Crashkurs in Ultraviolet
Was sie wissen sollten wenn sie an Fotografie im ultravioletten Spektrum interessiert sind
Einleitung
Ganze 6 Wochen wartete ich bis ich endlich alle benötigten Teile beisammen hatte um aus meiner neuen Fuji Finepix S3 Pro eine UV Kamera basteln zu können. Wenn sie sich nun verwundert fragen wieso ich dies als basteln bezeichne darf ich sie um etwas Geduld ersuchen. Weiter unten im Text wird schnell klar werden das es hiebei eher um eine Bastelanleitung als um einen Crashkurs in der UV Fotografie selbst geht. Ich will und kann ihnen aber auch gar nichts bebringen wenn es um die Fotografie an sich geht, was ich tun möchte ist hingegen folgendes. Eine leicht für verständlich Anleitung bieten mit der jedermann binnen weniger Tage selbst in der Lage ist um wenig Geld im ultravioletten Spektrum Fotos schiessen zu können. Ich war also dann nach langem warten und vielen Fehlschlägen bezüglich des benötigten Equipments endlich soweit und kann nun den letzten Schritt mit meinem neuen Spielzeug wagen, dem fotografieren im Ultravioletten Spektrum des von unserer Sonne ausgestrahlten Lichts.
Leider musste ich in den letzten Tagen und Wochen zur Kenntnis nehmen, dass praktisch jeder Fotograf etwas anderes unter dem Terminus "Ultraviolet" versteht. Dies verwunderte mich sehr da man doch annehmen sollte das es relativ simpel ist, wir wollen alle das selbe, nämlich mit unseren Kameras faszinierende Bilder aus diesem für uns unsichtbaren Teil des gesamten Spektrums einzufangen und in Form von falschfarben UV Fotos sichtbar zu machen. Diese "Verfremdung" bietet sich hervorragend für kreative arbeiten an, da sie anders als die Falschfarben Infratofotografie als Grundfarbe violet hat und viel leichter zu blau konvertiert werden kann. Diese Auffassung vertrete aber anscheinend nur ich, denn viele der anderen Profis (okay es sind vielleicht nur 5-10 Wahnsinnige weltweit, ich gebs ja zu ;), welche schon bisher in Ultraviolet experimentiert haben, erwiesen sich bei zuletzt im Internet geführten Diskussionen als echte Hardliner und erklärten mir immer und immer wieder das dies was hier von mir beschrieben wird keine "echte" Ultravioletfotografie wäre. Ich möchte zu dieser Aussage später Stellung nehmen und vorerst einmal einen Vergleich im Bereich der Infrarotfotografie heranziehen.
Wie fast jedermann weiss ist es relativ simpel im infraroten Bereich zu fotografieren. Man nehme z.B. das recht gängige Nikkor AF 18-70mm Kit Objektiv, schraube einen Hoya R72 Filter davor, belichte etwas länger... und siehe da, man hat sein erstes "Infrarotfoto" gemacht. All die Amateurfotografen und nur an die wende ich mir hier, würden nun mit Sicherheit behaupten sie hätten ein echtes Infrarot Bild geschossen, richtig? Stimmt nicht sagen die Hordcorefreaks da draussen. Der Hoya R72 lässt nämlich eine ganz gehörige Portion an sichtbarem Licht durch. Speziell im oberen Band des sichtbaren Spektrums, also in den Farben orange bis rot ist er sehr durchlässig was auch den Farbstich erklärt den er anschließend bei der Betrachtung am Sucher zeigt.
Komischerweise sagt hier das Transmissionsdatenblatt etwas anderes
Wie wir aber im weiteren Verlauf meiner Analyse sehen werden stimmt kein Transmissionsdatenblatt auch nur annähernd mit dem was der Filter tatsächlich durchlässt überein. Diese Erkenntnis entstammt aber nicht dem hörensagen von irgendwelchen Leuten aus meinem Umfeld, sondern von Fotografen wie Bjorn Rorslet welcher schon jahrelang in diesem Gebiet der Fotografie forscht. Um es nun auf den Punkt zu bringen. Würde man der Argumentation der Hardliner nun Folge leisten wäre selbst ein Foto welches man mit dem B+W Filter #093 gemacht hat immer noch kein Infrarotbild. Denn sogar mit diesem Filter ist sicher noch eine geringe, aber eben noch messbare Kontamination mit sichtbarem und vielleicht auch Ultraviolettem Licht vorhanden.
