Microstock Photography Agencys
Oder, warum es besser ist viele Fotos um wenig Geld zu verkaufen als gar keine!
Als ich gestern Abend mit ein paar befreundeten Kollegen bei einem Bierchen saß, diskutierten wir wieder einmal über das leidige Thema der Micropayment Agenturen. Nicht dass diese Firmen wie "iStockPhoto" neu wären, nein dass nicht, nur glauben viele, dass sie gegen den Strom schwimmen und ihre Bilder immer noch für tausende Dollar wie vor der Gründung dieser Unternehmen verkaufen könnten.
Da ich in meinem Bekanntenkreis aber der einzige bin der seine Bilder bei so einer Agentur anbietet konnte ich aber relativ schnell mit den gängigen Vorurteilen aufräumen und möchte nun, nach Erfolgreichem Einstieg in dieses Online Buisness etwas zur Aufklärung des Mysteriums der Micropayment Agenturen beitragen.
Ist es tatsächlich so, dass der Betrag welcher durch den Verkauf der eigenen Bilder erzielbar ist so schlecht ist, dass man darüber jammern müsste?
Und hilft es solche „Abzockerfirmen“ zu boykottieren wie viele immer lautstark fordern?
Dies sind allgemein gesprochen die häufigsten Argumente GEGEN Online Microstock Photo Agenturen.
Wenn man aber alle persönlichen Ressentiments vergisst und versucht sich diesem Thema auf einer sachlichen Ebene zu nähern, erkennt man sehr schnell, dass es gar nicht so verkehrt ist was diese Firmen machen.
Fakt ist nämlich folgendes:
Fotografen möchten ihre Werke zu einem höchstmöglichen Preis verkaufen.
Agenturen sind Firmen und müssen Gewinne erzielen.
Diese beiden Fakten lassen sich aber nur dann unter einen Hut bringen, wenn verschiedene Parameter zusammenpassen.
Dazu gehören seitens des Fotografen:
Die technische Qualität der Bilder muss hervorragend sein (Out of Cam).
Die Motive müssen gefragt und die Bild aussage entsprechend (Keine Sonnenuntergänge;Katzen,Schmetterlinge,usw.) sein.
Der Fotograf muss die Bearbeitung seiner Digitalen Dateien mittels gängiger Bildbearbeitungsprogramme (Photoshop CS3) perfekt beherrschen.
Und seitens der Bildagentur:
Die Bildagnetur muss dem Fotografen ein Portal bieten auf das potenzielle Käufer weltweit zugreifen können und ohne großen Aufwand die benötigten Dateien einfach und schnell downloaden können (dies ist keine Selbstverständlichkeit und soll nicht unterschätzt werden!!!).
Sie muss Preise verlangen die sich jedermann leisten kann (wirklich jeder, der z.B. ein sensationelles Foto für sein Wohnzimmer sucht wird binnen Minuten fündig und kann nach erfolgter Registrierung sein Liebeingsposter sofort downloaden)
Wie bei allen Dingen auf der Welt gibt es hier naturgemäß mehr als nur eine Wahrheit, bzw. Sicht der Dinge.
Während der eine Fotograf diese Praktiken verteufelt sonnt sich der andere im Liegestuhl und wartet einfach Monat für Monat wie viel tausend Downloads er durch seine Agentur diesmal wieder verkaufen wird.
Beide haben Recht.
Wenn einem die durchschnittlich 1 Euro pro verkauftem Foto zu gering sind muss man nämlich nicht mitmachen. Keiner wird zu seinem Glück gezwungen. Selbstverständlich ist es viel schlauer seine besten Bilder im eigenen Archiv so lange versauern zu lassen bis sie keiner mehr findet oder der Zahn der Zeit sie endgültig vernichtet hat (Datenspeicherung-Archivierung ist heutzutage das Thema Nummer 1)
Falls aber, und hier kommen wir gleich zum Punkt, die Aussicht auf tausende Euro Nebenverdienst (egal ob pro Jahr oder pro Monat) verlockend klingen, ist es möglich weise doch eine zweite Überlegung Wert.
Wie?
Ganz einfach.
Vorausgesetzt ihr könnt gut fotografieren (Grundvoraussetzung) gilt es die Bilder, so gut sie out of cam auch seien mögen, professionell zu bearbeiten. Und dies ist eine wahre Challenge, glaubt mir. Ich dachte früher, also vor knapp einem Jahr, dass ich ein Profi beim Bildbearbeiten wäre, doch da irrte ich gewaltig. Heute nach unzähligen Versuchen, Kursen und Schulungen weiß ich, dass ich ganz am Anfang bin, wenn auch manche meiner Bilder recht gut aussehen mögen. Besonders die elektronische Bildbearbeitung ist ein Metier, das noch in seinen Kinderschuhen steckt und in naher Zukunft unglaubliche Möglichkeiten bieten wird.
