Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

8 Tage durch die Wüste

Teil 1:

Sand alleine macht noch kein Land aus!

Nach fast 30 Stunden Anreise aus Nepal kommend landete ich am 11.Juni 2007 um 8:40 Uhr Ortszeit auf dem kleinen überschaubaren Airport von Namibias Hauptstadt.

Es war angenehm warm und ich war überglücklich in wenigen Stunden endlich die Dünen der Namib Wüste mit eigenen Augen sehen zu dürfen. Die Abholung durch meinen Autovermieter "Caprivi Car Hire" funktionierte perfekt und bereits 3 Stunden später saß ich am Steuer meines Toyota Bushcamper und befand mich auf dem Weg Richtung Rehboth auf der B1, einer der wenigen asphaltierten Strassen des Landes. Was mir schon nach wenigen km auffiel war, dass es überall in Namibia sehr viel NICHTS gibt. Also eher weniger von dem was man bei uns so gewohnt ist. Das beginnt bei Strassen, geht nahtlos in Häuser, Dörfer, Städte über, welche es dort auch nicht gibt und hört damit auf das sogar jeder Fluss den man überquert zur Gänze ausgedörrt ist. Das einzige was einem auf der 6 Stunden dauernden Fahrt (ca.365km) von Windhoek, der Hauptstadt bis zum Sesriem Gate, meinem ersten Ziel begegnet, ist Landschaft und zwar in ihrer reinsten Form. Es gibt soviel Landschaft das die Tür nicht mehr zu geht. Also eigentlich gibt es NUR Landschaft, sonst NIX.

Dies mag sich jetzt für den einen oder anderen witzig anhören... ist es aber für jemanden der eine Autopanne unterwegs hat nicht wirklich. Denn nicht einmal Tankstellen gibt es hier in ausreichender Anzahl. Was aber keine Kritik, sondern nur eine Feststellung sein soll. Eine um genau zu sein fand ich auf dem ganzen Weg und wenn man bedenkt das die Fahrt praktisch den ganzen Tag dauerte ist die nicht gerade viel. Was auf der Strassenkarte wie eine Großstadt aussieht (rechteckig anstatt klein und rund eingezeichnet), entpuppt sich in der Praxis schnell als Tankstelle mit winzigem angeschlossenen Imbiß!

Nach meiner Ankunft am Sesriem Gate kurz nach Sonnenuntergang an diesem 11 Juni erlebte ich sofort, dass hier mitten in der Wüste, alles nach strengen Regeln ablief, also zumindest für uns Touristen. Da ich nämlich wie schon zuvor erwähnt erst kurz NACH Sonnenuntergang am äußeren Gate eintraf.... war die Tür zu!!!

Ein etwas mürrisch dreinblickender einheimischer Nachtwächter, welcher nur eine Aufgabe hat, nämlich das Gate zu bewachen, befragte mich nach meinem Begehr und stellte mir händisch einen Zettel aus welcher mir die Einfahrt gestattete. Ich bedankte mich höflich und fragte, ob es denn nun möglich sei das Gate in der Richtung aus welcher ich eben gekommen war, zum Abendessen auch gleich wieder zu verlassen, ohne anschließend meine Berechtigung den Schlafplatz aufsuchen zu dürfen wieder verlor? Er nickte nur und ich machte mich sofort auf den Weg zur Sussosvlei Lodge welche vom Gate aus in nur einer Minute mit dem Auto erreichbar ist.

Das Abendessen verlief unspektakulär, bis auf die Tatsache, das man mitten im Namibianischen Winter unterm Sternenhimmel bei vielleicht mal 8 bis 10 °Celsius draussen saß und es gegrilltes Zebra, Kudu, Oryx und Vogelstrausssteaks zum Essen gab. Durch Gasheizstrahler, welche neben jedem Tisch positioniert waren, wurde die Kälte jedoch erträglich und der unglaublich klare Sternenhimmel machte sogar ein normales Abendessen zur Sensation. Nachdem ich mich so eingewöhnt hatte ging es wieder zurück zum Campingplatz.

Ich fragte am Gate nochmals höflich welcher der Plätze nun wohl der meine wäre und bekam die Antwort das ich mich dort hinstellen sollte wo frei ist. Dies tat ich, nun bereits sichtlich gezeichnet von den Strapazen der letzten 2 Tage. Während ich alles zusammensuchte was mich während der eiskalten sternenklaren Nacht wärmen könnte, bemerkte ich das ich eine sehr wichtige Sache beim hektischen einkaufen in der Hauptstadt vergessen hatte... den Wecker, ich hatte vergessen mir einen Wecker zu kaufen und würde morgen früh garantiert verschlafen war mein Gedanke.

Die Nacht war eiskalt und pünktlich gegen 5:15 Uhr wachte ich (rein zufällig, oder weil mir halt so kalt in meinem Campingmobil war) frierend in meinem Schlafsack auf. Schnell die Schuhe angezogen und nichts wie hin zum Gate war mein einziger Gedanke. Der Toyota sprang sofort an und pünktlich um 5:45 Uhr war ich als allererster mit meinem Fahrzeug am inneren Gate. Was sich dann täglich kurz nach der Öffnung des Gates abspielt nannte ich ab dahin liebevoll die "Trottelralley".

Wieso Trottelralley?

Na ja, ganz einfach......erlaubt sind auf den nächsten asphaltierten 70km, welche wohlgemerkt so ziemlich die einzigen asphaltierten Strassen sind, welche einem in ganz Namibia jemals begegnen werden, 80km/h! Leider ist es aber erforderlich mindestens 120km/h zu rasen, will man rechtzeitig vor Sonnenaufgang beim Allrad-Parkplatz des Deadvlei's sein. Und das ist mehr als vertrottelt, denn mit einem Toyota Bushcamper 120 bis 140km/h zu rasen kann ganz leicht in einem Unfall gipfeln. Das ist, um es ganz deutlich zu sagen, idiotisch und lebensgefährlich. Und sollte jemand hier an meiner Aussage zweifeln steht es ihm natürlich frei dies vor Ort selber auszuprobieren.

Dort angekommen fragt sich der wissbegierige Tourist dann schnell wieso den Einheimischen gerade auf den letzten 4 km der Asphalt ausgegangen ist, denn genau diese 4km sind, durch tiefen Sand, eine perfekte 4x4 Strecke, welche nur mit Allradfahrzeugen bewältigt werden kann.

