fotoziele beschäftigt gewesen, zu viele E-Mails mussten beantwortet werden und noch mehr Verträge geschlossen werden. Da blieb bei 17 Destinationen praktisch keine Zeit mehr für Länderinfos übrig.


Irgendwie hatte ich etwas ganz anderes, als eine Teils fünfspurige Autobahn in beide Richtungen erwartet. Vielleicht bin ich ja etwas naiv, aber immer wenn es Beiträge im Fernsehen über Afrika gab sah ich zumeist irgendwelche Lehmhütten, Menschen die nichts zum essen und zu trinken hatten, viele wilde Tiere und sonst nix. So in etwa hatte ich mir dann auch Afrika vorgestellt. Nicht in den Ballungsgebieten, schon klar, aber am Land eben. Was mir hier während der Fahrt nach Polokwane aber so an meinem Fenster vorbeizog konnte überall auf der Welt sein. Einzig die Präsenz von extrem viel Polizei fiel mir negativ auf. Im Nachhinein wurde mir natürlich klar, dass dies in Wirklichkeit zu meiner eigenen Sicherheit beigetragen hatte und durchaus positiv zu bewerten sei.


Die etwa vierstündige Fahrt war dann eher langweilig und kurz vor Sonnenuntergang war ich im "Ranch Protea" Hotel. Es wurde dann auch schnell klar wieso es keine physische Adresse hat… mitten in der Pampa ohne echte Straßenanbindung gibt’s halt auch keine Adresse. Mein Zimmer war schnell bezogen und nach einer erfrischenden Dusche warf ich zuerst einmal einen Blick in die Straßenkarte um abzuschätzen wie weit mein morgiger Trip wohl sein würde. Dabei passierte mir aber eine folgenschwere Fehleinschätzung wie ich später erkennen musste. Rein optisch sah es nämlich so aus als hätte ich die Hälfte des Weges schon hinter mir und rechnete mir daher aus wann ich morgen früh abfahren musste um rechtzeitig am Point Drift sein zu können. Nur ist es halt im Leben öfters mal so das ungeplante Dinge eintreten mit denen man so überhaupt nicht gerechnet hat. Aber wem sag ich das…?


An diesem Tag war in unserem Hotel Spanischer Abend und so ließ ich mit Spanischem Rotwein und allerlei leckeren Delikatessen verwöhnen während ich mir schon auszumalen versuchte, was ich wohl in Botswana, meiner ersten Destination für Wildlifeshots so alles zu Gesicht bekommen würde. Nach dem Abendessen und einer interessanten Unterhaltung mit dem Koch, dem ich 2 kg Linsen für meinen noch leeren Bean bag abschnorrte, ging ich relativ früh zu Bett. Einmal kein Wecker, der mich um 5 oder 6 Uhr früh aufweckte dachte ich mir und schlief erschöpft ein.


23. Juni 2007


Irgendwie war ich aber nach 8 Stunden Schlaf am nächsten Morgen alles andere als ausgeschlafen. Ich ging rüber zum Frühstücksraum, aß eine Kleinigkeit und setzte mich zum „Internetcomputer“ um nach langer Zeit endlich wiedermal nachzusehen was zu Hause so los war. Wie nicht anders zu erwarten war aber so zeitig in der Früh niemand online und ich konnte nur meinen traurigen Kontostand abfragen, was nicht gerade zu meiner Erheiterung beitrug. Dann als ich bereits gehen wollte ging mein Bruder online und wir unterhielten uns etwas, was mich… davon abhielt früh aufzubrechen. Im Nachhinein gesehen ein großer Fehler den ich umgehend bereuen sollte.


Danach checkte ich gemütlich aus lud all mein Gepäck in meinen Toyota und öffnete das Tor nahe meiner kleinen Hütte in welcher ich diese eine Nacht verbracht hatte. Nachdem das schwere Eisentor die Strasse freigab bog ich links ab und kam nach weiteren 100m zum nächsten Gate. Ein äußerst höflicher Einheimischer gab mir eine Münze und wünschte mir eine Gute Fahrt. Überall standen Hinweisschilder herum das es lebensgefährlich sei das Fahrzeug zu verlassen, da man sich ein einem Park mit wilden Tieren befände. In dem Bewusstsein, dass Löwen und Geparden hier gehalten wurden fuhr ich plötzlich viel aufmerksamer und hielt mich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von nur 30 km/h. Irgendwie hoffte ich einen Löwen zu erspähen und suchte in der weitläufigen Savanne rings um mich herum nach sich bewegenden Gegenständen. Doch zu meiner Enttäuschung waren außer den Pferden auf der Koppel und einigen Schafen welche abgezäunt nahe der Lodge untergebracht waren keine wirklich wilden Tiere zu sehen gewesen.


