Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
#1

Infradaylight Pictures - (Nightshots
without a filter)

Heute morgen läutete bereits um 5:00 Uhr der Wecker. Er erinnerte mich daran das ich nach Schönbrunn fahren wollte um dort ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Doch als ich aus dem Fenster blickte und es draussen stockmugelfinster war, kam mir mein Plan auf einmal nicht mehr so gut vor.

Egal dachte ich mir, nun bin ich schon mal auf also was solls. Ich duschte mich, zog mich an und schnappte mir meine kleine Fototasche samt Stativ. Pünktlich um 6:00 Uhr war ich dann bereits vor Ort. Noch immer konnte man die Hand vor Augen kaum sehen und ich hatte meine Zweifel ob dies wirklich eine gute Idee war. Besonders da es nur etwa 10° Celsius hatte! Ich stapfte also im Dunkeln zuerst Richtung Hietzinger Tor und dann weiter im Schönbrunner Park bis zum berühmten Palmenhaus .

Mit nur einem Objektiv, dem EL-Nikkor 63mm f/3.5 und ein paar Filtern ausgerüstet, wurde mir schnell klar das ich es gar nicht zu versuchen brauchte UV Aufnahmen zu machen, konnte ich das Palmenhaus doch mit freiem Auge kaum erkennen, so dunkel war es um kurz nach 6 Uhr.

Plötzlich kam mir die Idee, die Filter einfach wegzulassen und mal zu probieren wie sensibel die Kamera im Infraroten Bereich tatsächlich ist. Ich stellte die kamera also aufs Stativ versuchte sie einzurichten was sich allerdings etwas etwas schwierig herausstellte, da ich weder die Libelle meiner Wasserwaage, noch das abzubildende Palmenhaus durch den Sucher meiner Kamera sehen konnte. Und das soll was heissen, wenn das menschliche Auge etwas nicht mehr erkennen kann!!!

Um erkennen zu können ob meine Kamera halbwegs waagrecht stand machte ich also eine Probeaufnahme mit Iso 1600 und 4 Sekunden Verschlusszeit bei Blende f/11.0. Dies sah dann etwa so aus

 

 

Irgendwie nicht optimal, oder? ;-)

 

Na gut, wie wärs dann damit...

 

 

 

Wohlgemerkt war immer noch tiefste Nacht ohne Mondschein! Zwischen den beiden Aufnahmen lagen gerademal 90 Sekunden. Um ganz genau zu sein entstand diese zweite Aunfnahme bei Blende F711.0 mit Iso 400 und 30 Sekunden Belichtungszeit am 14.10.2006 um 06:13:11 Uhr. Sonnenaufgang war aber erst um 7:12 Uhr (CET-Central European Time).

Beim betrachten des zweiten, also des unteren Fotos wird schnell deutlich, das die Fuji sehr empfindlich im infraroten Bereich ist, denn sichtbares Licht war praktisch keines vorhanden. Und die Differenz zwischen beiden Fotos sind gerademal 1 Blende, denn von Iso 1600 runter auf Iso 400 sind es schon 2 Blenden, richtig? Ist eine absoult unglaubliche Sache kann ich euch sagen, fotografieren zu können ohne etwas zu sehen. Irgendwie magisch kommt einem das schon vor. Da sieht man erst wieviel Infrarotstrahlung auch dann noch vorhanden ist wenn man glaubt in absoluter Dunkelheit zu stehen.

Als nächstes fotografierte ich die Hietzinger Kirche aus fast der gleichen Position nur um 90° nach rechts gedreht, immer noch sehr dunkel. Diesmal Hochformat mit Iso 400, Blende f/8.0 und 30 Sekunden Belichtungszeit. Sieht fast aus wie untertags, oder? Wären da nicht die gelben Strahlungskegel der Scheinwerfer könnte man fast darauf reinfallen, gell ;-)

 

 

Hier erkennt selbst der Laie recht einfach welche Empfindlichkeit der Sensor der Fuji Finepix S3 Pro UVIR hat. Aufgenommen wurde dieses Bild um 06.30.08 Uhr, also eine gute 3/4 Stunde vor Sonnenaufgang an diesem Tag. Da gibts im Herbst noch keinen blauen Himmel, glaubt mir.

