Der Ritt auf der Kanonenkugel
10 Tage im Königreich Nepal
Teil 1: Kathmandu - Nepal
Bevor ich mit diesem Reisebericht beginne möchte ich kurz ein paar einleitende Worte schreiben, damit ihr euch halbwegs vorstellen könnt unter welchen Vorzeichen diese Reise im Juni 2007 stattfand.
Bereits im Mai 2005 hatte ich die Einladung der berühmten Sabi Sabi Game Lodge (Süd-Afrika, Kruger National Park) in der Tasche und von diesem Zeitpunkt an plante und wartete ich auf diesen denkwürdigen Tag, den 31.Mai 2007. Es war, eine sehr, sehr lange Durststrecke ohne Urlaub und um ganz ehrlich zu sein kommt es einem sehr surreal vor, wenn man dann wirklich im Flieger sitzt und sich zweimal zwicken muss um schön langsam realisieren zu können, dass es nun tatsächlich losgeht.
Was zum Geier bewog mich aber dazu Afrika, welches ja meine Hauptdestination war, mit dem Königreich Nepal, welches bekanntlich in Asien liegt, zu verbinden? Liegt ja nicht gerade ums Eck.
Als meine Entscheidung feststand die Fotografie nun nicht mehr Hobbymäßig sondern professionell zu betreiben und meine Dienste großen Firmen anzubieten, sandte ich Emails an viele Hotels aus, in welchen ich anbot im Gegenzug für meine Bilder freies Quartier und Verpflegung zu erhalten.
Was aber passierte war nichts. Es passierte gar nichts.
In der ersten Woche kam kein einziges Mail retour. Gut dachte ich mir, egal wer als erstes antwortet, dort fahre ich hin, versprochen! Und so kam es, dass genau nach zwei Wochen Herr Rajiv Shrestha der Manager des Dwarikas Hotel in Kathmandu mir ein überaus freundliches Email sandte, in dem er mir nicht nur freies Quartier für eine ganze Woche, sondern auch freie Verköstigung im Gegenzug für meine Fotos anbot.
Alle anderen "Barter Agreements" waren mehr als mühsam und aus diesem Grund versprach ich mir selbst Nepal nicht auszulassen. Da ich aber bei jeder "bezahlten" Destination auch etwas suchte was mich als Fotograf persönlich interessierte überlegte ich mir, was wohl in Kathmandu für mich dabei sein könnte. Da ich in Kathmandu selber nichts wirklich spannendes fand, von ein paar Tempeln mal abgesehen, überlegte ich mir ob ich nicht einmal was Ausgeflipptes probieren könnte... wie z.B. die Gipfel des Himalaya vom Ultralight Flieger aus zu fotografieren.
Gesagt getan, ich nahm also Kontakt mit einer der hiesigen Fluggesellschaften auf, welche solche Abenteuerflüge mit Ultralight-Fliegern anbot auf (Avia Club Nepal) und reservierte einen Flug von Pokhara aus zum Annapurna. Für diesen 90min dauernden Flug waren aber eine Menge Vorbereitungen im Vorfeld der Reise notwendig gewesen. Nicht nur das ich 15 Kilo abnehmen musste, immerhin gibt es eine Gewichtsbeschränkung in solchen Kleinstflugzeugen (max. 100kg) , falls man dieses Fahrrad mit Flächenschirm und Motorradmotor überhaupt als Flugzeug titulieren kann/darf?
Auch wurde mir sehr schnell klar, dass man in diesem sehr speziellen Gebiet der "Aerial photography" mit normalem Equipment nur sehr mäßige Erfolge erzielen wird können. An dieser Stelle möchte ich auf einen anderen Artikel bezüglich des hier erwähnten Gyro-Stabilisator in meinem Blog hinweisen. Bereits letztes Jahr im Herbst besorgte ich mir dann diesen speziellen Stabilisator und lernte in den darauffolgenden Monaten langsam damit umzugehen. Anfangs waren die Bilder die ich damit "schoss" schlechter als ohne, denn wie bei verschiedenen Kampfsporttechniken musste ich lernen die Kamera ruhig und ganz locker zu halten, also genau entgegengesetzt zu dem was man normalerweise in einem offenen Flugzeug mit seiner 4200 Euro teuren Kamera machen würde, nämlich sie ganz locker zu halten ;-)
Überhaupt war mir ein völliges Rätsel wie man so gerüstet in fast 4000m Seehöhe mit einer Kamera-Objektivkombination welche gesamt gut und gerne 3,0kg wiegt aus freier Hand fotografieren soll!!??
Aber nun genug der Erklärungen......
Abflug in Wien Indernäschional war um 23:15 Uhr ;-), wobei die Betonung auf Indernäschional liegen muss, denn praktisch jeder Domestic Airport in Pakistan ist dreimal größer und vor allem besser strukturiert als unser zusammengestückelter winzi wuzi Airport in Vienna.
Nach einem angenehmen 5 1/2 Stunden dauernden Flug von Wien nach Doha (Qatar Airways) und einer kurzen Wartezeit auf diesem Wüstenairport in Qatar ging es weiter zu der ersten Destination meiner langen Reise, Kathmandu, der Hauptstadt des Königreiches Nepal. Viel hatte ich vorab im Internet über dieses kleine Land nahe dem Himalaya gelesen, mich in verschiedensten Foren über die politische Lage informiert und versucht mich in die Geschichte einzulesen.