Dies ist natürlich rein wissenschaftlich gesehen korrekt, nur frage ich mich halt in wie weit dies für die künstlerische Fotografie von Relevanz sein könnte? Oder um es einfacher auszudrücken, selbst mit größtem Aufwand wird man es nicht schaffen Fotos zu visualisieren welche ausschliesslich auf Infraroter oder Ultravioletter Strahlung basieren. Fotografieren in Ultraviolet ist genau wie die Falschfarben Infrarotfotograie, aber eben nicht am Ende des sichtbaren Spektrums sondern gegenüber an dessen Anfang. Falls ich manche jetzt etwas verunsichert haben sollte, hier noch meine persönliche Meinung. Wenn vor ihrem Objektiv ein Baader- U-Filter sitzt können sie mit Fug und recht behaupten Ultraviolette Fotos gemacht zu haben, soviel ist sicher.
Nun zum eigentlichen "Anfängerlehrgang"
Was sich hier so einfach anhört erforderte jahrelange empirische Forschung vieler Fotografen welche diese Sparte der Fotografie überhaupt erst ermöglichten. Für besonders erwähnenswert erachte ich die Publikationen von Bjorn Rorslet welchen ich sehr schätze wenn wir auch nicht immer einer Meinung sind. Aber auch all die anderen wie Akira Sakamoto, Vivek Iyer und Regit Young verdienen es hier an dieser Stelle erwähnt zu werden. Ohne ihre Pionierarbeit wäre es mir sicherlich nicht möglich gewesen alles in Erfahrung zu bringen was notwendig war um diesen Beitrag posten zu können.
Was könnt ihr nun von diesem Beitrag erwarten? Nicht viel wenn euer Name bereits oben erwähnt wurde ;-) Dies hier ist nur ein simpler Startlehrgang in UV Fotografie für alle die eine Digitale Spiegelreflexkamera ihr eigen nennen und sich künstlerisch weiterentwickeln möchten. Ideal wäre natürlich die Fuji Finepix S3 Pro UVIR welche ich für diesen Test nutze, da sie speziell im Ultravioletten Band um mehr als eine Blende empfindlicher ist als z.B. eine modifizierte Nikon D70, aber mir ist klar das nicht jederman eine so teure Kamera kaufen wird nur um mal schnell auszuprobieren ob UV sein "Ding" ist.
Da wir nun ein wenig über Grunsätzliches gesprochen haben, würde ich sagen wir sind jetzt soweit. Lasst uns eintreten in eine neue unwirkliche Welt, diesseits des sichtbaren Lichts. Bevor ich euch aber erkläre welche Ausrüstung erforderlich ist gilt es eine Entscheidung zu treffen. Möchtet ihr Fotos im puren Ultravioletten Bereich machen, also ohne jegliche Infrarot Kontamination und ohne den geringsten Anteil an sichtbarem Licht, oder genügt es euch falschfarben Ultravioletbilder zu machen welche anschliessend in eurem Bildbearbeitungsprogramm in unglaublich farbenprächtige falschfarben Bilder verwandelt werden können? Siehe meine neue Ultraviolet Gallerie !
Wenn man sich für ersteres entscheidet sollte man aber bedenken das es weltweit nur eine handvoll Objektive gibt welche ultraviolettes Licht überhaupt passieren lassen. Und schon sind wir mitten in technischen Details mit welchen ich euch jetzt leider konfrontieren muss. Es gehört nämlich leider zur Ultraviolettfotografie viele technische Feinheiten zu kennen und auch zu verstehen, sonst kommt man niemals zu einem vernünftigen Ergebnis. Da die Kamera Fakt ist, immerhin habt ihr sie ja schon, können wir uns dieses Thema wohl sparen denk ich mal. Beginnen wir also gleich bei den Objektiven. Die Elemente eines jeden heute gebräuchlichen Objektivs bestehen aus einer vielzahl präzisonsgeschliffener Glaslinsen. Diese Linsen werden nach dem pressen oder schleifen mit einer ganz besonderen Oberflächenbehandlung vergütet,allgemein bekannt als "Multicoating". Meist erfüllt dieses "Multicoating" jedoch gleich mehrere Eigenschaften. Es schützt das Frontelement gegen Kratzer weil es die Oberfläche härtet, gleichzeitig mindertet es Reflexionen welche als sehr störend empfunden werden wenn z.B. die Sonne im Bild ist (bei Gegenlichtaufnahmen), es hindert aber auch Infrarotes sowie Ultraviolettes Licht am eindringen. Dies funktioniert im Ultravioletten Bereich recht gut, im Infraroten leichder nur teilweise. Um diese Vorgänge verstehen zu können müssen wir uns folgendes vor Augen halten. Das von der Sonne ausgestrahlte Spektrum an "Licht" beginnt bei 0 (null) nm (Nanometer) und geht bis über 5000nm, davon ist aber nur ein sehr kleiner Bereich, nämlich der zwischen 400nm und 700nm für uns Menschen sichtbar. Bei etwa 400nm beginnt Violett, weshalb alles darunter als Ultraviolet bezeichnet wird und endet bei der Frabe Rot, weshalb alles darüber von uns