Der Olympische Gedanke
citius, altius, fortius
(Latein für „schneller, höher, stärker“)
Feiert neuerdings in der Fotografie seinen Einzug. Umgelegt auf die Fotografie im neuen Jahrtausend muss es aber:
„größer, rauschfreier, schärfer“
heißen!
Vorwort:
Zum besseren Verständnis möchte ich ein wenig ausholen und eine Geschichte erzählen. Es ist eine wahre Begebenheit aus nicht allzu ferner Vergangenheit, als die Digitalfotografie noch etwas jünger war. Gehen wir also gemeinsam zurück in der Zeit… genauer gesagt ins Jahr 2004, oder noch genauer, in den März des Jahres 2004.
Die Nikon D2X gab es zu dieser Zeit noch nicht. Andere Modelle wie die Nikon D2H (22.Juli 2003 - 4,0MP) waren erst seit kurzem wirklich verfügbar und ältere Modelle wie die Nikon D1X (05.Februar 2001 – 5,3MP) waren nicht mehr wirklich Up to date.
In der ersten Woche des Monats März im Jahre 2004 war ich in Kambodscha unterwegs und zwar nicht wie viele denken werden digital,.. NEIN, ich fotografierte ausschließlich ANALOG. Dies wunderte aber schon damals so manchen und als ich mein Gitzo Stativ vor dem linken Wasserreservoir des Ankor Wat Tempels eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang aufbaute passierte folgendes:
Eine junge Dame samt Freund stand neben mir und beobachtete mich beim fotografieren. Dies passiert mir häufig und ist nicht weiters ungewöhnlich wenn man mit großem Stativ und einer Mittelformatkamera unterwegs ist. Wie einige andere auch beobachtete sie mich dabei wie und von wo ich den Tempel fotografierte. Nachdem sie sah wie ich anschließend den Film wechselte konnte sie ihr erstaunen nicht mehr zurückhalten und fragte mich… Was bitte machen sie da gerade?
Ich war gelinde gesagt verwundert über die eigenartige Frage erklärte ich ihr halt, dass ich gerade den Film wechselte. Völlig entgeistert kam aber sofort die nächste Frage: Und was bitte wäre ein „Film“ und warum müsse man den tauschen… ist er etwa kaputt, oder gar schlecht geworden..?? Erst jetzt bemerkte ich ihre Drucki Mucki 4 Megapixel „All in One“ 17-fach Zoom Digitalkamera und da das Mädel gerade mal 18 oder 19 Jahre alt war wollte ich nicht unhöflich sein und erklärte in kurzen, meiner Meinung nach verständlichen Sätzen wie man „früher“ fotografiert hatte. Sie verstand aber rein gar nichts von dem was ich erzählte, es war ihr vermutlich auch herzlich wurscht und verließ mich und meine Horseman SW 612pro Mittelformatkamera mit einem Kopfschütteln.
Warum ich diese Anekdote erzähle?
Weil man heute im September 2007, alle Fotos und wenn ich alle sage, meine ich wirklich ALLE Fotos die analog gemacht und anschließend gescannt wurden, wegschmeißen kann. Zumindest wenn man nach dem geht, was Agenturen wie „istockphoto“ von uns Fotografen verlangen.
Warum?
Weil es heute nicht mehr Millionen Bilder gibt, sondern Millionen Fotografen mit Milliarden Fotos online.
Oder zumindest Millionen Menschen die denken weil sie eine Kamera gerade halten können, wären sie Fotograf. Jeden Tag schießen neue Bildagenturen wie Schwammerln aus dem Boden, erklären der Welt wie toll sie nicht wären und wie gut sie deine Fotos vermarkten könnten und locken so ahnungslose Menschen an.
Als Beispiel für dutzende bekannte Agenturen möchte ich stellvertretend zwei die ich persönlich gut kenne vorstellen, weil ich dort selber meine Bilder zum Verkauf anbiete. Als erstes eine wie ich meine nette, aber leider etwas veraltete, nämlich http://www.photographersdirect.com
Diese Bildagentur war mit Ihrer Idee noch vor zwei Jahren „on Top“ und man konnte gute Geschäfte mit hervorragenden Fotos machen. Ich erinnere mich noch gut an einen Fotografen, der 2 Fotos von galoppierenden Zebras in einem Nationalpark Afrikas um 2200 Englische Pfund pro Bild verkaufen konnte. Eine Sensation damals…. für mich jedenfalls.
Wie aber funktioniert so eine Bildagentur eigentlich?