Als ich dann aber tatsächlich in Kathmandu landete kam alles ganz anders als erwartet. Nach dem verlassen der Maschine über die steile Treppe kam gleich der erste Schock, oh mein Gott ist das heiß hier dachte ich mir und schleppte meinen Fotorucksack mühsam ins Flughafengebäude. Die 150m zu Fuß mit den zwei großen Handgepäckstücken im Schlepptau hatten genügt um mir den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Es war schwül und dunkel in der Ankunftshalle und die Förderbänder standen lange still. Lauter verschwitzte müde Menschen aus aller Herren Länder warteten, ungeduldig, gespannt auf das was sie draußen erwarten würde. Ich drehte mich herum und fragte mich ob ich nicht vielleicht doch den falschen Flieger erwischt hatte und vielleicht durch Zufall in Myanmar gelandet war. Es war heiß, drückend heiß und fürchterlich schwül. Das hier konnte niemals das Land sein in dem der höchste Berg der Erde steht schoss es mir durch den Kopf... da ich aber noch nie davon gehört hatte, dass Passagiere falsch eingestiegen wären oder sich ein Flugzeug gar verflogen hätte, ging ich davon aus, dass diese unidentifizierbaren Schriftzeichen überall Nepali sein mussten.
Nach einer kleinen Ewigkeit rollt endlich das Gepäckband an... ich hoffte inständig das meine hellgraue Reisetasche zum Vorschein kam, denn dort befand sich mein Stativ und ohne dem sehe ich ganz schön alt aus. Keinen Gedanken verschwende ich dabei wegen meiner Kleidung, den Schuhen oder den Toilettenartikeln, nein das Stativ ist mein einziger Gedanke. Dann endlich nach fast 45min kommt sie, meine graue Reisetasche. Ich wuchte die 30kg auf mein Wagerl und fahre Richtung Ausgang. Unterwegs noch schnell etwas Geld gewechselt und raus aus dem Airport..... hier stehen plötzlich wie auf einem Jahrmarkt hunderte Menschen dicht gedrängt um einen herum. Mein einziger Gedanke.. wo ist mein Fahrer!Verzweifelt suche ich nach einem Einheimischen welcher eine Tafel mit meinem Namen hochhält und freundlich grinst.... vergeblich, keine Tafel, kein grinsender Nepalese.
Dann frage ich mich durch.. ist jemand vom Dwarikas Hotel hier?
Ein paar Männer beraten sich und Sekunden später ist mein Gepäck weg. Hastig tragen es zwei übereifrige Helfer meine Gepäckstücke weg, könnten auch Diebe sein kommt es mit sofort in den Sinn und ich nehme die Verfolgung auf. Bei Fahrzeug dann, ein gut und gern 30 Jahre alter schwarzer Toyota Corolla ohne Fenster, versuche ich mich erneut zu vergewissern, das der netter Herr am Steuer auch weiß wer ich bin und wohin die Reise gehen soll. Er lächelt mich aber nur dämlich an, versteht offensichtlich kein Wort von dem was ich auf Englisch sage und murmelt leise den Namen meines Hotels, Dwarikas!
So etwas verunsichert sitze ich auf der mit Selbstgehäkelten Decken überzogenen Rücksitzbank und versuche mit nicht allzu vielen Teilen des Toyotas Körperkontakt herzustellen. Wer weiß wie viele Leute hier drinnen schon verendet sind dachte ich mir insgeheim. Die Fahrt selber war dann recht interessant. Auf der Strasse waren alle zu Fuß unterwegs und man sah weder Autos, noch Motorräder, ja nicht einmal öffentliche Busse waren zu erspähen. Etwas verwundert musste ich doch noch einmal nachfragen, wieso denn hier niemand unterwegs war? Mein Fahrer meinte dann es wäre Generalstreik und die einzigen die heute eine Fahrerlaubnis hätten wären Taxifahrer welche Touristen vom oder zum Flughafen brächten. Etwas erstaunt nahm ich das zur Kenntnis und beobachtete das rege treiben entlang der Strasse auf der wir zum Hotel fuhren.
Unglaublich viele Menschen gingen zu Fuß, verkauften ihre Produkte, boten ihre Dienstleistung feil oder lungerten einfach nur herum. Ich war geschockt, so etwas hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet. Gut, was hatte ich erwartet.... sagen wir mal, etwas zwischen Laos und Kambodscha. Aber doch nicht so was.... das sieht hier ja aus wie in Indien vor 30 Jahren dachte ich mit schon nach 5min Fahrt. Um Gottes willen, wo bist du da bloß wieder reingeraten waren meine ersten Gedanken zu diesem Land.Dabei hatte ich in den letzten 19 Jahren praktisch alle Länder Asien bereist und war nach Erfahrungen wie Vietnam bereits einiges gewohnt. Doch was ich hier sehen musste toppte Vietnam um ein vielfaches.
Was zum Henker sollte ich hier 10 Tage lang machen dachte ich mir……?Im Hotel angekommen begrüßte mich der Manager samt seinem Assistenten. Wir besprachen welche Bilder ich machen sollte und ich erklärte Herrn Shrestha, dass ich 360° Panoramafotos von seinen schönsten Suiten anfertigen könne.
