Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
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Pure UV-A Fotografie

Nach vielen sehr entäuschenden Versuchen ist es mir heute endlich gelungen die ersten Bilder im reinen UV-A Spektrum mit meinem neuen Spielzeug, der Fuji Finepix S3 Pro UVIR Limited Edition zu visualisieren.

Für all jene die meine vorhergegangenen Beiträge bereits gelesen haben mag dies nun vielleicht keine große Neuigkeit darstellen, für mich aber ist es nach so vielen Wochen des Wartens und vielen herben Rückschlägen ein großer Erfolg und auch ein echter Durchbruch.

Falls Sie sich nun fragen welches der Einsatzzweck dieser "UV-Fotografie" denn sein sollte eine kurze Erklärung.

Grundsätzlich findet die UV Fotografie nur in wenigen wissenschaftlichen Anwendungen ihren Nutzen. Da wäre erstens die Forensik, wo Bisswunden oder Würge/Schlagmale am menschlichen Körper sehr gut sichtbar gemacht werden können. Dies bedeutet das man in der Lage ist für das menschliche Auge unsichtbare Beweise ans Tageslicht zu fördern, wodurch bereits viele Verbrecher dingfest gemacht werden konnten. Aber auch in der Astronomie gibt es Anwendungen für welche es durchaus Sinn macht in diesem ungewöhnlichen, weil sehr schmalen Band des UV Spektrums zu agieren. Nebelbeobachtungen des Planeten Venus sind so ein Sonderfall. Etwas ungewöhnlich und nicht jedermanns Einsatzzweck wie ich gerne zugeben möchte, aber eben doch sinnvoll.

In der Bildmässigen Fotografie hingegen fristete die UV Fotografie ob ihrer Schwierigkeiten bis dato ein kaum beachtetes Nischendasein. Kaum ein Fotograf der im Laufe seiner Karriere nicht einmal in die Infrarote Fotografie hinein geschnuppert hätte, ohne jedoch auch nur einen Gedanken an die Ultraviolette Fotografie zu verschwenden. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass wahrscheinlich 99% aller Fotografen alles was mit UV beginnt maximal mit einem Schutzfilter welchen sie vor Ihre geliebten Objektive schrauben in Verbindungen bringen würden. Die berühmt berüchtigten wenn auch völlig sinnlosen UV-Filter welche immer wieder gerne als "Zusatzgimmik" im Paket mit teuren Objektiven verkauft werden.

Der Grund wieso die Ultraviolette Fotografie es nie bis in die Wohnzimmer von Hinz und Kunz geschafft hat wurde mir in den letzten äußert mühsamen 3 Monaten mehr als bewusst. Immerhin habe ich mir meine teure Spezialkamera ja nicht gekauft um damit Bilder im sichtbaren Spektrum zu machen, nein natürlich nicht. Ausschliesslich künstlerische IR und UV Bilder sollen damit entstehen. Die Problematik der für UV tauglichen Objektive wurde von mir bereits angesprochen und ist im Internet auch schon hinlänglich diskutiert worden. Viel schwieriger wird es wenn es um eine passende Filterkombination geht wie ich lernen musste.

Nicht nur das kaum ein Filter hält was sein Datenblatt verspricht ist es in der UV Fotografie auch so das man ja, anders als in der Infrarot Fotografie nicht nur das sichtbare Spetrum, sondern auch noch das Infrarote gänzlich eleminieren muss. Ob dies nun wirklich sinnvoll ist, lassen wir bitte dahin gestellt. Interessant ist es allemal wenn es dann schlussendlich gelingt soviel verspreche ich schonmal. Bis man aber soweit ist sind viele kleine Schritte erforderlich die nicht nur viel Geld sondern auch viel Mühe kosten. Dazu aber später mehr.

Leider gibt es aber auch einen negativen Aspekt den ich all denen, die sich nun für dieses Experiment wirklich interessieren, nicht vorenthalten möchte. Weltweit existieren nur eine Handvoll Wissenschaftler und ein paar völlig Verrückte wie mich die sich für diese Art der Fotografie ernsthaft interessieren. Und anstatt sich gegenseitig zu helfen wenn Probleme bewältigt werden müssen, (welche sicherlich jeder Anfänger haben wird) gibt es wie leider überall im täglichen Leben nur Anfeindungen, Neid und Missgunst. Ich erwähne dies ganz bewusst an dieser Stelle, weil ich im Laufe der letzten drei Monate am eigenen Leib erfahren musste wie kindisch sich einige der besten Fotografen auf diesem Sektor mir gegenüber in gehässigen Emails und unkonstruktiven Beiträgen geäussert haben. Nicht das es mich verletzt hätte, dazu kenne ich diese Menschen viel zu wenig, aber mir sind ihre Intentionen absolut schleierhaft. Weder möchte ich ihnen etwas wegnehmen, noch behaupte ich für mich den Stein der Weisen entdeckt zu haben. Als einzigen Lichtblick in diesem Dschungel möchte ich hier den äusserst netten und hilfreichen Herrn Akira Sakamoto aus Tokyo/Japan erwähnen, ohne den ich wahrscheinlich auch nächstes Jahr noch darauf warten würde Euch hier und heute die ersten UV Fotos präsentieren zu können.