Nachdem man also eine halbe Stunde mit Vollgas mit seinem Allrad durch die Wüste gebrettert ist, bleibt man kurz stehen, stellt die Freilaufradnaben um, schaltet den Allrad zu und quält sich weitere 10 min quer durch tiefen Sand bis zum Parkplatz des Deadvlei, welcher durch ein winziges Schild aus Holz gekennzeichnet ist.Von diesem Parkplatz mitten in der Wüste, wo es außer einem dreckigen Plumpsklo nichts, aber wirklich gar nichts gibt (nicht mal einen Getränkestand, was so mitten in der Wüste vielleicht doch nicht so ganz verkehrt wär!) muss man nun die die letzten 1,1km zu Fuß in Angriff nehmen, was je nach körperlichen Verfassung und Gewicht des zu schleppenden Rucksacks mindestens 20 min aber bis zu 35min dauern kann, da man zwei durchschnittlich hohe Dünen bezwingen muss.

Auch der unbedarfte Leser erkennt an dieser Stelle schnell, dass all diese Strapazen das Erreichen der Dünen nicht umbedingt verschönern. Nun ist man, gesetzt den Fall das man bereits um 5 Uhr früh aufgestanden, die Trottelralley erfolgreich absolviert, ein Allradfahrzeug gemietet, den tiefen Sand durchwatet und schlußendlich auch noch zwei Dünen erklommen hat, angekommen..... angekommen in einem der lebensfeindlichsten Gebiete der Erde, dem berühmten Dead Vlei.

Wirklich interessant dabei ist vielleicht, das es in Wirklichkeit weit weniger spektakulär aussieht, als es sich auf den abertausenden Bildern welche man zu Hauf im Internet findet, darstellt. Aus der Luft gar, erkennt man es gar nicht würde einem der geschulte Pilot nicht extra darauf hinweisen. Es ist eigentlich, eine künstlich generierte Attraktion, welche den Touristen zugänglich gemacht wurde. Das beste Beispiel dafür ist das Sossusvlei. Der name "Sossus" hat seinen Ursprung in der Namasprache und bedeutet so viel wie "Sammelstelle für Wasser". "Vlei" (Vley) kommt aus dem Afrikaansen und bedeutet "Mulde, die in der Regenzeit mit Wasser gefüllt ist". Ein Vley, ganz egal wie groß, wird auch als Pfanne bezeichnet, wie zum Beispiel die Etoscha-Pfanne.

Dies bedeutet aber auch, dass jeder der das Sossusvlei zum erstenmal sucht, es wahrscheinlich gar nicht finden wird, auch wenn er bereits mitten drin steht, denn eine leere Lehmpfanne in der halt nix is... ist nicht großartig spektakulär anzusehen. Dieser Umstand veranlasste mich am ersten Tag meiner Wüstenwanderungen dazu die Düne welche das Sossusvlei umgibt zu erklimmen, was unter uns gesagt eine meiner dümmsten Ideen war. Nicht nur, das es sehr müsam ist durch den tiefen Sand entlang dem Kamm der Düne selbige zu erklimmen, ist sie auch noch so hoch wie ein durchschnittliches Hochhaus. Anders ausgedrückt, die zweihundert Meter Höhenunterschied bis man am "Gipfel" der Düne angekommen ist kosten viel Schweiß welcher einzig durch einen grandiosen Ausblick belohnt werden. Keine Hütte auf welcher man sich laben könnte und keine Bank auf der ausrasten möglich wäre. Einzig die gnadenlos herabbrennede Sonne und viel Sand darf man dort angekommen erwarten. Ich erkannte eben auch erst auf erwähnter Düne, dass das gesuchte Sossusvlei zu meinen Füßen lag und ich es vom Parkplatz aus kommend unwissentlich durchschritten hatte auf meinem Weg zum Gipfel der Düne. Nun stand ich also da.... völlig erschöpft von der Stunde Aufstieg, todmüde und ich wollte nur mehr sterben. Dabei war ich gerade erst angekommen und wollte gute Fotos machen.

Es war also an der Zeit mir einzureden wie schön diese einmalige Situation denn nicht sei und das schwere Gitzo (mein Stativ) welches ich Idiot immer mitschleppte, aufzustellen und endlich mit dem zu beginnen wegen dem ich da war.... dem fotografieren.

Nur um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen.....

Selbstverständlich ist es etwas ganz Besonderes persönlich vor Ort zu sein zu dürfen und all dies erleben zu können. Nur muss man halt bei all seiner Verliebtheit in ein Land auch realistisch bleiben finde ich.

Ein Beispiel:

Würden wir Österreicher unsere Wintersportler mit einem ähnlichen Service beglücken wie es hier in Namibia geschieht müsstet ihr eure Ski selber auf den Berg rauftragen und euch eure Getränke selber mitnehmen. Denn mal ganz ehrlich... solche Berge sollten nicht mit häßlichen Liftanlagen verschandelt werden, oder? Auch würde ich verbieten Hotels innerhalb der Bergregionen bauen zu lassen. Touristen sollen gefälligst 74km jeden Tag anreisen wenn sie Skifahren wollen. Das ist doch klar und keiner wird etwas dagegen sagen,... oder etwa doch?

Kann es sein, dass hier... weil es sich um Afrika handelt gänzlich andere Maßstäbe angelegt werden?

Natürlich erwartet niemand Liftanlagen zu den Dünen, keine Frage. Nur kann man doch etwas Intelligenz beim Öffnen des Gates erwarten. Denn mal ganz ehrlich.. es ist um 5:45 Uhr genauso stockdunkel wie eine halbe Stunde vorher, da gibt es also keine plausible Erklärung dafür warum man jeden Fotografen und all die tausenden anderen dazu zwingt mit Vollgas durch die Dünen zu rasen, nur um rechtzeitig (vor Sonnenaufgang) dort anzukommen.

Da ich aber nunmal nicht in der Namib Wüste mein zweites Zuhause gefunden habe, sondern sie nur als Tourist einmal besucht habe erlaube ich mir, alles etwas kritisch und nicht durch die rosarote Brille zu betrachten. Was aber nicht heißen soll das ich es deshalb weniger genossen hätte, nein.. ich habe nur die unangenehme Eigenschaft alle Dinge zu hinterfragen und zwar nicht nur in Namibia. Da fällt einem dann schon auf wenn Ausreden wie... in einem Nationalpark dürfen keine Lodges gebaut werden, laut ausgesprochen werden. Hinterfragt aber keiner. Ist ja auch viel schlauer alle Touristen täglich 150km fahren zu lassen. Das hilft der Umwelt im Nationalpark mächtig. ;-)

Auf den Kruger National Park umgelegt würde das bedeuten... keine Lodges innerhalb des Parks! Na Mahlzeit.. das will ich sehen.

Nun aber Schluss mit der Kritik und los mit dem Abenteuer....ich war also da... in der berühmten Namib Wüste.

Tausende Fotos hatte ich von diesen Dünen bereits gesehen und wusste deshalb was ich nicht mehr zu versuchen brauchte. Speziell die berühmte Düne 45 war mir ein Dorn im Auge und ich versprach mir heimlich sie nicht zu fotografieren. Wen zum Teufel interessiert denn heutzutage noch ein Foto der Düne 45????