360° Panorama der Rezeption des Dwarikas:
Dann endlich nach einer guten Stunde Lagebesprechung in der Rezeption des Dwarikas konnte ich endlich das tun was nach einer 18 stündigen Anreise wirklich notwendig ist… duschen. Nichts ist schöner als die verschwitzen Klamotten ausziehen zu können und sich unter eine erfrischende Dusche stellen zu dürfen. Aber wem erzähl ich das. Eigentlich sollte ich todmüde sein dachte ich mir, aber da ich zwei Jahre auf diesen Moment gewartet hatte verspürte ich plötzlich überhaupt keine Müdigkeit mehr. Im Gegenteil, ich war frisch und voller Tatendrang. Mit Herrn Sabin Lal Shrestha bin ich dann in die Präsidentensuite gelatscht und hab mich mal umgesehen ob eine 360° Panoramaaufnahme Sinn machen könnte.Das Problem bei solchen Aufnahmen ist, neben der exakten Ausrichtung der Kamera am Stativ in allen drei Ebenen, dass sich keine Objekte in geringer Nähe bezogen zum Kamerastandpunkt befinden dürfen. Sonst wird das zusammensetzen der einzelnen Aufnahmen zur echten Fleißaufgabe.
Da es aber noch viel zu früh für eine Innenaufnahme war, beschloss ich eine 180° Panoramaaufnahme von der Terrasse der Suite zu machen. Herr Sabin sah mir interessiert zu und ich bemerkte wie furchtbar eingerostet mein Englisch war. Nicht nur, dass ich mich höllisch auf meine Arbeit konzentrieren musste, wollte da jemand neben mir auch noch in Englisch erklärt bekommen was ich gerade tat. So gestresst kam ich etwas ins Schwitzen und bemerkte nach einer Stunde auf der Terrasse des Dwarikas, dass mein Körper nach Nahrung verlangte. Sabin orderte also einen traditionellen Snack, welchen man mit den Fingern aß und dazu ein Coke. Da saß ich nun, hoch über den Dächern Kathmandu’s auf der Terrasse der Präsidentensuite, plauderte mit einem der Eigentümer dieses Hotels, aß traditionell Nepalesisches essen und sah einem Affen gemütlich dabei zu wie er sich eine meiner sauteuren Speicherkarte aneignete und versuchte davon eine Ecke abzubeißen.
180° Panoramaaufnahme der Terrasse der Präsidentensuite:
Das kann’s jetzt aber nicht sein dachte ich mir sprang auf und machte den sinnlosen Versuch meine geliebte Speicherkarte aus den Fängen der Bestie zu retten. Klarerweise war der Pavian nicht nur schneller als ich, nein er war auch noch sehr schlau, denn anstatt meine Speicherkarte wegzuwerfen und das weite zu suchen pfauchte er mich an und zeigte mir sein durchaus beeindruckenden Zähne. So etwas eingeschüchtert machte ich zwei Meter vor dem Affen halt, überlegte kurz was mich die Speicherkarte gekostet hatte (Sandisk Extreme IV 4GB) und ob sie es Wert wäre einen Krankenhausaufenthalt in Kathmandu einzulegen. Gott sei Dank erwies sich die Sandisk dann doch als nicht besonders wohlschmeckend und ich dachte bereits ich würde sie mit etwas Glück wiederbekommen, als der blöde Affe sie, meiner Meinung nach mit voller Absicht von der Terrasse auf der wir uns gerade befanden, runter in den Garten schmiss.
Dort schlug sie erstmal wie ein Stein auf den Ziegelboden auf, um sich elegant wie ein Bodenturner sofort wieder gute drei Meter in die Lüfte erhob, noch zwei weitere male auf dem harten Ziegeln aufpäppelte, um schlussendlich mit letzter Kraft den eleganten doppelten Rittberger ins Pool zu schaffen, wo sie sich selbst zur letzten Ruhe bettete. Etwas entnervt brachte ich rasch mein restliches Equipment in Sicherheit und tat vor meinem Gastgeber so als wäre nichts passiert, insgeheim aber wünschte ich mir eine Smith&Wesson, Kaliber 22 würde völlig ausreichen dachte ich ;-)
So eine Scheiße, …. ich war noch nicht einmal 3 Stunden hier und schon hatte ich eine Speicherkarte eingebüßt. Niemals würde ich unterwegs eine Extreme IV bekommen, soviel war sicher ging es mir durch den Kopf, wirklich ärgerlich so was. Aber gut, mit einem Affen hatte ich bei Gott nicht kalkuliert und viel wichtiger, ich hatte einen Job zu erledigen und wollte gut gelaunt sein. Zum Glück hatten ich ja 6 Speicherkarten mit versuchte ich mich selbst wieder zu beruhigen.
Nun war es finster genug, die blaue Stunde nahte und ich packte alles zusammen um ins Schlafzimmer der Suite zu übersiedeln. Schnell stellten wir dutzende Kerzen auf um etwas romantische Stimmung hineinzuzaubern und ich versuchte krampfhaft eine vernünftige Position für die Aufnahme zu finden. Leider ist aber auch eine Präsidentensuite wo vor nicht allzu langer Zeit sogar mal Prinz Charles gewohnt hatte nicht groß genug um sich in die Mitte stellen zu können und einige Meter freien Raum zu haben. Nachdem ich viermal die Optik gewechselt hatte, zweimal zwischen Hoch und Querformat hin und her überlegt hatte entschied ich mich für das Nikkor AF-S DX 12-24mm/4.0 G bei 12mm im Hochformat.
