Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
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Welches ist das schärfste Nikkor?

Diese oder eine sehr ähnliche Frage haben sich sicher schon viele Fotografen irgendwann einmal gestellt.

Warum?

Weil die heute verwendeten DSLR Kameras weit mehr Schärfe übertragen/aufzeichnen können als die erhältlichen Optiken im Stande sind zum Sensor durchzulassen. Dies ist aber keine Behauptung sondern Fakt und kann von jedem selbst ganz leicht ausprobiert werden. Früher dachte man meist es liegt am verwendeten Film, nie aber wäre man auf die Idee gekommen, dass die meisten Objektive nicht mehr als 30 bis maximal 60 Linienpaare pro mm (lp/mm) auflösen. Da war der Fujichrome Velvia in Wirklichkeit noch weit besser als jedes zu dieser Zeit erhältliche Objektiv! Erst durch zahlreiche Tests verschiedener Magazine wurde klar das seit Einführung von Kameras wie der Nikon D2x (ca.75 lp/mm) oder einer Canon Eos 1 Mark II nicht der Sensor das limitierende Bauteil ist, nein das Objektiv war es.

 

Selbstverständlich kann ein solcher Test nur unter absolut perfekten und vor allem gleichen Bedinungen erfolgen. Ein wirklich stabiles Stativ und die Verwendung des Selbstauslösers verstehen sich daher von selbst. Es stellt sich also nun die Frage ob die Qualität der verwendeten Objektive heutzutage wichtiger ist als noch vor einigen Jahren wo wir alle noch analog fotografierten. Die Antwort darauf lautet eindeutig:

JA!

Da die meisten der heute produzierten Seonsoren und zwar unabhängig davon ob sie CCD, CMOS oder wie in der Fuji Super CCD SR II heissen, haben sie doch alle eines gemeinsam, sie können weit mehr Details aufzeichnen als die besten Objektive zu liefern im Stande sind. So unglaublich dies für manchen nun auch klingen mag so wahr ist es. Da aber nicht jeder eine teure Nikon D2x sein eigen nennt verwende ich für diesen Test meine bekannte Fuji Finepix S3 Pro UVIR OHNE Filter. Die dadurch etwas verfremdeten Bilder sind IDL Fotos (Infradaylight).

Wie will ich aber nun beweisen dass die von mir hier ausgesuchten Objektiv wirklich zu den besten Weltweit gehören?

Ganz einfach, ich bediene mich einiger Tests anderer renommierter Fotografen, welche grosses Ansehen im Netz geniessen und über jeden Zweifel erhaben sind.

Sicher kennen alle hier die Testberichte von Bjorn Rorslet!

Er ist einer der Pioniere bezüglich objektiver und gut geschriebener Tests wenn man eine Nikon beistzt und nicht alles auf eigene Faust erfahren möchte. Okay, manchmal verhaut er sich auch mal wenn es um die beste Blende geht, aber im Grunde sind seine Ergebnisse durchaus hilfreich und empfehlenswert. Dies ist zusammengefasst das, was ich nach vielen vielen eigenen Tests herausgefunden habe. Wenn ihr also wissen möchtet welches Objektiv an eurer DSLR wirklich die schärfsten Bilder macht solltest ihr aufmerksam weiterlesen.

Um diesen Test möglichst Aussagekräftig gestalten zu können entschloss ich mich dazu einige der besten Festbrennweiten gegeneinander antreten zu lassen. Als Referenz verwendete ich dazu die schon erwähnt die Auflistung von Bjorn. Er vergibt im maximalfall 5 Punkte (dies allerdings recht selten).

Das großes Problem bei der Auswahl der Objektive war aber, dass es sich um Linsen handeln würde müssen, welche für Normalsterbliche noch in bezahlbaren Regionen liegen, sonst kann niemand nachvollziehen was ich hier von mir gebe und der ganze Test ist Wertlos.

 

Meine Entscheidung fiel schlußendlich auf folgende Nikkore (Bjorn Rorslet's Bewertungen findet ihr in Klammer):

1.) Nikkor MF AiS 35mm f/1.4 (5/5)

2.) Nikkor AF 85mm f/1.4 (5/5)

3.) Nikkor MF 45mm f/2.8 P (5/5)

4.) Nikkor AF 50mm f/1.8 (4.5-5/5)

5.) EL-Nikkor MF 63mm f/3.5 (5/5 at UV on the Fuji Finepix S3 Pro UVIR)

Alle hier angeführten Nikkore haben nun also mehr oder weniger die Höchstnote 5 und sollten über jeden Zweifel erhaben sein. Immer vorausgesetzt natürlich das die Rahmenbedinungen perfekt sind und auch sonst keine störenden Umwelteinflüsse vorhanden sind (wechselnde Lichtverhältnisse, Wind usw.)

Sind die vorab genannten Nikkore aber auch so scharf wie mein neuer Favorit.... das EL-Nikkor 63mm f/3.5 (Vergrößerungsobjektiv)?