Kaum ein Objekt auf der Welt ist so oft und auch so gut in Szene gesetzt worden wie diese relativ allein stehende riesige Sanddüne. Nicht das sie nicht sehenswert wäre, nein... nur muss man doch nicht deshalb weil die Zufahrt zu allen anderen genauso sehenswerten Dünen versperrt ist nur die eine ablichten, oder? Genau! Also beschloss ich für mich selbst, alle anderen Dünen, aber bloß nicht diese eine zu fotografieren ;-)

Dies ist auch gar nich so schwer, denn Motive gibt es auf den 74km vom Gate bis zum Vlei wahrlich genügend. Auch wenn Sterndünen die Landschaft entlang des Sossusvlei-Tals beherrschen sind vereinzelt herumstehende abgestorbene Kameldornbäume eine willkommene Abwechslung. Diese Bäume sind stumme Zeitzeugen einer wasserreichen Vergangenheit. Hin und wieder tauchen am Straßenrand dann sogar vereinzelt Strausse und Oryxantilopen auf, welche man mit etwas Glück und einem großen Teleobjektiv sogar fotografieren kann. Leider ist die Fluchtdistanz dieser Tiere recht groß und so muss man schon etwas Glück haben um sie so ablichten zu können.

Am Abend des ersten Tages war ich trotz Dünenbesteigung und einigen netten Bildern doch eher entäuscht. Zu groß war meine Erwartungshaltung gewesen und obwohl das Wetter nicht besser hätte sein können konnte ich mich mit diesem unwirtlichen Ort nicht wirklich anfreunden. Ich fragte mich was normale Touristen wohl hierher ziehen könnte? Denn die wenigsten Leute denen ich begegnete waren Fotografen,.. okay alle haben heutzutage Digitalkameras, stimmt schon... nur können auch immer weniger Menschen damit umgehen. Früher zu "Analog-Zeiten" musste man Filme kaufen und die Bilder anschließend entwickeln und ausarbeiten lassen, was Geld kostete. Da überlegte man noch was es wohl Wert sein könnte abgelichtet und zuhause gezeigt zu werden. Aber heute verschwendet keiner mehr einen Gedanken daran seit fotografieren "nur mehr" Speicherplatz belegt und scheinbar nix mehr kostet.

Nach einer Flasche Südafrikanischen Shiraz und einer sehr kurzen Nacht wachte ich dann wieder pünktlich und frierend um 5 Uhr auf. Als zweiter am Gate kam ich wieder zeitgerecht am Parkplatz vor der Allradstrecke an, stieg kurz aus um die Radnaben umzustellen und wunderte mich das die beiden vor mr gestarteten plötzlich aus ihrem Fahrzeug sprangen und wie wild auf mich zuliefen. Es stellte sich schnell heraus das auch sie pünktlich zum Sonnenaufgang im Deadvlei sein wollten, aber kein Allradfahrzeug mehr bekommen konnten. Natürlich sind die Einheimischen zu dieser Zeit noch nicht dort um Touristen abzuzocken und die letzten Kilometer gegen Bezahlung zum Ziel zu bringen. Die kommen dann wenn alles vorbei ist.. schön langsam halt.

Nett wie ich nunmal bin, nahm ich das Spanische Pärchen, welche ihren Hochzeitsurlaub hier verbrachten...??? gerne mit. Am Parkplatz des Deadvlei gab ich ihnen noch eine große Flasche Wasser, welche sie natürlich in der Hektik beim verlassen ihres Fahrzeuges vergessen hatten. Danach marschierten wir gemeinsam Richtung Deadvlei und verliefen uns prompt. Nach der zweiten erklommenen Düne war ich kurz vor dem Infarkt und am überlegen ob ich nicht besser einfacher zu erreichende Dinge fotografieren sollte. Gestern nach 36 Stunden Anreise die 300m hohe Düne hinter dem Sossusvlei, heute zwei kleine Dünen und kein Deadvlei in Sicht... ich war milde gesagt etwas entnervt und am Ende meiner Kräfte.

Am Kamm der zweiten Düne blieb ich stehen und der nette Spanier schickte seine Frau voraus um die Lage zu sondieren und mir zu berichten ob das gesuchte Deadvlei hinter der nächsten Düne läge.... nach ein paar Minuten kam dann die Nachricht .... JA, wir sind richtig gegangen. Erleichtert schleppte ich die 21kg Fotogepäck am Rücken plus das schwere Gitzo G 1549 MK II mit letzter Kraft über die nächste Düne und war, endlich am Ziel angekommen. Mit einem Umweg von einer mittleren Düne zwar, aber immerhin.. ich war da, ... im berühmten Deadvlei. Da stand ich nun, völlig entkräftet von den Strapazen der letzten Tage, glücklich hier zu sein, war es nun an der Zeit sich wieder zu motivieren, denn... die Sonne war nun bereits aufgegangen und ich wusste das die Zeit für coole Fotos nicht lange andauern würde. Also musste ich mich zusammenreißen. Schnell einen großen Schluck aus meiner Wasserfalsche genommen und das Stativ aufgebaut. Ein hübsches Motiv zu finden ist hier wahrlich nicht schwer, nur ist halt alles schon totfotografiert. Kaum ein Baum welcher nicht schon millionenfach aus jeder nur erdenklichen Perspetive abgelichtet wurde in den letzten 30 Jahren.

Eine gute Idee musste also her.... wie konnte ich die abgestorbenen Bäume in Szene setzen und die Menschen zuhause mit dem Ergebniss hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorholen...? Sicher nicht mit einem normalen Weitwinkel oder einem leichten Tele, soviel war klar. Es musste eine ganz extreme Perpektive sein. Ich probierte also das neue Fisheye aus und erkannte, dass interessante Ergebnisse machbar waren. Auch ohne der möglichkeit Filter einsetzen zu können war der Himmel so blau das es selbst durch den Sucher schon unrealistisch gesättigt aussah. Eine nachträgliche Verstärkung der Farbsättigung wird wohl nicht notwendig sein, war mein erster Gedanke.

Da ich zu faul gewesen war selber zu grillen, oder zu kochen beschränkte sich mein Besuch auf dem Campingplatz in Sesriem rein auf das übernachten und duschen. Okay,.. getankt hatte ich auch dreimal, aber das wars dann auch schon. Was mich dann doch etwas nachdenklich stimmte war die Frage der Rezeptionistin der Sossusvlei Lodge am letzten Tag kurz vor meiner Abreise zu mittag. Lächelnd sah sie mich an und fragte freundlich... "and,.. what do you think about our country?"....

Etwas verwundert sah ich sie an und machte einen Witz: excuse me,...which country?