Hier das Ergebnis zusammengesetzt mit der derzeit besten Panoramasoftware PTGui (200°)
Nach diesen drei Panoramaaufnahmen war ich so streichfähig, dass mir schon im stehen die Augen zufielen. Höflich verabschiedete ich mich und zog mich in mein Zimmer zurück. Okay Zimmer ist leicht untertrieben, es war eine der Suiten die ich fotografieren sollte, mit riesiger Terrasse und gut und gern 75m² Wohnfläche. Da konnte man es schon aushalten, dachte ich mir und fragte mich was ich wohl machen würde, müsste ich am Ende das Zimmer doch selber zahlen. Mit diesen etwas wirren Gedanken begab ich mich am ersten Tag ins herrlich weiche Bett des Dwarikas, träumte von den Abenteuern die da noch folgen würden und hoffte auf gutes Wetter am nächsten Tag.
In den nächsten Tagen war das Wetter in Kathmandu leider etwas durchwachsen, manchmal regnete es, manchmal schien kurz die Sonne, meistens aber war der Himmel ziemlich bewölkt, was auf den Fotos leider zum Ausdruck kommt. Am nächsten Tag war keine der anderen Suiten frei und so nutze ich den Vormittag um zu Fuß die Gegend zu erkunden. Ich schnappte mir meine Nikon D2Xs plus dem Nikkor AF-S DX 17-5mm/2.8 G und marschierte Richtung Ampel retour. Ich wusste noch, dass wir bei meiner Ankunft aus dieser Richtung gekommen waren und erinnerte mich viele interessante Dinge am Straßenrand erspäht zu haben. Gesagt, getan. Ich ging also denselben Weg zu Fuß den ich tags zuvor gefahren war, diesmal allerdings mit einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch. Mir war natürlich klar, das ein einziger aggressiver oder schlecht gelaunter Nepalese ausreichte um mein Leben dort zu beenden, immerhin hatte ich gut und gerne 5600 Euro um den Hals hängen. Eine D2Xs kann man halt nicht verstecken!
Bereits am Vorabend aber hatte ich Herrn Sabin nach den Gefahren gefragt und nachdem er meinte es sei an sich ungefährlich und die Menschen, egal wie arm, wären grundsätzlich freundlich gesinnt, wagte ich es dann doch. Natürlich kann immer etwas passieren, schränkte er ein, aber dies sei wohl überall auf der Welt so, wo ich ihm recht geben musste....
Falls nun jemand gänzliche andere Erfahrungen gemacht haben sollte möchte ich kurz schildern was direkt vor meinem Hotel am Morgen des zweiten Tages abgespielt hatte. Es war noch immer Generalstreik und privaten Personen war es untersagt mit egal welchem Fortbewegungsmittel zu fahren. Also kein Auto, Moped usw. Ein Schlaumeier dachte sich aber offenbar er müsste seine Freundin, oder Frau mit dem Motorrad nach Hause führen. Passiert ist folgendes.... ein netter einheimischer Passant schnappte sich einen Holzknüppel und holte die beiden umgehend während der fahrt von ihrem Motorrad runter. Nachdem ich diese äußerst brutale und völlig sinnlose Gewaltszene mit eigenen Augen mit ansehen musste fing ich schon etwas zu überlegen an, ob man sich hier mit einer teuren Kamera so ohne weiteres auf die Strasse trauen könnte. Dies aber nur zur Erklärung.
Im Nachhinein könnte ich jetzt natürlich lügen und sagen, es ist absolut sicher in Kathmandu. Möglich das dies für 95% aller Touristen zutrifft, nur hilft es den 5% die ausgeraubt wurden oder denen noch schlimmeres widerfahren ist nicht mehr. Für mich war es hart an der Grenze dessen was gerade noch okay ist. Man wird misstrauisch angesehen, fühlt sich immer beobachtet und weiß nie ob man lächeln oder ernst dreinschauen soll. Ich machte dann das gleiche wie in Thailand,.. ich lächelte und versuchte so das Eis zu brechen. Allerdings möchte ich schon sagen, dass ich mich immer sehr freute wenn ich den Wachmann unseres Hotels passierte, sich die Türe hinter mir schloss und ich mich in Sicherheit wähnte. Das Dwarikas war in dieser Zeit der großen Unruhen so etwas wie ein sicherer Hafen für mich. Drinnen im riesigen Garten fühlte man sich geborgen und absolut sicher. Fern von all dem Trubel und es sei nicht verschwiegen, auch von der unglaublichen Armut auf den Strassen.
An diesem Abend fotografierte ich im Garten das Restaurant, welches einlud draußen zu sitzen und die nepalesische Küche auszuprobieren. Dazu ein paar kühle Bierchen gezischt und der Tag war gerettet.