Das war die eigentliche Fragestellung welche mich dazu brachte diesen Test durchzuführen.

Da ich aber nicht verwirren möchte habe ich vorab die jeweils beste Blende eines jeden Objektivs ermittelt und poste jeweils nur dieses eine Bild im Original.

 

Was bedeutet Original?

Alle hier von mir geposteten Testfotos sind unbearbeitete Originale! Dies war bei diesem Test insofern etwas schwierig, als ich unterschiedliche Brennweiten miteinander vergleiche und doch immer nur den selben Bildausschnitt in gleicher Größe zeigen wollte. Sonst würde die Vergleichbarkeit schnell dahin sein.

Ich beschnitt also alle außer der längsten Brennweite (Nikkor AF 85mm f/1.4) auf den Ausschnitt welcher sich beim 85mm automatisch ergab und reduzierte die noch verbliebene Größe auf 1850x1238 Pixel. Dann speicherte ich das Ergebnis mit 70% Qualität in JPG ab und das wars. Keinerlei andere Bearbeitung erfolgte nachträglich!!!

 

Test Bedingungen (gleich für alle Objektive):

Kamera: Fuji Finepix S3 Pro UVIR "Limited Edition" (Iso 100, Auto WB, Sharp-OFF, Selftimer- 5sec, RAW Format, High)

Stativ: Gitzo Mountaneer Carbon G1549 MKII

Kopf: Gitzo G1576M

 

Lasst uns nun mit dem ersten Bild beginnen. Es wurde gemacht mit dem hervorragenden

Nikkor MF AiS 35mm f/1.4 (5/5)

 

 

Aufgenommen mit Blende f/5.6 und 1/250sec Verschlusszeit.

Und auf allgemeinen Wunsch hin, hier einen 100% Crop vom Original abgespeichert mit 100% Qualität in JPG.

 

 

Das nächste Bild wurde mit den nahezu perfekten

Nikkor AF 85mm f/1.4 (5/5)

 

 

aufgenommen.

wieder mit Blende f/5.6 und 1/250sec Verschlusszeit.

100% Crop vom Original abgespeichert mit 100% Qualität in JPG.

 

 

Das nächste Objektiv war das


Nikkor MF 45mm f/2.8 P (5/5)

 

 

Aufgenommen mit Blende f/11.0 und 1/30sec Verschlusszeit.

100% Crop vom Original abgespeichert mit 100% Qualität in JPG

 

 

Zeit um das billigste hier vertretene Objektiv zu testen welches 5 Punkte erhalten hat, das


Nikkor AF 50mm f/1.8 (4.5-5/5)

 

 

Aufgenommen mit Blende f/4.0 und 1/250sec Verschlusszeit.

100% Crop vom Original abgespeichert mit 100% Qualität in JPG

 

 

Nach all diesen 5 Punkte Linsen nun mein persönlicher Favorit, das

 

EL-Nikkor MF 63mm f/3.5 (5/5 unter UV mit der Fuji Finepix S3 Pro UVIR)

 

 

Aufgenommen mit Blende f/11.0 und 1/30sec Verschlusszeit.

100% Crop vom Original abgespeichert mit 100% Qualität in JPG

 

 

Wenn Sie die Bilder nun genauer unter die Lupe nehmen wird schnell klar welches der Bilder dasjenige ist welches die feinsten Details, sprich die größte Schärfe aufweisen kann. Das Foto welches mit dem EL-Nikkor 63mm f/3.5 bei Blende f/11.0 aufgenommen wurde ist weit schärfer als alle anderen Fotos. Dies ist für mich insoferne sehr erstaunlich als dieses kleine Vergrößerungsobjektiv nicht nur sehr alt ist, nein ist wurde auch gar nicht für die Bildmäßige Fotografie entworfen/gebaut. Und zu guter letzt passt es nicht einmal an unsere geliebten Nikon DSLR's, da es einen M39 Anschluss besitzt!!!

Allerdings kann man es mit nicht allzu großem Aufwand perfekt für jede Nikon Kamera adaptieren. Hier gehts zur Bastelanleitung

Vielleicht stimmt es ja was ich unlängst in einem Photo.net Beitrag gelesen hatte (Zitat:"I do not know how 63/3.5 compares to the 63/2.8, but the literature that I have on 63/3.5 states that this lens is optimized for micofilm enlarging and has the resolution needed for this task!"), nämlich das dieses Vergrößerungsobjektiv zum Fotografieren von Mikrofilmen ausgelegt wurde und daher in der Lage ist feinste Strukturen auflösen zu können. Wie auch immer, die Ergebinsse sprechen meiner Meinung nach für sich selbst und bedürfen keinerlei Geschwafel von mir.

Für mich ist es das schärfste Objektiv überhaupt und verdient nach der Bewertungsskala von Bjorn Rorslet als einziges Objektiv eindeutig 6 Punkte!!!