Namibia! ...kam die entgeisterte Antwort sofort zurück.

Ich versuchte ihr dann in bestem Englisch zu erklären das mehr als Dünen und Hitze untertags und Kälte in der Nacht für mich dazugehören um von einem Land sprechen zu können. Die Sandkiste in meinem Garten ist schließlich auch kein autonomer Staat!

Scherz beiseite.. als Landschaft lasse ich Namibia gerade noch durchgehen... für ein Land fehlen mir hier einfach die Menschen und die Dörfer, welche ich in den ersten 4 Tagen einfach wirklich nicht gesehen hatte. Was wie ich ehrlicherweise jetzt im nachhinein zugeben muss, vielleicht an der Auswahl meines Reiseziels, dem Sossusvlei gelegen haben mag. Egal..

Bei meiner Abreise aber, relativierte sich vieles was ich zuvor bemängelt hatte. Das tolle Wetter tat das seine dazu und meine Bemühungen waren auch von Erfolg gekrönt gewesen. Nun konnte ich, überglücklich über die Ergebinsse weiterreisen. Ich hatte ja nicht nur Sand und Dünen gesehen, da waren auch noch die Oryx Antilopen und Strausse und viele nette Menschen welche mir unterwegs durch Zufall begegnet waren dabei.

Also packte ich meine Sachen, tanke mein kleines Wohnmobil auf und machte ich mich auf den Weg Richtung Blutkuppe.

 

Teil 2:

Mein Toyota verendet mitten in der Wüste

Wie schon so oft machte ich auf der normalerweise nicht mehr als 3 oder 4 Stunden dauernden fahrt den Fehler zu oft stehen zu bleiben und mich der Fotografie zu widmen. Je näher ich dann der Blutkuppe kam, desto später wurde es und mir wurde schnell klar das ich es wieder nicht vor Sonnenuntergang schaffen würde. Da waren einmal herrllich anzusehende Berg-Zebras...

 

Dann erspähte ich in großer Entfernung eine Herde Oryx...

Etwa gegen 16:50 Uhr war ich dann endlich auf der C28 welche von Windhoek nach Sakopmund führt. Dort nahm ich dann die Abzweigung auf welcher "Tinkas" geschrieben steht. Von dort geht es Richtung Blutkuppe... theoretisch jedenfalls!

Praktisch hat mein Toyota den Geist etwa 15km von dieser Abzweigung entfernt aufgegeben, was weniger lustig war. Und zwar während der Fahrt bei 60 km/h!! Mit Entsetzen blickte ich auf das Armaturenbrett und sah alle Lämpchen aufleuchten... langsam rollte ich auf der rumpligen Schotterpiste aus und parkte, mitten auf der einspurigen Allradpiste. Das erste was mir durch den Kopf ging war... SCHEISSE.....BITTE NICHT, DAS GIBTS DOCH NICHT.... LASS DAS JETZT NICHT WAHR SEIN LIEBER GOTT....BITTE!

Voller Hoffung das es nur ein Alptraum gewesen wäre schloß ich für einen Moment meine Augen und drehte den Zundschlüssel..... der Anlasser griff und ich hoffte auf ein Wunder... welches an diesem Tag nicht passieren sollte. Voller Verzweiflung stieg ich aus und überlegte mir was nun zu tun sei. Immerhin war es kurz vor Sonnenuntergang und ich wusste das auf dieser Allradstrasse auf der man sogar ein Permit braucht vielleicht mehrere Tage lang kein Mensch durchkommen würde. Also öffnete ich schnell die Motorhaube, suchte solange es noch Tageslicht gab die Bedienungsanleitung und suchte soweit ich mich auskannte nach offensichtlichen Fehlerquellen. Wie's der Teufel so wollte, fand ich natürlich nichts, weder eine defekte Hauptsicherung, noch andere Mängel welche zu dem apruppten aussetzen des Motors hätten führen können.

So entnervt stand ich also da.... Mutterseelen allein und ohne Satelitentelefon... Shit, dachte ich mir erneut, wieso muss so eine Scheiße gerade mir passieren, wieso mir? Die Sonne war gerade dabei hinter dem Gebirgskamm welcher vor mir lag Blutrot unterzugehen und ich dachte keine Sekunde daran meine Kamera von hinten aus dem Fahrzeug zu holen um zu fotografieren. Tausend andere Gedanken gingen mir durch den Kopf.... hatte ich genug Wasser mit..... was ist noch zu essen übrig.... wie lange wird wohl die Batterie reichen.... und wie zum Henker soll ich Hilfe rufen?????

Nach einer halben Stunde und vielen Überlegungen beschloß ich, mich erstmal hinten in meinen Toyota zu setzen und ein Bier zu trinken. Nach dem ersten Windhoek Lager genehmigte ich mir noch eine zweite Dose und schrieb meine Gefühle in mein Tagebuch. Dann fasst ich den Entschluss morgen früh, gleich nach Tagesanbruch, retour zur Hauptstrasse zu wandern und auf Hilfe zu warten. Dagegen sprach, das mir die Leute von Caprivi gesagt hatten ich sollte das Fahrzeug unter keinen Umständen unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen, da es mit großer Wahrscheinlichkeit binnen kürzester zeit gestohlen werden würde..... keine rosigen Aussichten also, dachte ich mir.

Was mir aber mehr als alles andere zu schaffen machte, war die Tatsache das ich aufgrund der später Stunde und der Hetzerei bei der Anfahrt zur Blutkuppe keine Ahnung mehr hatte wie weit die Hauptstrasse hinter mir lag... waren es 5km....10km oder doch schon 25km???? Dies beschäftigte mich insofern, als ich nicht wusste wielange ich zu Fuß bis zur Strasse brauchen würde und was ich machen würde, wenn dort dann kein Fahrzeug durchkommen würde... denn dann musste ich vielleicht den ganzen weiten Weg wieder retour gehen bevor es am nächsten Abend finster wird. Mit diesen Gedanken schlief ich dann irgendwann ein und wachte wie von Geisterhand geweckt, pünktlich zum Sonnenaufgang auf.