Als ich dann am äußeren Gate angelangt war wurde mir bewusst wie sehr hier alles abgesichert war. Elektrische Zäune, welche 100.000 Volt Stromschläge austeilten sollten zwar einerseits die Tier im Park halten, andererseits sah es für mich aber viel mehr so aus als wollte man Wilderer und ungebetene Einheimische am Wildern und Ausrauben der eigenen Gäste hindern. Die erneute Kontrolle meines Wagens, das Abgeben der Plastikmünze und das dritte gesicherte Tor bestärkte diesen meinen Verdacht. Während ich also wieder draußen… in der gefährlichen Freiheit war und mich auf den Weg nach Botswana befand hatte ich alle Zeit der Welt um mir ein Bild darüber zu machen was in diesem Land bloß los war. Egal wo ich Passanten oder Hotelbetreiber fragte bekam man nur Negatives plus Warnungen zu hören. Unisono war die vorherrschende Meinung, dass die Kriminalität und hier insbesondere die Raubüberfälle auf ansässige Weiße in den letzten Monaten exorbitant gestiegen sind im Vergleich zu den Monaten davor welche auch schon alles andere als sicher galten.


Die einzigen Plätze welche allgemeinen als halbwegs sicher galten waren Tankstellen und der internationale Airport auf dem nach Aussagen eines Polizeibeamtens aber auch knapp 200 Sicherheitskräfte nur im Bereich der An- und Abflughalle für den reibungslosen Ablauf des Check In und der Passkontrolle rund um die Uhr im Einsatz sind. Das muss man sich einmal vorstellen, 200 Polizisten alleine im Bereich der Ankunft und Abflughalle!!! Hört sich vielleicht nicht viel an, aber stellt euch bitte mal vor wie das aussieht wenn die alle beisammen stehen würden? Bei uns gibt es Demos wo weniger Menschen zusammenkommen ;-)


Mit der Zeit begriff ich auch wieso hier dauernd Menschen auf der Quasi Autobahn herumliefen, gab es doch weit und breit keine Brücke welche Fußgängern das überqueren ermöglichte. Die Menschen vieler Dörfer wurden durch die Streckenführung der Autobahn teilweise von ihren unmittelbaren Nachbarn brutal getrennt worden und wurden somit geradezu gezwungen die Fahrbahn mehrmals täglich zum Einkaufen oder einfach auf dem Weg in die Arbeit oder für die Kinder auf dem Weg zur Schule zu überqueren. Dies erklärt zwar nicht warum praktisch im gesamten Straßenverlauf Menschen entlang der Straße sitzen und regungslos den Tag mit Nichtstun verbringen, macht aber einigermaßen verständlich wieso man laufend Warnungen über Passanten im Navi sieht und hört.


Normalerweise bleibe ich wenn ich auf Fotosafari bin bei jeder sich bietenden Gelegenheit stehen, nehme mein Stativ heraus und fotografiere, immerhin ist dies ja auch der Grund warum ich nach Afrika gereist war. Anders hier. Kein einziges Mal traute ich mich mein Fahrzeug anzuhalten, geschweige denn auszusteigen. Nicht einmal zum Pinkeln oder zum Kauf eines Snacks blieb ich stehen. Nur schnell weg hier war mein Gedanke, weg von wo eigentlich, war doch die Gefahr praktisch überall, oder redete ich mir dies nur ein?


Im Nachhinein muss ich sagen dass mir zu keiner Zeit offensichtlich Gefahr drohte, nur kann man dies leicht behaupten wenn man wohlbehalten von seiner Reise zurückgekehrt ist und nix passiert ist.


