Wolfgang Steiner Photography - MyBlog
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Ohne Licht kein Foto!

Diese wenig überraschende Erkenntnis habe ich nach meinem letzten abendlichen Spaziergang mit Siegfried gewonnen. Obwohl der kleine Siegfried an sich sehr genügsam ist und Nahrung nur unter  Androhung von Gewalt - in Form von Photonen - zu sich nimmt, gibt es in der freien Wildbahn doch Umstände die sogar ihn bei weitem überfordern!

Aber alles der Reihe nach…

Heute ist der 30. Dezember 2011 und ich habe diese Aufnahmen vor zwei Tagen spätnachts gemacht. Das sind dann immer jene Tage an denen mich meine Frau mit wachsamen Augen mustert und nicht verstehen kann, wieso ihr an sich erwachsener Gatte gegen 22:00 Uhr seinen Fotorucksack packt und bei 2°C Außentemperatur, völliger Dunkelheit und eisigem Wind das warme Wohnzimmer verlässt und samt Stativ davonfährt.

Mir selbst kommen hierbei auch immer die seltsamsten Gedanken, aber wenn man sein Equipment testen möchte, führt an solch absonderlichen Handlungen kein Weg vorbei. Natürlich könnte man dies auch medikamentös in den Griff kriegen, vielleicht sogar in einer sehr angenehmen Form, aber wir Fotografen sind halt etwas eigen.....

Im Wald angekommen wurde mir dann schlagartig bewusst, dass auch ich nicht frei von jeglicher Angst bin und ich war bei jeder der Locations ehrlich froh, als die Bilder im Kasten waren und der Rucksack samt Stativ wieder im Auto verstaut waren. Alleine im stockfinsteren Wald gegen Mitternacht, das ist schon eine ganz eigene Liga.

 

Hier erst mal ein Foto der Kleingartensiedlung Waldrandweg gesehen von der Wiener Höhenstraße bei Nacht.

 Nikon D3s - ISO 3200 - 10sec - f/5,6

 

In Vorbereitung auf meine TWAN Fotoreise welche mich  im April nächsten Jahres nach Namibia führen wird habe ich mir den Luxus einer Nikon D3s geleistet und bin nun am erforschen, was mit dieser DSLR, weitab von den Geschichten aus dem Feenland (Internetforen) tatsächlich möglich ist. Auch im Dezember 2011 ist die D3s immer noch die Kamera mit der weltweit besten Bildqualität (bezogen auf die 12 MP in Verbindung mit ihren High-ISO Fähigkeiten).

Aus den Astroforen weiß ich, dass Nikon bei der Signalaufbereitung mehr trickst als alle anderen und das aufgezeichnete NEF sprich RAW-File alles andere als roh ist. Hier ist Canon bislang führend wenn man echte Rohdaten haben möchte und genau aus diesem Grund sind auch fast alle Astrofotografen bei Canon beheimatet.

Lässt man aber den Umstand der perfekten Rohdaten außer Acht und möchte einfach schöne, ansprechende Fotos auf die Speicherkarte bekommen hat und hier sind sich alle einig kaum eine Möglichkeit an der Nikon D3s vorbeizukommen.

Allerdings sind jedem technischen Gerät Grenzen gesetzt und diese möchte ich hier aufzeigen. Denn auch eine Nikon D3s hat ihre Grenzen und diese liegen dort wo kein Licht mehr sichtbar ist. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig dämlich, da es logisch erscheint, dass man nichts fotografieren kann wenn kein Licht mehr da ist. Hier muss man allerdings einschränken und erwähnen, dass jede Kamera vom Stativ aus zu einem Photonensammler wird und damit auch viel besser als das menschliche Auge Dinge aufnehmen kann.

 

Hier ein gutes Beispiel:

  ISO 6400 - 5 sec - f/5,6

 

Nochmals, aber mit etwas längerer Verschlußzeit:

ISO 6400 - 30 sec - f/2,8

So weit so gut.