320° Panoramaaufnahme des Restaurants im Garten des Dwarikas:
Am nächsten Morgen musste ich sehr früh aufstehen, da ich mit Buddha Air von Kathmandu nach Pokhara fliegen wollte. Herr Shrestha hatte dieses Ticket dankenswerterweise bereits lange vor meiner Ankunft gekauft und mir gleich nach dem einchecken übergeben. Mir selber war es von Österreich aus nämlich nicht möglich gewesen ein Domestic Ticket für Nepal zu kaufen, weder über die Homepage von Buddha Air, noch über mein Reisebüro! Pokhara ist die Stadt der Trekker. Von dort starten viele der tausenden Nepal Besucher, schwer mit Rucksäcken bepackt Ihren Annapurna Trek. Mir selbst entzieht sich der Sinn einer Wanderung in Höhenlagen von über 5000m zwar, aber es soll ja auch Leute geben die sich freiwillig für medizinische Versuche zur Verfügung stellen.
Mein Ziel war jedoch ein ganz anderes. Ich wollte die Gipfel der 8000er fotografieren und zwar nicht aus zig Kilometer Entfernung vom Boden aus und auch nicht während eines Treks, nein, der Plan war mit einem Ultralightflugzeug so hoch und so nah wie irgend möglich zu den Bergen zu fliegen und dort dann Luftbildaufnahmen zu machen. Dass dies ein mehr als gewagtes Unternehmen war, gebe ich gern zu. Auch waren die Vorbereitungen dafür nicht unbedingt einfach. Dies fing in der Vorbereitungsphase damit an das Frau Deepti (meine Ansprechpartnerin übers Internet des Avia Club Nepal) mir mitteilte, dass die maximale Zuladung bei ihren Ultralightfliegern, 100kg inklusive Kamera und Klamotten beträgt und endete damit das ein Gyro-Stabilisator der Marke Kenyon her musste. Das erste war relativ einfach, ich musste mich etwas weniger gut ernähren, mehr Sport machen und schon waren 15kg abgenommen. Der Gyro aber war nur direkt aus den Vereinigten Staaten zu bekommen und sehr teuer. Wie sich jeder sicher vorstellen kann kostete mich die Entscheidung mich auf dieses waghalsige Manöver einzulassen mehr als nur ein wenig Überwindung. Musste ich doch mit einem Kleinstflugzeug fast 4000m hoch aufsteigen, wollte ich die Gipfel des Himalayas fotografieren.
Der Machupuchare:
Und selbst wenn alles klappen würde, ich nicht abstürze, was eine reale Gefahr mit solchen Ultralight’s ist, können mindestens hundert andere Dinge passieren welche allesamt verhindern, dass ich auch nur ein einziges professionelles Bild mit nach Hause mitnehme, so viel war mir klar. Das Wetter war einer der Gründe und in Pokhara angekommen machte mit Frau Deepti keine großen Hoffnungen bezüglich des Flugwetters für die nächsten Tage. Es war drückend schwül, der Himmel war bewölkt und die Fernsicht war bei null. Außerdem war es mit 32 Grad Celsius extrem heiß. Ich wohnte in Pokhara auf einer kleinen Insel mitten im See in der Fishtail Lodge. Zum Abendessen holte mit Frau Deepti ab und wir fuhren zu ihrer Freundin welche ein Restaurant mitten im Ort betrieb. Dort sollte es die besten Steaks weit und breit geben, meinte sie. So saß ich plötzlich, mit der Managerin des Avia Club Nepal, der Besitzerin des Restaurants, dem einzigen Arzt von Pokhara sowie dem Manager der Fishtail Lodge an einem Tisch und hatte die Möglichkeit viele interessante Dinge aufzuschnappen.
Nach einigen Gläschen Rotwein und einem wirklich leckeren Steak plus Beilage brachte mich Frau Deepti dann wieder zu dem Floß der Fishtail Lodge. Der Nachtwächter begrüßte mich wie einen alten Freund, ich meinerseits grüßte freundlich zurück, sprang elegant wie ein Nilpferd auf das klitschnasse Floß, rutsche aus und landete mit einem satten „ZONK“ mit meiner Hüfte auf den Holzplanken! So angekommen brauchte ich mir um den sicheren Halt auf dem Floß auch keine Sorgen mehr zu machen, denn wer schon am Boden liegt kann auch nicht mehr hinfallen, dachte ich mir. Schnell rappelte ich mich wieder auf, tat so als ob gar nicht passiert wäre, lächelte dümmlich und ärgerte mich über meine nun durchnässte Jean, welche Gott sei Dank nicht zerrissen war. Auf dem Weg zu meinem Zimmer im zweiten Stock des Hauptgebäudes bemerkte ich, dass ich wieder einmal einer der letzte Gäste war, der noch wach war. Mit nasser Jean und leicht betrunken schlenderte ich so durch die wunderschöne Gartenanlage der Fishtail Lodge, sah hinauf zum Mond, bemerkte wie schön orange er leuchtet und ging ins Hauptgebäude….
Moment kam es mir…. „ORANGE“???? Der Mond leuchtet orange? Kann aber jetzt nicht sein oder?
Sofort machte ich kehrt, ging wieder hinaus in den Garten, sah zum Himmel und staunte nicht schlecht, der Mond leuchtete wirklich im schönsten orange das man sich vorstellen kann. Da es schon fast Mitternacht war, ich ein Glas Rotwein zuviel hatte und ich morgen um 5:00 Uhr aufstehen musste wollte ich eigentlich nur mehr ins Bett und schlafen. Der orange Mond aber erinnerte mich daran weshalb ich hier war, um zu fotografieren nämlich. So motiviert lief ich rauf ins Zimmer, holte mein Stativ sowie mein Tele und ging schnellen Schrittes wieder runter in den Garten. Dort baute ich alles auf und machte einige Bilder. Dann endlich gönnte ich mir 4 Stunden Schlaf, welchen ich auch dringend nötig hatte, hatte ich die ersten drei Tage zusammen vielleicht mal 12 Stunden geschlafen.