als Infrarot definiert wurde. Dies ist sicherlich nicht ganz korrekt denn wieso sollte der gesamte Bereich darüber nur rot sein. Immerhin umfasst der gesamte für Menschen sichtbare Bereich "nur" 300nm, der Infrarote aber sage und schreibe 4300nm! Die Erklärung ist recht simpel denk ich mal. Da wir es nicht sehen können wissen wir auch nicht wie man es beschreiben sollte. Einige Insekten können zum Beispiel im Ultravioletten Spektrum sehen und nutzen dies um Blütenkelche Punktgenau anfilegen zu können. Ob sie deshalb aber auch in der Lage sind im ultravioletten Bereich Farben differenzieren zu können wage ich aber eher zu bezeweifeln. Ist aber auch nicht mein Fachgebiet ;)
Kommen wir von der Beschichtung der einzelnen Linsen im Objektiv zu den verwendeten Glassorten. Eine sehr gängige Glasorte zur Herstellung von qualitativ hochwertigen Gläsern im Objektivbau ist die Sorte BK-7 wie mir ein Wissenschaftler der technischen Universität Linz erst kürzlich mitteilte. Dieses Glas weist für unsere fotografischen Zwecke sehr gute Transmissionseigenschaften auf, da es erst ab dem UV-A Band durchlässig ist und bis etwa 1500nm gleichmässig Strahlung passieren lässt. Dies ist sehr wichtig für die Bildmässige Fotografie damit sich die Ingenieure voll darauf konzentrieren können wie die unterschiedlich brechenden Farben blau grün und rot letztendlich in ein und der selbenen Ebene auf den Sensor auftreffen sollen. Ein nicht einfach zu lösendes Problem, sieht man sich sie Retrofokuskonstruktionen heutiger Superweitwinkelzooms im Schnitt an. Eine Vielzahl von niedrigbrechenden Linsen sowie Asphären finden heute Verwendung im Objektivbau. Der Grund dafür ist relativ leicht eklärbar bezieht man sich auf ein einzelnes Problem. Die erzielbare Schärfe zum Beispiel. Jede "Farbe" hat eine Unterschiedliche Wellenlänge und damit einen anderen Brechungsindex welcher einfach gesagt bewirkt das beim Austritt aus der letzten Linse unscharfe Farbsäume, welche in der Fotografie allgemein als CA (Chromatic Aberration) Chromatische Aberation bezeichnet werden. Damit sind die unschönen Farbsäume gemeint welche viele Objektive produzieren. Die daraus resultierende Unschärfe ist logisch wenn man bedenkt das alle drei Grundfarben (Rot, Grün und Blau) in einem Punkt auf den Sensor treffen sollten und nicht nebeneinander.
Der Grund warum ich speziell diesen einen Bereich kurz erwähne ist folgender..... nur mit dem Verständnis wieso eine Fokusverschiebung stattfinden muss wird man beim fotografieren mit verschiedenen Filtern im Ultravioletten Bereich auch daran denken, dass es umbedingt erforderlich ist den Fokus manuell den Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Bei Infrarot ist die Sache hinlänglich bekannt und dokumentiert. Alle alten Nikkore der Pre-Autofokusära besitzen sogar noch den roten Punkt links neben der Unendlichmarkierung. Doch dieser hilft und nicht viel da die Wellenlänge des Ultravioletten Licht noch viel kürzer als die des Infraroten ist. Da hilft uns gar nichts, es heisst probieren geht über studieren, bei jedem Objekiv will die "Defokussierung" immer wieder aufs neue "gefunden" werden. Beim Nikkor Series E 35mm welches für die Falschfarben UV Fotografie bestens geeingnet (bei Ebay billig in großer Stückzahl zu haben) ist, was all meine derzeit geposteten Bilder im UV Ordner belegen, ist es erforderlich den Fokus zwischen Unendlich und 2m zu stellen, also etwa auf 5m. Dies bringt die größte Schärfe und kann in Verbindung mit einem Stativ und Blende 11 hervorragende Aufnahmen liefern welche qualitativ auch keinen Vergleich mit sehr guten Infrarotaufnahmen zu scheuen brauchen.
Da nun aber alle Objektive mit solchen für die Ultraviolette Fotografie untauglichen Multicoating Beschichtungen versehen sind, müssen wir uns umsehen welche Objektive "gerade noch tauglich" für unsere speziellen Erfodernisse sein könnten. Wie viele von Euch bereits wissen werden gibt es das extrem teure und auch sehr seltene UV- Nikkor 105mm welches natürlich hervorragend für diesen Einsatzzweck geeignet wäre. Meiner persönlichen Meinung nach ist es zwar ein ziemlicher technischer Overkill ein Objektiv zu verwenden welches runter bis 220nm Licht durchlässt wenn doch alles unter 320nm bereits UV-B Strahlung ist. Ohne Ozonloch gibts da eher nix zu fotografieren ;-) Und in der gegend von 200nm wirds überhaupt interessant, denn alles unter 200nm tritt nur im Vakuum auf.