Bei „photographersdirect“ ist alles relativ simpel. Möchte man seine besten Bilder dort verkaufen registriert man sich erstmal. Nach ein paar persönlichen Infos, welche man ausfüllen muss ist man praktisch fertig fürs uploaden der eigenen „Meisterwerke“. Man verkleinert seine Originalfotos anschließend mit einem x-beliebigem Bildbearbeitungsprogramm auf 500 Pixel Seitenlänge (lange Seite) und loadet es auf der Homepage von photographersdircet up. Dazu fügt man einen Titel und eine Beschreibung, sowie ein Paar Suchwörter ein. Nach etwa einer Woche wird dann das upgeloadete Bild von den Administratoren der Seite gesichtet und je nach Bildaussage (die Qualität kann bei 500x350 Pixel ja niemand überprüfen) in verschiedene Kategorien verteilt. Beginnend bei 5 was gleichbedeutend mit nicht sonderlich aufregend, aber halt gerade noch akzeptabel ist, bis hin zur „WOW“ Kategorie (entspricht 10), welche zum Ausdruck bringen soll, dass alle dort befindlichen Bilder die Administratoren zur selbigen Aussage gebracht haben als sie das Bild zum ersten mal sahen.
Möchte nun jemand ein Foto welches auf photograpersdircet.com ausgestellt ist käuflich erwerben, muss er sich ebenfalls registrieren, allerdings als Käufer und nicht als Verkäufer. Dann tritt er mittels E-Mail mit dem Verkäufer des Fotos in Kontakt, tauscht sich mit dem Verkäufer aus und verhandelt den Preis. In der Vergangenheit war dies sicher ein akzeptabler Weg und meistens klappte es auch. Okay, eilig durfte man es nicht haben, denn ein paar Tage dauert es schon bis die E-Mails ausgetauscht und die beiden Standpunkte auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wurden, nur zählt wie bei so vielen Dingen halt das Ergebnis und nicht der Weg dorthin. Es gibt bei photographersdircet.com sogar einen „Calculator“ mit dem man, je nach Verwendungszweck den jeweiligen Preis ausrechnen kann, der für ein Foto gezahlt werden SOLLTE!!! Leider hat die schnelllebige Zeit das ganze System dieser Agentur aber heute im Jahre 2007 ad absurdum geführt. Denn kein Mensch zahlt dir heute mehr für ein galoppierendes Zebra 2200 Pfund. Da muss man schon froh sein wenn man 15 Dollar bekommt.
Wieso…?
Weil es heute Agenturen wie „http://www.istockphoto.com“ gibt!
Dort funktioniert alles viel schneller und viel besser. Dem heutigen Zeitgeist entsprechend halt. Anmelden muss man sich noch immer, das ist gleich geblieben, sonst ist aber alles moderner,.. nicht besser.. aber halt viel moderner.
Dort hatte jemand nämlich die wirklich schlaue Idee den Fotografen die auf ihrer Seite freiwillig ihre Bilder uploaden praktisch alle Rechte abzunehmen und dies mit einem Butterbrot zu entlohnen. Geniale Idee, oder?
Im Detail funktioniert das so….. Jeder der sich bei „istockphoto“ als „Contributor“ (also jemand der seine Fotos verkaufen möchte) bewirbt, muss als erstes mal 3 Fotos in voller Auflösung und maximaler Qualität (Jpeg auf Stufe 12 abgespeichert) uploaden. Dann wartet man je nach Auslastung der Administratoren zwischen 1 Tag und 2 Wochen auf die „Beurteilung“ dieser Bilder. Etwas erstaunt muss man dann zur Kenntnis nehmen, dass selbst die besten Aufnahmen mit äußerst eigenartigen Kommentaren als nicht würdig zurückgewiesen werden.
Nun kann der Laie natürlich sagen… na ja,.. hast halt die falschen Bilder eingeschickt….
Lasse ich nur bedingt gelten, denn jeder der meine Fotos kennt, weiß welchen Anspruch ich an meine Bilder stelle und das ich wirklich alles Menschenmögliche versuche das letzte Quäntchen an Qualität aus meinen Aufnahmen herauszukitzeln.Das beginnt bei einen Horrormäßig großem Stativ mit dem man einen ausgewachsenen Bären erschlagen kann, geht über den teuersten Body der zum Aufnahmezeitpunkt verfügbar war (Nikon D2Xs) und endet damit, dass ich wo es möglich und sinnvoll ist immer nur bei optimaler Blende (kommt auf das verwendete Objektiv an) und sogar Feature wie Spiegelvorauslösung und Kabelauslöser fotografiere. Und zwar nur um wirklich alles aus dem Equipment herauszuholen was möglich ist.