Zum nächsten Bild.

Ein herbstlich angehauchter Weg mitten im wunderschönen Park, nur einige Meter vom Tierpark enfernt. Aufgenommen wie auch schon die anderen Bilder zuvor mit dem sensationell scharfen EL-Nikkor 63mm f/3.5 bei Blende f/11.0 ohne Filter mit Iso 400.

 

Und auch bei diesem Bild war es noch ziemlich finster (06:39:39 Uhr).

Weiter gehts zum nächsten Motiv an diesem Morgen, einer herrlichen Allee.

 

 

Was aber zeigen all diese Bilder genau....?

Sind es Infrarotbilder? Nein, falsch geraten.

Oder vielleicht Ultraviolet Fotos...? Ebenso falsch.

Um genau zu sein sind alle hier gezeigten Bilder ein bunter Mix, eben so wie das von der Sonne ausgestrahlte Spektrum. Beschränkt nur durch die Transmission des Objektivs und der Aufnahmefähigkeit des Sensors. In Prozent gewichtet könnte man auch sagen die Bilder bestehen zu 9% aus Ultravioleter Strahlung, zu 34% aus sichtbarem Tageslicht und zu 57% aus Infrarotem Licht. Sie zeigen mit einem Wort eigentlich mehr als wir Menschen im Stande sind wahrzunehmen. Es handelt sich bei den oben gezeigten Aufnahmen im übrigen um mehr oder weniger unbearbeitete Bilder, als kein Channel Mix oder sonstiges. Ein wenig wurde die Farbsättigung erhöt und nachgeschärft, aber das wars dann auch schon. Also keine aufwändig gekünstelten Aufnahmen.

Selbstverständlich kann man aber auch alle drei Aufnahmen separat machen. Am besten in umgekehrter Reihenfolge. Also beginnend mit Infrarot. Nur sind dann für jedes Bild sehr unterschiedliche Belichtungszeiten erforderlich möchte man auf einheitlich gleich belichtete Ergebnisse kommen. Um genau zu sein sind es ganze 11 Blenden mehr für das Ultraviolette Bild im Vergelich zur Tageslichtaufnahme. Und das ist verdammt viel. Denn 1/60sec macht man schnell mal aus freier Hand, die 30 Sekunden hingegen sind sogar am Stativ heikel wenn etwas Wind geht.

 

Das Infrarot Foto

 

 

Jetzt das Tageslichtfoto

 

 

Und zu guter letzt das Ultraviolet Foto.

 

 

Mischt man nun die drei Bilder nachträglich im Phoroshop wieder im richtigen Verhältniss zusammen erhält man genau das was wir vorher gehabt haben, ein Bild welches aus einem überwiegenden Anteil Infrarotem etwa 85 % und aus einem kleinen Anteil sichtbarem Licht 14,98 % besteht. Der Ultraviolette Anteil ist ja bei 1 /60sec vernachlässigbar gering (weit unter 1%).

Sieht dann wieder so aus

 

 

Ist mal etwas erfrischend neues wie ich finde, also das fotografieren ohne jegliche Filter mit einer Spezialkamera welche das gesamte Spetrum abbildet (320nm-1200nm). Die Frage ist nur, wie nennen wir das Kind?

Denn genau genommen gibt es diese Art der Fotografie überhaupt nicht. Da heute alles klingende Namen bekommt nenne ich sie einfach "Infradaylight Photography", da sie alle drei von der Sonne ausgesandten Spektren relativ unverfälscht abbildet.

Ich werde ein dieser speziellen Art der Fotografie in der Zukunft auch einen eigenen Ordner in meiner Gallerie zuordnen und Fotos welche ohne Filter erstellt wurden dort präsentieren.