Eines hatten all diese Objektive jedoch geemeinsam, sie wurden in extrem kleinen Stückzahlen aus sehr teuren Fluorit und Quatrzgläsern hergestellt und anschliessend eingestellt. Da ich hier aber keine Dissertation über den Objektivbau verfassen möchte und mehr Fotograf als Autor bin möchte ich es bei dieser kurzen und hoffentlich halbwegs verständlichen Einführung bezüglich der Problematik im ultravioletten Spektrum belassen.
Hier noch eine Grafik welche verdeutlicht das auch "normale" Objektive (aus BK-/ Glas) durchaus für unsere Zwecke tauglich wäre, ohne die Beschichtung der einzelnen Elemente halt :-(

Natürlich kann ich nachvollziehen das Bjorn Rorslet sich darüber freut eines der seltenen UV-Nikkore plus den überhaupt nicht mehr erhältlichen SB-140 Blitz von Nikon sein eigen nennen zu können, keine Frage, nur hilt es dem normal Sterblichen recht wenig in jedem Test mindestens dreimal lesen zu müssen das dies das beste Objektiv sei wenn man es weder zu kaufen bekommt, noch es sich jemals leisten könnte. An anderer Stelle wurde von ihm ein Tipp gegeben in dem er eine Anleitung zum Entfernen der Beschichtung des Nikkor Serie E 28mm und 35mm postet. Ich warne hiermit eindringlich davor dies zu tun, da dies unweigerlich zur Zerstörung der Optik und all seiner optischen Eigenschaften führen muss. Ein kurzer Anruf beim Optiker ihres Vertrauens hilft in diesem Punkt sehr und wird sie davon überzeugen das die absolut schlechteste Variante das "wegpolieren" ist. Man muss sich nur vorstellen wie unter Vakuum eine Beschichtung im Nanonmeterbereich aufgedampft wurde und wir anschließend mit Schleifpaste und Tuch versuchen diese wieder herauszupolieren. Das einzige was damit erreicht wird sind hübsche ungleichmässig verteilte Dellen im Glas, welche daraus resultieren das Glas abgetragen wurde. Unschärfe welche durch die hineinpolierten Dellen in der Oberfläche resultieren sind das Ergebnis welche das Objektiv unbrauchbar machen.
Natürlich gibt es auch für diese durchaus nachvollziehbare Idee eine wenn auch nicht billige Lösung. Man nehme das beschriebene Nikkor Serie E 35mm, bringe es zur örtlichen Nikon Vertretung und bitte darum die Frontlinse auszubauen. Dies kostet eta 100 bis 150 Euro. Anschließned holt man sich die Frontlinse wieder ab und bringt sie zu einer Glasfabrik in eurer Nähe. Dort kann durch abbeizen in einer Säurelösung jegliche Beschichtung wieder entfernt werden. Garantie für die gelieferte Linse übernimmt natürlich niemand, all dies geht nur auf eigene Gefahr und Kosten. Wieviel das abbeizen kostet weiss ich leider nicht aber es dürfte sich in ähnlichen Preislagen bewegen wie das ein und ausbauen der Linse bei Nikon selbst.
Nach all den Infos die sie jetzt von mir erhalten haben sind wir nun an dem Punkt angelangt wo sie eine Entscheidung für sich treffen müssen.
Hardcore UV Fotografie, oder doch nur"hineinschnuppern"?Wenn ich nun ihr Interesse für die absolute Hardcore Variante wecken konnte benötigen sie die Fuji Finepix S3 Pro UVIR plus folgendem Zubehör: UV-Nikkor 105mm, Nikon SB-140 Blitz, sowie alle folgenden Filter: (Schott BG-38, BG-40, UG-11, Hoya U-350/ oder 360, B+W 403, B+W 486, Baader U-filter). Dieser Ausflug kostet dann alles in allem gut und gern 7000 bis 8000 Euro und wird sich vermutlich auf die Fotografie von Blümchen in absoluter Dunkelheit beschränken ;-)
Sollten sie aber genau wie ich nicht ganz so sicher sein ob dieser extreme Bereich der Fotografie "ihr Ding" sein könnte und sie nicht sofort tausende Euros in anschließend nutzloses Equipment investieren möchten empfehle ich ihnen weiterzulesen und gemeinsam mit mir ein wenig zu basteln.