Und wenn ich dann meine besten Aufnahmen hinschicke und Meldungen wie diese…
1.) This file contains artifacting when viewed at full size. This technical issue is commonly created by the quality settings in-camera or in post-processing.
For more information about iStock Standards, please see:
http://www.istockphoto.com/tutorial_2.3_noise.html 2.) The overuse of a noise reduction process/application has too severely degraded quality and removed detail
For more information about iStock Standards, please visit:
http://www.istockphoto.com/tutorial_1.0_account.html 3.) We found this file over filtered from its original appearance/quality.
For more information about iStock Standards, please visit:
http://www.istockphoto.com/tutorial_1.0_account.html 4.) We found the overall composition of this file's lighting could be improved. Technical aspects that can affect the overall quality of lighting are: flat/dull colors, blown-out highlights, harsh reflection, shadows or lens flares. These can all limit the usefulness of a file.
For more information on iStock Lighting Standards, please see:
http://www.istockphoto.com/tutorial_2.2_lighting.html
erhalte,….. ja dann kann es sein das ich leicht säuerlich werde.
Da ich später genauer auf diese Blödheiten eingehen werde, spare ich mir meine Gedanken zu diesen unglaublichen Anmaßungen der Firma istockphoto.
Um es kurz zu machen….obwohl ich nur meine besten Bilder aus meiner letzten Reise eingesandt hatte, benötigte ich trotzdem ganze 3 Versuche bis ich endlich, praktisch Gnadenhalber, als „Contributor“ akzeptiert wurde. Der Witz dabei ist aber, dass dort damit geworben wird, dass sie die besten Fotografen mit den besten Bildern haben!
Okay, denkt man sich.. da wird halt viel verlangt, wenigstens ist der Kreis dann umso elitärer und man gehört dazu.
Nun ist es also soweit…. Man wurde von der Firma „istockphoto“ praktisch auserwählt und darf seine Fotos zum Verkauf uploaden… denkt man.
Weit gefehlt!
Es wird nämlich jedes einzelne Foto trotz der vorangegangenen Prüfung der Bilder des Fotografen erneut einer Qualitätskontrolle wie zuvor erwähnt unterzogen. Dabei muss man sich die von „istockphoto“ geforderten Qualitätskriterien aber auf der Zunge zergehen lassen.
1.) Das Bild muss in der vollen Auflösung upgeloadet werden.
2.) ISO 100 ist praktisch Pflicht
3.) Rauschreduktion darf nicht verwendet werden (wie zum Henker sehen die das, frag ich mich?)
4.) Perfekte Belichtung und Schärfe sind Grundvoraussetzungen
5.) Möglichst geringe bis gar keine Bildbearbeitung sind erwünscht
Werden alle diese Kriterien erfüllt und ist die Bildaussage „entsprechend“, bekommt man ein Email (ja ihr lest richtig – pro akzeptierten Foto ein eigenes E-Mail!!!) in dem einem gratuliert wird. Einen Tag später ist das Bild dann tatsächlich online und kann, so es einen Interessenten findet verkauft werden.
Leider hilft auch das aber nicht sehr viel, denn nur istockphoto selbst verdient wirklich am verkauf DEINER Fotos.
Warum?
Lasst uns dazu einen Blick auf die Homepage von istockphoto werfen…
Dort steht folgendes:
XSmall: 1 USD
Small: 2 USD
Medium: 4 USD
Large: 6 USD
XLarge: 10 USD
XXLarge:15 USD
Wobei die unterschiedlichen Größen wie folgt festgelegt wurden:
XSmall: 300x400 Pixel
Small: 600x800 Pixel
Medium: 1200x1600 Pixel
Large: 1920x2560 Pixel
XLarge: 2800x4200 Pixel
(Nikon D2Xs: 4288x2848; Nikon D3: 4256x2832)
XXLarge: 3300x4900 Pixel
(Canon Eos D1 Mark II: 4992x3328; Mark III: 5616x3744)
Wie viel ein potenzieller Kaufinteressent für ein Bild in perfekter Qualität bei istockphoto zu bezahlen hat ist damit klar.
Wie viel aber erhält der Fotograf?
Da wird’s jetzt etwas komisch…..