Seit ich auf meiner Homepage Beiträge zu diesem Thema poste, hagelt es Postings in verschiedensten Foren wobei ständig Beweise gefordert werden mit der ich die Echtheit, bzw. Authenzität meiner UV Bilder belegen könne. Auch wenn dies für alle "normalen" Menschen höchstens ein lächeln hervorrufen wird, hat es unter den "verrückten" UV Freaks durchaus Berechtigung wie ich erfahren musste. Was, wenn die breite Masse der Hobbyfotografen das unergründliche Mysterium der UV Fotografie entschlüsseln würde...... eine Katastrophe wäre die unabwendbare Folge. Keiner der ach so tollen "Spezialtheorie-ausschliesslich Blümchen-UV-Fotografen" könnte mehr von sich behaupten der einzige zu sein, ein regelrechter Albtraum alleine daran zu denken.

So jedenfalls kommt es mir vor. Hier sind wir aber auch schon bei meinem einzigen Beweggrund diese Texte hier in meinem Blog (Tagebuch) zu veröffentlichen. Ab sofort ist Schluss mit diesen altmodischen Ansichten dieser Vorgestrigen. Ist es doch mit den richtigen Werkzeugen so simpel und unspektakulär schöne UV Bilder zu kreieren.

Warum aber wird nichts wird mehr angezweifelt als die Echtheit eines reinen UV Bildes?

Ganz einfach.....

Weil nichts schwieriger ist als dies in der Praxis auch zu realisieren!

Da ich mich nach wievor aber nicht für Blümchen interessiere (eines der Motive wo Profis erkennen können ob es sich tatsächlich um ein UV Foto handelt oder nicht) musste ich mir überlegen wie ich es anstellen könnte einen Testaufbau simpel und anschaulich zu gestalten welcher am Ende über jeden Zweifel erhaben ist.

Wie also den Beweis erbringen das keine Infrarote Kontamination mehr vorhanden ist und auch das gesamte sichtbare Spektrum ausgeschlossen wurde?

Ganz einfach.

Man nehme folgende Zutaten:

Fuji Finepix S3 Pro UVIR "Limited Edition"

K1 Verlägerungsring

M42 auf Nikon F Bajonett Adapter

M42 auf M39 Adapter Ring

EL-Nikkor 63mm f/3.5

B+W Schott BG-38 Filter 2mm dick

Adapter von 52mm auf M28.5

Baader U-Filter M28.5

 

 

Hat man all dieses Klumpat endlich zusammengeschraubt sieht das dann recht unspektakulär aus:

 

 

Auf einem stabilen Stativ montiert kann man nun, ... endlich die optimale Blende f/11 einstellen, 30 Sekunden Belichtungszeit vorwählen, Iso 1600 aktivieren und den Selbstauslöser betätigen. Etwa 50 Sekunden später wird dann das folgende Bild auf dem Display sichtbar.....

....and here we are.....

Ladies and Gentlemen

We proudly present you the first "real" - "pure"- "105%"- "original" and "guaranted true" UV Picture made with my new Fuji bla, bla, bla... usw. ;-)

 

 

Aufgenommen am 02.10.2006 bei sehr diesigem (trüben) Wetter kurz vor Sonnenuntergang.

Wie sollte man nun aber beweisen, dass dieses häßliche Landschaftfoto tatsächlich ein Foto bestehend aus purem ultravioletten Licht ist?

Simpel.