So nahm ich in aller Ruhe meine fahrt Richtung Polokwane auf. Und da mir die Entfernung nicht allzu dramatisch erschien verspürte ich auch keinerlei Zwang schnell zu fahren und so kam ich nach etwa 15 km endlich in St. Pietersberg an. Dort allerdings verfuhr ich mich erstmal eine halbe Stunde lang, da die Autobahn plötzlich endete und ich mitten durch die Stadt fahren musste, was sich als etwas abenteuerlich herausstellte. Mit Hilfe der örtlichen Polizei fand ich dann nach 1 Stunde raus aus der Stadt und mir wurde schlagartig bewusst dass ich weit hinter meinem Zeitplan lag. Dies wäre an sich im Urlaub herzlich wurscht, wenn da nicht der Treffpunkt am Point Drift zu einer exakten Uhrzeit (11:00 Uhr) geplant gewesen wäre.


Mir blieb also nicht s anders übrig als das zu tun was man als Fremder mit einem Mietwagen auf einer Strecke die man nicht kennt niemals tun sollte…. Ich begann zu rasen. Aus den erlaubten 120 km/h wurden bis zu 180 km/h da ich die Stunde die ich sinnlos in Polokwane verloren hatte aufholen musste, was natürlich nicht gelingen konnte. Eine Stunde ist nun mal eine stunde, da müsste man schon 240 km/h über längere Zeit brettern können um das kilometermäßig wieder einholen zu können schoss es mir durch den Kopf. Dazu die Einheimischen entlang der Straße, die Gewissheit, dass mein Sprit nicht bis zur Grenze reichen würde und die Tatsache, dass die örtliche Polizei wohl kaum Verständnis für mein kleines Problem aufbringen würde, falls sie mich stoppt.


Glücklicherweise überstand ich beide Gefahren unbeschadet und war dann eine Stunde vor Ablauf der Frist in Musina, was zwar direkt an der Grenze lag trotzdem aber noch gute 115 km von "Pont Drift Border" entfernt liegt. Der Tank meines Toyotas war fast leer, ich etwas entnervt wegen meiner eigenen Dummheit und pinkeln musste ich auch noch. Also blieb mir nichts übrig, ich musste trotz der extrem engen Zeitsituation an einer Tankstelle halt machen. Kurz nah der Ankunft in Musina blieb ich also an einer kleinen Tankstelle stehen und suchte die Zapfsäule an der man „unleaded“ Gasoline bekam. Wie es im Leben aber immer ist wenn man es eilig hat, war ein anderer SUV Besitzer schneller. In aller Gemütlichkeit zapfte er die 700 l die in seinen riesigen Karren hineingingen und zahlte dann… extra langsam, so zumindest kam es mir vor, bevor er mich endlich an die Zapfsäule ließ. Während mein Toyota dann betankt wurde lief ich schnell aufs WC und konnte, drei Minuten später die Fahrt Richtung Grenze wieder aufnehmen. Zu meinem Glück war die winzig eingezeichnete Strasse von der Grenze Richtung Point drift eine wirklich verlassene einsame Strecke auf der man alle heiligen Zeiten mal einem Fahrzeug begegnete und so konnte ich die verlorene Zeit mit durchschnittlich 160 bis 180 km/h wieder aufholen. Ich kam dann sogar 12 min zu früh am Treffpunkt an, stieg am Grenzposten lächelnd aus, begrüßte den Zollwachebeamten und erledigte die Formalitäten erleichtert.


Auf der anderen Seite der Grenze gab es nichts. Das kannte ich aber aus Namibia ganz gut und wunderte mich nicht weiter darüber. Das nichts nach Point Drift Border gestaltet sich ungefähr so.. man stellt seinen Mietwagen auf einem Sandparkplatz mitten im Niemandsland ab… sieht ihn sich noch einmal an.. ist sich bewusst dass man ihn in Botswana unbewacht mitten im Nirgendwo alleine zurücklässt und steigt zu einem fremden Einheimischen auf einem offenen riesigen LKW auf den man kurz zuvor sein Gepäck verstaut hatte. Oben am LKW hatte man zwar eine grandiose Aussicht, allerdings wurde einem auch bewusst dass man sich nun weg von der Zivilisation rein ins Abenteuer begibt.