5:00 Uhr
Das Telefon läutet….
Wie in Trance greife ich zielsicher zu der bereitstehenden 0,5l Mineralwasserflasche und versuche mit ihr ein Gespräch anzufangen. Da das läuten nicht aufhörte bemerkte ich meinen Fehler aber relativ rasch und beendete das Gespräch mit der Mineralwasserflasche. Mit dem abheben und wieder auflegen war es aber heute nicht getan, denn ausnahmsweise war dies kein automatischer Weckruf. Der Nachtwächter unserer Anlage hatte offenbar die Aufgabe bekommen manuell, also praktisch händisch, alle Aufzuweckenden persönlich einzuladen das Land der Träume zu verlassen. In meinem Fall bedeutete dies das ich gerade vor dem WC stehend furchtbar erschrak als das Telefon neben dem Waschtisch schrill zu läuten begann und ich mich vor lauter Schreck nicht mehr so richtig darauf konzentrieren konnte ich welche Richtung ich pinkeln sollte. So irritiert hob ich rasch den Hörer ab bedankte mich höflich fürs erneute aufwecken und wünschte meinem Nachtwächter einen schönen Tag. Unter der Dusche entdeckte ich dann recht schnell, dass rechts nicht wie allgemein üblich das kalte sondere das warme Wasser zu finden war, fluchte lauthals versuchte den brennheißen Strahl der Dusche zu entrinnen und hatte erstmal genug.
Dann halt nicht dachte ich mir, trocknete mich ab und schnappte den bereitstehenden Fotorucksack plus Stativ. So gerüstet marschierte ich voller Hoffnung auf gutes Wetter und klare Sicht ans Ufer unserer kleinen Halbinsel um die Gipfel des Annapurna mit etwas Glück samt Spiegelung fotografieren zu können. Dutzende solcher Aufnahmen hatte ich im Internet schon gesehen und wusste das dies heute früh meine einzige Chance sein würde. Dies war genaugenommen der Grund wieso ich die Fishtail Lodge gebucht hatte, den nur von hier aus war es überhaupt möglich solche Aufnahmen zu machen. Am Ufer angekommen war es aber so dunstig, dass ich nicht einmal das andere Ufer sehen konnte, von der kilometerweit entfernten Bergen des Himalayas keine Rede. Da ich aber schon mal wach war und ich das Wetter nicht beeinflussen konnte machte ich trotzdem meine geplante Aufnahme und dachte mir insgeheim… Herr Photoshop wird’s nachträglich schon richten,.. hehe.
Da ich um 6:30 Uhr für meinen „Ritt auf der Kanonenkugel“ abgeholt werden sollte, blieb aber sowieso nicht rasend viel Zeit und pünktlich um &:20 Uhr stand ich mit allem was man so auf 4000m Seehöhe im Himalaya benötigt auf den Parkplatz am anderen Ufer der Fishtail Lodge, am Festland sozusagen ;-)
Also ich stand da, pünktlich wie ich anmerken möchte samt Winterklamotten und Kamera und Gyro Stabilisator bepackt und wartete…. Ich wartete und wartete….
Dann, nach etwa 15min fragte ich mich, ob meine Uhr korrekt auf die Nepalesische Zeitzone eingestellt war? Immerhin hat ja Nepal als eines der wenigen Länder eine ungerade Zeitverschiebung was die meisten Leser gelinde gesagt etwas verwirren dürfte. Plus 4 Stunden 45min macht sie nämlich aus, die Zeitverschiebung im Verhältnis zu Österreich, oder Deutschland. Wenn es z.B 12:00 Uhr mittags bei uns ist, ist es 16:45 Uhr in Nepal…. Unpackbar, gell? ;-) Muss sich ein Schlaumeier ausgedacht haben.
Nachdem ich also am Parkplatz mit Einheimischen meine Swatch zeitmäßig upgedated hatte war ich mir sicher, ich war pünktlich! Wer allerdings auch 30min später noch immer nicht da war, war Frau Deepti. Unbeirrbar stand ich aber da und wartete. Ich dachte mir,… ich bin bereit 300 USD für einen 90min Flug auszugeben, das wird sie sich wohl kaum entgehen lassen. Und so war es auch…. Mit nur 1 Stunde Verspätung kam Frau Deepti schlecht gelaunt und meinte sie hätte gröbere Probleme mit einem Amerikaner gehabt, der irgendwas nicht richtig verstanden hätte und ihr Probleme bereitet hätte. Wie auch immer. Mein Terminplan war somit im sprichwörtlichen Arsch zu Hause und selbst wenn der Annapurna immer noch da stand konnte ich mir mein Annapurna bei Sonnenaufgangs Traum Foto maximal aufzeichnen. Am Domestic Airport kam es dann noch besser, denn Frau Deepti versuchte, geschäftstüchtig wie Nepalesen nun mal so sind, mich von meinem Vorhaben den Flug nun trotz Verspätung doch noch durchzuführen, weil ja das Wetter so schlecht wäre und sowieso NULL Sicht zu erwarten sei. Nachdem ich ihr in aller Deutlichkeit erläutert hatte dass dieser Flug der einzige Grund meines Besuches in Pokhara ist brachte sie mich doch noch zum Hangar ihrer kleinen Airline.