Die Staffelung sieht nämlich so aus:
XSmall: 0,26 USD
Small: 0,52 USD
Medium: 1,04 USD
Large: 1,56 USD
XLarge: 2,60 USD
XXLarge: 3,90 USD
Da meine Nikon D2Xs aber eben keine „XXLarge“ Fotos produzieren kann ist der maximale Betrag den ich bei einem Verkauf eines Fotos erzielen kann also ganze 2,60 Dollar! Dies sind beim derzeitigen Umrechnungskurs ca. 1 Euro und 88 Cent!
Hier ein Beispiel für ein XXLarge Foto welches von istockphoto akzeptiert wurde:

Die Größe des Fotos ist 10.000x2568 Pixel!
Zu finden hier:
http://www.istockphoto.com/file_closeup/object/4094164_the_annapurna_range-id-4094164.html
Zusammengesetzt aus 4 Einzelaufnahmen. Während dem Flug in einem Ultralight wohlgemerkt. Kostet bei istockphoto 15 Dollar.... bringt mir aber nur 3,60 Dollar. Noch Fragen?
Nicht schlecht wenn man bedenkt, dass höchste Qualitätsansprüche wie unter perfekten Studiobedingungen Grundvoraussetzung sind um überhaupt ein einziges Bild zugelassen zu bekommen und man dann, im Falle eines Verkaufes nicht mal 2 Euro bekommt. Hinzu kommt noch, dass die wenigsten Leute die volle Größe kaufen.
Wie sieht das also in der Praxis aus?
Also gut ich möchte ehrlich sein. Im August habe ich 25 Fotos bei istockphoto verkauft. Gesamterlös dieser 25 Fotos war: 27,68 Dollar, oder 19,97 Euro!
Um diesen „Erfolg“ zu erzielen musste ich hunderte meiner besten Bilder, suchen, bearbeiten, bei istockphoto uploaden (Uploadlimit beträgt derzeit 15 Bilder pro 168 Stunden), anschließend alle erforderlichen Felder ordentlich und korrekt ausfüllen und warten….
Um dann 45% als nicht würdig als abgelehnt zurückgeworfen zu bekommen!!!
Und das alles für lächerliche 20 Euro!
Auf den Punkt gebracht könnte man auch sagen dass ich ein Monat lang täglich etwa 1 Stunde dafür gearbeitet habe, dass in einem Monat 25 mal ein Foto in der Größe Medium für je 1 USD pro upload verkauft wurde.
Istockphoto hat aber 100 USD bekommen für meine 25 verkauften Bilder. Und auch wenn dies nicht viel ist, ist das Verhältnis doch ziemlich eigenartig. Der Künstler-Fotograf bekommt 28% der Einnahmen und die Agentur die nichts anderes tut als das Portal und die Software zur Verfügung zu stellen erhält sage und schreibe 72%???
Irgendwas kann da nicht stimmen wird sich jetzt wohl jeder denken, nicht wahr. Ist aber so.. so und nicht anders lauten die Bestimmungen für all die Tausenden Fotografen die ihre hervorragenden Aufnahmen bei istockphoto quasi „verschenken“. Nun aber genug zum Thema Agenturen und der Sinnlosigkeit Fotos bei eben solchen verkaufen zu wollen.
Widmen wir uns lieber einem viel wichtigeren Thema,… der Qualität unserer geliebten Bilder.
Qualität:
Wie schon vorweg erwähnt wird heutzutage ein hohes Maß an Qualität vorausgesetzt. Und zwar nicht nur von Bildagenturen weltweit, nein auch der Fotograf selbst legt plötzlich viel höhere Maßstäbe als noch vor wenigen Jahren für sich selber an.
Denn jetzt sind wir uns sich doch einmal ganz ehrlich ;-)))
Wer kräht heute noch nach einem gescannten Uraltfoto aus dem Jahre Schnee? Also absolut ALLES was irgendwann mal analog aufgenommen wurde.
Keine Sau.
Beispiel gefällig?
Gut, nichts leichter als das….
Versucht mal ein analog aufgenommenes Mittelformatfoto welches anschließend mit einem professionellen Trommelscanner digitalisiert wurde und von einem Profi im Photoshop anschließend vorsichtigst bearbeitet wurde bei istockphoto durch die Qualitätskontrolle durchzumogeln.
Viel Spaß dabei kann ich nur sagen.
Ich hab’s versucht.

In der E-Mail die ich anschließend von istockphoto bekam stand dann folgendes:
This file contains artifacting when viewed at full size. This technical issue is commonly created by the quality settings in-camera or in post-processing.