Nach der abenteuerlichen Durchquerung eines ausgetrockneten Flussbettes waren wir Minuten später bei der Botsuanischen Grenzstation angelangt. Der Fahrer kannte den Beamten der Grenze offenbar sehr gut denn die beiden plauderten ein Weilchen bevor es dann wieder weiterging. Die Strasse, falls man die holprige Sandpiste noch so nennen konnte wurde zusehends schlechter und die Blattfedern des Ungetüms auf dem ich mich befand taten das ihre dazu mich ernsthaft zu fragen wo ich da wieder hineingeraten war. Da ich den Treffpunkt aber rechtzeitig erreicht hatte und von jetzt an Wildlifefotografie in Afrika angesagt war beschloss ich alles was da kommen möge einfach nur zu genießen und mir meine gute Laune nicht verderben zu lassen. Mein Fahrer hieß Elvis, was mich erheiterte da ich dachte er verarscht mich und so sah ich mich um und staunte über die unendliche Weite der Savanne Botswanas.


Nach mir unendlich lange erscheinenden 15 min erreichten wir den lokalen Airport auf dem gut 70% aller Gäste der Mashatu Game Reserve täglich ankamen. Es gab hier nämlich sonst gar nix außer Game Lodges und Game Drives. Nach weiteren 10 min bekamen wir über Funk die Information, dass sich die Gruppe auf die wir warteten um eine Stunde verspäten würde und wir daher alleine weiter Richtung Lodge fahren konnten. Elivs half mir mein Gepäck vom LKW auf den kleineren Toyota umzuräumen. Die Fahrt quer durch die trockene hügelige Landschaft führte dann vorbei an unzähligen auf 2 Meter Höhe abgeknickten Bäumen. Irgendwie unwirklich erschien mir alles was ich rundherum erblickte. Meine Frage wie lange die fahrt in die Lodge noch dauern würde beantwortete Elvis mit ca. 45 min…. noch so lange, dachte ich mir in der Unwissenheit, das wir praktisch quer durch die ganze Game Reserve fahren mussten um dort inmitten der Mashatu Game Reserve dann endlich am Ziel angelangt waren.


Die Ankunft in der Wildnis:


Die "Mashatu Game Lodge" ist relativ schlecht beschildert und nur wenn man ausgebildeter Ranger ist wird man sie auch finden. Zu allem Überfluss wird sie auch erst wenige hundert Meter bevor man das Haupttor passiert sichtbar am Horizont. Wie fuhren durch das Gate, ich wurde herzlich von Bobson, dem Manager empfangen und war überglücklich endlich, nach zwei strapaziösen Tagen der Anreise angekommen zu sein. Schwitzend, schmutzig und etwas müde checkte ich ein, wurde zu meinem Bungalow gebracht und war hellauf begeistert. Ich hatte viel erwartet, war dies doch eine Lodge des Herrn Rattray, meine hochgesteckten Erwartungen wurden aber mehr als erfüllt.

 


Ein herrlicher Bungalow dachte ich mir und hörte gar nicht hin als Bobson mir die ganzen Annehmlichkeiten erklären wollte. Ich blickte aus dem riesigen wandgroßen Fenster zu meiner linken und genoss den unglaublichen Ausblick auf die Savanne Botswanas. Dann bedankte ich mich, fragte mich ob auch der Manager einer so teuren Lodge Trinkgeld erwarten würde, gab ihm 10 USD und bedankte mich höflich. Er erinnerte mich daran, dass in 2 Stunden der nachmittags Game Drive beginnt und schloss die Tür.


Als erstes wollte ich meine Ankunft gebührend feiern. Daher kramte ich in meinem Handgepäck und holte mein Zigarrenetui sowie die silberne Brustflasche welche ich im Duty Free mit feinstem Irish Whisky gefüllt hatte heraus und setzte mich auf einen der bereitstehenden Fauteuils vor mein Panoramafenster. Ich öffnete zuerst das Fliegengitter, welches Bobson fälschlich als Affengitter bezeichnet hatte, dann schob ich die Glastüre beiseite und lies den kühlen Wind in mein Zimmer streichen. Ich setzte mich hin, legte meine Beine auf den bereitstehenden Hocker vor mir und zündete mir eine dicke Havanna an. So und nicht anders muss sich Ernest gefühlt haben als er im Februar des Jahres 1934 Tansania bereiste, dachte ich mir insgeheim und paffte meine Zigarre. Zufrieden mit mir und der Welt hatte ich all die Strapazen der Wüste, den Sand sowie auch die Wassermassen der Victoriafälle mit einem mal hinter mir gelassen und fühlte mich unglaublich frei.