Im Hangar stand jede Menge Personal herum und ein ergrauter netter älterer Herr stellte sich mir als MAX vor. Frau Deepti erklärte das es sich bei Max um einen russischen Ex-Kampfpiloten handelte welcher seit 10 Jahren Touristen mit ihrem Ultralight fliegt. Immerhin jemand mit Erfahrung dachte ich. Aber auch Max erklärte mir das heute kein guter Tag zum fliegen wäre…
Ist mir Scheißegal dachte ich, formulierte es etwas diplomatischer und nach weiteren 5 Minuten war meine Kamera und auch ich startbereit. Dazu möchte ich aber noch anmerken das es einer der heißesten Tage in Nepal überhaupt war. Wir hatten gut und gerne 32 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit das sich beinahe Weinbergschnecken angesiedelt hätten. Nachdem mir der Unterhelm und der Helm aufgesetzt worden waren überlegte ich kurz ohnmächtig zu werden kam aber nicht dazu, da ich bereits im „Flugzeug“ saß und mein Kreislauf trotz angelegter Winterkleidung ordentlich in Schwung kam. Der Rotaxmotor aus Österreich machte einen Höllenlärm und ich begriff dass ich mich zurecht vor diesem Abenteuer gefurchten hatte. Wir rollten bis ans Ende der Rollbahn dieses „echten Airports“ drehten um, Max kontaktierte den Tower, bat um Startfreigabe und los ging’s…. Der kleine Propeller gewann an Drehzahl, und bereits nach wenigen Metern reichte die Anströmung an den Tragflächen aus um uns in die Lüfte zu katapultieren.
Schnell kontrollierte ich zum 5-ten mal alle Einstellungen an meiner Nikon D2Xs sah durch den Sucher, machte ein Probebild, checkte die erzielbare Verschlußzeit und suchte nach geeigneten Motiven tief unten auf der Erde. Was mir sofort auffiel, war erstens die starke Vibration, welche der Motor hinter mir verursachte und zweitens der rapide Temperaturunterschied welcher mich daran erinnerte warum ich mir Lowepro Handschuhe gekauft und sogar angelegt hatte. Die Handschuhe erwiesen sich als gänzlich ungeeignet und so zog ich sie, obwohl es beißend kalt wurde aus und verstaute sie in meiner linken Jackentasche. Ein weiteres Problem mit dem ich unerwartet zu kämpfen hatte waren die vielen Stahlseile mit denen der Flächenschirm über uns mit dem Aluminiumgestellt des Ultralightfliegers verzurrt war.
Egal was ich fotografieren wollte, immer waren eines oder mehrere der Seile irgendwo im Bild, was höchst ärgerlich, aber nicht zu ändern war. Besonders der Umstand, dass man jedes sich bietende Objekt nur einmal in genau dieser Pose vor die Linse bekam und das nur für wenige Sekunden lang, machte die Sache nicht einfacher. Kombiniert mit den starken Vibrationen und dem Umstand das mein Scheiß Helmvisier dauernd von den 100km/h Fahrtwind auf den Body meiner Nikon klappte wenn ich durch den Sucher sehen wollte trieb mich dann bereits während der ersten 15min zur Verzweiflung. So lange hatte ich mich auf diesen denkwürdigen Tag vorbereitet, so lange hatte ich trainiert, 15kg abgenommen, war täglich 90min lang quer durch die Wälder meines zuhause gestapft um Kondition zu tanken. Und nun,… nun brachte ich es nicht einmal zustande durch den Sucher meiner Kamera zu blicken ohne das mein Helmvisier zweimal klapp, klapp machte. Es war zum heulen. Hinzu kam, dass die zunehmende Höhe es immer kälter werden ließ und der abstand zum Berg kontinuierlich abnahm, was ebenfalls in meinen Träumen so nicht einkalkuliert war. Ich musste also schnell das Tele-Objektiv, welches sich gerade auf meiner Kamera befand gegen ein Weitwinkel tauschen. Am Boden ist dies eine Sache von Sekunden wie jeder weiß, im Ultralight auf 3000m Höhe bei 0° Celsius, eingefrorenen fingern 90km/h Gegenwind und dem Hintergrundwissen, das alles was man aus den Fingern fallen lässt sich Zehntelsekunden später im Rotor, welcher genau hinter einem sprudelt wiederfindet ist dies eine echte Challenge.
Dies könnte mitunter auch der Grund dafür sein das Max dicke Winterhandschuhe wie zum Skifahren trug und es normalerweise streng verboten ist jedwede Gegenstände, welche sich in der Rotor verabschieden könnten an Board mitzuführen. Der Rotor ist nämlich kein guter Freund des Herrn Nikon und würde einen Aufprall eines 1 1/2kg schweren Objektives welches sich mit großer Geschwindigkeit in seinen Blättern wiederfindet nicht gutheißen. Mit diesen Gedanken und einer gehörigen Portion Respekt wechselte ich das Objektiv nun und hoffte dass mir nichts aus meinen klammen Fingern gleiten würde. Nachdem dies endlich erledigt war konzentrierte ich mich wieder auf meine eigentliche Aufgabe, dem fotografieren des Machupuchare und des Annapurna. Doch leider konnte ich außer riesigen weißen Wolkentürmen nicht viel erkennen. Max deutete auf den Höhenmesser und fragte mich nach meinem Befinden… wir waren 12.500 Fuß hoch, was 3600m entspricht und das Maximum dessen darstellt was er an Flughöhe mit Passagieren fliegen dürfe. Irgendwie erkannte er aber dass ich trotz widrigen Umständen zu allem bereit war und nachdem ich ihn anlog und erklärte mir ginge es gut, meinte er wir könnten probieren noch etwas höher zu gehen, .. falls… ich dies körperlich aushielte, immerhin saßen wir ja im Freien und hatten keinen Sauerstoff mit an Bord.