For more information about iStock Standards, please see:
http://www.istockphoto.com/tutorial_2.3_noise.html
Was lernen wir daraus?
Analogfotos sind von gestern und was viel wichtiger ist, von nicht akzeptabler Qualität!
Grundsätzlich könnte man nun einwenden, dass die Welt nicht aus „istockphoto“ und seinen Kunden besteht. Dies ist richtig. Nur leider kann man bei „seriösen“ Agenturen wie dies photographersdirect einmal war kein einziges Bild mehr verkaufen, seit die Bilder bei istockphoto um 1% des Kaufpreises erhältlich sind. Okay, schon klar, man muss seine Bilder überhaupt nicht online zum Kauf anpreisen, stimmt schon… nur ist es halt verlockend ein paar Euro nebenher zu verdienen, oder?
Spannend wird die ganze Sache aber, wenn man die Idee etwas weiterspinnt und sich überlegt was da wirklich passiert ist, mit unseren Analogfotos nämlich. Sind die Bilder wirklich alle soooo schlecht? Waren die Kameras, Filme und die Objektive wirklich alle so ein Klumpert? Oder ist es vielmehr so, dass cleveres Marketing uns glauben macht, dass absolute Rauschfreiheit das Ziel unserer Träume ist?
Sicher nicht!
Nur weil ein Foto rauschfrei ist, wird es nicht besser. Auch machen 21 Megapixel ein Bild um keinen Deka schöner. Und auch wenn die neueste Generation von Ultraschallobjektiven Nanokristallbeschichtet sein mag helfen die damit gelungenen schärferen Aufnahmen nicht ein Bild besser zu gestalten.

Fazit:
Weder die Megapixel einer Mark III, noch die Rauschfreiheit der D3 und schon gar nicht die neuesten Nanokristallklumpertoptiken können das, was ein wahrer Meister der Fotografie bereits vor hundert Jahren zustande gebracht hat (Ansel Adams), nämlich perfekt komponierte und ebenso perfekt ausgearbeitete Fotos in einem feinen Holzrahmen der staunenden Öffentlichkeit zu präsentieren.
Betrachtet man die Aufnahmen aus der analog Zeit aber nun am Monitor fällt doch auf das sie mit Aufnahmen einer D2Xs wirklich in keinster weise mehr konkurrieren können. Sie sehen allesamt, flau, unscharf und extrem verrauscht aus.
Wieso.. fragt man sich und sucht verzweifelt nach den Ursachen?
Lag es am verwendeten Filmmaterial? Oder an der Lagerung des selbigen? Waren es die „alten“ Optiken? Oder doch das billige Labor mit der alten Chemie? Oder war am Ende doch der Scanner schuld? Natürlich könnte es auch die verwendete Software des Scanners gewesen sein…..
Tausend Fragen und mindestens genauso viele Möglichkeiten gibt es wenn man diesen Gedanken weiterspinnt. Denn irgendein winziges Zusammenspiel mehrerer Faktoren reicht im Normalfall schon aus um aus einem theoretisch scharfen Bild ein komplett unscharfes zu machen (Planlage des Dias beim einscannen z.B.) Und da reden wir noch gar nicht davon, dass Scanner die blöde Eigenschaft besitzen auch einen einheitlich strahlend blauen Himmel alle möglichen 16,7 Milliarden Farben zuzuordnen. Es ist dies ein großartiges, aber völlig sinnloses Geschenk, welches sich nachträglich nicht ohne riesigen Scharfe und Detailverlust bekämpfen lässt.
Wenn man nun akzeptiert hat, dass mit heutigen Kameras und Objektiven eine Qualität erreicht werden kann von der man vor 3 Jahren nur träumen konnte sollte man sich aber folgende, meines Erachtens hoch interessante Frage stellen…
Wer braucht diese Qualität?
Und wer bezahlt sie letztendlich?
Hier wird mein Thema dann vollends Philosophisch.
Was ich an dieser Stelle erreichen möchte ist, …..andere zum nachdenken anregen, ja vielleicht eine Alternative zum allgemeinen Mainstream gegen Rauschfreiheit anregen.. ich bin mir da selbst noch nicht so ganz sicher.
Einerseits sehen die technisch „perfekten ISO 100 Bilder“ aus den Top Boliden der Kameraindustrie wirklich hervorragend aus, andererseits kann es doch nicht so weitergehen, dass Bilder welche mit einer Nikon D2Xs 2007 bei ISO 200 gemacht wurden bereits im September des selben Jahres als „verrauscht“ und damit unbrauchbar abgelehnt werden???