Chapter 1
Wie baut man sich ein günstiges Objektiv welches qualitativ hochwertig und für die ultraviolet Fotografie tauglich ist?
Mein persönlicher Tipp für sie ist folgender. Versuchen sie bei Ebay eines der alten EL-Nikkore zu bekommen welche bis heute in üblichen Vergrößerern von Fachlaboren zum Einsatz kommen. Am besten geignet ist das EL-Nikkor 63mm f/3.5 für unseren Zweck. Dieses Objektiv hat einen M39 Anschluss und ist recht günstig zu bekommen heutzutage, es kostet derzeit rund 50 bis maximal 150 Euro. Mit recht einfachen Mitteln passt es sogar an unsere DSLR wie wir gleich sehen werden.
Gehen wir nun der Einfachheit halber davon aus sie haben das EL-Nikkor 63mm f/3.5 schon gekauft und widmen wir uns den Gegenständen die wir sonst noch benötigen um dieses Objektiv an unserer Kamera einsetzen zu können. Als erstes brauchen wir einen Screw Mount Adapter welcher rund 3 Euro kosten dürfte (ohne Versand versteht sich). Ich belasse die Englischen Ausdrücke damit sie es bei der Suche in Ebay leichter haben und nicht raten müssen was sie bei der "erweiterten Suche" eingeben müssen. Natürlich haben sie recht, wir beötigen nicht M42 für den Anschluss, sondern M39, da unser Objektiv einen M39 Gewindeanschluss hat, gut aufgepasst. Leider gibt es aber keine Nikon Anschlüsse passend auf M39. Beginnen wir deshalb mit dem was es gibt, den oben erwähnten Screw Mount Adapter auf M42. Als nächstes brauchen wir einen Übersetzungsring von M42 auf M39 genannt M39 to M42 lens screw adapter ring welcher rund 2 Euro kosten sollte, natürlich wieder ohne Versandgebühren! Dieser Ring ist wie wir später sehen werden ein essentielles Element da wir ihn später brauchen werden um unser Objektiv fokussieren zu können. Des weiteren müssen sie sich die Nikkor Extension Rings Type F kaufen, welche heutzutage leider recht selten geworden sind. Diese Verlängerungsringe dienen uns in weiterer Folge zum fokussieren und sind absolut notwendig. Ohne den K1 Ring ist es fast unmöglch das hier beschriebene Objektiv in einem Abstand von etwa 8mm vom Auflagemass gemessen anzubringen. Mit ein wenig Glück aber gibt es diese Ringe immer wieder um 30 bis 100 Euro zu kaufen (bei Ebay versteht sich ;-)
Lasst uns nun sehen was wir in unserem virtuellen Warenkorb alles gesammelt haben:
1.) Das EL-Nikkor 63mm f/3.5 (Vergrößerungsobjektiv)
2.) Hier die Rückseite des M42 auf Nikon Adapters
Und hier noch die Vorderseite zum besseren Verständnis
3.) Der oben beschriebene Adapterring (M39 auf M42)
4.) Die Verlängerungsringe Model "F"
4.) Superkleber
Der nächste Schritt ist nun sich selbst einmal klar zu machen das die Fotografie im Ultravioletten Bereich komplett manuell statfindet. Dies ist für mich völlig klar und selbstverständlich, für viele andere hingegen jedoch schlicht inakzeptabel und ein absolutes KO Kriterium. Deshalb erwähne ich es hier ausdrücklich. Das Objektiv besitzt nicht einmal einen Fokusring und hat auch keine beweglichen Linsengruppen, was heisst..... es kann nur durch bewegen des gesamten Objektivs im Verhältnis zur Kamera fokussiert werden, (theoretisch also z.B. mittels eines Balgen) Leider fällt diese unhandliche aber durchaus praktische Möglichkeit aber aus, da wir nur 8mm zu überbrücken haben! In der Praxis bedeutet dies, dass wir und einen Adapter für unendlich und einen anderen für "Nahaufnahmen basteln müssen um viele Bereiche der UV Fotografie abdecken zu können. Fürs erste beschränken wir uns aber erstmal auf die Einstellung unendlich. Für diesen Zweck schrauben wir den Adapterring soweit in den Nikon Anschluss mit M42 Gewinde bis er nur mehr ca. 2mm herausragt.
Sollte ihnen nun nicht ganz klar sein wie ich das meine bitte ich sie sich die nachfolgenden Bilder genau anzusehen. daraus sollte nun klar hervorgehen was gemeint ist.
Nun nehmen wir den ersten und dünnsten Ring unserer K1-K5 Verlängerungsringe Model F und setzen beide wie in der folgenden Abbildung zusammen.