So kreisten wir weiter unter Ausnutzung jeder Thermik die wir erhaschen konnten und kamen nach gut 65min bis auf die unglaubliche Höhe von sage und schreibe 14.500 Fuß (4419m). Und wie durch ein wunder passierte es… die dichte Wolkenwand riss genau vor mir auf und vor meinen Augen kam plötzlich einer der höchsten berge dieser Erde klar und hinterlegt mit dunkelblauem Himmel zum Vorschein. Es war sensationell, ich in einem Fahrrad mit Motor unter uns die Wolkendecke und links von mir der Annapurna mit seinen 8100m. Nun war der Fotograf in mir gefordert. Ich wusste dass ich ein einziges unverwackeltes Bild schaffen musste, wenigstens EINS dachte ich mir. Also, .. keine Stahlseile im Bild…. Kamera gerade halten…. Lass den Gyro arbeiten, halt die Kamera verflucht noch einmal nicht so verkrampft du Idiot, ging es mir durch den Kopf.
Plötzlich fing der Motor zum knattern an, … dann stotterte er und nun war alles aus. Der Motor war ausgefallen !!! Ich versuchte mich nach hinten zu drehen und hoffte ich hatte nur mein Gehör verloren, doch zu meinem Schrecken stand der Propeller bereits still. Um Gottes Willen, der Motor war abgestorben….na SUPER. Und als wäre dieser Schock nicht genug drehte sich jetzt auch noch Max der Pilot zu mir um und sagte in seinem gebrochenen English: Sorry Sir, you are to heavy,.. no gasoline! Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen als ich diese Worte hörte, denn natürlich war mir in dieser Situation bei minus 15 grad auf fast 4500m Seehöhe nicht klar das sich diese Art von Flugzeugen auch sehr gut ohne Motor im Segelflug fortbewegen konnte. Zwar nicht gerade dort hin wohin man will, aber doch. Max grinste aber dann doch und erklärte mir das er den Motor bis an seine äußerste Grenze strapaziert hätte und ihm nun eine kurze pause gönnen wollte. Höher rauf ging’s nicht mehr sagte er und drehte sich wieder um. Nun hatte ich also wenige Sekunden Zeit meine Bilder zu machen bevor es kontinuierlich wieder runter ging.
Es war schon ein komisches Gefühl so alleine dort oben nahe den höchsten Bergen der Erde, in einem offenen Flugzeug sitzen zu dürfen, völlige Stille, nicht einmal der Wind machte große Geräusche als er mit 80km/h über die Kabine strich und ich nahm mir wenige Augenblicke um diesen außergewöhnlichen Moment zu genießen. Dann erinnerte ich mich wieder wozu ich hier rauf geflogen war und fotografierte weiter. Da ich mit meinen neuen Handschuhen kein Gefühl hatte und den ganzen Flug über, welcher schon 70min dauerte ohne geflogen war wurde jede Bewegung zum Glücksgriff, denn Gefühl hatte ich in meinen violett angelaufenen halb erfrorenen Finger nicht mehr viel.
Der Sinkflug ging dann recht schnell und ich musste lernen dass ich etwas vergessen hatte. Beim Aufstieg machte der Temperatursturz dem Equipment nicht viel denn von der Hitze in die Kälte bildet sich bekanntlich kein Kondenswasser. Anders ist dies aber, wenn man eine Kamera, welche fast eine Stunde bei minus 15 grad und 100km/h Wind im freien eingesetzt hatte binnen 15min auf 32 grad erhitzt. Das hat die Nikon nicht so besonders gerne kann ich euch sagen. Also die Kamera selbst war eigentlich das kleinere Problem, denn man sah halt einfach nix mehr durch den Sucher, weil alles beschlagen war. Die Objektive hingegen machten mir ernste Sorgen, denn sie waren von Morgentau überzogen als hätte ich sie mit unter die Dusche genommen. Das sah, am Boden angekommen nicht gut aus….
Die Landung war bilderbuchmäßig, Max für mich einer der besten Piloten und ich überglücklich wieder heil am Boden angekommen zu sein. Ich wusste zwar nicht ob auch nur ein einziges Bild zu gebrauchen war, was mir in dieser Sekunde beim Anblick meiner Unterwasserkamera und den Wasser auf den Linsen meiner beiden Nikkore auch sekundär war. Schnell reinigte ich alles so gut es ging verstaute alles im Fotorucksack, lud die Bilder welche Max von seiner am Flügel montierten Kamera von mir gemacht hatte und ließ mich, so voller Eindrücke von Frau Deepti zurück zum meinem Hotel bringen.
Am nächsten Tag ging es wieder retour nach Kathmandu.