Zuerst wollte ich sofort los... so unangenehm war mir die ganze Situation, dann aber überlegte ich nochmal und mir wurde klar das ich außer dem ganzen Wecken Brot den ich gestern vor der Abreise im Sesriem Camp gekauft hatte, den ganzen Tag vielleicht nichts mehr zum essen bekommen würde.. also machte ich mir Eier mit Speck und aß etwas trockenes Brot dazu. Der Nescafe erinnerte mich dann schnell daran das es im Umkreis von.... einigen Quadratkilometern kein WC gab und brachte mich erstmalig in eine, sagen wir es mal vorsichtig... komische Situation, konnte man doch hier auf der Anhöhe kilometerweit sehen, also auch mich ;-)

Nachdem ich dann meinen Fotorucksack geleert hatte und statt teurem Equipment drei Wasserflaschen, den Wecken Brot, eine Tube Sonnencreme und eine Rolle WC-Papier eingepackt hatte, machte ich mich, warm angezogen auf den langen Weg. Ich hoffte es würden nur wenige Kilometer sein und ich müsste mein Fahrzeug nicht aus den Augen verlieren.... doch es dauerte fast 3 Stunden bis ich am Schild Tinkas angelangt war!! Drei endlose Stunden Fußmarsch mit meinem Rucksack. In meiner Hektik und der Aufregung hatte ich nicht nur alle Fotos (in Form von Festplatten), nein, sogar meinen Reisepaß und all das Geld im Safe des Fahrzeuges gelassen (bis auf meine Brieftasche welche ich immer bei mir trage).

An der Hauptstrasse angekommen, musste ich dann zu meiner Verwunderung feststellen, dass kein einziges Fahrzeug diese angebliche Hauptstrasse (die C28 sollte laut Karte eine solche sein) passierte. Neben der Hauptstrase auf einem Markierungstein sitzend, wartete ich dann 5 Stunden lang bis das erste Fahrzeug.... an mir vorbei fuhr.

Ich hätte heulen können. Meine Nerven lagen blank, es war verflucht heiß geworden zu Mittags und das ganze Wasser half nichts wenn man nicht wusste wieviel man trinken durfte. Endlich... 5 min später das nächste Auto... und es hält an, viel zu spät, weil es nicht mit einem winkenden schreienden Touristen am Wegesrand gerechnet hatte, aber immerhin. Es war ein Pärchen aus Frankreich, welches auf meine Frage ob sie mir ihr Handy leihen könnten meinten das dies kein Problem wäre, es aber hier keinen Empfang geben würde..... was tatsächlich so war.

Als der Franzose dann meinte er hätte für solche Notfälle vor zwei Jahren ein Iridiumtelefon angeschafft, welches er selber Gott sei Dank noch nie benötigt hätte, war meine Erleichterung unglaublich groß. Er borgte mir das Telefon und ich brauchte sage und schreibe 9 Minuten und 2 Sekunden um den Leuten von Caprivi Car Hire am Telefon verständlich zu machen wo ich mich gerade befinde. Und das obwohl wir auf Deutsch kommunizierten!!!

Das Poblem dabei ist nämlich wie mancher aus eigener leidvoller Erfahrung vielleicht wissen dürfte, man muss wissen wo man sich befindet und dies dem anderen auch gut erklären können, denn nur dann kann der Retter seinen Patienten auch finden. Nach dem Telefonat war ich einigermaßen erleichtert und konnte mein Zwiegespräch mit den Steinen, welche ich am Wegesrand gefunden hatte (einen Rosenquarz stellvertretend für meine Tochter und einen weißen Quarz für meine Frau) beenden. Die netten Franzosen ließen mich auch auf mein Drängen das Gespräch nicht selber bezahlen und fuhren davon....

Dann dauerte es nochmals gut und gern 3 1/2 Stunden bis die beiden Fahrzeuge von Caprivi bei mir waren. Auf der Fahrt zu meinem Toyota nahm mir der Fahrer von Caprivi dann noch jegliche Hoffnung das der Toyota noch dort stehen könnte an dem ich ihn zurück gelassen hatte. Meine Furcht das die Ausrüstung, plus Fahrzeug, Geld, Paß und all der Fotos weg sein könnte war plötzlich sehr real und unglaublich bedrückend. Mir gingen alle möglichen Dinge durch den Kopf und die Fahrt wurde zum Alptraum schlechthin... bis ich in weiter Ferne endlich etwas erspähte was wie MEIN Toyota aussah.

Dort angekommen war mir klar was für ein Glück im Unglück ich noch gehabt hatte und versuchte alle verrückten Gedanken der letzten 24 Stunden schnell beiseite zu schieben. Der Versuch des Mechanikers mein Fahrzeug wieder in Gang zu bringen scheiterte dann kläglich und nachdem ich alles in den frischen Bushcamper umgeräumt hatte, ging die Fahrt für mich endlich weiter.

Die nächsten 3 Stunden bis Swakopmund waren die reinste Erholung. Zwar nicht asphaltiert, aber immerhin funktionierte mein Toyota .... mehr kann man vom Leben nicht erwarten, oder? ;-)

In Swakopmund hatte ich dann das Gefühl in eine andere Realität einzutauchen. Palmen säumten die Hauptstrasse zu beiden Seiten, Tankstellen soweit das Auge reicht, unzählige Geschäfte und Boutiquen, viele Menschen auf den Strassen.... einfach großartig, bedrückend unrealistisch aber großartig.

Sofort fuhr ich zu einer der Tankstellen und wurde von 5 Einheimischen umringt welche allesamt wissen wollten woher ich kam, wohin ich fahren wollte und überhaupt... das Hansa Hotel war dann auch recht schnell gefunden und nach dem einchecken freute ich mich wie ein kleines Kind auf eine heiße Dusche. Mindestens eine halbe Stunde lang stand ich in der Badewanne und wusch den Sand von meinen müden Knochen.

Dann freute ich mich auf ein gutes Abendessen und wollte an der Rezeption nachfragen wo ich denn hier gut (deftig) Abendessen könne... da kam mir die nette Dame an der Rezeption zuvor und meinte das "Scenic Flights" mehrmals angerufen hätten wo ich denn abgeblieben sei???

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen... SHIT... ich hatte durch die 24 Stunden blöd herumwarten und fürchten in der Wüste doch glatt meinen gebuchten Rundflug über der Namibwüste vergessen und auch versäumt. Also pilgerte ich reumütig zum Büro der Fluggesellschaft und erklärte der netten Damen dort, was mir zugestossen war. Nach kurzer Beratung mit dem jungen Piloten (25 Jahre alt) beschloss ich den Flug auf den nächsten Tag zu verschieben. Er versprach mir, mich pünktlich um 5:30 Uhr abzuholen.

Anschließend pilgerte ich zu Fuß in das Bräuhaus, oder Brauhaus... ein Deutsch angehauchter Alkoholikertreff für Eingeheimischte Urlauber. Dort konnte ich dann herrliches Paulaner in 0,5l Gläsern geniessen, was meine Stimmung nach dem "fast ableben" in der Wüste beträchtlich hob. Einen Schweinsbraten und drei Bier später machte ich mich dann auf in einer der "für Touristen sicheren Bars" (Tipp der Rezeptionisten meines Hotels nach viertelstündiger gemeinsamer Beratung!!). Wobei ich betonen möchte das es sich um keine anrüchige Bar sondern nur um ein Etablissement gehandelt hat wo Musik gespielt wird, man tanzen kann und Leute sich an der Bar zuschwabben. Also normale Aktivitäten, unter Standard-Alkoholikern halt ;-)

Dort war aber zu so früher Stunde außer mir und ein paar besonders "Lustigen" Kellnern niemand da und so verließ auch ich nach dem einen oder anderen kleinen Bierchen das Lokal und begab mich in ein weiches herrlich duftendes Bett. Es kam mir vor als wäre ich auf einer Wolke im Himmel,... nachden letzten 4 Nächten im eiskalten Toyota. Endlich fühlte ich mich wieder wie ein Mensch....