Hier noch einmal im Detail:
Unser Adapter besteht nun schon aus drei Einzelteilen und ist trotzdem erst 8mm dick (das Bajonett welches in der Kamera verschwindet nicht eingerechnet!)
Jetzt können wir unseren Adapter bereits an das Objektiv montieren.
Das fertige Objektiv
Für gerade mal 230 bis 300 Euro haben wir ein fertiges Objektiv vor uns welches sehr gut für die ultraviolette Fotografie geignet ist. Verglichen mit dem zu letzt bei Ebay verkauftem UV-Nikkor welches in der Auktion einen Verkaufspreis von 2873 Euro erzielt hatte, ein wahres Schnäppchen.
Kapitel 2
Testen der erzielbaren Qualität des neuen Objektives
Wir sind nun bereit das Objektiv an unsere Kamera zu schrauben und die ersten Bilder zu machen. Als besondere Kamera-Einstellungen empfehle ich den Belichtungsmesser auf "M" also den manuellen Modus einzustellen. Iso 400 einzustellen und den Autofokus zu deaktivieren schadet auch nicht ;-) Beginnen wir nun auf einem Stativ und natürlich mit Selbstauslöser zu kontrollieren was wir auf dem Display unserer Digitalkamera zu sehen bekommen. Nach wenigen Bildern sollte die korrekte Verschlusszeit ermittelt worden sein und wir können fortfahren mit unserem Test. Wegen der optischen Konstruktion des verwendeten Objektives ist die erzielbare Schärfentiefe extrem groß wenn auf Blende 11 oder gar 16 abgeblendet wird. Schon bei Blende 11 ist von etwa 4 Metern Entfernung bis unendlich alles scharf! Und dies trotz einer auf Kleinbild umgerechneten Brennweite von 94.5mm (63mm x 1.5= 94.5mm).
Ach ja bevor ich es vergesse, ein Kontrollblick durch den Sucher ihrer Kamera sollte noch erfolgen um selbst zu überprüfen ob ihnen der Wolfgang auch keinen Schmäh erzählt hat. Bei mir sind es wie schon erwähnt 2mm welche der M39 auf M42 Ring über das Auflagemass des M42 auf Nikon Adapter hinausragen muss. Aber wer sagt schon das dies auch bei dem von ihnen erworbenen 63mm El-Nikkor so sein muss? Testen sie dies bitte nur bei völlig geöffneter Blende! Sollte nun bei angesetztem Objektiv wirklich auf undendlich die Schärfeebene liegen, können wir den wackeligen Ring mit dem Adapter zu einer Einheit verbinden was meiner Meinung nach sehr wichtig ist. Es erfordert nämlich schon genügend Konzentration all die erforderlichen manuellen Einstellungen immer wieder aufs neue zu korrigieren, wenn dann noch dazu alles wackelt verliert man schnell die Freude an anschließend vielleicht unscharfen Aufnahmen. Gar nicht zu reden davon sollte der Ring sich selbstständig machen und das kostbare, weil so seltene Objektiv auf den Boden fallen (eine Horrovision)
Ist die Kombination nun im Bereich unendlich wirklich scharf, können wir den Superkleber zur Hand nehmen und fortfahren.
Ich denke ich kann mir die Warnungen bezüglich der Gefährlichkeit von Superklebern sparen, sollte es doch hinlänglich bekannt sein wie gut Finger mit Metallteilen zu verbinden sind wenn man nicht vorsichtig genug agiert. Auch warne ich eindringlich davor den so zu einer Einheit verschweissten Adapter zu früh an die Kamera anzusetzen. DIES FÜHRT UNWEIGERLICH ZUR BESCHÄDIGUNG DES SENSORS UND DES SCHWINGSPIEGELS DA DER KLEBER BEIM AUSHÄRTEN DÄMPFE ABSONDERT!!! (denken sie an die Fingerabdruckgeschichte in den CSI Filmen)
Nun sind wir bereit um die ersten Bilder mit unserem Objektiv machen zu können.
Die Ergebnisse werden sie unter Garantie beeindrucken. Dieses für die Reproduktion von Mikrofilmen gebaute Objektiv überträgt feinste Strukturen und liefert auch ungeschärft Bilder in höchster Qualität.
Hier meine ersten Testbilder im sichtbaren Spektrum
Testfoto 01 (unbearbeitet mit 1850x1238 pixel)
Testfoto 01 (unbearbeiteter 100% Crop mit 1850x1238 pixel)
Dieses Bild wurde mit meiner Fuji Finepix S3 Pro UVIR und dem EL-Nikkor 63mm f/3.5 plus einem B+W UV/IR Cut Filter #486 at f/8.0 and 1/250sec (-1.5EV) bei Iso 100 gemacht. Von einem stabilen Stativ aus und mit Selbstauslöser versteht sich von selbst.