Das ist doch mehr als Pervers, oder?
Da sitzt man z.B. in einem gemieteten Kleinstflugzeug, verwendet die besten Objektive und die teuerste Kamera, hat ein Welt Motiv vor der Linse, einen Gyro Stabilisator unter der Kamera und sogar das Licht spielt alle Stücke… um sich dann von einem völlig Schwachsinnigen in Kanada erklären lassen zu müssen, dass es bei 100% Betrachtungsgröße Artefakte enthält welche durch Kamerainterne Einstellungen oder nachträgliche Bearbeitung entstanden sind???
Beispielbild welches abgelehnt wurde:
Antwort im E-Mail von istockphoto:
We regret to inform you that we cannot accept your submission, entitled Closeup from the annapurna south ( http://www1.istockphoto.com/file_thumbview_approve/4091834/2/istockphoto_4091834_closeup_from_the_annapurna_south.jpg) for addition to the iStockphoto library for the following reasons:
This file contains an excess of pixel discoloration when viewed at 100%, which we felt too severe and would affect the quality of print production.
For more information about iStock Noise Standards, please see:
http://www.istockphoto.com/tutorial_2.3_noise.html
Once the above issue(s) with this image have been rectified, we will be happy to review it again for addition to our library. Please be sure to address ALL of the above issues prior to resubmission.
Go to: http://www.istockphoto.com/resubmit_rejected_file-RejectedFileID-4091834.html to resubmit.
If you need more information please visit the pages (if any) listed next to the above issue(s).
If you require further explanation regarding this rejection, please contact Scout via Support link: http://www.istockphoto.com/contact_ticket.html.
The iStockphoto forums may also contain valuable educational information, however, forum posts regarding specific declined files will be removed at the discretion of the administrator.
Thank you for your continued interest in iStockphoto.com
Sincerely,
The iStockphoto Administration Team.
Die spinnen doch die Römer!
Zukunft:
Wohin der Weg der Fotografie in der Zukunft, sprich der „Mainstream“ (spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider) geht ist somit klar. In Zukunft werden Fotos vermehrt nach ihrer Rauschfreiheit, ihrer Schärfe und auch nach ihrer absoluten Größe, den Megapixel beurteilt werden.
Und zwar unabhängig davon ob es uns gefällt oder nicht. Denn ob ein Foto gut oder weniger gut, schön oder weniger schön ist, liegt sowieso im Auge des Betrachters.
Können wir, die Fotografen diesem verrückten Teufelskreis der immer höher werdenden Anzahl der Megapixel entrinnen oder ihm gar entgegenwirken?
Wohl kaum.
Denn auch wenn sich ein paar „vernünftige“ auf alte Werte besinnen würden und entgegen dem Mainstream ihre digitalen Bilder nachträglich mittels Photoshop künstlich wieder „verrauschen“, wäre es doch kaum erfolgversprechend. Zu groß bliebe die Anzahl derer, die geblendet von der Werbung jegliches neues Spielzeug dankend annehmen und umgehend Lobpreisen.
Leider ist damit aber der Weg den die digitale Fotografie einschlagen wird klar vorprogrammiert. Alle Bilder die zwischen dem erscheinen der Digitalfotografie im Jahre 2000 (Vorstellung der Nikon D1) und heute (2007) gemacht wurden braucht man erst gar nicht groß abzuspeichern oder zu sichern, denn spätestens im Jahre 2010 sind sie qualitativ so veraltet und schlecht, dass man sich vermutlich sofort übergeben wird wenn man sie im Photoshop Cs 25 versucht zu öffnen ;-)))
Das wird dann die Zeit sein, wo wir als Großeltern unseren Enkeln eine Schachtel voller Dia’s vorführen… Voller staunen werden uns die Kleinen dann lächelnd zuhören und nicht glauben können wie altmodisch, rückständig und langsam unsere Welt einmal war. Und wir werden uns wehmütig an Zeiten zurück erinnern wo Wörter wie „Rauscharm“ noch gar nicht erfunden waren…..
Allerdings wird es auch die Zeit sein, wo Menschen entdecken werden, dass sie ohne Strom kein einziges Erinnerungsfoto auf ihrem PC oder dem digitalen Bilderrahmen ansehen können. Denn ohne Strom existiert kein einziges noch so Rauscharmes File auf der ganzen Welt. Da spielt die miese Qualität unserer körperlich vorhandenen Dias dann auf einmal gar keine Rolle mehr, … wetten?
Wolfgang Steiner
September 2007