Nikon hat und da bin ich mir sicher, alles was irgendwie technisch machbar und möglich war in die Signalaufbereitung der D3s gepackt. Ich will gar nicht wissen wie viele einzelne Eingriffe hier in Sekundenbruchteilen vorgenommen werden bis das fertige File auf die Speicherkarte geschrieben wird.

Tatsache ist jedoch, dass man sich auf ein paar Parameter festlegen musste, wollte man perfekt entrauschte JPEG Dateien abliefern. Und nur um das ging es letztlich. Denn all die Tester und Fotomagazine testen die JPEG Files out of cam und mühen sich nicht mit den NEF’s ab, da es hier wieder zu Ungereimtheiten zwischen den verschiedenen RAW-Konvertern kommen kann.

Dies bringt es mit sich, dass ein JPG – so man wie ich immer die höchste Qualitätsstufe auswählt – durchaus schon mal besser sein kann, als das Original NEF File, welches parallel dazu mitabgespeichert wurde. Das JPEG ist meist eine Spur unschärfer, aber in Punkto Rauschverhalten ein Fünkchen besser, weil fertig entrauscht.

 

Es geht noch finsterer:

 


  Nikon D3s - 1sec - f/1,2 - ISO 200

 

Aber auch hier hilft eine sehr lange Belichtungszeit in Verbindung mit der extremen Öffnung des Noct-Nikkors:


  Nikon D3s - 30sec - f/1,2 - ISO 3200

 

Geht man nun davon aus, dass die Nikon Ingenieure sich den JPEG Files mit höchster Aufmerksamkeit widmeten, kann man mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auch annehmen, dass sie vermuteten der Fotograf würde mit der Kamera Motive fotografieren die in irgend einer Art beleuchtet werden.

So simpel dies nun klingen mag, so viel Informationsgehalt steckt in dieser Botschaft. Ich behaupte hiermit, dass Nikons Forscher, Techniker und Ingenieure nicht damit rechneten, dass Idioten wie der liebe Herr Steiner des Nächtens mit der Nikon D3s um die Häuser ziehen würden um bei völliger Finsternis am Stativ zu testen ob die Kamera etwas aufzeichnen kann wo das menschliche Auge längst aufgibt.

Über diesen Fakt habe ich bis dato in keinem der Test ein Wörtchen gelesen, was mich unter uns gesagt sehr wundert, denn gerade die D3s-User sind doch dafür bekannt so gerne unter Available Light zu fotografieren, oder? Oder ist dies alles doch nur Larifari und diente als Vorwand sich ein neues Spielzeug kaufen zu können?

Was mir auffiel ist folgendes: Die Nikon D3s ist bis ISO 3200 hervorragend, weil wirklich rauschfrei. Darüber ist alles etwas komplizierter, zumindest wenn man es jemanden erklären soll.

ISO 6400 sind ein absoluter Grenzfall und gelingen nur dann perfekt wenn ausreichend Licht vorhanden ist. Am besten versucht man eine halbe bis eine ganze Blende über zu belichten – so dies möglich ist – und macht das fertige Bild wieder etwas dunkler, sodass der Eindruck wieder stimmig wird. Möchte man völlig rauschfreie ISO 6400 Files, kommt man aber am Entrauschen mittels Neat Image oder anderen Programmen nicht vorbei.

Hier wiederum ist interessant, dass Neat Image 7.1 um fast eine Blende besser entrauscht als noch die Version 6.0.2! Auch Nikon Capture NX 2.3.0 bringt etwas beim Konvertieren der NEF Files in TIF, wenn man weiß wie man damit umgeht.

 

Konvertieren der NEF Files:

Bereits hier kann man unendlich viele Fehler machen, die anschließend dazu führen, dass das Ergebnis nicht mehr dem entspricht, was man ursprünglich erwartet hat. Wer in der Nacht fotografieren möchte, sollte mMn unbedingt die höchstmögliche Qualitätseinstellung Kameraintern (14 Bit unkomprimiert) vorwählen. Die Schärfe setze ich immer auf null, da jegliches internes nachschärfen unweigerlich zum Rauschen führen muss wenn man mit ISO Werten jenseits der 3200 operiert.