Wegen dem Alter des Objektives hatte ich ehrlich gesagt schwere Bedenken bezüglich der erreichbaren Qualität und erwartete das Schlimmste. Umso überraschter betrachtete ich staunend am Monitor was dieser Oldtimer da ablieferte. Unglaublich scharfe detailreiche Aufnahmen ohne jede optische Verzeichnung oder Aberation. Einfach unpackbar. Sofort kam mir der Gedanke das dies förmlich nach einem Vergleich mit dem nagelneuen Top Objektiv bezüglich Qualität, dem AF Nikkor 50mm f/1.8 schreit. Dieses Objektiv ist über jeden Zweifel erhaben und muss das alte EL-Nikkor eigentlich in jedem Bereich um Längen schlagen, dachte ich mir.
Aber sehen sie selbst und bilden sie sich ihr eigenes Urteil......
Testfoto 02 (unbearbeitet mit 1850x1238 pixel)
Testfoto 02 (unbearbeitet 100% Crop mit 1850x1238 pixel)
Ich weiss was sie sich nun denken... das ist doch unmöglich, richtig? Die Bilder wurden vielleicht unabsichtlich vertauscht, oder? Weit gefehlt, das alte EL-Nikkor hat die weitaus bessere Abbildungsqualität. In Zukunft werde ich es wohl nicht nur für die UV Fotografie einsetzen war mein erster Gedanke nach Sichtung dieser hervorragenden Ergebnisse.
Nach diesen sehr positiven Resultaten können wir nun zum nächsten Kapitel schreiten.
Kapitel 3
Wir suchen passende Filter
Vorab falls sie es nicht wissen sollten. Es gibt so viele Filterkombinationen das man ein eigenes Buch darüber schreiben könnte. Da ich auf diesem Gebiet selber erst Lehrling bin, empfehle ich nur die Dinge von denen ich glaube das sie auch tatsächlich erfolgversprechend sind. Viele Profis verwenden eine Kombination von mindestens 2 Filtern hintereinander da es keinen einzigen Filter weltweit gibt der alles bis auf UV-A Strahlung sperrt.
Also gut, einen gäbe es theoretisch, aber eben nur theoretisch. Den U-Filter (Venus Filter) der Firma Baader Planetarium . Leider hält auch dieser Filter aber nicht das was sein Hersteller im Transmissionsdatenblatt verspricht. Demzufolge wäre er nämlich nur im Bereich zwischen 300nm und 400nm zu maximal 80% durchlässig, was perfekt für unsere Art der Fotografie geeignet wäre. Da er aber wie ich feststellen musste sehr wohl hochfrequentes Infrarot über 900nm durchlässt bestehen die Flaschfarben UV Bilder zu einem beträchtlichen Teil aus Infrarotem Licht.
Dies ist insoferne sehr ärgerlich, als alle Profis genau diesen Baader U-Filter als den Wunderwuzi unter all den Filtern anpreisen und dabei still und heimlich verschweigen, das trotzdem ein IR Blocker höchster Güte von Nöten ist um das "grausliche" Infrarote Licht vom Sensor fernzuhalten. Dazu kommt eigentlich nur der Schott Filter BG-38 oder besser noch BG-40 in Frage und am besten nicht die Version mit 1mm Dicke, sondern gleich die hardcore Variante mit 2mm Dicke/Stärke. Leider wird dieser Filter nur mehr in Japan von der Firma Shibuya-Optical vertrieben. Gott sei Dank gibt es nette Menschen wir Herrn Akira Sakamoto welche nicht nur perfekt deutsch sprechen, sondern armen Fotografen wie mir bei der Suche nach diesen Filtern behilflich sind. Herzilchen Dank an dieser Stelle nach Japan an Herrn Sakamoto.
Dieser Spezialfilter wird wie schon der Name seines Herstellers unschwer verrät für Astronomische Anwendungen gebaut und deshalb haben wir Fotografen auch ein kleines Problem mit ihm. Er ist nämlich nur in der etwas ungewöhnlichen Grosse 1 1/4" erhältlich. Dies entspricht ca. 31.8mm Durchmesser was sich überhaupt nicht mit den erhältlichen Filteringen kominieren lässt. Zum Glück bietet das Baader Planetarium aber einen Adapter an, welcher auf genialste Weise an jedes Objektiv mit dem gänigen Filterdurchmesser mit 52mm passt. Die Konstruktion ist dabei so gewählt das der eigentliche sehr kleine Filter nur einen oder vielleicht zwei Millimeter vor der Fronlinse "sitzt" und damit sogar am 35mm Objektiv keinerlei Vignetierungen erzeugt. Der Filter wurde übrigens zur Wolkenbeobachtung des Planeten Venus konstruiert. Erst mit der Einführung dieses Filters wurde es laut der Werbung des Baader Planetariums möglich die Wolkenstrukturen der Venus als Amateur beobachten zu können. Wie dies genau gehen soll entzieht sich meiner Kenntnis, da er im sichtbaren Spektrum ja finster wie im Arlbergtunnel bei Stromausfall ist, aber möglichweise sprechen die ja von Webcamaufnahmen welche man sich nachher als Video ansehen kann?