Teil 3:

Der Flug über der Namib

5:00 Uhr..... stockfinstere Nacht... das Telefon läutete.... völlig orientierungslos griff ich zum Hörer und hatte keine Ahnung auf welchem Planeten ich gelandet war. Wie in Trance bedankte ich mich beim automatischen Weckruf für die unchristliche Aufweckung.

Nachdem ich den Hörer zielgenau am Nachkästchen vorbei auf den Boden geschmissen hatte, wurde mir klar, das die nächsten beiden Dinge die ich zu erledigen hatte, im Badezimmer beheimatet waren. Erstens das WC und zweitens ein Alka Seltzer gegen meine Bierallergie. Nach der heißen Dusche und frischen Klamotten gings es mir zwar nicht besser, aber ich sah zumindestens wieder aus wie ein Mensch... also von außen praktisch. Gut das ich meinen Fotorucksack bereits am Vorabend gepackt hatte, dachte ich mir insgeheim und überlegte kurz ob auch wirklich alles drinnen ist....

Dann schnappte ich die 20kg plus Stativ, ging aus dem Zimmer, sperrte die Tür zu... schlafwandelte zur Rezeption, sah runter zu meiner rechten Hand, fragte mich was ich im Flugzeug mit dem Stativ anstellen wollte, marschierte angefressen über meine unglaubliche Dummheit wieder retour zum Zimmer und wunderte mich wieso ich keinen Zimmerschlüssel mehr hatte..... ach ja,.. den hatte ich an der Rezeption bereits abgegeben... also wieder zurück zur Rezeption, Schlüssel geholt, ein weiteres mal zum Zimmer gepilgert, Stativ reingeschmissen und wieder quer durch den Garten zur Rezeption. Der nette Nachtwächter, welcher die Palmen im Garten bewachte, beäugte mein Traummännleinhaftes herumirren argwöhnisch, liess sich aber nicht zu einer Frage hinreissen. Er beobachtete mich und wunderte sich nur.

So hatte ich unfreiwillig nun meinen Kreislauf auch wieder in Schwung gebracht und der Pilot wartete samt Fahrer bereits vor der Glasschwingtüre des Hotels, welche ich zielstrebig fast zerstört hätte als ich versuchte sie mit meinem Kopf zu öffnen. So im VW-Bus angekommen war der ganze Tag eigentlich bereits gelaufen und ich brauchte die 35min welche wir bis zum Flughafen fuhren, um mich wieder zu regenerieren.

Dort angekommen war ich froh mitansehen zu dürfen wie der Pilot "sein" Flugzeug auf Herz und Nieren überprüfte. Ich verstaute meinen Rucksack im Inneren der Maschine, ging rund um die kleine einmotorige Csessna und wollte der Piloten gerade fragen wann es losgehen würde... als ich plötzlich eine Ladung Kerosin im Gesicht hatte und der Pilot sich höflich für das Missgeschick entschuldigte... er prüfte gerade wie voll die Tanks in den Tragflächen wären, sagte er.... mich hatte er in diesem Moment nicht unter der Tragfläche vermutet! Auch schon egal dachte ich mir... schmeckt gar nicht so übel.....

Nachdem dann alle Sicherheitschecks erledigt waren, überprüfte er den Innenraum auf Skorpione und Schlangen welche, sich während der Nacht in der das Flugzeug im Freien stand wegen der fehlenden rechten Tür im Flugzeug seßhaft gemacht haben könnten, meinte jedenfalls der Pilot ???

5 Minuten nach Sonnenaufgang hoben wir dann mit leichter Verspätung (15min vor Sonnenaufgang lautete sein Versprechen) ab und flogen Richtung Sossusvlei.

Die nächsten 45 min, solange dauert es nämlich bis man vom Flughafen in Arandis bis zu den Dünen kommt, wurde mir bewusst, dass eine Einmotorige Csessna lauter als jedes andere Lebenwesen ist. Sie war sogar so laut, dass ich, obwohl wenig empfindlich nach 6 Bier am Vorabend, richtige Schmerzen in meinen Ohren verspürte. Der Pilot bemerkte mein unwohlsein und empfahl mir kleine Papiertaschentuchschnipsel zusammengerollt in meine Ohrwascheln zu stopfen, was ich umgehend versuchte. Leider kalkulierte ich beim ersten Versuch den Wind nicht mit ein der mit gut 200km/h ins Innere der offenen Maschine gepeitscht wurde. So war das erste Taschentuch, welches mir der Pilot liebevoll reichte, ein Opfer des Orkans, welcher mir ins Gesicht wehte. Beim zweiten Anlauf war ich dann dementsprechend vorsichtiger und schaffte es wirklich den allgemein vorhandenen Geräuschpegel um gute 30dB zu senken, was dann doch weit unterhalb meiner Schmerzgrenze lag.

So gewappnet sah ich nie gesehene wundervoll unrealistische Landschaften von denen ein Fotograf wie ich normalerweise nur träumen kann

Wenige Minuten nachdem wir diese Gebirgskette überflogen hatten zeigte mir der aufmerksame Pilot dann den Platz wo der Flug des Phönix gedreht wurde, zumindstens aber die letzte Szene wo er sich von den Klippen in die Luft erhob. Ist schon Atemberaubend so etwas selber aus einem offenen Flugzeug sehen zu können.

 

Während der Pilot die großen Dünen der Namib nahe dem Sossusvlei zielsicher mittels GPS ansteuerte, hielt ich Ausschau nach interessanten Sandformationen und versuchte selbige mit dem AF-S VR 70-200mm plus meinem Kenyon Gyro-Stabilisator scharf und unverwackelt in Szene zu setzen.

Dies ist von ebener Erde aus schon schwierig, aber auch aus einem schnell bewegtem Flugzeug eine wahre Herausforderung wie ich schnell feststellen musste, denn.... kaum sieht man etwas, ist es auch schon wieder weg... die 200 bis 250km/h welche so ein Kleinflugzeug fliegt fordern halt ihren Tribut, immerhin will man ja auch weiterkommen, ... zum eigentlichen Ziel, dem Sossusvlei!

Unterwegs experimentierte ich dann noch mit meinem Fisheye, was mitten über den kleinen Dünen so aussah...