Man nehme einfach folgende weitern Zutaten und kombiniere sie mit den zuvor eigensetzten und mache das gleiche Foto nochmals:


52mm auf 77mm Step Up Ring

77mm Hoya Super HMC Pro1 UV (0) Filter (77mm deshalb weil man diese Größe universell auf fast jedem Nikkor verwenden kann/ 52mm ginge natürlich auch, dann spart man sich die blöden Adapterringe)

77mm auf 52mm Step Down Ring

Sieht dann etwa so aus bei gleicher Belichtungszeit (kein Scherz):

 

 

Wenn nämlich wirklich nur mehr ultraviolettes Licht bis zum Sensor durchdringen würde muss der sehr wirksame Hoya Super HMC Pro1 UV (0) Filter verhindern das auch nur irgendwas auf der eben gemachten Aufnahme zu sehen ist wie das obige Bild sehr eindrucksvoll beweist.

Für alle die es nicht hundertprzentig verstanden haben nochmals langsamer.

1.) Mit der Spezialkamera von Fuji ist es Grundsätzlich möglich ultraviolette Strahlung aufzuzeichnen.

2.) Das EL-Nikkor ist ab etwa 320nm an OFFEN, das bedeutet langwellige ultraviolette Strahlung (UV-A) dringt durch dieses Vergrößerungsobjektiv hindurch.

3.) Der Baader U-Filter filtert das gesamte sichtbare Spektrum, also alles was unser menschliches Auge sehen kann zu 100% weg. Zusätzlich filtert dieser Filter aber auch noch einen Teil der kurzwelligen Infrarotstrahlung zwischen 700nm und etwa 950nm weg. Auf der anderen Seite lässt er aber das komplette Band zwischen 300nm und 400nm offen (UV-A Strahlung eben).

4.) Der zusätzlich verwendete B+W Schott Filter der Type BG-38 (in 2mm Stärke sogar etwas wirksamer als der BG-40 mit 1mm Stärke) filtert zuverlässig die restliche infrarot Kontamination über 900nm weg.

5.) Was übrig bleibt ist pure UV-A Strahlung welche für uns Menschen zwar nicht sichtbar ist, aber auf diese Art und Weise sichtbar gemacht werden kann.

6.) Schraubt man aber nun einen glasklaren Hoya Super HMC Pro1 UV (0) Filter (UV Blocker) vor alles dürfte theoretisch nichts übrig bleiben, richtig? Denn wenn man von einem UV-A Foto die UV-A Strahlung abzieht ist NULL das Ergebnis.

Soweit die Theorie.

Ist aber wirklich überhaupt nichts übrig werden die Zweifler fragen....?

Nun gut, dann versuchen wir das ganze nochmals mit verschärften Vorgaben. Gleiches Motiv, alles wie zuvor nur öffnen wir die Blende von f/11.0 auf f/3.5 und belichten trotzdem 30 Sekunden. Sonst bleibt klarerweise alles beim alten. Dies entspräche einer Verlängerung der Belichtungszeit bei gleicher Blende von etwa 320 Sekunden oder der 11 fachen Belichtungszeit!!!

Hier der Beweis:

 

 

Immer noch finster wie im Arlbergtunnel nach einem Stromausfall ;-)

Wer nun denkt ich treibe hier Scherze und poste Bilder welche ich mit angesetztem Deckel aufgenommen habe, liegt aber falsch. Bei extremer Bearbeitung im Photoshop kann man den Himmel durchaus noch sichtbar machen, ihr könnt es gerne selbst mit obigem Bild probieren.

Sieht dann etwa so aus....

 

 

Ist nicht hübsch, beweist aber eindeutig das es sich bei obigem Bild um kein schwarzes Foto, sondern um die letzten 0,1% IR Restkontamination handelt.

Natürlich ist mir klar das diese Aufnahme keinerlei künstlerischen Wert besitzt, soll sie auch gar nicht. Es ging mir einzig darum zu zeigen wie es ohne großen Aufwand und vor allem ohne Dinge die kein Mensch heute mehr kaufen kann (UV-Nikkor 105mm, Nikon SB-140 Blitz) ganz einfach möglich ist UV Bilder machen zu können.

Hübsche Fotos folgen in den nächsten Tagen.....

 

Update 03.10.2006:

 

Endlich wieder mal Sonnenschein und herrliche 28° Clesius... eine Wohltat kann ich Euch sagen. Und was mach ich Affe... ich schnapp mir mein Gitzo und die Fuji und stapfe Stundenlang quer durch die Pampa für ein paar UV Aufnahmen. Na ich hoffe es hat sich wenigsten gelohnt. Ist nicht ganz so einfach wie bei Tageslicht.