Ich legte die Zigarre in den Aschenbecher, griff zu meiner Brustflasche und nahm einen kräftigen Schluck Whisky zu mir. Dabei schloss ich meine Augen und wünschte mir all die wunderbaren Tiere fotografieren zu können von denen ich die letzten beiden Jahre geträumt hatte. Einem meiner besten Freunde zu hause hatte ich bildhaft Szenen wie den berühmten Leoparden hoch droben im Baum mit seiner frisch gerissenen Beute sowie dem jagenden Geparden in den weiten der Savanne erzählt und versprochen alles daran zu setzen mit solchen Aufnahmen nach Hause zu kommen.


Jetzt wo ich tatsächlich hier war, erschien mir dies zwar unrealistischer als je zuvor, trotzdem war ich wild entschlossen meine Träume zu leben. Ich stellte die Flasche wieder hin griff zu meiner Zigarre und staunte nicht schlecht als sie weg war.


Moment mal, dachte ich... nach einem Schluck kann man aber noch nicht so betrunken sein, oder? Ich hatte sie doch gerade hier in den Aschenbecher gelegt. Plötzlich sah ich den Grund für das plötzliche verschwinden meiner Zigarre. Am Boden unweit meines Doppelbettes saß ein Affe, samt meiner Havanna. Ich glaubte zu träumen. Blitzschnell sprang ich auf rannte quer durchs Zimmer fest entschlossen dem Widersacher meine teure Zigarre wieder abzunehmen. Der Affe aber sah darin maximal ein Spiel, denn er ließ die Zigarre fallen und schnappte sich anstatt dessen meine Shampooflache welche ich bereits für meine längst überfällige dusche bereitgestellt hatte. Mit einem Hechtsprung rette ich die Zigarre, welche dabei war den schönen Teppich unter dem Bett zu versengen und da mir klar wurde das der Affe und nicht die verloren geglaubte Zigarre ein eigentliches Problem darstellt stand ich auf.


Also, ich wollte aufstehen, theoretisch. Praktisch war leider der rechte Bettpfosten welcher sich zu dieser Zeit direkt über meinem Kopf befand etwas im Weg. Dann kam ein dumpfer Ton und ich war mir nicht sicher was ich zuerst tun sollte, den Orion Nebel in meinem Zimmer zu fotografieren, oder den Affen welcher mein Shampoo gleichmäßig über dem Fliesenboden verteilte sein Handwerk zu legen? Da der Nebel sich langsam lichtete und ich sicher war das die Beule noch eine Weile brauchen würde nahm ich erneut die Verfolgung auf und rannte wild entschlossen rund ums Bett wo der Affe gerade noch gesessen hatte. Elegant wie ein Nashorn nahm ich die Kurve, erinnerte mich an „Werner Beinhart“ und versuchte dann möglichst elegant das ausgeflossene Shampoo zu umgehen. Dies gelang aber nur teilweise, da irgendwie der ganze Boden rutschig zu sein schien. So etwas überrascht hoffte ich auf gütige Punkterichter und überlegte mir in der Flugphase während dem Sturz was ich mir auf gar keinen Fall brechen durfte, wollte ich doch heute Nachmittag noch fotografieren.


Mit viel Glück landete ich auf meiner recht stabilen Hüfte, rappelte mich sofort wieder hoch, schrie erstmal vor lauter Verzweiflung laut auf und tat damit das was ich schon längst hätte tun sollen. Ich jagte dem Primaten Angst ein. Der Affe verließ daraufhin fluchtartig das Badezimmer in dem er zuvor meine einzige Shampooflasche im Klo versenkt hatte und war mit drei Sprüngen wieder verschwunden. Ich lief hinter ihm her, schloss das „Affengitter“ setzte mich hin und schnaufte erstmal tief durch. War das zu glauben.... da war ich gerade angekommen und schon hatte mich ein dämlicher Affe hier zum Narren gehalten. Ich konnte es nicht fassen. Komplett außer Atem und mit beginnendem Kopfweh saß ich da und sortierte meine Gedanken. Nichts für ungut dachte ich mir, Bobson hatte offenbar recht mit seinem Affengitter lachte ich und konnte nicht glauben wie naiv ich gewesen war. Da ließ ich mitten in der Wildnis sperrangelweit meine Hütte offen und wunderte mich über ungebetene Gäste.