Nach 3 Stunden über der Wüste, welche tatsächlich wie im Flug vergangen waren, traten wir dann den Heimweg Richtung Swakopmund an und landeten dort fast 4 Stunden nach unserem Start in Arandis gegen 10:00 Uhr. Froh dieses Abenteuer heil überstanden zu haben hoffte ich auf scharfe Bilder und ließ mich, noch immer im Freudentaumel über das gerade erlebte, vom Piloten zum Stadtbüro des Verwanstalters kutschieren. Dort kam der weniger lustige Teil, das bezahlen. Danach aß ich noch schnell etwas im garten des Hansa Hotels, überspielte die 30GB an Daten, die ich während des Fluges zusammengesammelt hatte und bereitete mich geistig auf meine nächste Etappe vor. Heute ging es Richtung Erongo Berge zur Ai Aiba Lodge.

 

Teil 4:

Die Erongo Berge

Auf der Fahrt zu den Erongo Bergen hatte ich, aufgrund meiner Erlebnisse der letzten Tage kein gutes Gefühl. Zu tief saß der Schock und zu frisch waren die Erinnerungen an "Tinkas" wo ich 2 Tage zuvor mit dem Toyota liegen geblieben war. Extra vorsichtig fuhr ich nun auf den Schotterpisten abseits der asphaltierten Strassen. Ich blieb auch nicht mehr bei jedem hübschen Felsen stehen um mein Stativ herauszukramen und zu fotografieren, nein ich war geläutert und hatte den nahenden Sonnenuntergang und die noch zu bewältigende Strecke im Auge. Heute nicht, dachte ich mir, heute sicher nicht nochmal. Ich versprach mir quasi selbst, dass mir so ein Missgeschick nicht mehr passieren dürfte, als hätte ich es verschuldet...???

 


 

Und trotz oder gerade wegen meiner wesentlich vorsichtigeren Fahrweise, ich bretterte nun nicht mehr mit 120km/h über die Schotterpisten wie vorher, kam ich erst wenige Minuten vor Sonnenuntergang bei der Ai Aiba Lodge an. Dort wurde ich sehr freundlich empfangen und ich bezog, wie schon so oft in diesem Urlaub, ein wunderschönes Zimmer. Diesmal war es die Hälfte eines runden riesigen gemauerten Bungalows mit Strohdach, welcher sich harmonisch in die Felslandschaft einfügte. Überhaupt hatte ich hier das Gefühl, das sich ein besonders schlauer Architekt und jemand mit dem nötigen Kleingeld gefunden haben musste, denn die außergewöhnliche Lage, plus dem gediegenen Ambiente waren selbst für mich, einem wahrlich verwöhnten Hedonisten nicht selbstverständlich.

Wie schon an allen anderen Tagen war der Himmel so blau gewesen, dass es einem sowieso keiner jemals glauben wird können dachte ich mir auch an diesem Abend wieder. Nur wenige Minuten nach meinem eintreffen, eigentlich hundemüde von den letzten 4 Stunden in meinem Toyotamobil, schnappte ich mir meine Nikon samt schwerem Gitzo und fotografierte Rock dassie's auf von der untergehenden Sonne dunkelrot gefärbten Felsen hinter meinem Bungalow.

Wie üblich wurde aus einem geplanten Foto mindestens 200 und fast hätte ich nicht nur des Abendessen, nein, auch den Manager um ein Haar verpasst, mit welchem ich noch über die Fotos sprechen wollte, welche er von seiner Lodge haben wollte. Also rasch die Kamera im Zimmer geschmissen und nichts wie hin zum Restaurant.....

Dort angekommen lauschte ich dem Gespräch zweier Einheimischen Frauen, welche mich liebevoll mit herrlichem Süd-Afrikanischem Rotwein umsorgten und glaubte schon zu haluzinieren als ich praktisch in jedem ihrer Sätze komische Klickgeräusche wahrzunehmen glaubte. Der Wein konnte es noch nicht sein, redete ich mir ein und versuchte krampfhaft herauszuhören ob das wirklich Klicklaute in ihrer Sprache sein könnten... ich dachte nämlich bisher so etwas wäre maximal eine Verarschung von uns Kinobesuchern (Die Götter müssen verrückt sein).

Nachdem der Manager der Lodge dann Zeit hatte für mich und sich ein wenig zu mir setzte erfuhr ich, dass es in der Sprache der Einheimischen (Damara Nara) tatsächlich "die vier Klicks" gibt. Ungläubig liess ich mir dies dann von einer sehr netten Kellnerin vorführen und konnte es immer noch nicht fassen. Praktisch in jedem Satz war einer dieser unglaublich schwierig nachzuahmenden Klicklaute enthalten.

So von dieser unglaublichen Sprache fasziniert übte ich die vier Klicklaute und stellte fest, dass der Süd Afrikanische Chiraz zwar meine Zunge lockerte, aber überhaupt keine Hilfe beim erlernen der Klicklaute war. Im Gegenteil, je mehr ich klickte, desto weniger verstanden mich die Einheimischen und nachdem die Flasche leer war einigten wir uns Brüderlich darauf, dass es für mich sicher besser wäre bei Englisch zu bleiben, was ich dann auch unter der Forderung noch ein Gläschen zu bekommen, ein wenig traurig akzeptierte. Ich rief die Kellnerinnen ab diesem Zeitpunkt zwar nur mehr mit Klickgeräuschen, was sehr zur allgemeinen Belustigung beitrug und dem sonst eher trockenen Gebiet der Erongo Berge nicht schadete, musste aber doch einsehen das ich dieser Sprache wohl nie mächtig werden würde.

Für den nächsten Tag wünschte sich mein Körper eine Auszeit, denn die letzten 2 Wochen waren offenbar mehr als er ertragen konnte und so schlief ich, erstmals auf dieser Reise bis 7 Uhr 30. Gemütlich nahm ich eine heiße Dusche, überspielte alle Speicherkarten redundant auf beide Imagetanks und lud die Batterien auf. Dann um 8 Uhr 30 ging ich frühstücken und genoß es, mich nicht wie sonst immer irgendwohin hetzen lassen zu müssen. Gemütlich trank ich ungeniessbaren Kaffee, log das er mir schmeckte und aß auch das gekochte Spiegelei welches angebrannt roch, mit der selben Begeisterung als wäre es ein Kobe Steak. Ich dachte halt, ich dürfte mich nicht beschweren, immerhin wohnte und aß ich auf Kosten des Hauses und musste im Gegenzug dafür nicht einmal um 5 Uhr früh aufstehen. Mehr kann man von Leben doch kaum erwarten, oder...?