 

Na, das ist doch was oder? Unverändert wie ich stolz anmerken darf !!! Der hier abgebildete Löwe ist überlebensgroß und aus Bronze. Er befindet sich im 19. Wiener Gemeindebezirk wo er hoch oben auf den Pfeilern einer kleinen Brücke welche einen Seitenarm der Donau überspannt thront. Die bereits sehr tief stehende Sonne erlaubte es mir mein Sativ in einem Abstand von etwa 60m aufzustellen und dieses Foto ohne jegliche Tricks aufnehmen zu können.

 

Diese Foto ist gleich aus mehreren Gründen Wert genauer betrachtet zu werden. Zum ersten zeigt es die Fähigkeit des 63er EL_Nikkores feinste Strukturen auflösen zu können. Dies ist insofern sehr überraschend für mich gewesen, als ich noch kein einziges vernünftiges "Outdoorbild" in UV zu Gesicht bekommen hatte. Und zwar weder mit den vielgerühmten UV-Nikkoren noch mit diesem oder irgendeinem anderen Objektiv. Zudem man bedenken muss, dass diese Kamera wie alle Fuji Finepix DSLR Modelle bis dato, das "echt" aufgenommene Bild auf 12 Megapixel interpolieren und damit Unschärfe eigentlich vorprogrammiert sein sollte. Ist es aber nicht. Die Schärfe ist, wie jeder sich bei diesem fast nicht nachgeschärften Foto (unscharf maskieren 50/0,7/3) leicht überzeugen kann über jeden Verdacht erhaben. Des weiteren sind ohne jegliche Tricks bereits nach der Aufnahme drei verschiedene Farben vorhanden. Dies machte mich zwar etwas stuzig, sieht es doch in den Original RAW-Dateien eher nach einem monochrom Violetten Bild aus. Die mühsamen Channelmixer Farbverschiebungen sind hier einfach nicht notwendig um zu einem guten Ergebnis gelangen zu können.

Nun könnte man natürlich wieder mutmassen ob nicht doch noch eine IR oder Tageslicht Kontamination vorhanden sei. Auch ich stelle mir diese Farage immer wieder da ich vermeiden möchte hier schlaue Kommentare zu posten bei welchen der wahrheitsgehalt dann nachher vielleicht nur bei 10% liegt. Allerdings zeigt das von mir weiter oben angeführte Beispiel mit zusätzlich verwendetem UV Filter, dass die verbliebene "Restkontamination" sich in einem Bereich bewegt der kaum einen Einfluss auf das Gesamtergebnis haben dürfte. Denn zwischen den tatsächlichen Aufnahmen welche mit 4 Sekunden Belichtungszeit und Iso 400 sowie Blende 11 gemacht wurden und dem Test wieviel Restkontamination noch vorhanden sei (Iso1600, 30sec, f/3.5) liegen mehr als volle 7 Blendenstufen. Dies bedeutet bei 4 Sekunden= 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512 Sekunden. Man müsste also anstatt 4 ganze 512 sekunden belichten damit die Kontamination sichtbar werden könnte. Dies ist die hundertachtundzwanziffache Belichtungszeit. Oder anders ausgedrückt..... die Restkontamination liegt bei dieser hier verwendeten Kamera-Objektiv-Filterkombination bei unter 1%. Und mit diesen 0,5 oder 0,7% Kontamination kann ich tadellos leben.

Fischen an der Donau: 

 

 

Ein wenig entspannen.... 

 

 

Der alte Bahnhof in Nussdorf ist auch ein nettes Motiv: 

 

 

Update 04.10.2006:

schon mal ein Auto im ultravioletten Licht unserer Sonne gesehen? Besonders interessant ist der unterschiedliche Refelxionsgrad von Stossstange und dem Blech des Kotflügels. Aber auch die undurchlässigkeit der Frontscheibe bezüglich der UV-A Strahlung erscheint mir besonders erwähnenswert.

 

Und wer denkt das Fotos aus freier Hand in Ultraviolett unmöglich sind, liegt ebenso falsch.

 

oder darf es vielleicht ein älteres Ehepaar beim Gassi gehen sein ....

 

 

Ich gebe aber gerne zu das Fotos aus freier Hand nicht gerade die Standardanwendung der UV Fotografie sind und wegen der grossen Empfindlichkeit meiner Fuji vermutlich mit anderen Kameras auch gar nicht möglich sein werden. Denn auch für meine Beispielbilder war trotz strahlendem Sonnschein, Offenblende (f/3.5) und Iso 1600 eine Verschlusszeit von 1/4sec erforderlich, was nicht gerade als tauglich für Freihandaufnahmen bezeichnet werden kann bei 95mm Brennweite.