Auch sind die CF Karten lange nicht mehr so teuer wie noch vor 5 Jahren und es kommt nicht darauf an ob ein Foto 20 oder 25 MB Speicherplatz einnimmt. Bei der Konvertierung von NEF zu TIFF verwende ich ausschließlich Capture NX2, da sich gezeigt hat, dass nur dieses Programm schwarze Flächen auch tatsächlich schwarz darstellt (kann leicht überprüft werden indem das Foto mittels Tonwertkorrektur extrem aufgehellt wird und man sich in den entsprechenden Bereich hinein zoomt.

Hat man dann das fertige TIFF File, speichert man es als 16 Bit File ab und öffnet es erneut in Neat Image Standalone v.7.1.

Entrauschen des TIFF Files:

Jetzt wird’s etwas knifflig, denn das Entrauschen ist eine kleine Wissenschaft für sich, besonders wenn Material vorliegt, welches stark rauscht, wie zum Beispiel dieses Bild, das ISO 102.400 aufgenommen wurde.

Mit dem automatischen Entrauschen kommt man hier nicht weit und das Foto bleibt auch nach dem Entrauschen sogar in der Verkleinerung extrem unansehnlich.

Hier muss erst das Neat Image Testchart auf mattem Fotopapier gedruckt und anschließend mit der Nikon D3s mit ISO 102.400 auf unendlich mit demselben Nikkor wie zuvor verwendet abfotografiert und auf den Computer übertragen werden.

Anschließend kann das Foto dann in Neat Image geöffnet und als eigenes Profil abgespeichert werden. Hat man entsprechend sorgfältig gearbeitet bei der Erstellung des Profils, erreicht man nahezu 100% Qualität für das entsprechende Profil. Man kann jetzt das Foto in Neat Image öffnen und das neu erstellte Profil anwenden. Das Ergebnis zeigt jetzt ein deutlich weniger rauschendes Bild, in dem sogar das unattraktive Banding sichtbar reduziert werden konnte.

Trotz all diesen Bemühungen steht für mich nach diesem Test jedoch fest, dass die Einstellungen ISO High 2,0 (51.200) und 3,0 (102.400) nicht sinnvoll einsetzbar sind. Vielleicht gibt es Situationen in denen die ISO 25.600 gerade noch nutzbar sein könnten, dies erfordert aber sicherlich ein glückliches und sehr erfahrenes Händchen beim Fotografen und viel Geschick in der Nachbearbeitung.

 

Fotografiert man aber ohne zusätzlich Lichtquelle, oder sind nur Punktförmige Lichtquellen vorhanden, die nur kleine Teilbereiche des Bildes ausleuchten, wird’s auch für die Nikon D3s problematisch. Hier zeigt sich was ich vorher angesprochen habe, an solche Fälle wurde vielleicht gedacht, aber das Augenmerk lag ganz sicher auf halbwegs gut beleuchteten Motiven.

Sollte der eine oder andere jetzt meinen dies sei jammern auf höchstem Niveau, möchte ich festhalten, dass praktisch jeder der in Fotoforen über sein Spielzeug schreibt auch ab und zu übertreibt oder lügt, also glaubt nicht alles was ihr seht oder lest. Auch die Fotos in meinem Siegfried van Noct Artikel sind allesamt mit Neat Image entrauscht worden!

 

Bildschirmtestfoto


 Solltet ihr die Äste und den Baum am Ende des Tunnels nicht sehen können, kauft euch einen anständigen Monitor!