Nachdem ich eigentlich alle "bestellten" Fotos für die Lodges bereits kurz nach meinem eintreffen gestern Nacht erledigt hatte, war mein Plan gewesen, wenigstens einen Tag zum entspannen einzulegen. Einfach vor meiner Hütte im Liegestuhl herumliegen und nichts tun, na gut.. vielleicht einen guten alten Hemingway lesen und dazu ein Bierchen zischen, das wärs dann aber auch schon gewesen, in meinen Gedanken noch wenige Stunden zuvor.

Da mir aber klar war, dass ich morgen früh schon wieder Richtung Windhoek und damit auch zum Flughafen unterwegs sein würde, riss ich mich zusammen, packte die inzwischen wieder geladenen Akkus in den Fotorucksack und dachte mir... wenigstens innerhalb des riesigen Naturschutzparks welcher der Lodge angeschlossen war kannst du herumdüsen und Ausschau nach wilden Tieren und Landschaft halten. Irgendwas brauchbares wird schon dabei sein.

Auch hier war wie überall in Namibia kein Problem Landschaft zu finden, immerhin gab es ja praktisch NUR Landschaft so weit das Auge reichte. Das Problem für den Fotografen war eher, wie man einen winzigen Ausschnitt dieser tollen Landschaft extrahieren kann ohne das Feeling ,welches man vor Ort beim fotografieren empfand, automatisch zu entfernen. Ich sah unterwegs im vorbeifahren ein paar riesige runde Monolithe herumkugeln und überlegte mir wie man sie wohl am besten in Szene setzten konnte. Meine ersten Versuche schlugen aber fehl, da kein Größenvegleich auf dem Bild möglich war. Also musste ich selbst mit aufs Bild... gesagt getan, nur.. wie komm ich in 20 Sekunden, was der maximalen Vorlaufzeit meiner Nikon entspricht, bis dort oben rauf? Die ersten Versuche lief ich gemächlich und fand mich anschließend in einer ziemlich dümmlich aussehenden Position mitten im Foto wieder. Dann nach dem dritten Anlauf klappte es endlich, ich rannte was das Zeug hielt und lehnte mich dann entspannt und locker an den Felsbrocken. Aus der Entfernung kann man ja nicht erkennen, dass ich wie ein Schwein schwitze und keine Luft mehr bekomme ;-)

So habe ich dann den restlichen Tag über die Runden gebracht und zu Sonnenuntergang kletterte ich samt Rucksack und Stativ auf die Felsformation welche sich direkt hinter der Ai Aiba Lodge befindet. Von dort oben konnte man den Sonnenuntergang garantiert herrlich ablichten, dachte ich mir. Gesagt getan, nach 5 Minuten erreichte ich den "Gipfel" des Geröllhaufens und baute rasch das Stativ auf. Nur noch wenige Zentimeter bis die Sonne optisch den Horizont berührte....

Komischerweise stellte sich bei mir auch an diesem Tag kein richtiges Sundownerfeeling ein. Gut, schön... ich war in Afrika, stand sogar auf einem sensationell schön beleuchtetem Felsen, aber die Sonne... die war noch immer die gleiche wie zuhause, dachte ich insgeheim. So ging nun auch der letzte Tag in Namibia langsam zu Ende. Noch ein nettes Abendessen bei dem ich meine Klicklauttechnik erneut unter Beweis stellen konnte, eineletzte Nacht und dann heißt es Abschied nehmen. Bereits um 6:00 Uhr früh ließ ich mich wecken, packte Ruck-Zuck meine Tasche und den Fotorucksack, was diesmal etwas länger alsüblich dauerte, musste ich doch auf die Komiker beim Check-In Rücksicht nehmen. Dann räumte ich alles in den Bushcamper und fuhr gleichbis zum Parkplatz vor der Rezeption. Dort angekommen ging ich schnellen Schrittes zu meinem bereits vorbereiteten Frühstücktisch. Nach einem gemütlichen Frühstück checkte ich aus und fuhr recht früh, nämlich bereits gegen 8:00 Uhr los.

Die fahrt bis zu meinem Autovermieter verlief absolut problemlos und nachdem der Bushcamper abgegeben war kam ich sogar viel zu früh in Windhoek am Airport an. Und wieder begann das was ich am meisten liebe wenn ich auf Reisen bin... das unendlich langweilige warten. Ist euch eigentlich schon einmal aufgefallen, dass wir "die Toursiten" praktisch 90% unserer zeit auf irgendetwas warten MÜSSEN!? Keiner sagt etwas darüber und in keinem Reisebericht liest man etwas übers warten, obwohl es doch die Hauptbeschäftigung jedes Reisenden ist.

Beispiel gefällig?

Okay..... also: Zuerst wartet man beim Check-In, danach gleich nochmal bei der Pass Kontrolle, dann wieder beim Boarding, dazwischen am WC, dann im Flieger aufs essen, danach wieder vorm WC usw. Die Liste ließe sich beliebig forsetzten. Und das ist nicht nur während der Flüge so. Auch im Land selber wartet man mehr als alles andere. Man wartet auf das Frühstücksei und den Kaffee, dann wieder auf sein Fahrzeug oder den Fahrer, wenn man dann endlich unterwegs ist wartet man darauf die Viecher endlich zu erspähen, dann darauf endlich wieder zuhause anzukommen und so weiter und so fort. Ihr seht also... der urlaub ist genau genommen eine Aneinanderreihung von Wartezeiten. Nicht mehr und nicht weniger.

In diesem Lichte gewinnt der Chinesische Spruch... der Weg ist das Ziel eine ganz neue Bedeutung finde ich. Vielleicht sollte man ja eine Firma gründen in deren Räumlichkeiten man Urlaub zu Hause machen kann. So etwas wie eine leere Fabrikshalle mit Klapptischen und hübschen Postern an der Wand wo Urlaubshungrige sich schon mal auf ihre Reise ausgiebig vorbereiten können? Aber auch wenn diese Horrorvision nicht wahr wird, eines ist klar, von einer Erholung bei so einem Trip durch die Wüste Namibias kann bei aller Beschaulichkeit keine rede sein. Es war sehr interessant, durchschnittlich teuer, die Menschen denen ich begegnet bin, waren allesamt sehr freundlich und ich bin sehr glücklich über die Ausbeute an grandiosen Fotos welche mir in den 8 Tagen gelungen sind.

Werde ich wiederkommen.....?

 

Ich denke nicht. Zu viele schöne Plätze auf dieser Erde warten noch darauf von mir entdeckt zu werden und viel zu wenig Zeit bleibt mir dafür. In diesem Sinne.... ich hoffe Euch hat dieser kurze Reisebericht über Namibia gefallen und ihr schaut bald wieder rein. Als nächstes schreibe ich über mein Abenteuer in Nepal wo ich vor Namibia war.

 

Also.... stay tuned

 

Liebe Grüße

Wolfgang Steiner

 

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