Aber gut, aus Fehlern lernt man.


So geläutert zündete ich mir erneut meine etwas ramponierte Zigarre an, legte mir einen Eisbeutel welchen ich rasch aus einem Handtuch und Eiswürfel gebastelt hatte auf meinen Hinterkopf und nahm erneut einen ordentlichen Schluck Whisky. Draußen saß immer noch der Affe und war offensichtlich traurig dass ich nicht mehr mit ihm spielen wollte. Irgendwie konnte ich ihm aber nicht mal böse sein, hatte er mir doch gar nichts gestohlen. Diese Lektion war sehr billig dachte ich mir und wartete einige Minuten bis ich innerlich wieder zur Ruhe gekommen war. Nun war es aber Zeit für die Körperpflege.


Nach einem anstrengenden Tag auf der Piste gibt es nichts Schöneres als eine heiße Dusche. Also gut, es gibt schon noch schöneres, aber in Ermangelung der Verfügbarkeit nahm ich erstmal mit einer Brause vorlieb. Man stellt sich unter den Brausekopf und lässt sich das warme Wasser auf den Kopf plätschern. Das Gefühl all die Strapazen und den Schmutz des ganzen Tages einfach abspülen zu können kombiniert mit dem frischen Gefühl wieder Bäume ausreißen zu können lässt einem so manche unangenehme Nebenerscheinungen sofort wieder in den Hintergrund treten und sich auf die Wesentlichen Dinge konzentrieren. Ich stieg aus der Dusche überprüfte im Spiegel meine Verletzungen und stellte erleichtert fest, dass nichts blutete und mein Kopfweh mit einem 500 mg Parkemed sicher binnen 30 min in den Griff zu kriegen war. Da es erst 14:00 Uhr war und der Game Drive um 15:30 Uhr los ging hatte ich auch noch etwas Zeit für die Dinge die ein Fotograf täglich erledigen muss, und zwar ob es ihm gefällt oder nicht..


Ich entfernte wieder einmal all die unnötigen Dinge aus meinem Fotorucksack, lud noch schnell die Akkus meiner Kamera und überprüfte die wichtigsten Einstellungen der Kamera für den ersten Nachmittags Game Drive, welcher bald beginnen sollte. Dann legte ich mich noch für eine Stunde ins Bett, versuchte mich auszuruhen was aber nicht gelang, da ich viel zu aufgeregt war. Pünktlich um 15:30 Uhr war ich dann als einer der Ersten auf der überdachten Terrasse wo drei Ranger, ein paar Damen des Personals welche die Bewirtung über hatten sowie der Manager anwesend waren. Es verwunderte mich zwar dass mich niemand auf meine Aufgabe, das Fotografieren ansprach, war mir in der Situation aber auch nicht unangenehm, da ich entspannt meinem ersten Game Drive entgegensehen konnte.


Nach einem Snack in der überdachten Terrasse und einer kurzen Einweisung durch Bobson unseren quasi „Chef“ wurde die Einteilung der Touristen für den nachmittags Game Drive bekanntgegeben und ich erfuhr, dass ich „mein“ Fahrzeug mit zwei weiteren Passagieren teilen musste. Es war ein älteres verheiratetes Pärchen aus England, welches vor langer Zeit nach Südafrika ausgewandert war und heute mit dem eigenen Privatflugzeug angereist war. Leslie, eine rüstige 70 Jährige war die Pilotin und hatte viele lustige Geschichten aus ihrem anscheinend sehr ereignisreichen Leben zum Besten zu geben. Paul ihr Gatte sprach mit der kratzbürstigen tiefen Stimme eines Johnny Cash und war ganz im Gegensatz zu seiner besseren Hälfe sehr wortkarg. Gemeinsam gingen wir zu den Fahrzeugen und ich traf meinen Ranger für die nächsten Tage. Es war Elvis der mich zuvor bereits an der Grenze abgeholt hatte. Am Fahrzeug dann wurden einige sicherheitsrelevante Vorschriften erläutert und es ging los….. Elvis startete unseren offenen Toyota und wir passierten das Gate erneut, diesmal aber von der anderen Seite.

 

 

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