Hier die falsche Transmissionskurve welche auf der Homepage zu sehen ist:
Wenn sie auf die Grafik klicken erscheint eine bessere weil echte Transmissionskurve welche ich heute von einem Mitarbeiter des Planetariums zugesandt bekommen habe. Seine lapidare Antwort zu meinem Vorwurf das der Filter im Infraroten Bereich durchlässig wäre war dann nur:
Zitat Anfang"Wir haben den Filter für amateurastronomische Anwendungen entwickelt. Es gibt einen kleinen IR Peak jenseits dessen was in der Amateurastronomie eine Rolle spielt. Das ist auch jenseits der Kurve unseres Datenblattes. Der Filter macht im IR nochmal auf, in anderen Bereichen ist er dicht. Dafür ist der Peak jenseits 900nm nicht von Interesse. ..Zitat Ende"
Also für mich zeigt das Datenblatt auf der Homepage eindeutig einen Bereich bis 1500nm wenn ihr mich fragt und da ist kein "aufmachen" erkennbar, aber bitte? Und davon das es nicht von Interesse ist kann auch keine Rede sein. Ist halt wie so oft in der Werbung, zuerst wird viel versprochen, dann aber wenn der Kunde gekauft hat,...
Statt mit mir darüber zu reden ob sich dieser "Mangel" durch andere Filter in Kombination vielleicht beheben liesse wurde ich nur höflich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass ich ihn ja zurück senden könne und den Rechnungsbetrag anschließend rückerstattet bekäme ????? Komische Firma, produzieren so hochwertige gute Produkte und kümmern sich nicht um die Zufriendenheit ihrer Kunden. Aber ich muss ja nicht alles verstehen, oder?
Was wir nun noch brauchen um diesen Filter an unserem selbstgebastelten EL-Nikkor 63mm f/3.5 verwenden zu können ist ein Step Up Ring von 40.5mm auf 52mm . Dieser ist wie der Link zeigt, ebenfalls leicht bei Ebay zu bekommen.
Ach ja eines noch, der Baader U-Filter samt Adapter kommt auf 175 Euro samt Versand per UPS.
Hier der kleine aber sehr feine Filter in all seiner Pracht ;-)
Und hier gleich das erste Bild welches ich mit diesem Filter gemacht habe
Testfoto 01 UV (unbearbeitet mit 1850x1238 pixel)
Testfoto 01 UV (unbearbeitet 100% Crop mit1850x1238 pixel)
Nachdem ich diesen Artikel auf Englisch postete begann lustigerweise ein weltweites Rumoren im Netz über die Echtheit meiner UV Fotos. Es wurde allgemein angezweifelt das es sich bei den von mir gemachten Aufnahmen um "echte" Ultraviolette Fotos handeln könnte. Um ehrlich zu sein bin ich nun, ein paar Tage nach erhalt des Baader U-Filters auf den ich fast ein Monat gewartet habe wieder etwas schlauer und kann dazu folgendes sagen.
Grundsätzlich haben alle Recht wenn sie sagen es handelt sich dabei um kein reines UV Bild denn, wie der Mitarbeiter des Baader Planetariums heute per Email bestätigte.... "macht der Filter sehr wohl über 900nm auf!" Dies bedeutet nun aber auch das man mindestens einen zusätzlichen Schott BG-40 Filter vor oder hinter dem Baader U-Filter benötigt um "echte" UV Aufnahmen machen zu können. Ob diese dann künstlerisch noch verwertbare Bilder zulassen wage ich schwerstens zu bezweifeln, aber dies ist hier ja auch nicht das Thema.
Ich harre nun der Dinge bis mir mein Freund, Herr Akira Sakamoto den fehlenden Filter aus Japan zusendet und werde anschließend weiter testen und euch wieder berichten. Inzwischen bin ich mit der Kombination von Kamera, Objektiv und Baader U-Filter mehr als glücklich und werde damit sicher viele, viele gute Bilder machen.
Hier eine Abendaufnahme mit dieser Kombination
Testfoto 02 UV Nachtaufnahme (unbearbeitet mit 1850x1238 pixel)
Testfoto 02 UV Nachtaufnahme (unbearbeiteter 100% Crop mit 1850x1238 pixel)