Viele werden sich nun zurecht fragen wie man diesen angeblich so hervorragende EL-Nikkor 63mm f/3.5 bekommen könnte? Die Antwort darauf ist ebenso entmutigend wie wahr:

Schwierig, ganz schwierig!

Der einzige Weg wird wohl sein daruf zu warten bis wieder mal eines bei Ebay verkauft wird. Meinen Beobachtungen zu Folge wird etwa jeden Monat eines versteigert. Das letzte erzielte aber bereits den völlig verrückten Preis von 405 USD!!! Zum Vergleich: Meines habe ich vor etwas mehr als einem Monat noch um lächerliche 50 USD gekauft.

Ist dieses Objektiv 400 Dollar Wert?

Wenn ihr mich fragt kann die Antwort auf diese Frage nur mit einem klaren JA beantwortet werden. Kein anderes Objektiv liefert eine solche Performance an eurer Kamera.

Ich hoffe dieser kleine Test war hilfreich und es war etwas interessantes für Euch dabei.

Liebe Grüße

Wolfgang

Nachtrag:

Aufgrund einiger Fragen möchte ich folgendes klarstellen. Selsbstverständlich erhebt dieser kurze Test keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Natürlich hätte ich wesentlich mehr Objektive für diesen Test heranziehen können, die Frage ist nur wie man ein AF-S VR 200mm f/2.0 mit einem 35mm f/1.4 vergleichen soll? Schon bei den von mir willkürlich ausgewählte Optiken bestand das Problem, dass der Brennweitenunterschied erheblich war (35mmx1,5=52,5mm zu 85mmx1,5=127,5mm). Doch erschien es mir trotzdem vergleichbar, denn zwischen 53 und 128mm ist in Punkto feinster Details der Unterschied zwischen einer unscharfen und einer scharfzeichnenden Optik durchaus zu erkennen und zwar auch dann noch wenn das Ergebnis unterschiedlich skaliert, resp. zugeschnitten wurde.

Warum macht es nichts das die Bilder alle bis auf das vom 85er Nikkor unterschiedlich skaliert wurden?

Weil die Unterschiede der einzelnen Brennweiten in Punkto Schärfe, oder anders gesagt Ihrer Fähigkeit feinste Strukturen übertragen zu können, so groß ist das selbst diese "Verfälschung" des Ergebnisses zu einer vernachlässigbaren Große wird. Auch müsste, wenn es eine Rolle spielt eher das 85mm davon profitieren und nicht das skalierte 63er Bild, oder?

Zur besseren Vergleichbarkeit habe ich nun zusätzlich zu den bereits geposteten Bildern auch noch jeweils einen 100% Crop vom Original eingestelt. Nun sollte selbst dem größten Zweifler schnell klar werden warum es g'hupft wie g'hatscht ist ;-)

Auch wurde gefragt wieso ich die Objektive bei Unterschiedlichen Blenden getestet habe...???? Na warum wohl? Vielleicht weil jedes Objektiv auf eine andere Blende gerechnet wurde und ein 85mm f1.4 bei Blende f11.0 kein vernünftiges Ergebnis mehr zulässt?

Zuletzt noch eine anmerkung bezüglich der von mir verwendeten Kamera. Die Fuji S3 Pro UVIR ist genauso gut oder schlecht dafür geeignet die Schärfe unterschiedlicher Objektive gegeneinander zu testen wie jede andere Nikon DSLR. Denn auch bei meiner Nikon D2x würde der Unterschied im gleichen Ausmass sichtbar werden. Nur dass sich eben wie schon weiter oben erwähnt nicht jeder eine D2x leisten kann. Auch spielt es überhaupt keine Rolle, das ich die Objektive OHNE Filter getestet habe, denn UV spielt bei Belichtungszeiten im Zehntelsekundenbereich eine Rolle im Hundertstelprozentbereich und ist daher vernachlässigbar. Infrarot ist klarerweise vorhanden beeinflusst die Schärfe aber bei jedem Objektiv im genau gleichen Ausmass, was unterm Strich wieder null ergibt.

Was mir bei all der Kritik etwas unverständlich ist ist folgender Punkt. Die meisten Fotografen schreiben überhaupt nichts über ihre Methodik Objektive zu testen. Kein Mensch weiss z.B. wie Bjorn Rorslet zu seinen Aussagen kommt. Testet er richtig, oder fotografiert er wie ich und bildet sich dadurch sein Urteil? Wer weiss? Was ich mache ist klar nachvollziehbar und durchaus reproduzierbar. Jeder kann nachlesen was gemacht wurde und sich selbst sein Urteil bilden. Ein klarer Vorteil meiner Meinung nach im Vergleich zu einer feststehenden Meinung welche nicht überprüfbar ist, oder?

In diesem Sinne hoffe ich darauf, das sich die Zweifler überlegen was sie an meinen Tests haben und es nicht notwendig ist mir zu glauben. Seht Euch doch einfach die großen Aussagekräftigen Bilder an und bildet Euch selbst ein Urteil.