 

Da wir aber hier bei der Wahrheit bleiben und die Kirche im Dorf lassen wollen, möchte ich euch berichten, dass auch eine auf nahezu 0°C abgekühlte Nikon D3s ihre Grenzen in punkto Rauscharmut hat. Wo wirklich kein Licht vorhanden ist – außerstädtisch im Wald ohne Laternen zB – sind  ISO 6400 die Grenze, so man ordentliche Fotos nach Hause bringen möchte.

Geht man darüber hinaus, ist das Ergebnis immer noch nett, aber man wendet erheblich mehr Zeit dafür auf, die Files zu entrauschen. Um an dieser Stelle kein Missverständnis aufkommen zu lassen erlaube ich mir den Hinweis, dass eine D700 (ähnlich D3) um fast 2 Blenden früher am Ende ist und zur D7000 gar 3 volle Blenden Abstand da sind.

Wer das nicht glauben will braucht nur einmal mit einer Nikon D3s fotografieren und die Files anschließend zu vergleichen.

 

Hier mein zweites Beispiel:

Mein – unaufgeräumtes Wohnzimmer -  mit ISO 25.600 (JPEG ooc nur verkleinert!)

 


 ISO 25.600 - 1/160sec - f/5,6 (Matrix +1,0LW)

 

Und hier unter schlechtesten Aufnahmebedingungen, aber für den Sensor perfekten, weil sehr niedrigen Temperaturen.

 


  ISO 25.600 - 1/15sec - f/1,2

 

Die gleich Aufnahme mit ISO 200, einer Belichtungszeit von 30 Sekunden und Blende f/4,0, also quasi unter optimalen Bedingungen.

 

 ISO 200 - 30 sec - f/4,0

 

Dies ist der Unterschied zwischen einer gerade noch möglichen Freihandaufnahme (1/15sec bei Offenblende) zu einer perfekten Aufnahme vom schweren Stativ auch bei windigen Verhältnissen.

 

Um zu verdeutlichen unter welch schlechten Lichtverhältnissen die zweite Aufnahme entstand ein kleiner Denkanstoß. Das Foto von der Waldlichtung entstand mit dem Noct-Nikkor bei Offenblende, also f/1,2, ISO 25.600 und 1/15sec Belichtungszeit.

Das Bild vom Wohnzimmer wurde zwar ebenfalls mit ISO 25.600 aufgezeichnet, allerdings waren hier 1/160sec mit Blende f/5,6 die Aufnahmeparameter. Das sind nach Adam Riese fast 8 Blenden Unterschied, also um den Faktor 200 mehr Licht im Waldfoto! Und trotzdem, oder gerade wegen diesem Faktor 200 rauscht es im Waldfoto so stark, dass bereits deutliches Banding zu erkenn ist.

 

Ganz wichtig auch wenn man in der Nacht fotografieren gehen will: Man sollte seine Kamera blind bedienen können und wenn ich sage blind, meine ich wirklich blind, denn nachts im Wald da sieht man nicht nur kein Motiv, nein, man sieht auch die Bedienelemente der Kamera nicht mehr. Ein beleuchtetes Display hilft da auch nicht viel da keine der Tasten beleuchtet ist.

Vom Motiv suchen oder scharfstellen reden wir da erst gar nicht.

Da mein 2 stündiger Ausflug in die Kälte des Wienerwaldes aber nur eine Vorbereitung für Namibia war, möchte ich euch nicht zu Tode langweilen und poste wie gewohnt ein paar Bilder.

 


 


 


 


 


Fazit:

Die Nikon D3s ist die mit Abstand beste Kamera die ich jemals in Händen hielt und lässt auch die Nikon D3x ganz schön alt aussehen was die Bildqualität anbelangt. Bei ISO 200 zB haben die Fotos eine solche Schärfe und Detailgenauigkeit (so ein stabiles Stativ verwendung fand), dass man die Files bis auf 24 MP hochrechnen und immer noch verwenden kann.

 

 

Einen guten Rutsch ins neue Jahr und weiterhin viel Freude beim fotografieren wünscht euch euer

 

Wolfgang

30.12.2011