Hier aber gilt es bereits die Weichen selber zu stellen.
Möchte man ausschließlich bereits vorhandenes Bildmaterial (Archivfotos) verkaufen, oder aber neue kreative Ideen die gefragt sind fotografisch umsetzen und sich so profilieren?
Erstere werden kaum viel verdienen können, dann sich Landschaftsaufnahmen nun mal schlechter als Fotos zu aktuellen Themen (Finanzkrise,Globale Erwärmung,usw.) verkaufen lassen.
Wieso?
Weil es weltweit Tausende Zeitschriften und Magazine gibt die in ebenso vielen Sprachen aufgelegt werden und praktisch zeitgleich Fotos passend zu Ihren Artikeln suchen. Hier macht die Globalisierung tatsächlich Sinn und ermöglicht dem kleinen Fotografen aus Buxtehude plötzlich seine Bilder welche er im kleinen Hinterhofstudio macht, weltweit anbieten zu können. Genial, oder? Und glaubt mir, es macht einen riesigen Unterschied ob man versucht ein einzelnes hervorragendes Foto selbst auf seiner Homepage oder wo auch immer zu einem guten Preis zu verkaufen, oder es in ein Portal zu stellen wo täglich Millionen Leute danach aktiv suchen. Fragt euch mal selber wie viele Leute ihr kennt und wie viele Klicks ihr auf eurer Seite täglich so habt? Die Masse machts und genau das hat Herr Bruce Livingstone im Jahre 2000 gut erkannt hat als er iStockPhoto gegründet hatte.
As einziges wirkliches Negativum kann man anführen, dass es eine große Differenz zwischen dem Betrag gibt den die Agentur erhält und zwischen dem was der „Contributor“ also der Fotograf für den Verkauf seines Werkes, ausbezahlt bekommt. Führt man hier aber wieder die unendlichen Möglichkeiten des www ins Treffen relativiert sich auch dieses Argument wieder.
Vor allem steht es aber jedem einzelnen frei seine Bilder bei „vernünftigen“ weil hochpreisgen Agenturen wie z.B. „Photographersdirect“ oder anderen einzustellen und Jahrelang kein einziges Foto zu verkaufen und sogar ein Minusgeschäft zu machen, weil man dort eine Jahresgebühr für das Einstellen seiner Bilder bezahlen muss, und/oder für den verbrauchten Speicherplatz Gutes Geld löhnen darf.
Was ich sagen möchte?
Jeder der seine Fotos an den Mann bringen möchte, (und nur darüber spreche ich hier) sollte bevor er seine Lanze über mich bricht, einmal in sich gehen und darüber nachdenken ob nicht ein Fünkchen Wahrheit in meiner Argumentation stecken könnte.
Fazit:
Eines der schwerwiegendsten Argumente PRO iStockPhoto, ist die persönliche Weiterentwicklung in dem Bereich der mir derzeit am wichtigsten ist, meiner eigenen Kreativität. Und das wird durch die wirklich kritische, (wenn auch manchmal ein wenig lächerliche erscheinde) Beurteilung der Administratoren von Agenturen wie iStockPhoto sehr gefördert. Ohne diese manchmal sehr ärgerlichen Kommentare wäre ich heute, nur drei Monate nach meinem ersten Upload bei iStockPhoto heute nie da wo ich jetzt bin.
Und 195 verkaufte Bilder in nur vier Monaten sind auch gar nicht so schlecht wenn man bedenkt das es die Masse macht und sich die meisten Bilder immer wieder verkaufen. Was man braucht um bei solchen Agenturen Erfolg zu haben ist das gleiche wie in jedem anderen Bereich des täglichen Lebens. Den unbedingten Willen, Durchhaltevermögen und Einsatz.
Dem gegenüber stehen im übrigen 4 verkaufte Fotos in den letzten beiden jahren bei photographersdirect. Und wenn man dann die dort erzielten Einkünfte den jährlichen Gebühren gegenüberstellt erkennt auch der Dümmste schnell, dass es viel besser ist 30% von vielen verkauften als 100% von NIX zu bekommen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Erfolg bei euren eigenen Projekten.
Liebe Grüße
Wolfgang